Novesia und Quirinus

Einen einzigen Eintrag des Vornamens Quirinus habe ich in meiner Babynamensammlung mit immerhin 1,7 Millionen Datensätzen gefunden. Der Junge mit dem zweiten Vornamen Quirinus wurde in Neuss am Rhein geboren, wo ein heiliger Quirinus als Stadtpatron verehrt wird. Fast hätte es dieses Jahr einen zweiten Quirinus in der sogenannten Quirinus-Stadt gegeben: Wäre das Baby ein Junge geworden, dann wollten die Eltern ihm diesen Vornamen geben.

Es wurde zwar ein Mädchen, die Namenswahl fiel aber nicht weniger lokalpatriotisch aus: Sie heißt Novesia – nach „Novaesium“, dem lateinischen Namen der Stadt Neuss. Im Standesamt war man zunächst nicht davon überzeugt, dass dieser im wahrsten Sinne des Wortes neue Vorname eingetragen werden kann. Mit einem positiven Gutachten der Leipziger Namensberatungsstelle konnten die Eltern sich aber durchsetzten und ihre Tochter Leandra Novesia nennen.

Thema: Regional

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

23 Kommentare zu "Novesia und Quirinus"

  1. Jan sagt:

    Na, an Neuss hat sich schon Karl der Kühne von Burgund vergeblich abgearbeitet. Und das will etwas heißen.

    Ihre Tochter heißt nun Leandra Novesia – und wird die Heimat ihrer Mutter stets im Namen bei sich tragen.

    Ja ja, paßt schon, durchwinken! Man ist hier Schlimmeres gewohnt…

    😉

    • Marthe sagt:

      …insbesondere mit dem aushaltbaren Erstnamen. Das Kind heißt ja nicht Urologa Serpentina Kunigunde.

    • Jan sagt:

      Tja, versteh einer den Gemeinen Deutschen Standesbeamten… Gut, die Vornamen in den BdW hier sind Elternwünsche und keine genehmigten Namen – in den allermeisten Fällen aber dürften sie auf den Ämtern durchgehen, würde ich mal sagen. Und da sind wirklich in jeder Woche schlimmere Klopfer dabei als Novesia.

      Klar, ein „g’scheiter Nom“ ist das nicht, aber das Geschlecht ist sofort klar erkennbar, und lächerlich oder so (also das Kindeswohl gefährdend) klingt es auch nicht. Man wundert sich, daß so ein Vorname (zumal eben als Zweitname zu einem halbwegs angängigen Erstnamen) behördliche Bedenken hervorruft, und das im ja nicht gerade tiefschwarzen Hessen.

      Und noch was:

      Ihre Tochter heißt nun Leandra Novesia – und wird die Heimat ihrer Mutter stets im Namen bei sich tragen. Ein schöner Gedanke, fand auch Annina Ortmüllers Ehemann Dennis. Er unterstützte das Vorhaben seiner Frau tatkräftig – auch wenn er selbst nicht aus Neuss kommt.

      Wie üblich also: Muddern sucht den Namen aus. Vaddern stimmt zu. Muddern sagt hinterher: „Wir wollten einen Namen, der…“ :mrgreen:

    • Knud sagt:

      Neuss ist in Nordrhein-Westfalen, in der Nähe von Düsseldorf.

    • Jan sagt:

      Ja, ich weiß, wo Neuss liegt. (Jeder alte Burgunder weiß das. 😉 )

      Aber laut dem verlinkten Artikel lebt die Familie heute in Herborn, also in in Hessen.

      Das Ehepaar musste beim zuständigen Standesamt in Gießen erst mal Überzeugungsarbeit leisten

    • Maria Th. sagt:

      Ich musste bei Novesia an Schokolade denken. Gab es da nicht früher mal eine solche Marke, vermutlich aus Neuss?

    • Barbara sagt:

      War auch mein erster Gedanke: Novesia Goldnuss. Waren das nicht schokolierte Haselnüsse im Henkelkörbchen? Gott, ist das lange her!

    • Jan sagt:

      Gerade nachgeoogelt: Über Novesia-Schokolade gibt es sogar einen Wiki-Artikel.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Novesia

      Neuss am Niederrhein scheint wirklich eine bemerkenswerte Stadt zu sein! 😉

      In einem neurechten Forum hatten wir vor zehn Jahren mal spekuliert: Was wäre passiert, wenn sich das Herzogtum Burgund als Staat gehalten hätte? Also als Zwischenstaat zwischen der BRD und Frankreich – vom Gotthard-Paß bis zur Nordsee-Küste. Also so in etwas umfassend: das heutige Benelux, Lothringen, Elsaß, die eigentliche Bourgogne im heutigen F und die Schweiz. Und was wäre da die Hauptstadt gewesen?

      Der m.E. hübscheste Vorschlag lautete: Grevenbroich. 🙂 Aber Neuss wäre vielleicht ein noch heißerer Kandidat gewesen. 😉

  2. cassis sagt:

    Ich finde Leandra Novesia in der Kombination gar nicht so schlecht, zumal ich Nova schon als Frauennamen gehört habe.
    Der Name der Mutter (die ja in meinem Alter ist) erscheint mir aber auch ungewöhnlich – einer Annina bin ich noch nie begegnet, kurz für Anna-Katharina?

    • Maria Th. sagt:

      Ich kenne eine Annina, ca 25

    • Barbara sagt:

      Der wirklich hässliche Teil des Namens ist für mich Leandra. Sowohl Vokale als auch Konsonanten geballt statt klangvoll verteilt.
      Mit Novesia hätte ich da weniger Probleme (abgesehen von der Schokolade), klingt weiblich und orthographisch auch einfach.

    • Jan sagt:

      Pfff…. Leandra finde ich gar nicht sooo schlimm, obwohl der Name sicher auch „künstlich“ ist.

      Aber für ein Mädchen eben okay, so höre ich das… Ganz im Gegensatz zum männlichen Pendant Leander, der/das/die ihn meinen Ohren extrem nach Schwuli-Lalülala klingt.

    • Mareike sagt:

      Leandra
      Ich finde den Namen schön. In der heutigen Zeit kann man doch gut damit leben. Auch die männliche Variante Leander finde ich nicht „schlimm“, es gibt da noch ganz andere Namen, wenn man sich die BdW ansieht.

      Quirinius
      Das ist natürlich eine andere Nummer. Der Name ist für mich mit der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium verbunden. „Als Quirinius Statthalter von Syrien war …“
      Aber vermutlich hätte ein Junge auch einen alltagstauglichen ersten Namen bekommen.

    • Knud sagt:

      Es geht hier aber um Quirinus, nicht um Quirinius.

    • elbowin sagt:

      ich kenne den Statthalter als „Kyrenius“, nicht Quirinius … man wirft die alte Familienbibel doch nicht fort, bloß weil ein paar Theologen alle Namen ummodeln!

    • Jan sagt:

      In Lukas 2,2 heißt der Cyrenius, jedenfalls nach Luther…

      1. Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde.
      2. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war.
      3. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.
      4. Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war.

      Schnell abgetippt aus der Lutherbibel in der 1912er-Ausgabe…

      (Filmisch hinreißend umgesetzt ist diese Übersetzung im 4. Teil des DDR-Fünfteilers „Martin Luther“ von 1983.)

    • Mareike sagt:

      Quirinus – Oh ja, ich habe ein i zuviel gelesen. 🙂

    • Jan sagt:

      Mein Geschwalle hat sich gerade mit der Bemerkung von elbowin überkreuzt. War aber ja im Grunde der gleiche Gedanke. 😀

      Ich habe mir damals als Student die 1912er-Lutherbibel noch mal als Ausgabe von ca. 1950 antiquarisch besorgt – weil ich weder in der Familien-Bibel rummalen, noch mit der neumodschen Ausgabe von 1984 arbeiten wollte.

      Wer sagen kann, wie (K|C)yrenius in der „Bibel in gerechter Sprache“ heißt, ist gebeten, das hier beizusteuern. Vermutlich „MinisterpräsidentIn Claudia Rothus“, oder so. 😀

    • Mareike sagt:

      In meiner Bibel (Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, ökumenischer Text, aus dem Jahr 2000) steht tatsächlich Quirinius.
      Eine alte Bibel, also ein Erbstück, besitze ich gar nicht. Meine Eltern sind eher praktisch veranlagt und haben meine Schul-Bibel mitbenutzt. Erst später haben sie sich ein wertvolleres Exemplar gekauft.

    • Jan sagt:

      In katholischen Familien gab es früher (und natürlich auch in Abgrenzung zu den Protestanten) normalerweise auch bewußt keine Bibel. 😉

      Jorge Luis Borges preist die englische Sprache als „Stimme Shakespeares und der Heiligen Schrift“ – weil eine Bibel nur über seine englische Großmutter mütterlicherseits in die Familie gekommen war, nicht aber über die argentinisch-spanischsprachige, also katholische Seite.

    • Maria Th. sagt:

      Hl. Quirinus
      https://www.heiligenlexikon.de/BiographienQ/Quirinus_von_Rom_von_Neuss.htm

      Der Quirinius/Cyrenius aus dem Weihnachtsevangelium war nur der Statthalter Roms, kein Heiliger, nach dem ein Christ früher ein Kind benannt hätte.

    • Jan sagt:

      Und das Problem „Quirinius versus Cyrenius“ entsteht dadurch, daß der Bursche zwar ein Römer war, aber in der griechischen Originalsprache des NT natürlich ins griechische Alphabet umschrieben wurde („Kyrenios“) – und dann sowohl von der Vulgata (also alten der katholischen Standardübersetzung ins Lateinische) als auch viel später von Luther bei seiner Übersetzung ins Deutsche „falsch“ in lateinische Alphabet zurücktranskribiert wurde.

      Ob man hier von einem „Fehler“ oder von „Tradition“ sprechen soll, weiß ich nicht. Luther auf der Wartburg hat sich natürlich am griechischen Text (in der Edition Erasmus von Rotterdams) orientiert.

  3. Johanna sagt:

    Annina ist eine Weiterbildung von Anna.

    Ich kenne zwei mit dem Namen Annina. Die eine ist jetzt schon 65 und die andere Annina ist 43 Jahre alt.

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