Namen in Büchern

Schon von Kijara und Balmy Gil gehört?

Ihr kennt Kijara und Balmy Gil nicht? Kein Wunder, die gibt es gar nicht wirklich, die kommen nur in Büchern vor!

Kijara heißt eine Soziologiestudentin im Roman Sommerhit. Den Namen hat sich Tom Liehr wohl nur ausgedacht, um seinem Protagonisten eine kleine Lästerei in den Mund zu legen:

Die Menschen im Osten hatten seltsame Dinge mit der Schreibung der Namen ihrer Kinder angestellt, aber der Westen zog nach.

Vom Westen handelt Jeannette Walls Roman Ein ungezähmtes Leben – genau gesagt vom Wilden Westen Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Autorin erzählt von einem Mann mit vier Frauen aus Arizona:

Bei der Geburt eines seiner Kinder hatte der Mann die Bibel wahllos aufgeschlagen und mit geschlossenen Augen auf eine Passage gedeutet, in der die Rede vom Balsam aus Gilead war, und dem Baby prompt den Namen Balmy Gil verpasst.

Deshalb ist es so schlimm, wenn jemand einen häßlichen Namen hat


Ich habe kürzlich ein faszinierendes, aber auch sehr trauriges Buch gelesen: Tage im Juni von Gerbrand Bakker. Und weil es ein niederländisches Buch ist, kommen in dem Buch viele (für uns) ungewöhnliche Vornamen vor.

So gibt es einen Mann namens Teun, der mit seinem Namen allerdings alles andere als glücklich ist, was seine Mutter zum Nachdenken bringt:

Dabei hat man ja nicht zufällig einen bestimmten Namen. Ihr Mann und sie haben sich doch was dabei gedacht, als sie ihn Teun nannten. Namen sind wichtig, deshalb ist es so schlimm, wenn jemand einen häßlichen Namen hat. Dieke? Irgendwie ja auch schrecklich für das Kind.

Im Mittelpunkt des Romans steht aber Familie Kaan: Vater Zeeger, die Söhne Klaas, Jan und Johan, Mutter Anna und Tochter Hanne. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen zitiere ich zum Schluss noch eine Textstelle, schließlich hat sie etwas mit Namen zu tun. Johan Kaan fragt darin

„Wie heißt Du?“

„Leslie“

„Leslie? Was ist das denn für ein Name? Kommst du aus Afrika?“

Namenstipps für Schriftsteller

Dass Vornamen Vorurteile hervorrufen, haben Psychologen und Soziologen schon nachgewiesen. Dabei kann der Träger eines Namens ja überhaupt nichts dafür, wie er heißt – der Name gibt eher etwas über die Eltern preis, die den Vornamen ausgewählt haben.

Schriftsteller kennen die persönlichen Eigenschaften ihrer Romanfiguren bereits, wenn sie auf Namenssuche gehen. Die Berliner Autorin und Lektorin Jutta Miller-Waldner empfiehlt ihren Kollegen ausdrücklich, sich bei der literarischen Namenswahl von Vorurteilen leiten zu lassen. Hier einige ihrer persönlichen Vorurteile:

Vornamengeschichte von Maximilian Buddenbohm

Zur Veröffentlichung seines ersten Buches hat uns Maximilian Buddenbohm verraten, wie er auf die Namen seiner Kinder gekommen ist. Inzwischen ist sein drittes Buch erschienen. Ich möchte aber aus seinem zweiten Buch zitieren – da hat er nämlich etwas vornamenrelevantes geschrieben!

Im Buch Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein erzählt Buddenbohm von seiner Jugendzeit in Travemünde. (Pflichtlektüre für alle, die demnächst dort Urlaub machen!) Um Vornamen geht es erst im Schlusskapitel, wenn der Autor (der jetzt in Hamburg lebt …) nach vielen Jahren seinen besten Kumpel aus der Jugendzeit wiedertrifft:

Er fragte nach meinem Beruf, nach Frau und Kindern. „Zweite Ehe“, sagte ich, „und zwei Söhne. Und du?“

„Erste Ehe und ein Sohn“, sagte er. „Er heißt Maximilian.“

„Oh“, sagte ich.

44, Scotland Street

Aus einem Fortsetzungsroman in der Tageszeitung „The Scotsman“ über das Leben einiger (fiktiver) Einwohner der schottischen Stadt Edinburgh ist eine erfolgreiche Buchserie geworden. So erfolgreich, dass mittlerweile vier Bände sogar ins Deutsche übersetzt worden sind: Die Rede ist von „44, Scotland Street“ von Alexander McCall Smith und der Star der Serie ist Bertie, ein fünf Jahre alter Junge, der Saxophon spielt und italienisch lernt. Statt Yoga zu machen würde er viel lieber mit anderen Kindern spielen, aber seine Mutter ist sehr ehrgeizig …

Auch in der Schule hat es Bertie nicht immer leicht, wie wir im vierten Band „Tür an Tür in der 44 Scotland Street“ erfahren:

Namengebung ohne allen Sinn und Verstand

Das in unserer Zeit bei der Namengebung ohne allen Sinn und Verstand verfahren werde, haben verständige Männer längst gerügt.

Allein die altmodische Formulierung lässt darauf schließen, dass dieses Zitat schon etwas älter ist – für die These gibt es auch „in unserer Zeit“ viele Anhänger!

Gefunden habe ich diesen Satz in der Novelle „Michel. Geschichte eines Deutschen unserer Zeit“ von Johannes Scherr aus dem Jahr 1858. Im folgenden Abschnitt diskutieren die Eltern über den Namen ihres Sohnes:

Große Debatte über den unglückseligen Namen Michel

»Du weißt, es hat mich stets geärgert und gekränkt, daß unser Bub den unglückseligen Namen Michel führt …«
»Warum nicht gar!«
»O, du weißt es wohl. Du solltest auch noch nicht vergessen haben, wie tödlich ich erschrak, da ich, als ihr den Täufling aus der Kirche zurückbrachtet, erfahren mußte, daß du ihm als ersten Namen Michel gegeben habest und erst als zweiten den Namen Siegfried, wie sein Pate, mein Bruder selig, hieß.«
»Alte Geschichten, Trudchen, alte Geschichten. Im übrigen hab‘ ich nie begreifen können und begreife auch jetzt noch nicht, wie du gegen den ehrlichen Namen Michel eingenommen sein konntest und kannst.«

Die Namenswahl bei Madame Bovary

Der französische Schriftsteller Gustave Flaubert hat mit seinem 1856 veröffentlichten Roman „Madame Bovary – Ein Sittenbild aus der Provinz“ ein bedeutendes Werk der Weltliteratur geschaffen. Bedeutend auch für Vornameninteressierte, denn Flaubert beschreibt darin, wie die Hauptfigur Emma Bovary auf den Namen ihrer Tochter gekommen ist:

Namensvorlieben von Commissario Brunetti

Da musste ich mich durch 16 Bände der Commissario Brunetti-Krimiserie von Donna Leon arbeiten, bis ich endlich in Band 17 „Das Mädchen seiner Träume“ eine Textstelle gefunden habe, in der es um Vornamen geht: