Gericht & Standesamt

Von 30. Juli 2009 7 Kommentare Weiterlesen →

Babyface-Ralph, Jihad und Lola-Love waren vor Gericht

Wie ich erst heute erfahren habe,hat das Standesamt Erlangen heftige Gegenwehr gegen die Eintragung der Vornamen Babyface-Ralph, Jihad, Rolex, Lola-Love und Venus-Hornaelle geleistet – vergeblich, denn vor Gericht haben die Eltern diese Vornamen durchgesetzt.

Da fällt es leicht, die Sorgen nachzuvollziehen, die sich Gregor Boldt macht. Im Portal Der Westen erinnert er zunächst an berühmte Männer mit den Vornamen Helmut, Horst, Norbert und Gerhard und bedauert die neuen Vornamenmoden:

Dennoch: der Glanz dieser Namen und der Männer, die sie tragen und getragen haben, ist verblasst. Mit Ausnahme natürlich der bunten Helmut-Schilder, die lustig im Führerhäuschen eines 40-Tonners vor sich hinblinken. Vergeblich sucht man in diesen Tagen solche Vornamen in den Geburtsanzeigen. Sie geraten in Vergessenheit. Neue Erdenbürger heißen heute anders. Also nicht bloß schwedisch Anders, sondern ganz anders. Wir müssen uns daran gewöhnen, in den nächsten Dekaden von Justin-Jeromes, Connor-Dylans und Cindy-Cheyennes regiert zu werden.

Gesetzentwurf über die Änderung der Vornamen

Das Transsexuellengesetz soll nach dem Willen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen durch ein „Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit“ ersetzt werden. Das sieht ein entsprechender Gesetzentwurf der Fraktion (16/13154) vor, der am Donnerstag erstmals auf der Tagesordnung des Bundestagsplenums steht. Zur Begründung heißt es in der Vorlage, das Transsexuellengesetz stelle für die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit „unbegründete Hürden auf, die die Würde und die Selbstbestimmung von transsexuellen Menschen beeinträchtigen“.

Quelle: Deutscher Bundestag, Pressemitteilung

Randy darf endlich Randy heißen

In der Geburtsurkunde des dreijährigen Randy Hofmann aus Niedersachsen stand bisher „Ein Knabe mit dem Familiennamen Hofmann, der noch keinen Vornamen erhalten hat“, weil das Standesamt den Namen Randy nur in Verbindung mit einem weiteren, geschlechtseindeutigen Namen eintragen wollte. (siehe den Beitrag „Randy als Jungenname abgelehnt„)

Nachdem das Bundesverfassungsgericht kürzlich in einem anderen Fall entschieden hat, dass geschlechtsneutrale Namen das Kindeswohl keineswegs beeinträchtigen (siehe „geschlechtsneutrale Vornamen ohne Zweitnamen erlaubt„), lenkte jetzt auch das zuständige Standesamt Uelzen ein und beurkundete den Vornamen, wie die Allgemeine Zeitung Uelzen berichtet. Herzliche Glückwünsche den beharrlichen Eltern zu Ihrem Erfolg!

Bürokratieärger wenn der Vorname fehlt

Die Heilbronner Stimme berichtet über Probleme des Standesamtes mit Menschen ohne Vornamen. Während das deutsche Namensrecht eindeutig zwischen Vor- und Nachnamen unterscheidet, ist diese Systematik in vielen Kulturen unbekannt.

So gibt es in arabischen Ländern die Praxis, einen Eigennamen zu führen, der von den Eigennamen des Vaters und des Großvaters gefolgt wird. Bei Tamilen bekommen Neugeborene zuerst den Vaternamen und dann einen Eigennamen. Bei der Einbürgerung in Deutschland darf der Betroffene dann selbst entscheiden, welcher Name sein Vor- und welcher sein Nachname werden soll.

Indonesier, die oft ausschließlich einen Eigennamen haben, können sich bei der Einbürgerung einen deutschen Familiennamen aussuchen.

Geschlechtsneutrale Vornamen ohne Zweitnamen erlaubt

Bei der Eintragung eines Babynamens gibt es oft Streit mit dem Standesamt, ob ein Vorname geschlechtsneutral, also sowohl für Mädchen als auch für Jungen üblich ist. Laut § 262 der Dienstanweisung für Standesbeamte muss dann nämlich ein weiterer, geschlechtseindeutiger Vorname vergeben werden. (wörtlich: „Lässt ein Vorname Zweifel über das Geschlecht des Kindes aufkommen, so ist zu verlangen, dass dem Kinde ein weiterer, den Zweifel ausschließender Vorname beigelegt wird.“)

Das Bundesverfassungsgericht hat am 5. Dezember 2008 in einer beachtenswerten Entscheidung darauf hingewiesen, dass diese Anweisung nur eine Verwaltungsvorschrift ohne Gesetzescharakter ist. Gesetzlich ist nur festgelegt, dass der gewählte Vorname und das Geschlecht des Kindes in das Geburtenregister eingetragen werden müssen. Darüber, dass das Geschlecht aus dem Namen abgeleitet werden kann, gibt es keine gesetzliche Regelung.

Sabsudin darf jetzt Sebastian heißen

Das Verwaltungsgericht Koblenz hat entschieden, dass ein Junge seinen ursprünglichen Vornamen Sabsudin in Sebastian ändern darf, weil er durch den Namen erkennbar belastet wird. (Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 10. Dezember 2008, 5 K 957/08.KO)

Von 18. Dezember 2008 Weiterlesen →

Darf ein Kind Adolf Hitler heißen?

Aus den USA wurde kürzlich berichtet, dass ein Kind mit erstem Vornamen „Adolf“ und mit zweitem Vornamen „Hitler“ heißt und damit ein Problem hat: Ein Konditor weigerte sich, die bestellte Geburtstagstore mit diesem Namen zu verzieren. In Deutschland wäre diese Vornamen-Kombination gar nicht erst zugelassen worden. Abgesehen davon, dass „Hitler“ kein üblicher Vorname ist, wäre das Kindeswohl gefährdet und somit liegen zwei Gründe vor, die die Eintragung dieses Namens verhindern.

Beate: albern statt glücklich in Frankreich

Den Vornamen Beate deuten wir in Deutschland aus dem lateinischen als „Die Glückliche“. In den 1960er Jahren war das einer der häufigsten weiblichen Vornamen in Deutschland. Trotzdem möchte eine Akademikerin aus Münster lieber Béatrice heißen. Grund: Sie arbeitet in Frankreich, und dort ist das Wort béate ein Adjektiv und bedeutet „albern“, „einfältig“ oder „kindlich“.