Die besten Tweets der Welt

Was ich auf Twitter so über Vornamen gefunden habe …

Zwitschern

Thema: Allgemein

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

13 Kommentare zu "Die besten Tweets der Welt"

  1. Jan sagt:

    Meines Empfindens lassen die ausgewählten Tweets aber schon deutlich werden, was Twitter oft so schwer erträglich macht, stehen sie gar ziemlich exemplarisch für Twitter in toto: ein Drittel öde Studentenkalauer plus ein Drittel Langweilerei (das fehlt hier) plus ein Drittel denunziatorische Gehässigkeit – das alles übergossen mit einer dickschleimigen Soße aus Selbstgerechtigkeit und Angeberei.

    Ich muß zugeben: als es 2008/2009 so richtig losging mit Twitter, war ich auch begeistert. Endlich mußte man sich im Web bei Diskussionen nicht mehr von Trollen einerseits und gouvernantenhaften Moderatoren andererseits nerven lassen – sondern konnte sich eben selbst aussuchen, wen man auf dem Schirm haben wollte. Hurra!

    Nach einer Weile aber ist mir immer klarer geworden, daß genau diese Möglichkeit auch ihre Schattenseiten hat: nämlich die massenhafte ölige Anpassung an die tatsächliche oder unterstellte Mehrheitsmeinung einerseits und das erbarmungslose Treten auf Außenseiter und Abweichler andererseits. Auf der Jagd nach Followern verbinden sich oft vorauseilender Gehorsam, Anbiederung, ostentatives Betonen der eigenen Wohlanständigkeit, gegenseitiges Schulterklopfen und Eigenlob zu einer nur schwer zu ertragenden Melange. Und dann noch die Scherzkekse à la Peter Breuer. Uah. Und die reinen „RSS-Twitter“ von Blogs und Nachrichtenseiten, nun ja. Und das beflissene Setzen von Hashtags bei mindestens jedem zweiten Substantiv in dem Bestreben bei irgendeinem „Trending Topic“ wahrgenommen zu werden – eines erwachsenen Deutschen unwürdig.

    Hinzu kam dann in den folgenden Jahren, daß immer mehr Politiker* angefangen haben zu twittern (bzw. twittern zu lassen), sodaß Twitter heute auch noch einen Stich ins Obrigkeitkeitliche und Verlautbarungsmäßige hat. Man könnte geradezu sagen, daß Twitter heute das Leitsubstrat der neudeutschen Empörungskultur ist: #metoo, #87prozent. Schnarch.

    Und besonders nett auch die ganzen Mrs., Miss und Mr. Wichtigs mit ihren Häkchen – bis hinab zu völlig unerheblichen, halbflüggen Redaktionsspatzen irgendwelcher Regionalpostillen.

    Man merkt wohl, ich mag Twitter nicht. 🙂

    *) Anfang 2009 waren eigentlich nur vier nennenswerte Bundespolitiker auf Twitter: Volker Beck (Grüne), Christian Lindner (FDP), Kristina Schröder née Köhler (CDU) und Julia Klöckner (CDU) – wobei die Äußerungen der CDU-Damen zu zwei Dritteln aus Entzückens-Ausrufen darüber bestanden haben, was „die Kanzlerin“ gerade wieder richtig gemacht oder gesagt habe.

  2. Maria Th. sagt:

    „Mein Name ist Liv, das ist lateinisch und heißt 54.“

    Das ist der Beste. Der entbehrt nicht eines gewissen Niveaus: zumindest die römischen Zahlen muss man beherrschen, um den Witz zu kapieren! 😀

    • Jan sagt:

      Für Twitter-Verhältnisse ist der Witz aber wirklich schon überdurchschnittlich gut 😀 – und der Typ, der ihn gerissen hat, war zumindest zu der Zeit, als ich mich mit Twitter befaßt habe, einer der bekanntesten deutschen Twitterer.

      Vieles, was ich gesagt habe, gilt übrigens sicher auch für Facebook – aber auf Facebook waren eben immer schon „alle“, also alle Bevölkerungsgruppen, während auf Twitter zumindest zu meiner Zeit einwandfrei „die Berliner“ das Sagen hatten: Werbehanseln, (Web-)Designer, „TextarbeiterInnen“, Irgendwas-gegen-rechts-Jobber, Möchtegern-Künstler, verkrachte „Lyrikerinnen“, Studenten von Kommunikations-Blabla, Weinkenner, Schickimicki-„Genuß“-Foodies, Coach-Kaschperln etc. Twitter war zumindest damals die Online-Spiegelung der berühmten Berliner Käseglocke, des Juste Milieus der BRD. Durch den Einfall der Politiker seitdem dürfte sich das kaum strukturell geändert haben.

    • Jan sagt:

      Und ab jetzt verdoppeln sich die Ausdrucksmöglichkeiten für alle Berlinerinnen und Berliner:

      http://meedia.de/2017/11/08/twitter-rollt-280-zeichen-limit-fuer-alle-nutzer-aus/

      Welch pfiffigen Gebrauch sie davon zu machen wissen werden, läßt sich anhand der in dem verlinkten Artikel eingebundenen Tweets erahnen.

      😉

  3. Knud sagt:

    Die römischen Zahlen lernt mein Sohn gerade in der 5. Klasse. So gewiss ist das Niveau also nicht gerade 😉

    • Maria Th. sagt:

      Ja, aber immerhin, im Vergleich zu manchen anderen dieser Witzchen. Ich hab die römischen Zahlen auch in der 5. Klasse gelernt.
      Niveau ist keine Hautcreme. 🙂

    • Rebecca Sophie sagt:

      Das heißt aber nicht, dass man sie sich merkt.

    • Maria Th. sagt:

      Eben, daher doch ein bißchen Niveau, weil man sich LIV als römische Zahl gemerkt hat bzw. zusammenreimen kann. 🙂

    • mgl sagt:

      ya und dann muss man auch noch verstehen, dass das nicht so gemeint ist.
      also dass die Aussage ironisch ist. sonst hat man den Witz auch nicht verstanden, sonst wäre es eine Inhaltsangabe/sachliche Information.
      aber hat mir auch am besten gefallen von den Sprüchen oben.

      und: danke, Jan, für die Beschreibung wie Leute kommentieren auf einer solchen Kommentarplattform. sehr nachvollziehbar formuliert wie sich das Verhalten dort entwickelt hat.
      kenne mich dort nicht aus, aber habe jetzt dadurch einen Einblick erhalten.

    • Jan sagt:

      @mgl

      Na, es gab und gibt ja noch anderen „Kommentier-Plattformen“, also anderes in den den „Sozialen Medien“. Hier so ungefähr chronologisch geordnet, Scheintote also zuerst:

      – Wer kennt wen = Von den Twitter-Spastis als Prollos verlacht. Deutschsprachig.
      – StudiVZ und Derivate = Die Leute aus der unteren Mittelschicht, die keine Prollos mehr sein wollten. Deutschsprachig.
      – Myspace = sehr bald nur US-amerikanische Schwarze und (nicht-klassische) Musiker.
      – google+ = Googles vergeblicher Versuch, sich mit Facebook anzulegen.
      – Xing = Prekäre Freelancer, „freischaffende“ (i.e. arbeitslose) JournalistInnen
      – LinkedIn = Holländer
      – Tumblr = Paradiesvögel, Spinner und Pornos
      – Pinterest = Hausfrauen

      Auch Facebook hatte so um 2012 herum noch den Ruf, so eine Art College-Klitsche zu sein, in der man Suff-Fotos veröffentlichte. Das hat sich dann aber sehr schnell ausgeweitet zum „Senioren-Netz“, also zum „Netzwerk für alle“, während Twitter eben immer „Berlin“ war.

    • Knud sagt:

      Dann möchte ich auch mal einen Einblick geben, denn ich erlebe Twitter ganz anders als Jan. Ich nutze Twitter vor allem als Informationsübersicht. Ich folge dort einerseits einigen allgemeinen Nachrichtenanbietern wie SPON oder Zeit, andererseits diversen Medien und Experten zu speziellen Themen, die mich besonders interessieren. Dazu gehört natürlich, aber nicht ausschließlich, das Thema Vornamen. Das macht den größten Teil meiner Twitter-Timeline aus und so nutze ich sie auch: Morgens vor dem Frühstück erstmal gucken, ob es Nordkorea noch gibt und ab und zu im Verlaufe des Tages mal wieder reingucken.

      Darüberhinaus folge ich noch einigen Menschen, die ich persönlich kenne (vom Schulfreund bis zum Friseur) und nicht zu vergessen regionale Twitterer wie zum Beispiel die örtliche Feuerwehr, da weiß man immer, wo es brennt. Und einigen wenigen von Jans Berlinern.

      Richtig wichtig war Twitter neulich im Sturm als zeitweise alle öffentlichen Verkehrsmittel ausgefallen waren. Die Webserver der Verkehrsunternehmen waren alle unter der Last der vielen Besucher abgestürzt, aber über die Twitterfeeds der Unternehmen habe ich herausgefunden, als wieder eine Bahn nach Hause fuhr.

    • Jan sagt:

      Knud,

      bevor ich meinen ersten Kommentar geschrieben habe, habe ich Deine Twitter-Selbstdefinition mit Interesse zu Kenntnis genommen:

      Ich habe herausgefunden, wie ich Twitter für mich sinnvoll nutzen kann, so dass es eine Bereicherung ist und keine Belästigung.

      https://twitter.com/kbfeld

      Ich war kurz davor, Dich zu fragen, was denn da der Kniff sei, aber das hast Du nun ja auch so erläutert.

      Gut, d’accord, mag alles stimmen. Und ich muß auch zugeben, daß Twitter bei mir von Anfang an eine Haßliebe war. Und wer könnte zorniger sein als ein enttäuschter Liebhaber? Während ich etwa Facebook vom ersten Moment an gehaßt habe – daher also freundlicher darüber schreiben kann.

      Was die „alten Freunde“ (sowohl auf fb, als auch auf Twitter oder sonstwo) angeht: Ich bin froh, wenn sie eben alte Freunde bleiben – und nicht wegen ihrer dösigen und anpasserischen Bemerkungen und Retweets zu neuen Feinden werden. 😀 Habe ich mehrfach erlebt… Mein blutrünstiges niedersächsisches Temperament halt. 🙄

      Was die Deutsche Bahn bei Sturm angeht: Man kann sich aber schon fragen, wo das Kernproblem liegt. Vielleicht nicht doch eher darin, daß der Bahnverkehr mittlerweile BRD-weit bei jedem normalen Herbststurm zusammenbricht und eines der größten deutschen Unternehmen keinen besseren Weg findet, seine Kunden zu informieren, als einen US-amerikanischen Kurznachrichtendienst? (Habe ich nach „Xavier“ und nach „Herwart“ von mehreren Steckengebliebenen gehört: Das Schlimmste ist, daß man keine Informationen bekommt.)

      Na gut, dann brennt also in der Wedemark eine Scheune. Reicht es nicht auch, wenn ich das am nächsten Morgen mitbekomme, wenn ich nicht gerade ein Feuerwehrmann bin? (Übrigens: Eine der ehrwürdigsten, traditionellsten und im besten Sinne typisch deutschen Formen des heute so hochgelobten „sozialen Engagements“ scheint mit der Dienst in der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr. Aber das gehört wieder mal nicht hierher.)

  4. Jan sagt:

    Nochmals zu den römischen Zahlen. Ich habe als jüngere Mann längere Zeiträume als Kuli in Archiven und Bibliotheken gejobbt. Wenn dann da mal ein Buch eine dieser Jahreszahlen auf dem Titelblatt hatte:

    MDCCLIX

    MDCCCXVI

    MCMIV

    oder gar CIↃCIↃXVII

    mußte ich immer mühsam zusammenzählen. :-/

    Ich bin mir hingegen so gewiß, daß die Berliner Follower von Peter B. das mit einem Blick lesen können würden. 😉 (Wenn sie denn noch mal Bücher in den Händen hielten und nicht nur damit befaßt wären, ihrer Empörung über dies oder das per Smartphone oder Tablet kundzugeben.)

    Wer sich auf der nächsten Cocktail-Party mit einer pfiffigen Konversation-Frage noch beliebter machen will als mit lateinischen Zitaten, kann es ja mal hiermit probieren: „Warum gibt es eigentlich kein Jahr Null?“ Erfahrungsgemäß hat das keiner parat.

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