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Die Hauptstadt des Kevinismus

Gibt es Städte, in den häufiger Vornamen mit einer hohen Kevinismuswahrscheinlichkeit vergeben werden als anderswo? Ja, die gibt es – und die Hauptstadt des Kevinismus heißt nicht Berlin, sondern Goslar. Die niedersächsische Kleinstadt am Harz hat mit 26 Prozent die höchste durchschnittliche Kevinismuswahrscheinlichkeit. Berechnet habe ich das für alle Vornamen in meiner Stichprobe aus den Geburtsmeldungen des Jahres 2016 anhand der Werte aus der Kevinometer-App.

Goslar © jon_chica - fotolia.com

Goslar © jon_chica – fotolia.com

Die kevinistischten Städte Deutschlands

  1. Goslar
  2. Groß-Gerau
  3. Würselen
  4. Korbach
  5. Frechen
  6. Mosbach
  7. Marl
  8. Remscheid
  9. Bad Oeynhausen
  10. Bremerhaven

Die niedrigste Kevinismuswahrscheinlichkeit gibt es in Wasserburg am Inn, dort liegt sie im Schnitt bei 15 Prozent. Auch alle anderen Städte am unteren Ende der Kevinsimus-Rangliste sind in Bayern.

Unter den Großstädten (mindestens 100.000 Einwohner) führt Remscheid die Liste an. Hier die komplette Liste der deutschen Großstädte, sortiert nach der durchschnittlichen Kevinismuswahrscheinlichkeit:

20 Modenamen, die du früher überhaupt nicht kanntest

Zusammen mit den neuen Vornamenhitlisten habe ich ja schon die Aufsteiger des Jahres 2016 vorgestellt, nämlich Alessio, Anton, Carl, Elias, Joris, Leonard, Liam, Milan, Oskar und Theo sowie Alessia, Charlotte, Ella, Elli, Emilia, Juna, Matilda, Mila, Sophia und Tilda (alphabetisch sortiert). Für diese Vornamen habe ich festgestellt, dass ihr Anteil im Jahr 2016 im Vergleich zu 2014 und 2015 am stärksten gestiegen ist. Ich finde, dass die Anteile mehr über Trends aussagen als Ranglistenplätze, trotzdem möchte ich es nicht versäumen, auch die Sprünge in den Ranglisten zu untersuchen.

Ranglistenvergleich Top 500

Im Vergleich der Top 500 der Jahre 2015 und 2016 haben Samir und Jella den größten Aufwärtssprung gemacht. Alle Namen, die mindestens 100 Ranglistenplätze gestiegen sind:

Mia fährt Bus & Bahn in Bremen

Neulich war ich mal wieder in Bremen, wo ich meine Zwanziger verlebt habe, und traf gleich am Bahnhof auf MIA. Nein, keine alte Bekannte, sondern ein Angebot der Bremer Straßenbahn AG, kurz für „Mobil Im Abo“, das es laut meiner Recherche seit 2013 gibt. Ob sich Bremer Fans des Namens Mia darüber ärgern? Oder könnte der Ticket-Name sogar Eltern inspirieren? Bei einem solchen Top-Namen – in der Hansestadt seit Jahren im Wechsel mit Emma an der Spitze – ist das kaum feststellbar.

Trotzdem eine interessante Frage: Haben Namen aus Stadtbild oder -historie Einfluss auf die elterliche Wahl? Kommen Schwangere ins Schwärmen, wenn sie in verschnörkelten Lettern den (Familien-)Namen Jonas an der Front eines Tabakladens lesen? Könnte ein griechisches Lokal namens Eliá schon Nachahmer ins Standesamt getrieben haben, von denkbaren, womöglich unbewussten Vorlieben für Becky und Jacob (nach heimischer Genussmittelindustrie) gar nicht zu reden?

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Rathaus und Dom von Bremen © Mapics – fotolia.com

Wie auch immer, ich habe ein bisschen gegraben und kann noch einige Bremensien präsentieren, die auch für Nicht-Bremer anregend sein könnten:

Vorname des Jahres 2016: Elphi

Elphi ist der Vorname des Jahres 2016; allerdings nicht der häufigste, um das gleich klarzustellen. Im Gegenteil, laut meiner Datenerhebung wurde bisher kein einziges Mädchen Elphi genannt – Elfi oder Elfie kamen in letzter Zeit ab und zu vor; richtig häufig ist von allen Elfriede-Varianten nur Frieda.

Zumindest in Hamburg ist Elphi aber trotzdem in aller Munde und hat sich rasend schnell als Spitzname für die legendäre Elbphilharmonie durchgesetzt. Das erste Hamburger Mädchen namens Elphi wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Ich wäre nicht überrascht, wenn deren großer Bruder Michel hieße: so wie die St. Michaelis-Kirche, das andere Hamburger Wahrzeichen mit einem etablierten Spitznamen.

Elphi. Foto: Knud Bielefeld

Elphi. Foto: Knud Bielefeld

Was steckt noch dahinter, dass ich Elphi zum Vornamen des Jahres 2016 ernannt habe? Ich finde, dass Elphi ein typisches Symbol für gleich zwei der gegenwärtigen Namenstrends ist. Erstens ist es modern, Kurzformen von Vornamen als vollwertigen Namen eintragen zu lassen (z. B. Mia statt Maria, Ben statt Benjamin). Zweitens ist es modern, gewöhnlichen Vornamen durch eine abweichende Schreibweise eine besondere Note zu geben (z. B. Qevynn statt Kevin, Lehonny statt Leonie). Elphi als ungewöhnliche Schreibweise der Kurzform Elfie liegt somit gleich doppelt im Trend. Mit dieser Argumentation dürfte es auch keine Schwierigkeiten bei der Beurkundung des Namens geben. Elbphilharmonie darf man sein Kind natürlich nicht nennen, darum käme eigentlich auch die Kurzform nicht in Frage.

Außerdem hat Elphi Potenzial, die Übermacht der Namen Sophie und Marie bei den zweiten Vornamen anzugreifen. Seit Jahren heißen unglaublich viele Mädchen in Deutschland mit zweitem Vornamen Sophie oder Marie. Da bietet sich Elphi doch als originellere Alternative an, oder?

  • Vorname des Jahres 2015: Samu
  • Vorname des Jahres 2014: Neymar
  • Vornamen des Jahres 2013: Kathalea

Die beliebtesten Vornamen der Norddeutschen

Für die werdende norddeutsche Mama und alle, die mitreden wollen:

Cover Namen-NorddeutschlandEs gibt diverse Namenslisten für ratsuchende Eltern – noch nie jedoch gab es eine Zusammenstellung aus und für Norddeutschland.

Der Namensforscher Knud Bielefeld, der alljährlich die beliebtesten Vornamen Deutschlands ermittelt, und die Autorin Annemarie Lüning, beide überzeugte Schleswig-Holsteiner, beleuchten hier weit über hundert Jungen- und Mädchennamen. Bei der Auswahl ließen sie sich davon leiten, welche Namen Nord-Kinder in den letzten Jahren tatsächlich bekamen. Friesische oder skandinavische Spezialitäten finden sich ebenso wie Namen, die von ihren Ursprüngen nicht nordisch sind, in diesen Bundesländern aber auffällig oft vergeben werden.

Dies ist kein nüchternes Lexikon, sondern eine abwechslungsreiche, unterhaltsame Lektüre, randvoll mit Tipps, Erfahrungsberichten von Namensträgern und Eltern sowie interessanten Statistiken, die es sonst nirgendwo gibt.

Von Finn und Finja, Freya und Fritz: Die beliebtesten Vornamen der Norddeutschen

Klappenbroschur, 13 x 23,5 cm, 144 S., 12,95 €
Autoren: Annemarie Lüning & Knud Bielefeld
Verlag: vitolibro
ISBN 978-3-86940-017-4

Vor der Namenswahl nicht vergessen: Kevinometer befragen!

Der Name des Kindes soll gut klingen, das ist das wichtigste Kriterium der Eltern bei der Namensfindung. Der Name soll auf keinen Fall kevinistisch sein, das ist das zweitwichtigste Kriterium. Das ist jedenfalls mein Eindruck angesichts der E-Mails, die ich von ratsuchenden Eltern bekomme.

Jetzt bei Google PlayAls kevinistisch gelten Vornamen, die vorurteilsbeladen sind: Die Namensträger gelten als ungebildet und verhaltensauffällig, das Elternhaus als bildungsfern. Wie nachgewiesen wurde, haben Menschen Vorurteile wegen bestimmter Vornamen; Lehrer lassen sich bei der Notenvergabe davon beeinflussen.

Kevinometer iTunesIch habe unzählige Kriterien zusammengetragen, die typisch für kevinistische Vornamen sind und daraus eine Smartphone-App entwickelt: das Kevinometer. Das Kevinometer misst, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Name solche Vorurteile auf sich zieht.

Ab sofort in den App Stores für Android und iOS verfügbar!

kevinometer