Artikel von: Annemarie Lüning

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

rss feed

Website des Autors →

Gute Frage 4: Kann man Lana vergeben?

Ausgerechnet mein Mann, seines Zeichens Fußballfan, hat mich auf Lanesra aufmerksam gemacht. Die Geschichte ging Anfang des Jahres durch die Medien, aber an mir vorbei und geht so: Im fernen Australien erwartete einst ein Paar ein Kind. „Lass sie uns doch Lanesra nennen“, schlug der werdende Vater vor. Seine Frau fand den „einzigartigen und romantischen“ Namen toll – und vermutlich auch die Tatsache, dass ihr Mann endlich mal einen brauchbaren Vorschlag gemacht hatte. Klein-Lanesra zählte schon zwei Jahre, als Papi endlich beichtete: Es handle sich in Wirklichkeit um den Namen seiner heißgeliebten Kickertruppe FC Arsenal, rückwärts gelesen.

Ob sich die Story tatsächlich so zugetragen hat? Egal. Spätestens im frühen Schulalter wäre sie aufgeflogen. Dann nämlich, wenn Kinder es klasse finden, Namen von rechts nach links zu lesen, und sich darüber kaputtlachen können, dass ihr Kumpel „Mit“ heißt und Papa „Nafets“. Die Frage ist, sollte man diese Phase gleich mit einplanen? Besonders ein Name drängt sich mir dabei auf: Lana.

Lana findet sich immer wieder in Lieblingsnamenlisten und wird durchaus auch vergeben (Platz 133), quasi im Gefolge von Lina (7), Lena (9), Lara (22) und Luna (65). Allerdings nicht ohne Gegenwind: So wie Hermine die ewige Hexe ist und Amelie eine wandelnde Horrordiagnose, so kann Lana eine gewisse Schlüpfrigkeit kaum abschütteln. Jedenfalls taucht der Einwand regelmäßig auf: „Ja, aber wenn man das rückwärts liest …“ Ich selbst weise Lana-Fans mitunter darauf hin, weil ich finde, dass man den Punkt bedenken sollte. Aber ob er wirklich störend ist?

Grundschüler wissen mit der Vokabel nichts anzufangen. Erwachsene, die den Verdrehspielchen lauschen, allerdings schon. Mich würde es befremden, wenn ein Kind im Spiel nichtsahnend „Anal“ gerufen werden würde. Zudem wären Hänseleien wenige Jahre später viel wahrscheinlicher als etwa bei Hermine oder Amelie. Ich habe schon von Eltern gehört, die deshalb auf Lanah oder Larna ausgewichen sind. Es gäbe auch Milana (Platz 189) oder Alana. Oder Lanesra, natürlich. Wie würden Sie das Problem lösen? Oder ist es gar keins?

Thema: Namensgebung

Gute Frage 3: Gibt’s Hermine auch ohne Harry?

Nora ist meiner Meinung nach ein richtig schöner Name, Thomas Anders‘ Halskettchen, das meinen Generationsgenossen hier gefangen hält, fällt für mich nicht mehr ins Gewicht. Dann schon eher die Schauspielerin Nora Tschirner. Aber wie kommt es eigentlich, dass manche Namen so fest mit einer prominenten Figur verknüpft werden, dass man sie sich an niemand anderem mehr vorstellen kann? Wann sind solche Namen wieder frei?

Otto scheint mir so ein Kandidat zu sein – der ewige Ostfriese –, der sonnenbebrillte Heino ebenso. Marius. Oder Hermine: Taucht dieser Name in Online-Diskussionen auf, sagt unweigerlich jemand, „Ja, aber Harry Potter …“. Und das, obwohl die Potter-Bücher und -Filme ein gutes Image haben (und die Figur im Original Hermione heißt).

Anders als die Anders-Ex kommt Harrys beste Freundin positiv rüber – zwar etwas überschlau, aber das doch auf sympathische Weise. Daran kann es also kaum liegen, wenn ihr Name als für ein Kind ungeeignet abgestempelt wird. Zum Zeitgeschmack passen meiner Meinung nach alle hier erwähnten Namen. Die Platzierungen sind auch gar nicht so schlecht, nur Heino fehlt in den Top-500:

  • Nora: Platz 50
  • Marius: Platz 171
  • Otto: Platz 255
  • Hermine: Platz 317

Gar nicht mal wenige Eltern stören sich heute also nicht an Assoziationen zu irgendwelchen Schmuckstücken, Sängern, Blödelbarden oder Hexen. Natürlich könnten Fans des Namens Hermine einfach ausweichen – auf Henriette (Platz 229), Henrietta, Henrike (371), Hermia, Harriet, Wilhelmine … –, um den Anklang an die magische Überfliegerin zu vermeiden. Aber ist das wirklich nötig? Hängt noch fünf Jahre nach dem letzten Potter-Streifen an jeder Hermine unweigerlich auch ein Zauberlehrling? Was meinen Sie?

Thema: Namensgebung

Gute Frage 2: Ist Boris eigentlich gläubig?

Wie hält es ein Boris Becker mit der Religion? Weshalb ich diese Gretchenfrage stelle? Na, weil Herr Becker seinen älteren Söhnen damals in den 90ern unverkennbar biblische Namen gegeben hat: Noah Gabriel und Elias Balthasar. Und weil ich umgekehrt öfter von Namenssuchern lese, die bestimmte Namen von vornherein ausschließen, weil sie mit Kirche und Glauben nichts am Hut haben. Dabei geht es entweder generell um Namen aus der Bibel oder um solche, bei denen Gott in der Bedeutung steckt, wie bei Theodor („Gottesgeschenk“).

Nun sind einige dieser Namen mittlerweile so etabliert, dass sie in meinen Augen nicht mehr als religiöses Bekenntnis gelten und auch nicht nach „Meine Mama unterrichtet Religion“ klingen. Noah und Elias, Lea   und Sarah und viele mehr. Dagegen setzen ausgefallenere Bibel-Fundstücke, womöglich geballt an mehrere Geschwister vergeben, schon ein anderes Zeichen. Ich persönlich finde auch Namen mit der Anfangssilbe Christ- und besonders Kristin/Christin (!), derzeit als Zweitname recht beliebt (Platz 31 gegenüber Platz 401 bei den Erstnamen), für eine nicht-christliche Familie wenig passend. Oder wie sehen Sie das?

Zur Eingangsfrage habe ich dann übrigens „Boris Becker“ und „Christ“ gegoogelt. Erster Treffer ist ein Zitat des Ex-Tennis-Profis von 2010: „Bin fast ein Christ.“ Aha. Bliebe nur die Frage, ob der kanadische Schmusesänger Michael Bublé ebenfalls ein bisschen, ein bisschen mehr oder doch gar kein Christ ist. Bublés jüngst geborener Spross heißt jedenfalls Elias. Und der große Bruder? Noah natürlich!

Thema: Namensgebung

Gute Frage 1: Heißen Arzttöchter Amelie?

Natürlich weiß ich, dass in der Welt der Namen der Geschmack regiert und es somit keine vernünftige Erklärung dafür geben kann, weshalb – zum Beispiel – Geschwister Paul und Pauline oder Anton und Antonia heißen (am Wochenende in Familienanzeigen gelesen). Auch dass man darauf wetten könnte, dass die Schwester eines Mädchens, das mit Zweitnamen Marie heißt, ihrerseits eine Sophie angehängt bekommt (eben erst wieder gehört), wundert mich nicht mehr. Andere Dinge frage ich mich da schon eher. Etwa die Sache mit Amelie: Sobald im Netz jemand erwägt, seine Tochter so zu nennen, kommt früher oder später der Hinweis, Amelie sei kein Name, sondern eine Krankheit.

Tatsächlich ist Amelie auch die medizinische Bezeichnung dafür, wenn einem Kind bei der Geburt Gliedmaßen fehlen. Aber sollte dieser zufällige Teekesselchen-Charakter jene anfechten, die den Namen – der sich übrigens von einem ostgotischen Adelsgeschlecht ableitet – schön finden? Zumal der ärztliche Terminus im Alltag nie vorkommt. Gerne wüsste ich, wie medizinisch beschlagene Menschen zu dieser Frage stehen. Gibt es Arzttöchter namens Amelie? Bitte melden!

Thema: Namensgebung

Mein seltener Name und ich: Magne

Und wieder habe ich einen Namen aufgetan, bei dem ich zunächst ins Schwimmen gerate: männlich oder weiblich? Merke: Magne ist männlich, eine Variante von Magnus („Der Große“). Die weibliche Form wäre Magna. Der 1998 in Sachsen geborene Magne kennt die Unsicherheit, die sein Name auslöst, natürlich längst, von Arztbesuchen oder von an Frau Magne XY adressierter Sparkassenpost. „In der Schule kam es auch ein-, zweimal vor, dass ein neuer Lehrer gefragt hat: ‚Wo ist denn die Magne?‘.“

Mein seltener Name und ich: Berlind

„Wir haben noch keinen Namen, und ich bin schon vier Tage über ET“ – solchen Hilferufen begegne ich in den Weiten des Netzes immer mal wieder. Allzu sehr vor Kreativität überschlagen muss man sich dann allerdings nicht. In gefühlt 98 Prozent der Fälle verkünden die glücklichen Eltern schließlich doch einen Namen, an dem sie schon länger herumüberlegt haben. In letzter Minute etwas komplett Neues in sein Herz zu schließen wäre wohl auch etwas viel verlangt.

Ob es wohl früher mehr Eltern gab, die ohne fixen Favoriten in die Geburt gegangen sind? Bei den Eltern meiner heutigen Interviewpartnerin war es jedenfalls so. Sie kam 1977 in Nordhessen als Hausgeburt zur Welt. „Meine Mutter hatte zu Beginn der Wehen noch keinen Mädchennamen. Wäre ich ein Junge geworden, hätte ich Vasco geheißen. Sie blätterte also in den Wehen liegend im Namensbuch und ist nicht weiter als bis zum B gekommen, weil ich es dann wohl eilig hatte.“ And the winner was – Berlind.

Mein seltener Name und ich: Birka

Mit der Bedeutung von Namen habe ich es nicht so. Vor allem, wenn sie sich nicht intuitiv erschließt, sondern man beim ersten Hören an etwas anderes denkt. Bei Birka ist das so. Meine Assoziationen sind:

  • schlanke Laubbäume mit weißschwarzen Stämmen, Maigrün, Frühling
  • Birk, der beste Freund von Lindgrens „Ronja Räubertochter“

Tatsächlich handelt es sich bei dem Namen Birk, der in Skandinavien seit Beginn des 20. Jahrhunderts gebräuchlich ist (laut Vornamen-Duden), seinen Wurzeln nach wohl eher um eine alemannische Kurzform von Burkhard. In den 60er Jahren soll der Name über Skandinavien erneut nach Deutschland gelangt sein, also lange vor dem Erscheinen der „Räubertochter“ 1981. Birk wird allerdings auch mit dem isländischen und schwedischen Mädchennamen Björk in Verbindung gebracht und bedeutet dort und auch als Vokabel im Dänischen eben doch „Birke“. Birka und Birke sind die weiblichen Formen des Namens. Für Jungen gibt es auch noch Birko.

Die Macht ist mit Hans-Ole

So, jetzt habe ich endlich Star Wars VII gesehen. Ohne zu viel zu verraten kann ich sagen: Ich war verblüfft, als ich den eigentlichen Namen des Darth-Vader-Verschnitts Kylo Ren erfahren habe … Star Wars ist nicht jedermanns Sache, klar. Dieser Tage scheint die Welt regelrecht in Fans, Hasser und Gleichgültige zu zerfallen. So oder so denke ich, dass die Weltraum-Saga das Zeug dazu hat, Trends und Assoziationen zu prägen. Die Geschwisternamen Luke und Leia tauchen immer mal wieder zusammen auf, ebenso Anakin.

Wie steht es also mit Kylo (sprich Kailo): Hat er das Potenzial zum Hit? Klanglich ganz sicher, ähnelt er doch dem Aufsteiger Milo/Milow (2014 noch auf Platz 500, 2015 auf Platz 115), sofern dieser englisch gesprochen wird. Mailo geschrieben, verpasste der Name die aktuellen Top-200 nur knapp. Ein Y macht sich bekanntlich auch immer gut. Allerdings ist der Leumund von Kylo Ren so rabenschwarz wie seine Maske, und seine Zündschnur könnte kaum kürzer sein. Nennt man so sein Kind? Laufen nicht alle Pädagogen schreiend weg, wenn Klein-Kylo eingeschult wird?