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Mein seltener Name und ich: Marle

Ihr Vater musste 1976 zunächst unverrichteter Dinge aus dem Hamburger Standesamt abziehen. Nicht Marlene, nicht Merle wollten er und seine Frau ihre Erstgeborene nennen – was damals auch eher ausgefallen gewesen wäre –, nein, Marle sollte es sein. Der Name war ihnen auf der Suche nach „etwas Außergewöhnlichem“ in einem Namensbuch begegnet. „Der Standesbeamte fand, das sei kein Name, und meine Eltern sollten etwas Geläufigeres mit Bindestrich anhängen“, erzählt Marle. Als Klassik-Fans entschieden sie sich ziemlich spontan für Cosima, nach Cosima Wagner.

Aber der Bindestrich, dieser verflixte Bindestrich – im Schulalter war er der Hauptgrund dafür, dass Marle ihren Namen von Herzen hasste. Bei ihrer Schwester, die mit dem Namen BelePamina beglückt wurde, war es genauso. Ihre Eltern riefen die Mädchen zwar Marle und Bele, „als Koseform wurde aus Marle auch mal Minchen“, aber die Lehrer bestanden darauf, den vollen Namen zu nutzen: Marle-Cosima. Auf dem Gymnasium entwickelte sich daraus sogar ein Spitzname, den allerdings nur die Mitschüler gebrauchten: Marco. „Das fand ich noch ganz lustig. Ich war eher der robuste Typ, hab Fußball gespielt und wurde oft für einen Jungen gehalten.“

Nö zu Noél

Ein Fundstück aus dem Netz: „Für unseren Sohn finden wir den Namen Noél schön.“ Auf den Einwand, das Strichelchen auf dem e mache die Sache unnötig kompliziert und sei zudem leider falsch, entgegnete die werdende Mutter, man wolle so die gewünschte Aussprache sicherstellen, „damit er nicht Nöl gerufen wird“.

Ich würde ja sagen: Entweder, ich vertraue darauf, dass dieser Name zumindest der jüngeren Generation hinlänglich bekannt ist – sollte man bei Platz 102 eigentlich meinen –, oder ich lasse die Finger davon. Für selbst kreierte bzw. falsche Schreibweisen „zur Verdeutlichung“ wäre ich mir zu schade. Oder zu sehr Snob?! Ganz abgesehen davon, dass eine eigenwillige Schreibweise zu neuen Fehlern führt, weil man sich diese auch erst mal merken muss („Wie schreibt sich noch mal der Noe`l von Melzers?“).

Super Kevin

Es gab ihn wirklich, den Super Kevin! Ende des Jahres 1979 war Super Kevin im Auftrag des Mineralölunternehmens BP im Einsatz gegen die Energieverschwendung.

„Offenbar haben die Menschen Energie-Probleme. Das bedeutet Arbeit für unseren besten Mann, für Super Kevin!“

Die Werbe-Comicserie erschien damals einige Wochen lang in diversen Tageszeitungen, um das Image von BP zu verbessern.

BP, Super Kevin, Comic, 1979 k - BS 078

Super Kevin. Quelle: Historisches Archiv BP/Aral

Die Ähnlichkeit mit dem Fussballer Kevin Keegan ist nicht zufällig. Der Engländer spielte von 1977 bis 1980 in der Bundesliga beim Hamburger Sportverein und BP war gleichzeitig Hauptsponsor des HSV – so passte das zusammen und Kevin Keegan erhielt (laut Spiegel) ein Honorar von über 30.000 Mark (das entspricht 15.338 €).

Kevinometer 2 – mit tollem Bonus-Feature

Die bisher häufigste Frage von werdenden Eltern auf Babynamenssuche an mich:

Läuft unser favorisierter Vorname Gefahr, ähnlichen Vorurteilen ausgesetzt zu werden wie der Namen Kevin?

Zur Beantwortung dieser Frage habe ich die Kevinometer-App herausgebracht, seitdem wurde mir die Frage nicht mehr gestellt.

Die neue häufigste Frage:

Wie viele Kinder heißen UNSERLIEBLINGSNAME?

Ab sofort beantwortet das Kevinometer auch diese Frage! Anhand der repräsentativen Stichprobe, die ich für die Erstellung der Hitlisten der häufigsten Vornamen erhoben habe, ermittelt die App für über 2.000 Vornamen, wie viele Namensträger es pro Geburtsjahrgang gibt.
Kevinometer 2
Die Auswertungsgrundlage sind weit mehr als eine Million Geburtsmeldungen. Aus diesen Daten wird die Anzahl der Kinder hochgerechnet, die in den Jahren 2006 bis 2016 den bestimmten Namen bekamen.

Jetzt bei Google PlayKevinometer iTunes

Kennzahlen und Prozentwerte der beliebtesten Vornamen 2016

Die Kennzahlen zur Häufigkeit der beliebtesten Vornamen für 2016:

  • 17 Prozent aller Mädchen haben einen Namen aus den Top 10.
  • 50 Prozent aller Mädchen haben einen Namen aus den Top 59.
  • 85 Prozent aller Mädchen haben einen Namen aus den Top 500.
  • 16 Prozent aller Jungen haben einen Namen aus den Top 10.
  • 50 Prozent aller Jungen haben einen Namen aus den Top 61.
  • 86 Prozent aller Jungen haben einen Namen aus den Top 500.

Die Prozentwerte für die Vornamenhitliste 2016:

Mädchen Jungen
  1. Mia (2,42%)
  2. Emma (2,41%)
  3. Sophia / Sofia (2,13%)
  4. Hannah / Hanna (1,79%)
  5. Emilia (1,57%)
  6. Anna (1,46%)
  7. Marie (1,44%)
  8. Mila (1,40%)
  9. Lina (1,36%)
  10. Lea / Leah (1,34%)
  1. Ben (1,96%)
  2. Paul (1,76%)
  3. Jonas (1,70%)
  4. Elias (1,66%)
  5. Leon (1,65%)
  6. Finn / Fynn (1,63%)
  7. Noah (1,62%)
  8. Luis / Louis (1,58%)
  9. Lucas / Lukas (1,58%)
  10. Felix (1,53%)

Alle Angaben sind jeweils geschlechtsbezogen (d. h. 2,42 Prozent aller Mädchen heißen Mia und 1,96 Prozent aller Jungen Ben).

Ein Mädchenname auf Platz 100 kommt auf ca. 0,20 Prozent, ein Jungenname auf ca. 0,23 Prozent.

Grundlage dieser Auswertungen ist eine repräsentative Stichprobe aus 196.158 Geburtsmeldungen, die ungefähr 26 Prozent aller 2016 geborenen Kinder ausmacht. Vergleichbare Statistiken der Standesämter weisen meist höhere Anteile aus. Das liegt daran, dass ich nur die ersten Vornamen gezählt habe, während die Standesämter meist auch die zweiten und weitere Namen mitzählen.

Vorname des Jahres 2016: Elphi

Elphi ist der Vorname des Jahres 2016; allerdings nicht der häufigste, um das gleich klarzustellen. Im Gegenteil, laut meiner Datenerhebung wurde bisher kein einziges Mädchen Elphi genannt – Elfi oder Elfie kamen in letzter Zeit ab und zu vor; richtig häufig ist von allen Elfriede-Varianten nur Frieda.

Zumindest in Hamburg ist Elphi aber trotzdem in aller Munde und hat sich rasend schnell als Spitzname für die legendäre Elbphilharmonie durchgesetzt. Das erste Hamburger Mädchen namens Elphi wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Ich wäre nicht überrascht, wenn deren großer Bruder Michel hieße: so wie die St. Michaelis-Kirche, das andere Hamburger Wahrzeichen mit einem etablierten Spitznamen.

Elphi. Foto: Knud Bielefeld

Elphi. Foto: Knud Bielefeld

Was steckt noch dahinter, dass ich Elphi zum Vornamen des Jahres 2016 ernannt habe? Ich finde, dass Elphi ein typisches Symbol für gleich zwei der gegenwärtigen Namenstrends ist. Erstens ist es modern, Kurzformen von Vornamen als vollwertigen Namen eintragen zu lassen (z. B. Mia statt Maria, Ben statt Benjamin). Zweitens ist es modern, gewöhnlichen Vornamen durch eine abweichende Schreibweise eine besondere Note zu geben (z. B. Qevynn statt Kevin, Lehonny statt Leonie). Elphi als ungewöhnliche Schreibweise der Kurzform Elfie liegt somit gleich doppelt im Trend. Mit dieser Argumentation dürfte es auch keine Schwierigkeiten bei der Beurkundung des Namens geben. Elbphilharmonie darf man sein Kind natürlich nicht nennen, darum käme eigentlich auch die Kurzform nicht in Frage.

Außerdem hat Elphi Potenzial, die Übermacht der Namen Sophie und Marie bei den zweiten Vornamen anzugreifen. Seit Jahren heißen unglaublich viele Mädchen in Deutschland mit zweitem Vornamen Sophie oder Marie. Da bietet sich Elphi doch als originellere Alternative an, oder?

  • Vorname des Jahres 2015: Samu
  • Vorname des Jahres 2014: Neymar
  • Vornamen des Jahres 2013: Kathalea

Die beliebtesten Vornamen der Norddeutschen

Für die werdende norddeutsche Mama und alle, die mitreden wollen:

Cover Namen-NorddeutschlandEs gibt diverse Namenslisten für ratsuchende Eltern – noch nie jedoch gab es eine Zusammenstellung aus und für Norddeutschland.

Der Namensforscher Knud Bielefeld, der alljährlich die beliebtesten Vornamen Deutschlands ermittelt, und die Autorin Annemarie Lüning, beide überzeugte Schleswig-Holsteiner, beleuchten hier weit über hundert Jungen- und Mädchennamen. Bei der Auswahl ließen sie sich davon leiten, welche Namen Nord-Kinder in den letzten Jahren tatsächlich bekamen. Friesische oder skandinavische Spezialitäten finden sich ebenso wie Namen, die von ihren Ursprüngen nicht nordisch sind, in diesen Bundesländern aber auffällig oft vergeben werden.

Dies ist kein nüchternes Lexikon, sondern eine abwechslungsreiche, unterhaltsame Lektüre, randvoll mit Tipps, Erfahrungsberichten von Namensträgern und Eltern sowie interessanten Statistiken, die es sonst nirgendwo gibt.

Von Finn und Finja, Freya und Fritz: Die beliebtesten Vornamen der Norddeutschen

Klappenbroschur, 13 x 23,5 cm, 144 S., 12,95 €
Autoren: Annemarie Lüning & Knud Bielefeld
Verlag: vitolibro
ISBN 978-3-86940-017-4

Vor der Namenswahl nicht vergessen: Kevinometer befragen!

Der Name des Kindes soll gut klingen, das ist das wichtigste Kriterium der Eltern bei der Namensfindung. Der Name soll auf keinen Fall kevinistisch sein, das ist das zweitwichtigste Kriterium. Das ist jedenfalls mein Eindruck angesichts der E-Mails, die ich von ratsuchenden Eltern bekomme.

Jetzt bei Google PlayAls kevinistisch gelten Vornamen, die vorurteilsbeladen sind: Die Namensträger gelten als ungebildet und verhaltensauffällig, das Elternhaus als bildungsfern. Wie nachgewiesen wurde, haben Menschen Vorurteile wegen bestimmter Vornamen; Lehrer lassen sich bei der Notenvergabe davon beeinflussen.

Kevinometer iTunesIch habe unzählige Kriterien zusammengetragen, die typisch für kevinistische Vornamen sind und daraus eine Smartphone-App entwickelt: das Kevinometer. Das Kevinometer misst, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Name solche Vorurteile auf sich zieht.

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