Gehört vor einen Vornamen ein Artikel oder nicht?

Bastian Sick klärt in seiner Spiegel Online-Kolumne Zwiebelfisch die Frage, ob „Helmut und Karin“ oder „der Helmut und die Karin“ richtig ist:

Meine Freundin Jana hörte es überhaupt nicht gern, wenn ihr Name in Verbindung mit einem weiblichen Artikel genannt wurde. Denn allzu leicht konnte der falsche Eindruck entstehen, sie heiße Diana. „Es heißt nicht die Jana, sondern einfach nur Jana“, musste sie immer wieder klarstellen. Einige nannten sie deswegen sogar schon Lady Di(e). Ich kann verstehen, dass einem das auf Dauer lästig wird.

Tatsächlich ist die Sprachlandschaft in Deutschland geteilt. Im Süden wird dem Vornamen grundsätzlich ein Artikel vorangestellt, im Norden ist das nicht verbreitet. Der genaue Verlauf dieser Sprachgrenze ist nicht genau bekannt, wohl aber einige Ausnahmen. So werden die weiblichen Vornamen im Rheinland und im Saarland mit dem bestimmten sächlichen Artikel versehen. Statt hochdeutsch „das“ heißt es dort mundartlich „dat“ (Rheinländisch) bzw. „es“ (Saarländisch).

Thema: Wissenschaft

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und Betreiber der Website beliebte-Vornamen.de .

46 Kommentare zu "Gehört vor einen Vornamen ein Artikel oder nicht?"

  1. Jana sagt:

    Ich kenne das Problem das manche Menschen nicht Jana sondern Diana sagen. Ich finde das ziemlich blöd, weil ich nicht Diana sondern Jana heiße.

  2. Maren sagt:

    Es geht noch schlimmer. Vorweg muss ich informieren: ich komme aus dem Süden Deutschlands.

    Kürzlich fragte mich jemand beim Blick auf eine Einladungsliste (keine Liste von mir, aber die fragende Person wusste, dass ich die meisten Leute von der Liste kenne):
    „Wer ist denn die Jana?“
    Und ich antwortete: „Keine Ahnung. Ich kenne keine Jana.“
    Ich hab einige Sekunden gebraucht, bis ich das Missverständnis bemerkte: „Ach so, Du meinst die Diana…!“

    Bei uns heißt eine Diana eben gern mal Didiana. 😉

  3. Udo Wollenhaupt sagt:

    Es ist schlicht und einfach eine Höflichkeitsgeeste, vor einem Namen keine Artikel zu setzen. Damit wird verhindert, dass man eine Person mit einem Gegenstand gleichstellt. Ausserdem ist ein Name schon ein Artikel. Warum also doppelt moppeln? Ich jedenfalls möchte nicht mit einem Gegenstand gleichgestellt werden.

    Gruß
    Udo Wollenhaupt

  4. Udo Wollenhaupt sagt:

    Liebe Leserein, lieber Leser,

    einen Artikel vor einen Namen zu setzen ist nicht nur nicht nötig, denn ein Name ist bereits ein Artikel, warum also doppelt moppeln, soindern es ist schlicht und einfach unhöflich eine Person mit einem Gegenstand gleichzusetzen. Ich bin nicht der Udo, sondern ich bin Udo.

    Gruß
    Udo Wollenhaupt

  5. Heike Werneburg sagt:

    Danke Herr Wollenhaupt. Ich komme aus Thüringen und dort ist es gänzlich unüblich, dass vor den Vornamen noch ein Artikel gestellt wird. Ich bin nun hier in RLP gelandet. Leider ist es hier wohl üblich. Das trifft desöfteren meine Brechreizstelle, zumal ich stets damit zu tun habe, meinem Kind zu erklären, dass es eben so nicht geht.

    Gibt es denn andere Länder wo man einen Artikel vor einen Namen stellt? Mir scheint das bisher gänzlich unbekannt und eine deutsche Unart.

    • Thomas Marcus sagt:

      Hallo ihr armen Leuten, die nicht aus dem Süden kommen. Der Süden ist groß, da leben viele, viele Leute. Und die haben ihre eigene Sprachtradition seit vielen, vielen hundert Jahren. Das muss man eben akzeptieren. Auch, dass die Honig mig GGGG sprechen und nicht mit „ich“. Oder die Sache mit dem „haben“ und „bin“ gelegen, geschwommen etc.

      Wenn da einer Brechreiz bekommt oder das Sprachverhalten eines großen Teils der Deutschen als unhöflich bezeichnet, zeigt er nur mangelnde Toleranz, Hintergrundwissen und Höflichkeit. So, jetzt habe ich der Heike und dem Udo geantwortet.

    • Evelyne sagt:

      Klar, gibt es das auch in anderen Ländern. Bei uns in der Schweiz ist das normal, das man einen Artikel vor einen Namen stellt. Da heisst es halt dann zum Beispiel d’Sandra isst Pizza oder dä Lukas isst Pizza.Ich würde meinen, in österreich ist das auch oft so. Ich finds nicht schlimm. Es gibt schlimmere Probleme auf der Welt.

    • Rina sagt:

      Ich komme ebenfalls aus Thüringen und war es daher gewohnt, dass vor Namen kein Artikel zu stehen hat. Nun lebe ich aber in Hessen (und zwar weiter nördlich als zuvor!), hier sagt man „die“ bzw. „der“ vor jedem Vornamen. Für mich war das somit immer eher eine Ost-West- als eine Nord-Süd-Frage.

      Zum sächlichen Artikel bei Frauennamen: Das geht ja mal gar nicht! Ich empfände es als überaus erniedrigend, wenn mich jemand als „das“ bezeichnete.

  6. Peter Müller sagt:

    Besser „die Jana“ als „das Jana“. Frauennamen mit einem sächlichen Artikel zu versehen, finde ich extrem unpassend.

  7. Moni sagt:

    Ich auch. Ich habe zwei Jahre in Nordhessen gewohnt und mich sehr daran gestoßen, dort plötzlich sächlich zu sein. Außerdem klingt es auch einfach nicht schön.

    Ich selbst bemühe mich, Namen ohne Artikel zu verwenden. Ich empfinde es einfach als grob unhöflich und irgendwie auch ungebildet. Nachvollziehen kann ich es höchstens bei Namen, bei denen das Geschlecht des Trägers nicht eindeutig ist (Eine Freundin von mir heißt Kai), aber auch da nur Leuten gegenüber, die denjenigen nicht kennen.

  8. Alex sagt:

    Das Problem hatten wir auch im Kindergarten. Die Kinder waren es so gewohnt, dass ein Artikel vor dem Namen stand, dass die Erzieherinnen immer wieder wiederholen mussten, dass wir ein Mädchen namens Dilara in der Gruppe hatten und eins mit Namen Lara und nicht „die große Lara“ und „die kleine Lara“.

    Und so unhöflich finde ich es auch wieder nicht, wenn jemand einen Artikel vor einen Namen stellt. Damit wird doch verdeutlicht, dass man von einer bestimmten Person spricht und nicht alle anderen auch meint, die zufällig denselben Namen tragen.
    Sich selbst aber, wie im Beispiel von Herrn Wollenhaupt, als „der Udo“ vorzustellen (oder gar als „ein Udo“) klingt dagegen irgendwie seltsam…
    Ist wohl Geschmackssache und gehört zu den vielen kleinen Feinheiten, die einen an einem fremden (oder sogar dem eigenen) Dialekt stören können.
    Ob „Vornamenartikel“ in anderen Sprachen auch so „üblich“ sind, ist wirklich eine interessante Frage…

    • Rebecca Sophie sagt:

      Zumindest auf Portugiesisch ist das der Standart und auch noch ausgeprägter als bei uns teilweise. „Eu sou Rebecca.“ (statt „Eu sou a Rebecca.“) und „Maria vai.“ (statt „A Maria vai.“) ist auf Portugiesisch eindeutig falsch.

  9. Baldur sagt:

    Also für mich klingt das Norddeutsche oft sehr affektiert und überheblich; die östlichen Dialekte dagegen eher etwas – pardon – „dumm-derb“. Aber das ist mein Bier und ich käme nie auf die Idee (wie manche Nord- und Ostdeutschen hier), anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu sprechen haben. Im Süden sagt man „Wie geht’s eigentlich dem Peter?“, im Norden sagt man „Wie geht’s eigentlich Peter?“ – basta! Da gibt’s kein „besser“ oder „schlechter“ und schon gar kein „geht mal gar nicht“. Schade, dass man das erwachsenen Menschen erklären muss! An Heike: Dein Kind tut mir leid!

  10. Udo Wollenhaupt sagt:

    An alle die einen Artikel vor meinem Namen wünschen und an alle die mich dutzen. Es ist halt in unserer Sprache so geregelt (Duden/Wikipedia). Ich habe Regeln gerne. Sie erleichtern die Verständigung. Wenn jemand vor meinen Namen einen Artikel setzt, dann weiss ich, er achtet mich nicht. Und Jemand der mich ohne meine ausdrückliche Zusage dutzt, der gehört nicht zu meinem Umfeld. Er gehört der Blöd-Zeitunsfraktion an. Ferner habe ich diese Regel wärend meines Studiums in BW (Süddeutschland) expliziet so von meinen Dozenten nochmals mehrmals gelehrt bekommen vor Namen gehört kein Artikel. Das war unter den Studenten auch damals in den sechziger Jahren schon kein Streitthema.

  11. leopoldi sagt:

    Leider sind wir hier im Internet, da wirkt es eher befremdlich wenn man siezt.

  12. Magdalena sagt:

    Hier in Wien ist es ebenfalls völlig normal Artikel vor Namen zu stellen. Sowohl vor Vornamen als auch vor Nachnamen inkl. aller Titel. Hierzulande klingt es äußerst eigenartig zu sagen „Das war Peter.“. Ich selbst kann das gar nicht ohne automatisch einen künstlichen deutschen Dialekt anzuschlagen.
    Liebe Grüße aus dem Süden 😉

  13. Ezequiel sagt:

    Hier in Zentral- und Nordargentinien stellen wir auch normalerweise ein Artikel vor dem Vornamen, zum Beispiel: EL Martín, LA Carolina, usw. Das findet in Buenos Aires nicht so oft wie bei uns statt. Ich spreche auch Italienisch und weiß, dass es in Italien auch üblich ist. Liebe Grüße aus Córdoba in Argentinien.

  14. Chiocciola sagt:

    „Zum sächlichen Artikel bei Frauennamen: Das geht ja mal gar nicht! Ich empfände es als überaus erniedrigend, wenn mich jemand als „das“ bezeichnete.“

    Ich finde das auch befremdlich, während ich männliche und weibliche Artikel vor dem Vornamen („der Peter“, „die Maria“) gewöhnt bin und in der gesprochenen Sprache nicht als „falsch“ oder „mit einem Gegenstand gleichsetzend“ empfinde, weil ich eben aus dem entsprechenden Sprachraum komme, wo das üblich ist …

    Vermutlich geht es im Saar- oder Rheinland aufgewachsenen Menschen mit dem sächlichen Artikel ganz genauso. So stellte sich in einer Vorstellrunde eine Saarländerin mit „Ich bin’s Karin vor.“ Hätte sie vermutlich nicht gemacht, wenn sie das „das“ vor dem Vornamen als erniedrigend empfinden würde.

    Viele Grüße

    • Maria Th. sagt:

      Das sehe ich ganz genauso. Die Österreicher haben allgemein für so besserwisserische Norddeutsche (s.o.) den Begriff „Piefke“. Ich finde es anmaßend, wenn man nur die norddeutsche „Aussprache“ ohne Artikel als die allein seligmachende bezeichnet. In Deutschland gibt es so viele Regionen und regionale Sprachbesonderheiten, die das ganze doch erst spannend machen. Und keine Sorge, liebe Piefkes, wir Bayern (und auch die anderen Süddeutschen) wachsen zweisprachig auf, nämlich Bairisch und Schriftdeutsch, und wir lernen in der Schule, dass im Schriftdeutschen Namen zumeist ohne Artikel geschrieben werden. Dass man das in der gesprochenen Sprache hierzulande anders handhabt, ist genauso legitim, wie im Schriftdeutschen darauf zu verzichten.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Das gibt es doch auch noch andere Unterschiede, so sagt man bei euch doch meines Wissens „ich bin gestanden“, oder?
      Neulich habe ich erst mit einem Österreicher darüber gesprochen, der das (deutsche) hochdeutsche „ich habe gestanden“ gar nicht nachvollziehen konnte. In meinem Lexikon, steht aber nur letzteres, obwohl sonst auch einige für mich ein bisschen haarsträubende Formen erwähnt werden.

    • Maria Th. sagt:

      Ja, das stimmt schon, hat aber natürlich nichts mit dem Thema Namen zu tun; da gibt es etliche Unterschiede zwischen den beiden Sprachen. Das würde aber zu weit führen.

    • Maria Th. sagt:

      Im Französischen werden die Verben der Bewegungsrichtung (z.B. arriver, monter, descendre, tomber, passer, aller, venir…aber auch rester und naître) ebenfalls mit être statt avoir (also sein statt haben) konjugiert, vielleicht besteht da ein grammatisch-etymologischer Zusammenhang.

    • Jan sagt:

      Na komm, es ist aber auch albern, Deutsch und Österreichisch als zwei Sprachen zu bezeichnen (wenn ich Dich hier richtig verstanden habe). Ich finde es auch immer peinlich, wenn man auf den Titelblätter von Büchern sogar aus ehemals seriösen Verlagen liest: „Aus dem Amerikanischen von Hiltrud Merkel.“ Es gibt eben keine Sprachen „Amerikanisch“ oder „Österreichisch“. Es gibt AE und BE und vielleicht noch was anderes; es gibt Deutsch und Deutsch mit einigen schrulligen Austriazismen (oder Helvetizismen) – und noch viele andere Akzente und Dialekte.

      Jeder Deutschsprachige in der BRD, in Österreich (falls das denn nicht mehr Deutschland ist, was es nach dem bewiesenen Heldenmut der Österreicher 1938 wohl wirklich nicht mehr ist 😉 ) und der Schweiz muß eben neben seinem jeweiligen Lokalidiom auch Hochdeutsch lernen.

      Ihre Paradeiser, Erdäpferln, Powidlkolatscherln, Hüftsterzerln, die Sisi und Selchfleisch seien unseren lieben österreichischen Fast-Landsleuten so sehr gegönnt wie uns Norddeutschen bitte der Sonnabend, der Wissenschaftler, der Frühling und Wilhelm. 🙂

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ja natürlich, fiel mir nir gerade ein.

      Bestimmt, obwohl es ja auch bei uns in Mitteldeutschland Verben gibt, die mit sein konjugiert werden, sogar mehr als im Französischen.

    • Maria Th. sagt:

      @ Jan
      Ich hab eher auf Schriftdeutsch und Bairisch angespielt, aber natürlich mit einem kleinen 😉
      Tatsächlich ist es aber wirklich wie zweisprachig aufwachsen, wenn man Deutsch und Bairisch nebeneinander lernt. So gesehen bin ich sogar dreisprachig aufgewachsen und ich habe sicher davon profitiert. Ich habe deswegen schon sehr früh ein Gespür für Sprache und sprachliche Unterschiede entwickelt.

    • Jan sagt:

      @ Maria Th.

      Willy Brandt (Jg. 1913) schreibt in seinen Erinnerungen (aus dem Gedächtnis): „Hochdeutsch lernte ich in der Schule, bei uns zu Hause sprach man Platt.“ (Das war bei meiner Mutter, Jg. 44, haargenauso.) Nur ist eben auch Platt spätestens seit den Tagen der Hanse keine vollwertige Sprache mehr, sondern halt so ein Idiom.

      Es ist nun einmal bis heute so: Jedes Nordlicht, jeder Bayer, jeder Ösi, Sachse, Schwabe, Thüringer (etc. etc.), der ein (nicht nur volkstümlicher Schauspieler) werden will, muß akzentfrei und lupenrein Hochdeutsch sprechen können. Das lernt man in der Schauspielausbilung (und/oder nebenher) auch.

    • Maria Th. sagt:

      Ja, nichts dagegen zu sagen.
      Wobei man die regionale Sprachfärbung natürlich nicht so leicht wegbekommt, da sieht bzw. hört man auch an den (durchaus rhetorisch geschulten) Politikern. 😀

    • Jan sagt:

      Genau, Maria Th., und das ist innerhalb der BRD wohl wirklich eine Besonderheit von Bayern. 🙂 Jeder Politiker Eurer Staatspartei oder auch Andreas Hofreiter von den Grünen redet im Bundestag mit deutlichem bairischem Tonfall/Akzent – und alle (ich auch) finden das nett. Mit Schwäbisch, Hessisch und Norddeutsch geht das kaum noch, eben nur in Sonderfällen und mit schriftlicher Begründung. 😉 (Özdemir). Und mit Westfälisch und Kölsch gar nicht. (Die Sache mit den Ossis inkl. des Akzents des Merkel-Wesens ist hier eine Extra-Geschichte.)

      Ein Bayer, der einen bairischen Aktent öffentlich spricht, wird nie zur deutschlandweiten Witzfigur, eine Oettinger aber sofort. 😉

    • Maria Th. sagt:

      Anton Hofreiter, nicht Andreas, tut aber nichts zur Sache.
      Wir kriegen halt die Färbung einfach nicht weg, egal ob Strauß, Waigel, Hofreiter oder auch Hans-Jochen Vogel (um nicht nur CSU-Leute zu nennen) – und vielleicht wollen wir das auch gar nicht so richtig. 😀

      Oettinger: mir könnet alles oußer Hochdöitsch (und Englisch 😀 )

    • Jan sagt:

      Ja, Anton, nicht Andreas, Pardon. Der läßt sich wohl seine albernen Loddern nicht abschneiden, damit er mit seinem roten Gesicht nicht endgültig wie der Neffe oder illegitime Sohn von FJS aussieht. 😀

      Aber zum Beispiel Vogel hat im Bundestag und deutschlandweit *nicht* mit Akzent gesprochen (oder kaum hörbar)…

      Also, ob man das gut findet oder nicht: Es gibt nun mal eine Hierarchie der deutschen Akzente, und da liegt Ihr in Bayern einfach an der Spitze.

      Jeder BRD-Deutsche muß lachen, wenn er „Schweizer Hochdeutsch“ hört, und bei Ösi-Slang schaltet halt jeder sofort auf: „Na, das nehmen wir jetzt mal nicht so ganz ernst.“ Is nu ma so.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Das stimmt aber, wenn man Österreicher im Radio hört klingt das immer ein bisschen nach Alltags- statt Standart(hoch)deutsch. Im direkten Gespräch fällt mir das aber weniger auf.

  15. elbowin sagt:

    Hierzu die sehr schönen Karten aus dem Atlas der Alltagssprache:

    Artikel + Vorname

    http://www.atlas-alltagssprache.de/artikelvorname/

    Insgesmat ist es ein Phänomen, das von Süden her den Norden erobert.

    Die vs. Das/Des/Es/Et

    http://www.atlas-alltagssprache.de/artikelform/

  16. Maria Th. sagt:

    Im Artikel Interview mit dem Autoren Malte Welding vom 23.11.2016 ein Beispiel, wo m.E. der Artikel vor dem Vornamen unerlässlich ist, da sonst die Bedeutung verändert wird.
    http://blog.beliebte-vornamen.de/2016/11/interview-malte-welding/#comment-73981

  17. Andrea sagt:

    Österreichisch ist eine eigene Sprache, kein deutscher Dialekt.

    Herzliche Grüße

    von der – Andrea

  18. Jan sagt:

    Das ist mir vorgestern erst bewußt geworden: Man kann den Artikel vor dem Vornamen auch in Norddeutschland (jedenfalls in Hannover) verwenden, ohne daß es süddeutsch einerseits oder nach Psycho-Trulla oder vollbärtigem Sozialarbeiter im Norweger-Pulli andererseits klänge. Und zwar um eine größere Distanz als zu wirklichen persönlichen Freunden, Verwandten, Kollegen etc. deutlich zu machen. Wenn man also jemanden zum Beispiel nur über das Internet kennt und ihn da duzt – und ihn dann gegenüber Dritten erwähnt.

    Mir war das am Sonnabend aufgefallen: Ich hatte meine Mutter besucht. Sie weiß, daß ich hier mitlese und viel kommentiere. Sie selbst liest hier ab und zu auch mit, und wir labern oft über das Blog und sein Generalthema. Wir beide hatten für den Blogbetreiber die Form „der Knud…“ und für häufige Kommentatoren die Formen „die Maria Th.“, „der Mark“ etc. verwendet. „Knud“ allein klänge zu vertraut, „dieser Knud“ abwertend – „der Knud“ hält sozusagen die Balance.

    • mgl sagt:

      ya. man sagt dann aber auch nicht so deutlich „Der“ sondern das d etwas weniger deutlich. meine ich. jetzt nicht „er Knud“, aber fast schon „dschwah Knud.“ und warum? weil eine Lücke vor dem Namen lassen für Gespräche zuhause und in gemütlicher Runde den Sprachfluss stört. schreibe ich Sprachfluss denke ich an Zahnseide, englisch floss. sowas Blödes. drängt sich auf und verleidet mir das Wort.
      und: hallo Mutti!

    • Knud sagt:

      Da ist was dran was der Jan schreibt …

    • Jan sagt:

      und: hallo Mutti!

      Danke, ist weitergeleitet! 😀

      Ich hab meine Mutter aber nie mit „Mutti“ oder auch nur mit „Mama“ angesprochen – sondern nach dem Brauch der 68er-Kinder immer nur mit Vornamen.

      Oder aus Jux seit einigen Jahren dann ab und zu auch mal mit „Muddern”. Und das kam so: Der Vater meiner letzten Ex hatte von ihr und ihren beiden Schwestern nach dem Vorbild des „Vaddern“ aus den Münster-Tatorten den Spitznamen „Vaddern“ angehängt bekommen. Weil er halt ein wirklicher 68er war – er hat am 2. Juni 1968 als ganz junger Student in Berlin wirklich Benno Ohnesorg sterben gesehen und war danach immer ein eifriger Linker geblieben und ist es wohl auch immer noch. Seine Töchter hatten ihn immer entweder „Papa“ oder eben mit Vornamen angesprochen. Bis eben diese Nebenrolle des „Vaddern von Thiel“ im Tatort auftauchte – da hatte er dann seinen Spitznamen bei seinen Töchtern weg, weil er dem (von Claus Dieter Clausnitzer gespielten) „Vaddern“ eben ähnlich war/ist – optisch und mental. 😀 Und wir hatten das dann halt auf meine Mutter übertragen. 68er-Kinder, halt.

      Aber „Mutti“?! Nee… Brrr…

    • Jan sagt:

      2. Juni 1968

      —> 2. Juni 1967

      🙄

      [Ich würde so einen blöden Fehler nicht korrigieren, wenn heute noch klarer wäre, daß die entscheidenden Ereignisse von „1968“ zumindest in Deutschland schon 1967 – mein Geburtsjahr – stattgefunden haben.]

    • mgl sagt:

      wir wissen dass du es weißt.
      (hab mich dabei auch einmal versprochen, da habe ich 62 gesagt, war aber ein Versehen, wollte 02.06. sagen)
      und ab dem 5. war Sechstagekrieg und das ist schon wichtig dass man das weiß weil doch der persische Mann aus der islamischen Welt stammt.
      und am 7. wurde der Tempelberg eingenommen nach 2000 Jahren.
      und am 18.06. hat man Napoleon besiegt und für immer verbannt.
      morgen ist Nikolaustag.
      nächste Woche ist Klaastag.
      Mutti hat man bei uns manchmal gesagt um eine Person etwas zu veralbern. so eine Art Rollenklischee andeuten. früher war doch anscheinend Mutter eine Anrede. nach dem Krieg als es üblich war ein Zimmer zu mieten bei einer Kriegswitwe. oder? weiß es nicht.
      „dieser“ Knud kann man aber auch sagen wenn man noch einen anderen Knud kennt, der nicht gemeint ist.

    • Jan sagt:

      Ja, genau: 50 Jahre dauert das alles nun schon. Und stimmt: Am 7. Juni haben die Israelis den Tempelberg inklusive der Westmauer eingenommen – „und geben Dich nie mehr her“.

      Borges hat darüber begeistert gedichtet:

      Nicht mit Gärten hast du die Menschen versucht,
      nicht mit dem Gold und seinem Überdruß,
      sondern mit der Strenge, letztes Land.
      Israel hat zu ihnen ohne Worte gesagt: du wirst vergessen, wer du bist.
      Du wirst den anderen vergessen, den du verließest.
      Du wirst vergessen, wer du warst in den Ländern,
      die dir ihre Abende schenkten und ihre Morgen
      und denen du nicht deine Sehnsucht schenken wirst.
      Du wirst die Sprache deiner Eltern vergessen und wirst
      die Sprache des Paradieses erlernen.
      Du wirst ein Israeli sein, wirst ein Soldat sein.
      Du wirst das Vaterland aus Sümpfen erbauen; du wirst es aus Wüsten errichten.
      Mit dir wird dein Bruder arbeiten, dessen Gesicht du nie gesehen hast.
      Ein einziges versprechen wir dir:
      deinen Posten in der Schlacht.

      https://peterhammer.wordpress.com/2008/07/27/jlb-uber-israel-lang-ists-her/

      Man sagt, sie hätten den Sechstagekrieg am siebenten Tag verloren, als sie beschlossen haben dazubleiben. Aber es ist alles nicht so einfach.

      Mich gab es damals sozusagen schon, ja, aber ich mußte noch das Maul halten. 😀 Und ich hätte auch noch kaum was Konstruktives beitragen können.

      Jedenfalls war da schon was los im Juni 1967. 😉

      Mutti und Pappi: Ich wäre froh, wenn es in Norddeutschland auch die konservativen Anredeformem Mutter und Vater gäbe und nicht nur alberne Diminutive. Muddern und Vaddern sind ja im Grunde diese respektvollen Formen, sind aber eben heute nur noch Sprachfolklore. Heute sind halt Mama und Papa allgegenwärtig – und dann eben wirklich schon lieber nach 68er-Art den Vornamen.

      Mit Waterloo geht es mir wie laut William Faulkner „jedem Jungen aus dem Süden“ bei der Erinnerung an Gettysburg: Wenn ich den Film von Bondartschuk sehe, denke und bete ich wieder und wieder: „Laß es diesmal klappen!“ Also Neys Kavallerie-Angriff oder dann den Angriff der Alten Garde.

    • Jan sagt:

      und ab dem 5. war Sechstagekrieg und das ist schon wichtig dass man das weiß weil doch der persische Mann aus der islamischen Welt stammt.

      Aber eben aus dem damals laizistisch-nationalistischen Persien/Iran und nicht aus der arabischen Welt… Sein Vater, der große Reza Schah, ist mal aus Wut in verdreckten Reitstiefeln in eine Moschee marschiert, und hat den Imam öffentlich geohrfeigt, weil der Rezas Frau respektlos behandelt hatte (nämlich ihr den touristischen Zutritt ohne Verschleierung verboten hatte.)

      https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/reza-schah-pahlavi-100.html

      Ich bin mir sicher, Iran und Israel werden sich eines Tages verständigen – es gibt keinerlei historische Belastungen (im AT soll sich angeblich kein einziges böses Wort über Persien finden, hat mir mal ein Pastor erklärt). Und es sind natürliche Verbündete.

      1967 jedenfalls waren Israel, der Iran und Südafrika informelle, aber gute Verbündete.

      Komische Dynastie, die Pahlavi… Nur zwei Generationen…

      Bei der Fußball-WM 2014 flatterte hier in der Gegend eine Weile die kaiserlich-iranische Fahne von einem Balkon. Kurioser Anblick.

      Ach, Deutschland brauchte wieder einen Scholl-Latour. Ich hab mich über sein halb-seniles Talkshow-Geschimpfe („le Colonel Alzheimer“) auch oft geärgert, aber er fehlt heute wirklich. 🙁

    • Jan sagt:

      Kurioser Tag, dieser Nikolaustag 2017:

      Die USA erkennen Jerusalem als Hauptstadt Israels an. Johnny Hallyday stirbt. Gibt es da einen ursächlichen Zusammenhang?

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