Als drittes nun ein Junge, aber wie soll er heißen?

Liebe Namensfetischisten, -experten und -liebhaber!

Ich lese diese Seite seit Jahren, sie gehört zu meinen liebsten im Netz! Was wäre ein Freitag ohne „Vornamen der Woche“! Heute wende ich mich zum ersten Mal an die debattierfreudige Gemeinschaft – es geht um die Suche nach einem Jungennamen.

Fragende Mutter © Miyuki Omori - fotolia.com
Illustration © Miyuki Omori – fotolia.com

Wir erwarten unser drittes Kind, nach zwei Mädchen wird es diesmal ein Bub. Die Namensgebung fällt uns hier noch schwerer als als die letzten beiden Male. Unser Nachname ist einsilbig, vom o in diesem dominiert und wenig klangvoll. Für die Mädchen haben wir uns deswegen für nicht zu schlichte Namen entschieden:
Frederica Apollonia und Carlotta Elisabeth. (Friederike hat eine lange Tradition in meiner Familie, schien mir aber in seiner klassischen Form zu streng. Deswegen Frederica. Carlotta hat sich am dritten Tag nach der Geburt als Rufname gegen Antonia und Elisabeth durchgesetzt. Elisabeth wird in beiden Familien seit Generationen vergeben.)

Für einen Sohn wünschen wir uns einen weniger langen Namen. Klar und klangvoll sollte er sein, aber nicht majestätisch. Deswegen scheiden – obwohl mein Mann Bayer ist – Leopold, Luitpold, Maximilian, Quirin oder Korbinian etc. aus. Wir wohnen auch nicht in Bayern, sondern im Rhein-Main-Gebiet.
Wichtig bei der Auswahl wäre, dass der Rufname zum Zweitname Richard und zum eventuellen Drittnamen Liborius passt. (Beides Familiennamen, aber vor allem Richard als Zweitname ist ziemlich sicher gesetzt.)

Gestern gefiel uns beiden folgender Namen erstaunlich gut:

  • Lorenz

Und die folgenden wurden bislang von keinem von uns augenrollend abgelehnt:

  • Lutz
  • Arthur
  • Georg

Mein Mann mag auch Wenzel, aufgrund seiner böhmischen Wurzeln. Ich hätte nichts gegen einen Titus. Aber vielleicht bringt Ihr uns noch auf ganz andere Ideen?

Wir sind sehr gespannt und freuen uns auf rege Kommentare.
Herzlichen Dank, Katharina

Und außerdem …

244 Gedanken zu “Als drittes nun ein Junge, aber wie soll er heißen?”

    • Hatten wir eigentlich Arthur hier irgendwann mal “durchgenommen”? Würde doch auch passen…

    • Arthur hatten wir. Auch ein Name auf der Liste. 🙂

      Gustav
      Jasper
      Bruno
      Arthur
      Anton(ín)
      Wenzel
      Johann
      Josef
      Georg
      Lorenz
      Laurens
      Ludwig
      Nepomuk
      Quintin
      Theodor

      Das waren/sind so in etwa die wiederkehrenden Kandidaten der mittleren und jüngeren Vergangenheit.

      PS: Mein Vater plädiert für Ansgar oder Zeno. Meine Mutter hat sich unter anderem für Valentin, Leonhard, Alwin oder Franz ausgesprochen, wäre aber auch mit Bruno oder Jakob sehr, sehr zufrieden. 😉
      Meine Brüder sehen eher einen Hugo, Felix oder Jakob. Oder Baldrian. 😀

    • Baldrian wär super, dann wären alle beruhigt 😀

      oder Balduin, da fällt mir dann der alte Otto-Kalauer über König Baudouin von Belgien wieder ein: König Ich-bau-ihn-nicht-bau-du-ihn

  1. Drei berühmte Gustavs wurden hier noch nicht erwähnt:

    Gustav Mahler. Der ist bis heute bei linksliberalen Kultur-Schwulen mittleren Alters außerordentlich beliebt – sozusagen das feinere Gegenstück zu Marianne Rosenberg. Vermutlich wegen seiner melodramatischen Musik, seines schillernden Fin-de-Siècle-Lebens und seiner Macken. Ein mir bekannter rechter Schwuler hat mal einen höhnischen Artikel darüber geschrieben. Titel: „Guuhustav Mahler! Schalalala!“ (Übrigens war Mahler aus Böhmen gebürtig.)

    Gustave Eiffel. Sozusagen die andere Seite des Gustav-Tums der Belle Epoque. Bis heute für mich ein Rätsel: Die französische Kunst der Klassischen Moderne (Monet, Caillebotte, etwas später Rousseau, dann noch Delaunay) hat eine immense Affinität zur Stahlbrücken, Fabriken, später auch zu Flugzeugen. Während in England, im Mutterland der Industrialisierung, die Präraffaeliten ihre Feen, Nebel-Weibchen und Wasserleichen malen und sich William Blake poetisch (in „Jerusalem“) über Baumwollmühlen beschwert: „And was Jerusalem builded here: Among these dark Satanic mills?“

    Gustave Courbet. Der hat unter anderem den Ursprung der Welt gemalt, was bis heute immer mal wieder Anlaß zu Internet-Mems gibt: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Courbet#/media/File:Origin-of-the-World.jpg

    Alles keine Schweden…

    I will not cease from mental fight [Veit? 😀 ],
    Nor shall my Sword sleep in my hand,
    Till we have built Jerusalem,
    In Englands green and pleasant Land.

    Nette Grüße

    Klaas Klever

    • @Harki:

      In genau dieser Reihenfolge denke auch ich an die berühmten Vorbilder (den mit der Hupe mal außen vor gelassen!).

      Wobei ich erst an Gustav Klimt und dann an Courbet und seinen Zeitgenossen Gustave Flaubert denke.

      Und Gustav Stresemann nicht zu vergessen, immerhin Friedensnobelpreisträger!

    • Klar, Klimt und Flaubert hatte ich vergessen!

      Wobei Klimt bei allen stilistischen Unterschieden mit den Präraffaeliten eines gemeinsam hat: Er ist durch das Internet und vor allem durch seine Beliebtheit beim weiblichen Publikum zu neuen Ehre gekommen. Um es bösartig auszudrücken: Cat Content für die Höheren Stände.

      Andererseits gehörte es in „unsere Zirkeln“ fast zum guten Ton, die semipornographischen Gemälde von William Adolphe Bouguereau gut zu finden – schon um die Feministen zu ärgern. (Das Wort „Feministen“ habe ich vor einigen Monaten von einer antifeministischen Frau aufgeschnappt: Feministen seien ja keine richtigen Frauen und daher würde sie sich weigern, von „Feministinnen“ zu sprechen. 😀 ) Jedenfalls: Es gibt einen bestimmten Menschenschlag, dem es einfach Spaß macht, andere Leute mit seinem kulturellen Geschmack zu ärgern und zu provozieren – der Verfasser dieser Zeilen fühlt sich diesem Menschenschlage zugehörig. 😉

    • @alle
      Ach, dieser Austausch wird mir fehlen – wenn das Kind auf der Welt ist und einen Namen hat!

      Dieses Forum ist wirklich außerordentlich!

      Klimt als Cat Content zu bezeichnen. Tsss, herrlich.

      Und auch sonst: Die intensive Auseinandersetzung mit unserer Namenswahl ist wirklich rührend und die Anregungen und Erkenntnisgewinne meinerseits beachtlich.

      Danke an Euch alle!

    • Katharina und Christian – liebe Bobos! 😉

      Laßt Euch Doch mal wieder hören, wenn Ihr Lust und Zeit habt. Dieser Thread war wirklich mit Abstand der amüsanteste und geistreichste Hilfethread, den ich hier je gelesen habe.

      Lange nicht mehr so gelacht wie gestern abend bei der Namensidee Baldrian! Hatte sofort versucht, eine kleine Story (oder den Plot zu einer Story zu entwickeln): Ein Doppelhaus mit zwei verfeindeten Familien drin. Jeweils Frau, Mann und drei Kinder. Eine Bobo-Familie und eine neurechte. Bei den Bobos heißen die Blagen: Kamilla, Anisette und Baldrian. Bei den Neurechten: Minerva, Undine und Hagen. Man mag sich nicht, achtet einander aber so halbwegs.

      Glück ab! (Gruß und Schlachtruf der deutschen Fallschirmjäger, angelehnt natürlich an das bergmännische „Glück auf!“)

      Yann Nikolaz Gwilherm

    • Auf alle Fälle lassen wir mal wieder was von uns hören. Wenigstens den finalen Namen werden wir Euch nicht vorenthalten!!

      Vielleicht
      Baldrian Balthasar Kohl
      oder
      Mimimi Melchior Kohl…

      Meine Eltern setzen sich jedenfalls konstruktiv mit Gustav auseinander und haben mir einem Link zu einem Pizza-Hersteller geschickt, der sich Gustavo Gusto nennt (die „Marke“ gehört zur Firma Franco Fresco gehört. https://gustavo-gusto.de/)

      Es hat uns mit Euch wirklich sehr viel Spaß gemacht!

    • Noch dazu, wo ich mal für ein Jahr an der Brunel University studiert habe. 🙂

  2. Christian,

    „mit Sauerkraut meine ich, wie dir ja eigentlich durchaus klar ist, den Muff der deutschen 50er und 60er Jahre.“

    Nein, da ich der Gabe der Hellsicht schmerzlich entbehre, war mir das in der Tat nicht ganz so klar, obwohl ich es natürlich ahnen konnte.

    Über das bis zum Erbrechen wiedergekäute Schlagwort von der „Miefigkeit der Adenauerzeit“ ist viel geschrieben worden. Unter anderem gab es da mal vor ca. zwanzig Jahren eine Leserbrief*-Debatte in der FAZ. Da regten sich alte Herrschaften aus der Erlebnisgeneration (sie ist heute tot), die in den 50ern studiert hatte, über den ewigen Topos der Miefigkeit der 50er auf: Nein, das sei nicht so gewesen, es habe gerade an den Unis eine heute (also dem damaligen „heute“ in den 90ern) unvorstellbare geistige Freiheit und Aufbruchstimmung gegeben. Und das habe ich ihnen zumindest partiell auch geglaubt, auch wenn sich natürlich niemand seine eigene Jugend gerne von Nachgeborenen kleinreden läßt.

    Was wird man in dreißig Jahren vom geistigen Klima der 1990er bis 2010er Jahre sagen? Eine Epoche der bleischweren Denk- und Sprachtabus, der Gedanken-Polizeien und linksliberalen Tugendwächter, der holprigen Gendersprache mit ihren Binnen-Is, Sternchen und Unterstrichen, der albernen CSDs und Loveparades. Vielleicht wird man ja auch sagen: „Ben, Philipp Alexander, Kalle, Bosse – das müffelt nach dem Pesto- und Schischa-Mief von 2015.“

    Danke für den Hinweis, daß es das Wort Bobo tatsächlich auch in Deutschland (in diesem Fall also in Österreich) gibt. Ich kannte es nicht und war in einem Chanson der von mir zur Zeit rauf- und runter gehörten südfranzösischen Girlgroup “Les Brigandes” darüber gestolpert:

    https://youtu.be/l9UayOfF204?t=184

    („felouzes“ ist ein nicht unbedingt nur freundlich gemeintes Wort für Algerier, „chochottes“ ist „Waschlappen“. „Gaullistische Verräter“ bezieht sich natürlich originär auf das Umkippen de Gaulles in der Algerien-Frage anfang der 1960er, im weiteren Sinne heißt es „bürgerliche Anpasser“.)

    *) Wohlgemerkt Leserbriefe (im FAZ-Jargon „Briefe an die Herausgeber“), nicht von Praktikantinnen „moderierter“ Kommentarspalten-Dünnpfiff auf faz.net. Wenn man damals einen Leserbrief an die FAZ geschrieben hat, hatte man eine Chance von ca. 5-10 %, daß er gedruckt wird. (Wenn man nicht gerade ein Promi war.) Ich habe im Studium fünf Leserbriefe an die FAZ geschrieben – zwei davon wurden gedruckt. War mächtig stolz. 🙂

  3. Liebe Namensfreunde und -füchse!

    Unser Junge ist da. Er kam am 19.5.19 pünktlich zum errechneten Termin.

    *GUSTAV RICHARD ist sein Name.

    Wir haben uns im Kreißsaal nach der Geburt final für Gustav als Rufnamen entschieden. Und heute morgen für Richard als zweiten Namen. (Damit würdigen wir zwei ehrenwerte Familienmitglieder aus der Familie väterlicherseits.)

    Für längere Zeit war Nepomuk als zweiter Name an Richard vorbei gezogen. Auch er hätte der böhmischen Wurzeln meines Mannes bedacht. Aber nun trägt der kleine Mann mit Richard unter anderem den Namen seines Uropas, der seine Heimat verlassen hat. Damit erübrigt sich Nepomuk.

    Wir bedanken uns bei Euch allen für die Unterstützung, Einordnung und Horizonterweiterung in den letzten Wochen und Monaten.

    Schade, dass wir mit der Familienplanung nun fertig sind.
    Diesem Forum werde ich dennoch treu bleiben!

    Allen eine gute Woche! Dieser Blog ist wirklich einzigartig und unerreicht.

    • Oh, wie schön! Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für Euch fünf!!!

      Der 19.5. war vor 11 Jahren auch der errechnete Geburtstermin meiner Tochter 🙂 (die allerdings ihren eigenen Kopf hatte und schon als Fischchen zur Welt kam).

    • Herzlichen Glückwunsch, alle gute für den kleinen Gustav und vielen Dank für die “sofortige” Rückmeldung, fast noch aus dem Kreißsaal 😀

    • Herzlichen Glückwunsch zum Baby und zum schönen Vornamen!

      Ich bin auch sehr beeindruckt von der Resonanz, die Euer Hilfegesuch hier erzeugt hat – mehr als 200 Antworten. Ehrlich gesagt war ich zunächst dagegen, hier im Blog eine solche Rubrik einzurichten. Es gibt doch anderswo schon genügend Vornamensforen – so dachte ich. Aber durch den stetigen Strom von Anregungen, Vorschlägen und Forderungen per Kommentar und E-Mail ließ ich mich erweichen und richtete diese Hilfe-Rubrik ein. Liebe BlogleserInnen, der Erfolg gibt Euch recht, ich hatte mich geirrt.

    • Danke Euch! 🙂

      Wie lustig @Annemarie, dass wir den gleichen Termin hatten. Dass der kleine Knabe pünktlich kommt, hatte ich irgendwie im Gefühl. Die Große kam genau eine Woche zu spät, die kleine genau eine Woche zu früh. Es „musste“ also diesmal ein pünktliches Kind werden. 😉

      @Knud:
      Die Art und Weise auf der hier Diskussionen über Namen geführt werden, habe ich in keinem anderen Forum erlebt. Da mischt sich eine angenehme Portion individuellen Geschmacks, gepaart mit geballtem Wissen und unerschöpflicher „Namenslust“. Als werdende Eltern mit dieser Truppe hier in Austausch zu treten ist eine echte Bereicherung und sehr viel mehr als das Meinungsbad, das man in anderen Foren nehmen kann!

      Daneben ist aber natürlich auch die Fülle und Güte der Seite, mit all ihren Informationen, Rankings und Statistiken der perfekte Background um überhaupt eine sinnhafte Diskussion zu führen. Mit anderen Worten: Für Namensuchende, denen diese schöne Aufgabe echte Freude bereitet, ist beliebte-vornamen.de fast sowas wie der Fund des Heiligen Grals. 😉

      Danke dafür!

  4. Liebe Katharina, lieber Christian,

    auch von uns herzlichen Glückwunsch zur Geburt eures Sohnes! Eine schöne Familienzeit zu fünft wünschen wir euch!
    Das Datum gefällt uns. Vielleicht schaffen wir den 19.6.19.
    Alles Liebe und ein schönes Leben für Gustav,
    Juni-Eltern

  5. Auch von mir, dem Vater, herzlichen Dank an euch alle! Es hat außerordentlich viel Spaß gemacht, mit euch zu diskutieren. Das hier ist das einzige Forum auf der Welt, in dem man sich vernünftig und respektvoll unterhält und keiner pöbelt. Wir bleiben dabei!

    • Vielen Dank für alle Euren lieben Glückwünsche!

      Und liebe Juni-Eltern: Der 19.6.19 wäre mindestens genauso schön! Die Wahl Eures Namens und den Weg dahin verfolgen wir sehr gerne. ;-)l

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