Namen in Büchern

Kennen Sie Falko von Falkenstein?

Vielleicht werde ich langsam etwas seltsam, weil bei uns zu Hause und auf jeder Autofahrt „Bibi und Tina“-CDs rauf und runter laufen. Jedenfalls bin ich neulich an einer Nebenfigur der Serie hängengeblieben, dem monokelbewehrten Vater von Tinas Freund Alex: Falko von Falkenstein.

Den Namen Falko oder auch Falco habe ich lange Zeit in die Schublade mit der Aufschrift „Geht nicht wegen übermächtiger Assoziationen“ gepackt. Wer möchte schon, dass „Amadeus, Amadeus“ oder gar „Jeanny“ angestimmt wird, wenn der Name seines Kindes fällt? Andererseits liegt die große Zeit von Johann „Hans“ Hölzel, der sich als Künstler Falco nannte, schon viele Jahre zurück, sein Unfalltod ebenfalls. Nachdem ich nun x-mal dem blasierten Tonfall des Grafen von Falkenstein gelauscht habe, finde ich plötzlich: Der Name ist gar nicht übel. Ausgerechnet eine lustig angelegte Kinderbuchfigur hat Falko/Falco für mich aus den Fesseln der Assoziation befreit.

Vornamen bei „Game of Thrones“

Von Monika Reichelt

Die Serie ist verdientermaßen in aller Munde, die Fangemeinde wächst stetig, da wird es langsam Zeit, das „Lied von Eis und Feuer“, wie die Romanvorlage von George R. R. Martin ja heißt, mal vornamenstechnisch abzuklopfen.


Auf alle kann und will ich an dieser Stelle nicht eingehen (es sind inzwischen ja doch hunderte von mehr oder weniger wichtigen Charakteren aufgetaucht und benannt worden), aber zumindest die Namen der Hauptfiguren und einige ausgewählte weitere möchte ich dann doch mal näher betrachten.

Grundsätzlich kann man die Vornamen in drei Kategorien einteilen:

  1. Namen, die so auch in unserer jetzigen Welt vorkommen
  2. Namen, die an tatsächlich existierende erinnern, aber anders geschrieben oder leicht verändert wurden
  3. Komplette Fantasy-Namen

Wobei am Anfang der Geschichte noch viele der Kategorie 1 angehören und mit dem Fortschreiten der Handlung eine Tendenz in Richtung 2 und 3 erkennbar ist.

Ostern mit Pucki

Irgendwoher kommt der Gedanke. Kommt und springt mich an wie der langohrige Verteiler von Schokoladen- und Marzipaneiern: Ich könnte meiner Tochter (6) jetzt doch mal die Osterepisode von „Försters Pucki“ vorlesen. Gerade an den Feiertagen gibt mir etwas Nostalgie ein gutes Gefühl, so heimelig. Bei meinen Eltern steht die vielbändige Buchreihe von Magda Trott, die zuerst zwischen 1935 und 1941 erschien, neben anderen alten Schmökern im Schrank.

Meine Tochter wird sich vermutlich darüber wundern, dass ein Kind so gerufen wird wie (ganz ähnlich) ihr erstes Fahrrad hieß. Die richtigen Namen der Kinder werden sie jedoch nicht irritieren. Die Heldin der Serie heißt eigentlich Hedwig, aber so wird sie nie genannt. Eher Hedi – und noch öfter eben Pucki. Ihre kleinen Freunde, mit denen sie gemeinsam Ostereier sucht, Kinder eines Gutsbesitzers und ihres Zeichens Drillinge, heißen Paul, Walter und Fritz. Gut, Walter ist Kindern von heute nicht geläufig (ob sich das noch ändert?). Der Rest aber schon. Die Tochter meines Cousins heißt Hedi – eher als das wohl zu gestreng klingende Hedwig wird heute direkt die Kurzform vergeben (2013 immerhin Platz 287). Es gibt aber auch eine ganz aktuelle Kinderbuchheldin aus Schweden mit Namen Hedvig. Und Harry Potters Eule war da ja auch noch. Ja, und Paul … ein echter Spitzenreiter (2013 Platz 3). Äußerst vertraut wird meiner Tochter der wilde Junge vorkommen, hat sie doch einen ähnlich gearteten (sagt sie jedenfalls immer) in ihrer Kindergartengruppe.

Selma, Gustav und der kleine Vampir

Bei manchen Sätzen kann man wirklich nur staunen, dass man das mal gesagt hat. Ich erinnere mich gut daran, wie ich mir im Alter von etwa zehn vorgestellt habe, wie es gewesen wäre, wenn ich nicht (wie es der Fall ist) den Namen meiner einen Oma, sondern die beiden Namen der anderen Oma geerbt hätte: „Gertrud ginge ja noch. Aber Selma? Furchtbar!“ – das waren meine Worte.

Gut dreißig Jahre später finde ich die Vorstellung, ich hieße Gertrud, vollkommen abstrus. Lieber halte ich es mit Else Ury, die ihr „Nesthäkchen“ (Annemarie!) bei einer Puppentaufe sagen lässt: „Gertrud heißen doch nur alte Damen.“ Oma Gertruds Zweitnamen Selma hingegen habe ich sogar meiner Tochter mitgegeben.

Dschack-Kell-Liene

Schriftsteller machen sich zwangsläufig Gedanken über Vornamen, denn sie müssen ja ihren Romanfiguren Namen geben. Durch die Namen der Protagonisten verraten die Autoren uns Lesern oft viel über ihre Ansichten und Vorurteile zu manchem Namen. Tom Liehr zum Beispiel findet den Namen Korbinian originell, das schreibt er so wörtlich in seinem Roman Leichtmatrosen.

Auch zum Vornamen Jacqueline hat er wohl einige Assoziationen, jedenfalls erweckt die folgende Textstelle aus Leichtmatrosen bei mir diesen Eindruck:

„Ich habe mal eine Woche auf Mallorca verbracht“ – Simon sprach den Inselnamen mit zwei l aus – „vor acht oder neun Jahren. Da war ich mit diesem Täubchen aus Marzahn zusammen. Jacqueline.“ Auch hier ließ er nicht einfließen, dass der Name eigentlich kein deutscher war: Dschack-Kell-Liene.

Dietrich oder Frederick – umbenannte Helden

Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen ist – aber ich war mal ein großer Fan von Enid Blytons „Geheimnis um …“-Serie. Geheimnis um ein Haus im Wald, Geheimnis um eine siamesische Katze und so weiter. Die Namen der Kinder, die dem Dorfpolizisten Wegda immer wieder eine lange Nase zeigen, haben sich mir fest eingeprägt: Rolf alias Rudolf, Philipp, der stets Flipp genannt wird, Gina/Regine, Betti/Elisabeth – und allen voran der etwas eingebildete Meister der Maskierung Dietrich Ingbert Carl Kronstein, von seinen Freunden nach seinen Initialen Dicki genannt. Dass die Namen eher ältlich waren – kein Wunder, der erste Band erschien im Original 1943, auf deutsch 1953 –, trübte mein Lesevergnügen in keiner Weise. Ich glaube sogar, es fiel mir gar nicht auf.

Anne mit den roten Haaren

Für Kinder mit roten Haaren findet man schwerer einen Namen – auf diese krause Theorie stieß ich jetzt in einem Forum. Mag ja sein, dass man sich manchen aus dem hohen Norden stammenden Namen eher blond vorstellt und Südländisches logischerweise dunkel. Ich selbst habe kürzlich etwas befremdet auf einen strohblonden Gian Luca geschaut (und zuerst „Jan-Lukas“ verstanden). Doch dass dabei für Rotschöpfe so gar nichts abfiele – sofern die Haarfarbe bei der Namenswahl überhaupt schon als feste Größe gelten kann –, halte ich für Schwarz-Weiß-Malerei.

Die graue Maus, die Wiebke hieß …

M. Buddenbohm„Irgendein Name musste es ja sein“ kommentierte Maximilian Buddenbohm ein Kapitel seines Buches Marmelade im Zonenrandgebiet. Dort beschreibt er eine Kommilitonin nicht gerade schmeichelhaft:

… fragte mich die graue Maus, die auch noch Wiebke hieß, als wäre sie mit ihrem Aussehen nicht schon gestraft genug.

Ganz zufällig hat Buddenbohm diesen Namen wohl aber doch nicht ausgewählt, denn Ende der 1980er Jahre gab es an den Universitäten durchaus die eine oder andere Stundentin namens Wiebke.