Aussprache schlägt Schreibweise?

Von Leuten, die ihren Kindern bewusst einen Namen in „kreativer“ Schreibweise verpassen (etwa: Leny), will ich hier gar nicht groß reden. Vielleicht ist es diesen Zeitgenossen wirklich egal, wenn der Name ihres Lieblings alle naselang falsch geschrieben wird, sie eigentlich ständig buchstabieren müssten. Vielleicht haben sie auch überschätzt, was andere sich einzuprägen bereit und fähig sind („Tante Hilde müsste doch langsam wissen, wie wir Madliene schreiben“).

Stattdessen geht es mir heute um Filipa, Jannick, Collin und Til. Von der Mutter einer kleinen Filipa weiß ich, dass diese in Portugal beliebte Form von Philippa eigentlich gewählt wurde, um den Namen möglichst einfach zu halten – „keine überflüssigen Buchstaben“. Dass fast jeder unwillkürlich Philippa (derzeit auf Platz 478) verstehen und schreiben würde, war nicht vorgesehen.

Oder nehmen wir den gerade neugeborenen Jannick: Seine Eltern wollten es vermutlich richtig machen und den Namen so schreiben, wie man ihn spricht, mit kurzem i (weil -ck). Jetzt werden sie allerdings damit konfrontiert, dass der lautgleiche Jannik viel häufiger ist (35 gegenüber 7 Prozent) und damit vermutlich am ehesten als korrekt empfunden wird. Wenn es auch Yannik, Yannic und Co., zusammen Platz 34, noch mal so richtig kompliziert machen.

Auch Collin (Platz 64) verdankt sein Doppel-L der Tatsache, dass die (deutschen) Eltern meinten, ihr Junge würde hierzulande sonst falsch ausgesprochen. Jetzt wird er falsch geschrieben. Mein Tipp: Vor der Vergabe eines Namens, den es in verschiedenen Schreibweisen gibt, unbedingt mal googeln, dann ist man zumindest etwas vorbereitet. Gern auch ein paar Leute fragen, wie sie den Namen schreiben würden. Im Zweifel ist die Form, die in der Muttersprache die gebräuchlichste ist, die alltagstauglichste, selbst wenn bei einer anderen die Aussprache vermeintlich einfacher ist. Ganz abraten würde ich von Varianten, die weder häufig vorkommen (bei uns) noch die richtige Aussprache verdeutlichen, zum Beispiel Til, der dann doch wie Till (Platz 51) und nicht etwa „Tiel“ gesprochen wird. Womit man sich obendrein auch noch in den Ruf bringen könnte, ein Fan von Tilman „Til“ Schweiger zu sein …


24 Gedanken zu „Aussprache schlägt Schreibweise?“

  1. Ich kenne die Problematik sehr gut! Mich rufen alle Mirijam, und schreiben wollen mich alle Miriam. Aber so weit ich weiß ist Mirjam die „original Schreibweise“. Häufiger vorkommen tut aber Miriam, glaub ich.

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  2. Normalerweise habe ich mit der Schreibweise meines Namens keine Probleme, aber meine Großtante, die mich eigentlich schon lang genug kennt, inzwischen aber auch schon um die 90 ist, schreibt mich immer mit Z. Da ist es egal, wie oft ich ihr erzähle, dass das falsch ist, auf der nächsten Geburtagskarte steht es wieder falsch. Ich habe aber auch kein Problem damit und finde es eher lustig 😉

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    • Ich hab genau das umgekehrte Problem, ich wede mit „z“ geschrieben und statt dessen schreibt jeder „c“, es ist allerdings ein Generationen Phänomen: Die ältere Generation schreibt eher „z“ die jüngere eher „c“.

  3. Zu Jannick fällt mir Dominick ein.
    Ich kenne einen Dominick, der ständig mit der Schreibweise Dominik, Dominic oder auch Dominique konfrontiert wird. Seine Eltern fanden, dass die Schreibweise Dominick am besten zur Aussprache passen würde. In erster Linie hatten sie sich aufgrund des Spitznamens, den sie ihrem Sohn geben wollten, für die seltene Schreibweise Dominick entschieden. Sie wollten ihren Sohn unbedingt Nick/Nicki rufen und fanden damals, dass die Schreibweise Nik bzw. Dominik oder Nic bzw. Dominic falsch aussähe. Der Namensträger findet gut, dass sein Name nicht nur mit c geschrieben wird, denn schließlich sei er ja kein Nic Nac. 😉

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    • Das finde ich echt lustig.
      In meinem Bekanntenkreis sind zwei Brüder: Jannik und Dominik 🙂

      Auf der Arbeit gibt es einen Dominic. Ich musste mich erstmal umgewöhnen. Mir fehlt irgendwie das k…

  4. Ich finde lustigerweise einen Namen wie Domonic, der etwas exotischer aussieht, sympathischer als einen Dominik, was ich so lange auf den Namensträger projiziere, bis ich ihn besser kennenlerne (wobei die Korrektur positiv oder negativ sein kann)
    Mit meinem Namen habe ich wenig Probleme, dass die Schreibweise „Standard“ ist. Aber auch wenn ich Aleks heißen würde, wäre es irgendwie cool

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  5. denke über einen Namen nach den ich evtl vergeben möchte. May oder Mai. May sieht eleganter aus, für die Synästhetikerfreunde: ich verbinde damit die Farben dunkelrot und lila.
    Mai erspart Fragen und Rätselraten wie der Name ausgesprochen wird. Sieht aber auch ein bisschen aus als wollte man Mia schreiben und hat sich vertan. Mit der Schreibweise Mai verbinde ich die Farben hellrot, hellgrün und weiß, denke an Frühling und schönes Wetter, auch eine schöne Assoziation. Würde beide Schreibweisen Mai aussprechen.

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    • May hat man als Namen schon mal gehört oder gelesen, (zb Maybrit Illner, Maya, etc), die Schreibweise Mai hört sich einfach nach dem Monat, nicht nach einem Namen an. Vielleicht noch Mae, wie Mae West? Oder Maj (schwedisch)?

    • Eine Freundin heißt May – mit Nachnamen, gesprochen wie in Mayer 😉 Als Vorname wären mir May und auch Mae aber zu uneindeutig und Mai zu monatig – eher Maj.

    • Ich finde die Schreibweise May schöner, allerdings neigt man dann wohl dazu Mäj zu sagen.
      Mai kenne ich durch „MaiLab“,den Youtubekanal der Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim, sie hat jetzt auch eine eigene Fernsehshow. Sie wird wie der Monat geschrieben. Wenn Juli geht, dann auch Mai 😉

    • Mai finde ich eindeutig, und der Monat ist super & keine schlechte Assoziation. Bei Juli & August käme auch niemand darauf, dass ja die Monate auch so heißen und die Namen deswegen nicht vergebbar wären.

      Maj finde ich namiger, aber auch komplizierter, da ein -j im Deutschen so unüblich ist.

      May tendiert zu Mäj und ein Y ist ja so eine Ypsilontitis-Gefahr. Wobei das Y in May ja nicht untergejubelt wirkt (a la Mylena oder Tym).

      Mae ist eindeutig Mäj – das fällt ja ohnehin dann raus.

    • danke für eure Rückmeldungen, ihr habt ähnliche Gedanken wie ich.
      finde die Schreibweise Mai im Moment besser, rätsel aber noch darüber ob der Name _zu_ einzigartig ist. evtl sollte ich dann doch Maja/Maya schreiben, „hm na geht so, aber wenigstens ein normaler Name auf dem Papier“ und Mai rufen. wir rätseln weiter. schönes Wetter draußen, sonnt euch!

    • Dann geht mein Votum klar an Mai. Maja ist doch langweilig. Und auch Maja hätte ein Hindernis: Welche Schreibweise? Maja oder Maya? Marja hab ich auch schon kennengelernt, genauso wie eine Maia.

    • Mich persönlich würde am Namen Mai stören, dass er an das englische Possessivpronomen my anklingt. Zudem wirkt er auf mich unvollständig und asiatisch. Vielleicht ist Maira eine Alternative?

    • Das habe ich tatsächlich auch erst mal gedacht, dass man bei Mai eine Asiatin erwartet/erwarten könnte.
      Das muss einen aber nicht stören. Die Frage, die dann ja oft kommt, ist, ob ein ausländischer Name beim Bewerbungsschreiben ein Nachteil ist. Bei so ostasiatischen Namen würde ich denken, eher nicht, vielleicht sogar ein Vorteil, aber dazu müsste man einen Personaler fragen.

      May erinnert mich an Karl May, die Bücher habe ich als Kind geliebt, aber im Rückblick sind sie doch ziemlich rassistisch (was man mit zehn nicht unbedingt checkt, je nach Erziehung und Umfeld).

      Maj finde ich auch ganz süß, aber Mai noch einen Tick besser.

      Insgesamt gefällt mir gerade, dass der Name nicht auf a endet.

    • ist ein Zweitname sinnvoll, damit eine Mai als erwachsene Person auch im Ausland als weiblich und deutsch gesehen wird? Mai Laura, Mai Lisa oder ähnlich? es wirkt gleich wieder ganz anders, stilistisch gefällt mir Mai als Einzelname besser.
      irgendwie ist zurzeit nicht viel los in diesem Verein. lg und Sonne

    • Naja, wenn man sich in einer Diskussion von 2013 versteckt, muss man erstmal gefunden werden.

      Ich denke, ich würde Mai schreiben, weil das weniger Deutsche auf die Abwege der englischen Aussprache schickt. Ob die Frau im Ausland als Deutsche wahrgenommen wird, hängt m.E. vor allem am Familiennamen: Eine Mai Schöneberger ist sowas von deutsch, eine May Nguyen wird unabhängig von der Staatsbürgerschaft als vietnamesisch verortet, und eine Mai Miller als Amerikanerin. Ich glaube nicht, dass ein Zweitname wirklich viel hilft in dieser Hinsicht. Und fürs Geschlecht gibt es ja heutzutage die Sitte, Pronomen anzugeben Mai she/her (die ältere Art war zu fragen Mai Herr/Frau, so neu ist das ganze auch wieder nicht)

    • Du kannst es auch umdrehen: Laura Mai, Lisa Mai. Es hat dann eine ähnliche Melodie (Melodei) wie Loreley. Mai kann trotzdem der Rufname sein. So hat es mehr wumms.

    • Laura Mai finde ich sehr gelungen – ich denke nicht mehr an my (bei Mai Laura oder Mai Lisa dafür verstärkt…) und ich bin irgendwie direkt bei dem Monat, wobei dies vielleicht der lateinische Ursprung des Erstnamens macht?! Auch das r passt wunderbar. Iris Mai oder Aurora Mai finde ich assoziativ wie klanglich zum Beispiel auch sehr interessant und führen mich ebenfalls klar zum Monat. Mir fällt auf: Mai gefällt mir als zweiter Vorname sogar richtig gut, egal ob er dann Rufname ist oder nicht.

      Andersherum wird es schwieriger, mich von der Assoziation my wegzubekommen – besonders wenn der zweite Vorname auf der ersten Silbe betont wird. Mai Sophie finde ich daher in diesem Fall besser als Mai Laura oder Mai Lisa, obwohl mir Laura und Lisa viel besser gefallen als Sophie.

    • Ich assoziiert mit Mai zuerst den Monat und denke an eine Asiatin – was aber ja beides keine schlimmen Assoziationen sind. Vielmehr stört mich die eine Silbe, der Name wirkt auf mich sowohl geschrieben als auch gesprochen unvollständig, ein Zweitname macht es viel besser, wie ich finde. Ich würde sogar evtl. einen Bindestrich setzen, obwohl ich Bindestriche eigentlich richtig blöd finde, aber Mai wirkt sonst nicht wirklich wie ein Name auf mich (May schon wieder eher). .

      Finde aber auch, dass Mai sich als ZN viel besser macht, Lisa Mai klingt viel flüssiger als das holprige Mai Lisa. Als ZN find ich Mai sogar ganz nett. Soll Mai zwingend der Erstname sein, würde ich auch dringend den ZN auf die 2. Silbe betonen, wie eben Mai Sophie. Auch etwas wie Mai Viktoria wäre besser.

      An sich ist Mai für mich ein schönes Wort, der Monat ist schön und ich als Synästhetiker sehe ihn in einem schönen Hellgrün, sehr blumig & warm. ABER als Name finde ich ihn wirklich ungeeignet und nicht mehr wirklich klangvoll (obwohl das WORT ja schön klingt, aber als Name ist es irgendwie so eine hingeworfene Silbe).

      May wäre immer Englisch für mich.

      Maj finde ich ganz merkwürdig und sieht aus wie Maja mit Tippfehler. Sehr unschön

  6. Ich finde Mai als Vornamen irritierend. Der Monat stört mich dabei weniger, da der Monat Mai ja sehr positiv assoziiert ist.
    Ich denke an das Dialektwort „mei“ das genauso klingt.
    – „mei“ für mein(-e/er): Das würde vor allem bei Doppelnamen mit vorangestelltem Mai irritieren. Mai-Lisa klingt in den entsprechenden Dialekten nämlich genauso wie „mei Lisa“, also „meine Lisa“.
    – „mei“ oder „oh mei“: Ausruf der Anteilnahme, Überraschung oder Geringschätzung.
    – „die mei“ für „ich“.

    Im Deutschen würde ich Mai schreiben, dann ist die Aussprache eindeutig. May legt für mich auch die englische Aussprache nahe. Maj irritiert zusätzlich.
    Wenn man erwägt, Mai als Ruf- oder Kosename zu vergeben: Kommt evtl. in Frage, einen Namen, der den Bestandteil Mai enthält, zu vergeben und Mai als Abkürzung/Kosenamen zu rufen?
    An Namen, die mit Mai beginnen, fallen mir ein:

    Mai-Britt
    Maike
    Maiken
    Maila
    Maili/Maily
    Mailin
    Mailinda
    Maira
    Maite

    Mein Favorit aus dieser Liste wäre Mailinda
    Mailin finde ich auch ganz hübsch.

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