Namenskette: Sieben Frauen & Hans

ULLAELLAELSAELNAANNEANNAHANAHANS

Ein bisschen altbacken, ein bisschen Aufreger und viel Eiskönigin: so sieht die Namenskette aus, die ich heute – ohne besonderen Anlass – aufgefädelt habe. Und die wieder mal beweist, was ein Buchstabe schon bewirken kann. Viel Spaß beim Lesen!

1. Überraschende Ulla

Ich war ganz schön verblüfft, als meine Tochter mir von einem etwa gleichaltrigen Mädchen berichtete, das Ulla heißt. Noch mehr out kann ein Name heute kaum sein. Allerdings findet mein Kind diese Kurzform von Ursula, Ulrike oder Hulda, die mir im Umfeld meiner Mutter ebenso begegnet wie in Skandi-Krimis, nicht halb so bemerkenswert wie ich.

2. Etablierte Ella

Tausche dumpfes U gegen helles E – und ab geht’s in die Top Twenty: Auch Ella (Platz 19) ist eine Kurzform und deshalb in Sachen Bedeutung mehrdeutig, rückführbar etwa auf Elisabeth, Eleonore oder Elfriede. Auf mich wirkt Ella sehr feminin, schon wegen der Nähe zu dem französischen Personalpronomen und des Songs „Ella, elle l’a“ (1987). Die 2018 verstorbene France Gall (in den 60ern für Hits wie „Zwei Apfelsinen im Haar“ verantwortlich) widmete ihr Lied Jazz-Sängerin Ella Fitzgerald, besingt aber recht allgemein eine Dame mit dem „gewissen Etwas“.

3. Eisige Elsa

Elsa hat es nicht ganz leicht: Zwar ist sie keine Kuh mehr, die Erinnerung an den Hallervorden-Sketch (1977) wird aber überlagert vom Disney-Märchen „Die Eiskönigin“, das – uneinholbar in puncto Merchandising – seit fünf Jahren Kindergartengirlies verzaubert. Ob das nun störend ist oder nicht, darüber herrscht Uneinigkeit, jedenfalls erreichte der Name zuletzt Platz 137. In meinen Augen ist das „Hänselpotenzial“ bei dieser Elisabeth-Kurzform gering. Im Zweifel einfach mal den Film schauen: Da gibt es ein starkes Mädchen zu sehen, das nicht auf einen Prinzen wartet. Weihnachten 2019 soll übrigens Teil zwei in die Kinos kommen.

4. Exklusive Elna

Elna kann man wohl als Rarität bezeichnen. Zugegeben: Ich brauche sie hier vor allem als Zwischenschritt. Aber hübsch finde ich diese schwedische und norwegische Form von Eleonora oder Helena auch. Sie könnte allerdings für eine vernuschelte Elena (Platz 61) gehalten werden – oder für eine verschnupfte Elsa.

5. Anmutige Anne

Jetzt also mein (Kurz-)Name: Ich fand es als Kind toll, dass ich hieß wie das Mädchen-Mädchen von den „Fünf Freunden“ oder die Tochter der Queen. Vom Schicksal der Anne Frank erfuhr ich dann später. Heute steht dieser recht zeitlose Name, eine Anna-Variante („Die Anmutige“), auf Platz 202. Am ehesten begegnet man im Zusammenhang mit Anne noch dem Vorwurf, dass türkische Kinder nach ihrer „anne“ (Mama) rufen. Na und?

6. Allgegenwärtige Anna

„Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken …“ Der 1997er-Song von Freundeskreis über einen weiblichen Hip-Hop-Fan fällt mir hier zuerst ein: „Du bist von hinten wie von vorne A-N-N-A“. Aber natürlich gibt es unzählige Annas, an die man denken könnte, angefangen bei Jesus’ Großmutter. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass bei Anna niemand mit der „Eiskönigin“ ankommt, obwohl die Figur der Anna den Film ebenso prägt wie ihre Schwester Elsa. Mit Platz 7 in der deutschen Mädchennamen-Hitliste schlägt Anna nicht nur Elsa locker aus dem Feld.

7. Hübsche Hana

Ein japanischer Name, der Blume bedeutet? Oder eine andere (tschechische) Schreibweise der superbeliebten (Platz 2) Hanna? Kommt vermutlich auf die Aussprache an. Das immer mal wieder in den Medien auftauchende Model Hana Nitsche war jedenfalls vor elf Jahren eins von Heidis „Meedchen“ bei GNTM.

8. Herausfordernder Hans

„Euer Ernst …?!“ Mit Hans als Favoriten kann man das Publikum in gewissen Namensforen fast noch mehr in Rage bringen als mit Fritz. So selten ist diese Johannes-Kurzform aber gar nicht: immerhin Platz 237 (Fritz hat es schon in die Top-100 geschafft). Ich finde: Was Paul, Theo und Karl können, kann Hans schon lange. Mir gefällt auch, dass der Name in vielen Märchen und Volksliedern vorkommt. Bloß einen (Bindestrich-)Zweitnamen würde ich meiden, dazu hat man noch zu viele ältliche Kombinationen à la Hans-Jürgen, Hans-Günther, Hans-Georg und Hans-Peter im Ohr. Achtung: Im „Eiskönigin“-Film gibt es einen Hans, der sich leider als falscher Fuffziger entpuppt. Ob das (Wortspiel-Alarm!) zum Hänseln reicht?

Und außerdem …

35 Gedanken zu “Namenskette: Sieben Frauen & Hans”

  1. Von Ulla bin ich sofort bei der „Ulla Winblad“ von Carl Michael Bellman.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Ulla_Winblad

    Mag keine Schweden-Krimis, aber einige (!) skandinavische Autoren mag ich sehr. Und gerade Bellman ist für mich die Verkörperung des heißgeliebten Rokokos – als man auch in Skandinavien noch zu leben wußte.

    Auf japanisch ist der Vorname aber Hanako, also „Blümchen“. Das soll aber heute in Japan wie Gertrud, Elfriede oder Barbara auf deutsch klingen 😀 – so hat uns das jedenfalls unsere Japanisch-Lehrerin erzählt. Hana habe ich als japanischen Vornamen noch nie gehört…

    Dieser japanische Namens-Diminutiv auf -ko ist witzig: Es sind entweder die Namen von Frauen oder von Haustieren. Ist nun mal so. Ungezählte Frauennamen enden auf -ko, aber auch der des berühmten treuen Hundes Hachiko. Wörtlich: „Die kleine Acht“ – weil es der achte Hund seines Besitzers war.

    • Lustig: Ich habe an die (Neben-)Figur der Ulla Bellmann (!) aus den Harry-Hole-Büchern von Jo Nesbø gedacht.

      @Japanische Namen: Mariko ist mir mal begegnet (zuerst in “Shogun” mit Richard Chamberlain), klingt bei uns aber leider nach Junge.

    • Also, wenn der Autor (also Jo Nesbø) aus Skandinavien kommt, ist der Name Ulla Bellman mit absoluter Sicherheit eine Anspielung. Jedes Kind kennt da Carl Michael Bellman und seine Ulla Winblad…

      Hannes Wader hat mitte der 90er (teils gemeinsam mit Klaus Hoffmann und Reinhard Mey) eine CD mit Bellman-Liedern in deutscher Sprache aufgenommen: „Liebe, Schnaps, Tod“. Mein Lieblingslied daraus: „Weile an dieser Quelle“ (da kommt die Ulla W. auch drin vor), ferner „Das Nota Bene“. (Findet man auf Youtube.)

      Meine Japanischlehrerin war eine faszinierende, kluge Frau und sehr gute Lehrerin mittleren Alters. Eine nette Kommilitonin von mir hat bei der richtig gut Japanisch gelernt. Im Gegensatz zu mir, ich war zu faul. Die Lehrerin war Japanerin, verheiratet mit einem deutschen Jura-Prof. Sie hat sich oft über das japanische Frauenbild lustig gemacht: „Na, ich könnte da nicht mehr leben.“ Als Deutscher hat man ja auch so seine Erfahrungen mit einem gespaltenen Verhältnis zu seinem Vaterland. Und diese Lehrerin hatte halt besonders den Namen Hanako auf dem Kieker. Sie konnte „Hanako San“* nie aussprechen ohne zumindest einen leisen Anflug von Ironie in der Stimme.

      *) Das nachstellte „San“ ist die übliche Respekts-Anrede. Herr, Frau, Fräulein zugleich, geht mir Vor- und auch mit Nachnamen. Ich war im Unterricht „Bähre San“. 🙂

    • “Liebe, Schnaps, Tod …” da weckst du Erinnerungen.
      Meine Eltern hatten/haben diese CD und als Heranwachsende liebte ich sie, hörte sie rauf und runter. Diese Vorliebe konnte ich mit niemandem in meinem Alter teilen 😉
      Schade …

      Ich kenne den Mädchennamen Akiko. 😉

      Wenke

    • Marhaban ya Wenke,

      ha! Ich hab die CD heute abend mehrmals wieder gehört! Sie ist nach meiner Kenntnis und Ansicht die schönste von Hannes Wader. Da die Texte nicht von ihm sind, haben sie eben auch nicht (den ansonsten von mir so sehr geschätzen!) schnodderig-sarkastischen Wader-Humor. Meine Liebe zur deutschen Liedermacherkultur wurde übrigens auch durch die Plattensammlung meiner Mutter geweckt.

      Es ehrt Dich sehr, das schon als Heranwachsende gehört zu haben. 🙂 Tja, daß Du damit in Deiner Generation keine Geschmacksgenossen gefunden hast, wundert mich nicht. Ich schon in meiner nicht. 😀

      Mittlerweile paßt es leider, leider zu meiner Generation:

      „Ich fühl’ der Jahre Schwere,
      Bin nicht so jung, wie ich gern wäre.
      Charon auf seiner Fähre,
      Sein Anblick ist mir wohlvertraut.
      […]
      Ulla, sei ohne Klagen zum letzten Male meine Braut.“

      :-/

      Und Wader ist vor einigen Monaten 75 geworden.

      Bei Elsa kommt man in meiner Generation schwer von der Löwin Joy Adamsons weg. „Frei geboren“. Gab’s in meiner Kindheit als sehr beliebte FS-Serie. Geburtsname: Friederike Victoria. (Also Geburtsname der Autorin, nicht der Löwin.)

      Ist hier eigentlich schonmal eine kleine Erna aufgetaucht?

  2. Ich mag alle Namen, nur Hana nicht so sehr (Hannah/Hanna mag ich, spreche diese Namen eben unterschiedlich aus).
    Hans höre ich hier ab und zu, Hans Jakob fand ich eine schöne Kombi. In Österreich begegnete mir ein Hans in meinem Alter, das war selbst da ungewöhnlich. Ebenso ein Hans Jakob.
    Fritz ist viel häufiger (und zur Zeit Lotte).
    Mal sehen, ob Hans so beliebt wird wie Carl, Johann und Emil.
    In Elsa sehe ich, wie du, keine große Hänselgefahr (auch nicht in allen anderen Namen). Ich kenne ausschließlich kleine Mädchen diesen Namens. Moment … meine Hebamme erzählte von ihren Teenager-Cousinen namens Anna und Elsa (Schwestern!).
    (Zwei Töchter meiner Kollegin heißen Lily und Fee, Jahre später erschien dann diese Trickfilmfigur …)
    Eine Ulla in meiner Generation kenne ich, der Name ist sehr selten.
    Anne ist extrem häufig in meinem Jahrgang und drumherum. Und sehr schön. Ich kenne nur wenige jüngere Annes oder Babys, das wurde irgendwann abgelöst von Anna (ist aber auch nicht so häufig, finde ich).
    Ella ist hier im Trend, gern die Schwester von Fritz.

    Hana und Elna sind mir bisher nicht begegnet.

    Wenke

  3. Nebenbei:

    Die 2018 verstorbene France Gall

    Ach je, das hatte ich nicht mitbekommen. 🙁 War nie ein großer Fan (ihre Stimme war mir etwas zu piepsig), hab sie aber immer ganz gerne gehört.

    France – also eben nicht Françoise – ist schon ein ein ultrapatriotischer Vorname wie Italia unter Mussolini. France war aber der Künstlername der Gall.

    Hingegen bin ich ein großer Bewunderer von Françoise Hardy – eine Frau, die mit 17 hinreißend schön ist und mit 70 immer noch was hermacht. Das gibt es ganz, ganz selten. Eine der schönsten Frauen des 20. Jahrhunderts.

    Kennt jemand das Lied „Le France“ von Michel Sardou? Es geht darin um das schmachvolle Ende des wunderschönen und stolzen Schiffs France. Gemeinsam mit der ein paar Jahrzehnte älteren „Kaiser Wilhelm der Große“ war die „France“ vielleicht der schönste Ozean-Liner, der je gebaut wurde. Komisches Phänomen: Schiffsnamen sind auf französisch immer männlich („le Jeanne d’Arc“), auf deutsch immer weiblich („die Bismarck“).

    Männer sollten eigentlich nur Gott und Frauen verehren. Aber Pferde, Waffen und Schiffe haben auch ihren Reiz.

    Früher hatten auch Schwerter Namen (Balmung, Excalibur…) – ein trüber Rest davon in meiner Generation war, daß viele Bundeswehr-Soldaten ihren MP3-Gewehren (übrigens exzellente Gewehre) Namen gegeben haben. Meistens und ganz besonders einfallsreich dann nach ihren Real-Life-Freundinnen. 😀 Ein alter Freund von mir, der beim Bund war, mußte sich dem beauernd entziehen, weil er homosexuell war. Ich zu ihm dann mal (vor anderen Leuten): „Hättste halt entweder Zivi werden wie ich oder Deine Knarre ‚Marianne Rosenberg‘ nennen sollen.“ Gelächter. 🙂

    Herren unter sich: Kleine Lapsus können zu jahrzehntelangen Zerwürfnissen führen – grobe Zoten, solange sie witzig sind, schweißen zusammen. Manieren sind eine Kunst.

    Ja, ich weiß, das war jetzt mal wieder Jan-Sound bis zum Überdruß. 😀

    • Knud, sehr interessanter Artikel, ich kannte ihn noch nicht. Herzlichen Dank für den Hinweis! 🙂

      Nur eben: Auf französisch sind Schiffsnamen umgekehrt immer männlich.

      In der deutschen Kriegsmarine gibt es ja die Tradition, Schiffe nach Städten oder nach Provinzen/Regionen/Landschaften zu benennen. Der Hauptgrund war vielleicht ursprünglich, daß man auch die Binnenländer für das Flottenbauprogramm der 1890er Jahre begeistern wollte? In der kaiserlichen Hochseeflotte gab es auch eine „SMS Hannover“. 😉 Sie war 1916 im Skagerrak dabei.

      Und nur die stolzesten und schönsten Schiffe einer Nation (ob nun zivil oder militärisch) dürfen nach der Nation selbst benannt werden: die France, die United States, die Deutschland, die España. 🙂

      Auf englisch übrigens wird das „she“ normalerweise auch für Nationen selbst verwendet: „Scotland lost most of her bravest men in two great rebellions.“ (Nach Thomson/Martinet: A Practical English Grammar, S. 24.) Ich halte das für eine schöne sprachliche Geste: Zwar sollen wir die Nationen nicht verehren wie Gott oder die Frauen, aber wir sollen sie achten. Auch feindliche Nationen.

      Gender ohne Ende! 😀

    • Eine Sache scheint mir noch wichtig: Auch die Flugzeuge der Lufthansa und die ICEs der Deutschen Bahn haben ja Namen – in der Regel ebenfalls Städte- oder Regionsnamen. Das dürfte wohl aus der Marine übernommen worden sein.

      In der Praxis fallen diese Namen aber weniger auf: in der Zivilluftfahrt spielt die Flugnummer eine größere Rolle, eigentlich sogar die Kennung des Flugzeugs. Nur die Landshut, die kennt in meiner Generation jeder – halt wegen ihrer verabscheuungswürdigen Entführung 1977 und ihrer heldenhaften Befreiung durch die GSG 9 in Mogadischu.

      Und ein Eisenbahnzug wird gar nicht mehr als Wesen, als „Persönlichkeit“ empfunden wie eben ein Schiff. Klar, ein Zug ist eine „Aneinanderreihung“.

      Und ob es angesichts der Dauerpannen der ICEs für eine Stadt eine Ehre oder eine Schande ist, wenn ein ICE nach ihr benannt wird, sei mal dahingestellt. 0,5 cm Neuschnee, ein bißchen starker Wind im Herbst oder eine sommerliche Gewitterfront – und in der BRD bricht das Fernzugnetz zusammen. Uah! Schande. Demnächst werde es noch die ersten Krokusse im Frühling schaffen, die ICEs lahmzulegen.

      Ein gebraucht gekauftes Fahrrad von mir hieß mal Petra. Grund: Ausweislich eines Händler-Aufklebers war es zuerst in einer Stadt im Emsland verkauft worden – und aus dieser Stadt kam auch eine Exfreundin von mir namens Petra. :o) Die Masche, unseren Fahrrädern Namen zu geben, hatte ich mir mit einer anderen Exfreundin ausgeknobelt. Natürlich waren das bei ihren Damenrädern dann Jungsnamen und bei meinen Herrenrädern Mädchennamen. Unvermeidlich, wa?

      In alternder Frische

      D-JANK

    • „Männer sollten eigentlich nur Gott und Frauen verehren. Aber Pferde, Waffen und Schiffe haben auch ihren Reiz.“

      Ich sollte mich hier ja etwas zurückhalten, aber das hier kann ich mir wirklich nicht verkneifen. Ich habe gerade bei einer Flasche Wein im Koran geblättert und das hier gefunden, es ist ein schönes und kluges Zitat:

      „Verschönt ist den Menschen die Liebe zu den Begehrten, Frauen und Kindern und aufgespeicherten Haufen von Gold und Silber und wohlgezüchteten Pferden und Viehherden und Ackerfrucht. Das ist die Versorgung für dieses Leben; doch Allah ist es, bei Dem die schönste Heimstatt ist.“

      Sure 3, Vers 14

      Der Prophet hat Pferde, Frauen und Katzen gemocht, Hunde hingegen verabscheut. Sehr sympathisch. Die edelsten aller Pferde, unübertroffen in Schönheit, Zähigkeit, Schnelligkeit und Ausdauer, sind bekanntlich die Araber, die auf die fünf Pferde des Propheten zurückgehen sollen. (Frauen hatte er insgesamt gar zehn.)

      Ich würde die Frauen aber doch neben Gott und sogar noch über die Pferde stellen. Rinder, also die Viehherden, sind aber auch toll! Und Falken!

      Über den Nutzen des materiellen Wohlstandes und der Ackerfrucht kann kaum ein Zweifel bestehen. Und als echter Niedersachse hat man sich für die Landwirtschaft zu interessieren.

      Knien sollte ein Mann aber nur vor Gott und Frauen.

      Ich hoffe, alle mitlesenden Christen hatten einen schöne Ersten Advent und alle Juden haben einen schönen ersten Chanukka-Tag. Gebietet doch der Islam Duldsamkeit und Achtung gegenüber Christen und Juden.

  4. Hatte eine Klassenkameradin namens Ulla, das fiel niemand groß auf, obwohl der Name in meiner Generation schon selten war. Es ist ja auch von seiner kurzen, knappen, auf A-endenden Form her kein superauffälliger Name. Insofern auch wenig Hänselpotenzial. Finde ihn schön. Aber Vollformen a la Ulrike finde ich noch besser.

    Hans–da würde ich mich über eine Wiederbelebung freuen. Der deutsche Traditionsname schlechthin. Auch ich würde hier Kombinamen wie Hanspeter und Hansjürgen vermeiden. Der Name ist für sich allein doch schön, nicht einfach als Präfix für etwas weiteres. Gerade weil der Name von einer ganzen Generation nur als Präfix betrachtet wurde, wäre es schön, ihn ganz für sich vergeben zu sehen.

    Anne und Anna–ich mag beide Formen des Namens. Selber vergeben würde ich Anna. Wäre unser Sohn Stefan Peter ein Mädchen gewesen, hieße er Anna Maria Hildegard.

    Elna und Hana sind für mich im Deutschen zu befremdend–lieber Ella, Elsa oder Hanna.

  5. Ulla finde ich wunderschön, früher hörte man das öfter, aber es passt wieder in die Zeit. Habe zwei liebe Freundinnen mit dem Namen. Anna und Anne mag ich sehr, unsere Tochter heißt Anna. Hans mag ich auch, heute seltener, aber klassisch schlicht. Gefahr ist Hansi, da müssen Eltern gegensteuern. Hatte einen Onkel, Kinderarzt, unglaublich sympathisch und kompetent Hans Otto. Das passt heute wieder.

  6. Was Hans angeht, stimme ich weitgehend Mark zu. Der Witz ist aber, daß diese Hans-Kombinationen (sei es als Kompositum, sei es als Bindestrichnamen) eben keine Phänomene unsere Tage sind wie die heute allgegenwärtigen Ausknobel-Kombis. Mein verehrter Lehrer, er ist heute mitte siebzig, hat einen Hans-Bindestrich-Namen. Ein weiterer Prof von mir, heute siebzig, hatte eine ähnliche, sehr hannöversch klingende Konstruktion als Vornamen. (Er hat u.a. eine schöne Monographie über die Welfen geschrieben.) Der Schauspieler Hansjörg Felmy wäre heute 87 Jahre alt. Hans-Joachim Kulenkampff, Jahrgang 1921.

    Man kann das fast schon als traditionell empfinden. Es hat irgendwie nicht dieses Odeur von „Muddern knobelt sich was aus, was ‚schön und individuell‘ klingen soll und auch noch für alle Lebenslagen und Karriere-Stufen taugt“ wie die meisten Kombis in den BdW hier.

    Andererseits hatte Hans allein früher vielleicht auch noch den Beigeschmack eines etwas albernen Kosename, so wie heute Hannes, Niklas oder Matthes. Man denke an Hänschen klein, Hans im Glück, Hanswurst, Hans Dampf in allen Gassen, Hans Guck in die Luft.

    Aber:

    „Vor Madrid im Schützengraben
    In der Stunde der Gefahr
    Mit den Interkampfbrigaden,
    Sein Herz voll Haß geladen,
    Stand Hans, der Kommissar.“

    Zur Melodie von „Ich hatt’ einen Kameraden“ – ich mag das Lied seit Jugendtagen. Ein äußerst hartes Kommunistenlied.

    Es bezieht sich auf Hans Beimler, den Politkommissar der XI. Internationalen Brigade in der Schlacht um Madrid 1936. Dort gefallen. Zuvor war ihm die Flucht aus dem KZ Dachau geglückt: Er, „der Beimler Hans aus München“ (so nennt er sich selbst in einem autobiographischen Aufsatz), hatte mit bloßen Händen einen Wachmann erwürgt, um sich dessen Uniform anziehen zu können und so zu entwischen. In der DDR hieß das 1. Mot-Schützenregiment, eine Elitetruppe, „Hans Beimler“. Im Rahmen der vormilitärischen Ausbildung von Schülern gab es die Hans-Beimler-Wettkämpfe. Schöner, heldenhafter und maskuliner geht’s nimmer. Und dennoch: Mit Papiernamen hieß Beimler gutkatholisch Johannes Baptist.

    (Nein, ich hatte keine Exfreundin namens Hans. 😀 )

    Hans Niklas Willy

    • Mein Vater heißt Hans, nein das ist nicht ganz richtig, offiziell heißt er Johannes. Aber Hans ist sein Rufname. Da aber sein Vater ebenfalls Hans (Johannes) hieß, wurde er als Kind immer Hansi genannt (seine Geschwister nennen ihn immer noch so). Sein Rufname als Erwachsener ist aber Hans, das konnte er durchsetzen.

      In der Generation meines Vaters (40er Jahre) gab es aber jede Menge, die Hans-Peter, Hans-Josef, Hans-Dieter usw. hießen. Es werden immer beide Namen gerufen.
      Stimme dir zu, Jan, es hat sich niemand über Bindestriche aufgeregt. (Sicherlich gab es auch die Schreibweisen ohne Bindestrich.) Aber Hans-Peter, Hans-Josef, Franz-Josef, Karl-Josef und natürlich auch Karl-Heinz sind typische Doppelnamen aus der Generation meiner Eltern.

    • In meiner Kindheit gab es eine blonde TV-Moderatorin namens Hansi, vielleicht vom Ferienprogramm? Hat mich sehr verwundert.

      Mein Vater heißt übrigens Hans-Georg Ferdinand, wurde aber nie Hansi genannt 🙂

    • Annemarie
      Du meinst Hansi Fischer. An das Ferienprogramm kann ich mich auch noch erinnern. Aber Hansi war doch bestimmt nur der Rufname für eine Johanna oder Hanna.

  7. Hansi habe ich aber auch schon in mindestens einem Namensbuch als weiblichen Vornamen gesehen. An die Moderatorin kann ich mich auch erinnern.

  8. Beispiel für eine weibl. Hansi: Hansi Jochmann, die Pfarrerköchin “Roßhauptnerin” in der Fernsehserie von “Pfarrer Braun” mit Ottfried Fischer

    • Mein Mann hat das absolute Gehör (was er bestreitet) und hat prompt rausgehört, dass eben diese Hassi Jochmann die Off – Stimme bei “Aktenzeichen XY” ist. Unglaublich.

    • Über die Roßhauptnerin und den bairischen Brauch, verheiratete Frauen mit ihrem Nachnamen plus -in anzusprechen hatten wir ja schonmal gelabert.

      Ferner gab es hier mal einen ganzen Eintrag zu dem süddeutschen Brauch, dem Vornamen einen Artikel voranzustellen („Hast Du in der Schule wieder Ärger mit der Mathilda?“), und zu dem norddeutschen Brauch, das eben meistens nicht zu tun.

      Ich frage mich gerade: Gab es hier schonmal was zu der bairischen und österreichischen Sitte, Namen in dieser Form zu verwenden: „der [Nachname] [Vorname]“? Den Beimler Hans hatte ich ja oben erwähnt. „Der Haider Jörg“ hieß es mal in einer Karikatur seines Lieblingsfeindes vom Manfred Deix. (Der Deix Manfred ist 2016 gestorben, lese ich gerade. Sehr bedauerlich.)

      Übrigens hatte ich so zwischen 12 und 14 mal einen Mitschüler namens Hans. Der Vorname war damals bei uns extrem altmodisch und selten, aber nie Grund zu den heute wohl so gefürchteten – Hänseleien. Kinder können fair sein. 😀

      Dieser Hans war ein feiner, freundlicher Kerl und ein charmanter Hallodri mit der genau richtigen kleinen Beimengung von Melancholie. (Monolithische Persönlichkeiten sind langweilig, kleine Widersprüchlichkeiten machen einen Menschen erst interessant.) Hans und ich waren befreundet; er hat mir die ersten Griffe auf der Gitarre beigebracht.

      Hans kam mal in einem der damals sehr seltenen getragenen Holzfällerhemden zur Schule. Auf etwas befremdete Blicke hat er souverän grinsend reagiert: „Tja, lieber großkariert als kleinkariert!“ Ich schätze diesen Schnack bis heute und verwende ihn gelegentlich. Niemand hätte den wegen seines Namens gehänselt, obwohl er vermutlich der einzige Träger dieses damaligen Opa-Namens meiner Generation im Umkreis von mindestens 30 km war. Hans wurde nicht gehänselt.

      Meine alte These: Vornamen sind nie die Ursache von Hänseleien, sondern maximal ihr Aufhänger. Es kömpt auf die Persönlichkeit des Trägers an.

    • “Ich frage mich gerade: Gab es hier schonmal was zu der bairischen und österreichischen Sitte, Namen in dieser Form zu verwenden: „der [Nachname] [Vorname]“? Den Beimler Hans hatte ich ja oben erwähnt.”

      ja, hatten wir. Aber leider weiß ich nicht mehr, wann.

    • Nicht nur bairisch/österreichisch. Aus Südwestfalen kenne ich das auch.
      Lück’s Margret (die ich nir kennengelernt habe) werden ich trotzdem nie wieder aus dem Kopf bekommen. Aber bitte IMMER mit Genitiv.

    • Diesen westfälischen Brauch hatte Mareike hier auch schonmal erläutert. Aber in Süddeutschland (eben in Bayern und Österreich) wird das eben *ohne* Genitiv-s, dafür aber mit Artikel gesagt. Eben nicht „Beimlers Hans“, sondern „der Beimler Hans“.

      (Genitiv-s übrigens bitte, zu Ehren der deutschen Sprache, ohne Deppen-Apostroph.)

    • Leonie,

      ah, danke, das war mir neu!

      Es war aber auch einfach ein Flüchtigkeitsfehler von mir heute mittag, 12:56.

      Zuvor hatte ich ja noch ganz brav und mit Bedacht „bairisch“ geschrieben, und eben nicht „in Bayern“ – und zwar unter anderem und vor allen Dingen, weil ich mir nicht sicher war, wie das im (Main-)Fränkischen gehandhabt wird.

      Sieh es einem armen Nordlicht bitte freundlichst nach! Gerade das Verhältnis zwischen Baiern und Franken und ihren Dialekten ist für uns schwer zu durchschauen.

      Ach, Deutschland mit seinen Regionalismen – es ist schon herrlich! 🙂 Auch im Plattdeutschen und in den norddeutschen Akzenten gibt/gab es sooo viele regionale Unterschiede.

  9. Selbstgebastelte Mädchen-Vornamen auf -e scheinen ja in Norddeutschland immer noch en vogue zu sein. Wie wär’s denn mal mit Hure? „Das ist die friesische Form von Heidrun.“

    Hure Kowalski aus Aurich – das hätte doch mal was.

  10. Ich hatte eine Musiklehrerin nsmens Hansi. Die hieß wirklich so!
    Wenn ein Johannes Hans genannt wird, tut es mir immer leid um den eingetrsgenen Namen. Das ist auch eher süddfeutsch, finde ich.
    Hans empfinde ich als so eigenständig ubd wirkt gänzlich anders als Johannes. Ich mag beide Namen sehr gern.

  11. Zu Hans, wir hatten in unsere Klasse einen Hans-Joachim, von der ersten Klasse an Hansi….nun hatten wir 50Jahre-Abitur-Feier. Wie schallte es von allen Seiten? Hansi ! Er hat dann erklärt, dass er es im Studium geschafft hat, für sich den Namen Achim durchzusetzen. Für uns war es Hansi geblieben.

    • Wimu,

      solche Veteranen-Veranstaltungen (Abi-Jahrgangstreffen, Treffen von alten Zivi-Kollegen oder Bundeswehr-Kameraden etc.) schwelgen aber auch immer und vor allem in Nostalgie. Und dazu gehören dann eben auch die Spitz- und Kosenamen aus den guten alten Tagen, auch wenn diese Spitznamen ansonsten seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet werden. Man beschwört die alten Tage herauf, fühlt sich wieder ein bißchen jünger und macht gleichzeitig deutlich, daß man „dazugehört hat“.

      Das scheint mir übrigens eine Funktion von Spitznamen, die hier erstaunlich selten zur Sprache kommt: Sie sind eben oft weder eine Hänselei noch sind sie zärtlich gemeint – mindestens ebenso oft schaffen sie eine „Ingroup“. Wer sie kennt und verwenden darf (!), der gehört dazu. Ein bißchen wie mit den Adels-Spitznamen der Butzi-Kiki-Mimi-Namenskultur oder auch den Ganovennamen im Rotlichtmilieu. Weiß Gott nicht jeder darf den Frank Hanebuth (ein Volksheld hier in Hannover) mit „Langer“ ansprechen. Und wenn man sich früher in IT-Jobs mit dem Internet-Nick angesprochen hat, war das auch grundsätzlich respektvoll gemeint – und eben weder besonders freundlich noch gar despektierlich. Es sollte ausdrücken: „Du bist einer von uns. Und ich auch.“

      Auch daher meine ich, daß die Panik der neudeutschen Foren-Muddern vor „Entstellungen“ ihrer Namenskreationen völlig albern ist.

      lg

      Harki

  12. Elsa geht(Eisprinzessin)
    Else geht nicht. dabei sind doch die Namen auf e jetzt so modern. Luise, Helene, Mathilde.
    wie kann das sein?
    Elsa-Else-Elke-Helke-Helge-Helga-Elsa. so.

    • Also, in meiner Generation und Region wäre Else vollends unmöglich gewesen, weil das ein Slangwort für „prollige und dumme Freundin“ war, durch das auch immer auch der Freund gleichsam mit-diskreditiert werden sollte. Etwa so: „Oh nein, da kommt Jörg mit seiner Else!“. Auch wenn die Else in Wirklichkeit Sabine, Andrea oder Tanja hieß. Weiß nicht, ob es das noch gibt.

      Elke klingt ähnlich charmant. 😀 (Auf afrikaans bedeutet „elke“ übrigens „jeder/jede/jedes“.)

      Kann sogar sein, daß das sprachpsychologisch mit dem alten Ganovenwort „Ische“ für „Frau“ zusammenhängt. Und „Ische“ seinerseits kommt vom hebräischen Wort „iSCHA“ für Frau. So wie „Mischpacha(t|h)“, von dem unser „Mischpoche“ kommt, einfach „Familie“ bedeutet.

      Meine polnische Exfreundin hat den Namen Natascha in ähnlich liebevoller Funktion verwendet, und zwar zur höhnischen Abwertung russischer Frauen. Gerade dann, wenn sich ein Deutscher mit einer Russin eingelassen hatte: „Na, Thomas hat sich dann seine Natascha geangelt.“ 😀 *

      Helge ist aber ein Jungsname…

      *) Das kuriose Dreiecksverhältnis zwischen Deutschen, Polen und Russen regt immer wieder zu gegenseitigen Sticheleien, charmanten Liebes-Affären, wechselnden Bündnissen und grausamen Kriegen an.

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