Wissenschaft
Nazis und nordische Vornamen
Mal davon abgesehen, dass Frieda gar kein nordischer Name ist, der Verfasser dieses Kommentars liegt auch sonst daneben:
Frieda, Freia, Frikka, alles wunderbar nordische, arische Namen. Die Nazis hätten ihre Freude gehabt.
Der Irrtum ist weit verbreitet, dass nordische Vornamen unter den Nazis gern gesehen waren. Der Hauptgrundsatz zur Vornamenvergabe lautete “Kinder deutscher Volksgenossen sollen in erster Linie gute deutsche Vornamen erhalten”. Nordische Vornamen gehörten nicht dazu, wie Standesamtsdirektor Wlochatz 1942 erläuterte:
Welche darunter zu verstehen sind, lehrt das vorliegende Verzeichnis. Vornamen, die ausgesprochenes Eigentum der nordgermanischen Völker – der Dänen, Schweden, Norweger usw. – sind, können nicht zu den deutschen Vornamen gezählt werden; sie sind nicht erwünschter als andere ausländische Vornamen. Anders verhält es sich mit den Namen, die im niederdeutschen Sprachgebiet, bei den Friesen, Jüten, Dithmarschen usw. in Brauch sind. Ist doch das Niederdeutsche mit seinen vielen Mundarten ebenso “deutsche Sprache” wie das “Hochdeutsche”.
Quelle: Wlochatz, Auswahl gebräuchlicher Vornamen (10. Auflage von 1942)
Weitere Beiträge zum Thema:
Von Frikadellen und Buletten
Die Vornamenvorlieben sind ja regional durchaus unterschiedlich, wie die Länderstatistiken zeigen. Besonders deutliche regionale Unterschiede weist aber die Alltagssprache auf. Prof. Dr. Stephan Elspaß, Universität Augsburg, und Prof. Dr. Robert Möller, Université de Liège, untersuchen das in ihrem Projekt “Atlas zur deutschen Alltagssprache”.
Hier zum Beispiel eine Karte, die zeigt,wo ein gebratener Fleischkloß „Frikadelle“, „Bulette“ oder „Fleischküchle“ genannt wird: Diesen Beitrag weiterlesen »
Vornamen in Leipzig im 18. Jahrhundert
Die häufigsten Mädchennamen in Leipzig im 18. Jahrhundert sind auch heutzutage fast alle wieder modern:
- Johanna
- Christiana
- Maria
- Sophia
- Dorothea
- Elisabeth
- Rosina
- Regina
- Wilhelmina
- Henriette
Mehr zum Thema verrät Claudia Rothe: Leipziger Vornamen vor 200 Jahren
Die Vornamengebung des Mansfelder Landes – Euphonie und Anglophilie
Von Yvonne Thormann
In den vorangegangen Artikeln hatte ich mich den Haupttrends in der Namenvergabe des Mansfelder Landes gewidmet, die die traditionelle Nachbenennung und eine Orientierung an altem oder als älter empfundenen Namengut beinhalten. Als Schlussakkord soll es nun um den beachtlichen Rest der Tendenzen gehen, der sich aus der Auswertung der Daten im Allgemeinen ergeben hat.
Von jeher ist neben der sozialen Bedeutung der Klang eines Namens das wesentliche Merkmal, von dem sich Eltern bei der Suche leiten lassen. »Der Name hat uns einfach gefallen.« – Eine Antwort, die bei einer Befragung im Land wohl am häufigsten gegeben werden würde, bezieht sich meistens auf das Wohlempfinden, das eine Lautfolge in unseren Ohren verursacht. Diese Euphonie gestaltet sich je nach Sprach- und Kulturkreis unterschiedlich, daher finden viele Westeuropäer konsonantenreiche und als hart empfundene Namen arabischer oder osteuropäischer Herkunft nicht besonders schön. Diesen Beitrag weiterlesen »
Mädchen- und Jungennamen immer ähnlicher
Die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Damaris Nübling von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat in einer Forschungsarbeit herausgefunden, dass die bevorzugten Mädchen- und Jungennamen mit der Zeit immer ähnlicher geworden sind. Das betrifft zum Beispiel die Anzahl der Silben und das Verhältnis von Vokalen und Konsonanten. Die Einzelheiten zu diesem Projekt habe ich im Artikel “Sprachliche Unterschiede zwischen Mädchennamen und Jungennamen” zusammengestellt.
In einer Veröffentlichung zu diesem Thema bewertet die Forscherin auch die deutschen Vornamenstatistiken: Diesen Beitrag weiterlesen »