Menschen & Namen

Jescika – mal was anderes

Wirklich, ich kann es verstehen, wenn man sich einen seltenen Namen für sein Kind wünscht. Allerdings sollte das, je „besonderer“ der Wunschname ist, gut überlegt sein. Da ist zum Beispiel das beliebte Konzept „Man nehme einen gängigen Namen und motze die Schreibweise tüchtig auf“. Was ist damit gewonnen? Ich finde jedenfalls, dass etwa die Eltern des kleinen Luckas (wie Luckas der Lockomotivführer oder wie?!) arg übers Ziel hinausgeschossen sind. Als in einer Online-Diskussion der Name Sophiya ehrlichen Beifall fand („So wird nicht jeder geschrieben, das finde ich gut“), konnte ich auch nur noch Bauklötze staunen.

Ein neuer Name ist wie ein neues Leben

Namen sind wie Kleidungsstücke mit Elasthan: ziemlich elastisch. Man wächst rein, liebt sie vielleicht nicht, aber nimmt sie an. One size fits all?! Dass so selten was kneift oder schlackert, liegt natürlich auch daran, dass die Mehrzahl der Eltern nicht allzu risikofreudig ist: Noch heute bekommt jedes zweite in Deutschland geborene Kind einen Namen aus den Top-60. Erweitert man auf die Top-500, sind über 80 Prozent aller Kinder abgedeckt. Trotzdem gibt es Fälle, wo es gehörig in den Nähten kracht. Bei meiner heutigen Interviewpartnerin war das so. In ihrem Geburtsjahr 1975 endete der Vietnamkrieg, Freddy Mercury schrieb „Bohemian Rhapsody“ und das erste Yps-Heft lag an den Kiosken. Ihre Eltern suchten für sie damals einen ganz besonderen Namen aus: Zuleyka. Wenn das kein Hingucker ist!

Wie es sich mit einem belasteten Vornamen lebt

Der Name Adolf ist belastet. Trotzdem gibt es in vielen Städten eine Adolfstraße – so auch in vielen holsteinischen Städten, wo es meistens daran liegt, dass die Schauenburger Grafen Adolf II, III & IV im 12. und 13. Jahrhundert bedeutende Landesherrn waren und eine wichtige Rolle in der Geschichte Schleswig-Holsteins spielten. Zum Beispiel sind die Städte Lübeck und Kiel von diesen Grafen gegründet worden.

Adolfstrasse

Viel alltäglicher ist der Namensgeber der Adolfstraße, deren Straßenschild ich im ebenfalls holsteinischen Ahrensburg fotografiert habe: Der urspüngliche Besitzer des Grundstücks hieß Adolf. Interessant finde ich, dass am Straßenschild überhaupt eine Erläuterung hängt, denn das ist ungewöhnlich. Hat die Stadtverwaltung womöglich zur Herkunft dieses Straßennamens besonders viele Nachfragen erhalten, weil Adolf ein belasteter Name ist?

Anne Haeming hat ein spannendes Projekt in die Wege geleitet: Name:Adolf
Die Journalistin hat sich auf die Suche nach Adolfs gemacht und herausgefunden, wie der Name die Männer geprägt hat und warum sie so heißen. Ich verrate schon mal, dass keiner der Befragten einen holsteinischen Grafen als Namensvorbild genannt hat; alles Weitere ist auf der Website des Projekts zu lesen.

Mitglieder der 16. Bundesversammlung

Deutschlands neuer Bundespräsident heißt Frank-Walter (seine Freunde nennen ihn Frank). Aber wer hat ihn gewählt?

Bundesversammlung
Hier die Vornamen der Mitglieder der 16. Bundesversammlung, die am 12. Februar 2017 Frank-Walter Steinmeier zum 12. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt haben:

Damen Herren
  1. Petra (11)
  2. Gabriele (10)
  3. Katja (9)
  4. Barbara (8)
  5. Eva (8)
  6. Kerstin (8)
  7. Sabine (8)
  8. Christina / Kristina (7)
  9. Christine (7)
  10. Iris (7)
  11. Karin (7)
  12. Kathrin / Katrin (7)
  13. Susanne (7)
  14. Sylvia (7)
  15. Andrea (6)
  16. Annette (6)
  17. Bettina (6)
  18. Dagmar (6)
  19. Angelika (5)
  20. Astrid (5)
  21. Birgit (5)
  22. Claudia (5)
  23. Daniela (5)
  24. Doris (5)
  25. Heike (5)
  26. Katarina / Katharina (5)
  27. Simone (5)
  28. Ulrike (5)
  29. Ute (5)
  30. Anja (4)
  31. Antje (4)
  32. Bärbel (4)
  33. Beate (4)
  34. Britta (4)
  35. Carola (4)
  36. Elisabeth (4)
  37. Ingrid (4)
  38. Julia (4)
  39. Jutta (4)
  40. Maria (4)
  41. Monika (4)
  42. Ursula (4)
  1. Thomas (35)
  2. Stefan / Stephan (28)
  3. Michael (25)
  4. Hans (23)
  5. Claus / Klaus (18)
  6. Mathias / Matthias (18)
  7. Peter / Péter (17)
  8. Christian (16)
  9. Frank (15)
  10. Alexander (14)
  11. Andreas (14)
  12. Marcus / Markus (14)
  13. Martin (14)
  14. Wolfgang (14)
  15. Rainer / Reiner (13)
  16. Bernd (11)
  17. Norbert (11)
  18. Franz (9)
  19. Karl (9)
  20. Oliver (9)
  21. André (8)
  22. Dieter / Diether (8)
  23. Günter / Gunther (8)
  24. Jörg (8)
  25. Jürgen (8)
  26. Uwe (8)
  27. Volker (8)
  28. Bernhard (7)
  29. Carsten / Karsten (7)
  30. Jens (7)
  31. Joachim (7)
  32. Johannes (7)
  33. Axel (6)
  34. Dirk (6)
  35. Florian (6)
  36. Georg (6)
  37. Helmut (6)
  38. Jan (6)
  39. Manfred (6)
  40. Ralf / Ralph (6)
  41. Thorsten / Torsten (6)
  42. Tobias (6)
  43. Christoph (5)
  44. Daniel (5)
  45. Herbert (5)
  46. Horst (5)
  47. Josef (5)
  48. Kai (5)
  49. Lars (5)
  50. Sebastian (5)
  51. Ulrich (5)
  52. Detlef / Detlev (4)
  53. Dietmar (4)
  54. Eckhard / Eckhardt (4)
  55. Gerhard (4)
  56. Harald (4)
  57. Heinz (4)
  58. Hendrik (4)
  59. Patrick (4)
  60. Reinhard (4)
  61. Roland (4)
  62. Rüdiger (4)
  63. Sven / Swen (4)
  64. Volkmar (4)

In Klammern die Anzahl der Namensträger, bei gleicher Anzahl ist die Liste alphabetisch sortiert. Bei Bindestrich-Namen habe ich nur den ersten Teil vor dem Bindestrich berücksichtigt, bei Doppelnamen nur den ersten Vornamen.

GNTM 2017 – Eva wird gewinnen!

Die neue GNTM-Staffel startet und wieder mal kann nur eine Germany’s Next Topmodel werden und nur eine kommt auf das Cover der Cosmopolitan. Topmodel werde ich wohl in diesem Leben nicht mehr, aber der Traum vom Coverfoto wurde mir schon erfüllt:

Titelbild Markt 2017

Man erschrickt sich doch sehr, wenn man das lokale Anzeigenblatt aus dem Briefkasten holt und sich auf dem Titel sieht 🙂

Und wer wird Germany’s Next Topmodel 2017? Eva wird gewinnen und ihre Zwillingsschwester Sophie wird Zweite – das hat mir das Namens-Orakel verraten! Dazu habe ich mit der Formel „Ranglistenplatz 2016 / Ranglistenplatz 2008 * Kevinwahrscheinlichkeit“ ausgerechnet, wie attraktiv die Vornamen der Kandidatinnen sind. Hier die Vornamen der 30 Top-GNTM-Mädchen (laut Pro7-Meldung) in der Reihenfolge ihrer Attraktivität:

Michelle und der Sprach-Clash

Als ich sie kennenlernte – Ende der 80er, wir waren knapp volljährig –, fiel mir gleich ihr Name auf: Michelle. Das klang nach Austauschschülerin und Eiffelturm, den Beatles und einfach viel spannender als Tanja, Claudia, Sabine und wie man damals sonst so hieß. Dass sie einen normalen deutschen Nachnamen hatte, tat dem keinen Abbruch.

Seither sind viele Jahre vergangen. Aus Michelle wurde eine Ärztin und aus mir ein Namensfreak. In dieser Eigenschaft rate ich gern, einen zum Nachnamen stimmigen Vornamen zu wählen. Überhaupt sind Namen aus anderen Sprachen, deren Aussprache stärker von ihrer Schreibweise abweicht, hm … nicht gerade meine Lieblinge. Lerne ich jetzt eine neue Michelle kennen, sei sie nun 8 oder 18, ist mein erster Gedanke nicht mehr: Oh, cool. Eher so: Na ja …

Merle hat jetzt Abi

Aus der Generation der um 2000 herum Geborenen kenne ich kaum jemanden. So war ich neulich ziemlich verblüfft, als ich eine Abiturientenliste aus unserem Nachbarstädtchen Bargteheide durchgesehen habe: Von 78 Schülerinnen – die Jungs habe ich nicht gezählt – trugen ganze sechs den Namen Merle. Mir war nicht bewusst, dass der mal soo häufig war (aktuell steht Merle in Deutschland auf Platz 58).

Kein anderer Mädchenname taucht in der Liste auch nur annähernd so oft auf. 1998, im mutmaßlichen Geburtsjahrgang der Abiturienten, waren Anna und Jan die Spitzenreiter. Abi gemacht haben in dem Bargteheider Gymnasium nun aber nur eine Anna, komplett Anna-Lena, und zwei Jans, einer davon ein Jan-Ole. Was dafür spricht, dass die häufigsten Namen schon damals längst nicht mehr so häufig waren wie in meiner Generation in den frühen 70ern. Der einzige Name, der sonst noch öfter als zweimal vertreten ist, ist Jannik, 1998 auf Platz 13: einmal Jannik, dreimal Yannick geschrieben (nach Yannick Noah?). Je einen Ben und eine Emma gibt es übrigens auch.

Dr. Cato und Pfleger Denny

Eine Jekyll-und-Hyde-Geschichte ist es nicht, die man jetzt in den Zeitungen unter „Vermischtes“ lesen konnte, sondern ein klassischer Fall von Hochstapelei: Fünf Jahre lang arbeitete ein gelernter Krankenpfleger als Arzt, lebte sogar ein Jahr lang in Saus und Braus als Schiffsarzt auf der „AidaVita“. Die Schwindelei flog bloß deshalb auf, weil der selbst ernannte Medizinmann seinen Vornamen nicht leiden konnte: Denny. Und psst … in diesem Punkt kann ihn verstehen.

Mir würde ja schon Danny besser gefallen, weil ich Denny bis eben gerade – als ich den Namen nachgeschlagen habe – für eine der deutschen Aussprache angepasste Version dieses Namens gehalten habe. Tatsächlich kommt Denny aber gar nicht von Daniel, sondern von Dennis. Aber ob nun Denny oder Danny: Beides passt wirklich besser zu einem netten Pfleger als zu einem ausgewachsenen Halbgott in Weiß, oder?