Artikel von: Annemarie Lüning

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

rss feed

Website des Autors →

Türkisch für Anfänger

Vorweg gesagt: Was ich hier heute mache, ist ziemlich dreist. Ich kann nämlich kein Wort Türkisch und habe derzeit auch niemanden mit türkischen Wurzeln in meinem Umfeld. Ich bin mit einer Nazan zur Schule gegangen, kannte einen Orhan und hatte Kollegen namens Ümit und Erdinc (der sich Eddie nannte), das war’s auch schon. Innerhalb weniger Tage sind nun aber zwei Dinge passiert: Erstens habe ich einen türkischen Namen nicht als solchen erkannt und anders einsortiert (Kategorie „ausgedacht“) – upps. Und zweitens habe ich in einem Forum von einem deutsch-türkischen Paar gelesen, das einen Namen sucht, „der zu uns passt und nicht zu türkisch klingt“.

A-Allergiker und Fritzchen-Freunde

Ich habe eine neue Theorie, weshalb Sophie und Marie als Zweitnamen so unglaublich abräumen. Na ja, weltbewegend ist sie nicht, aber ich habe nun schon häufiger gehört, dass zwei auf -a endende Namen hintereinander als unschön empfunden werden. Und da heute enorm viele populäre Mädchennamen mit -a enden, wäre das doch nur ein logischer Schluss (obwohl es natürlich Zweitnamen auf -a gibt, keine Frage!). Untermauert wird das Ganze noch durch in einer weniger klassisch geprägten Ecke gängige Zweitnamen wie Joy, Jolie, Jolien oder überhaupt alles auf -een.

Ich selbst kann am Doppel-a nichts Schlimmes finden – wenn sich Erst- und Zweitname nicht gerade reimen (Gloria Viktoria – widewidewitt bum bum). Es kann auch problematisch sein, wenn auf ein -a am Ende des Erstnamens ein A- am Beginn des Zweitnamens trifft (Mia Allegra – Miaallegra?!). Aber am Ende kommt es doch immer auf den Einzelfall und die Melodie eines Namens, auch zusammen mit dem Nachnamen, an. Finde ich.

Thema: Namensgebung

Facebooker, Seriengucker

Ich war ja nun wirklich schon bei einigen Namensdiskussionen in Foren dabei. Trotzdem beschert mir die Facebook-Gruppe, in die ich kürzlich eingetreten bin, echte Aha-Erlebnisse. Wieso es Namen wie Zoey oder Hailey, Jamie oder Tyler doch recht weit nach oben in die Charts schaffen, zum Beispiel (am weitesten hinten liegt noch Hailey: Platz 115). Klar gab es immer mal irgendwo Liebhaber amerikanischer Namen, aber so geballt und ernst gemeint ist mir das noch nirgends begegnet.

Wenn es nach dem (oder besser: der) Durchschnitts-Aktiven in dieser Gruppe geht, werden auch Noel oder Jayden künftig noch oft in Geburtsgalerien dabei sein. Auch sehr beliebt: Geschwisternamen mit gleichem Anfangsbuchstaben oder sehr ähnlichem Klang; da wird einer Mia-Mutter für ihr zweites Mädchen auch mal Pia oder Nia vorgeschlagen – oder Lea, wenn’s hochkommt. Dazu dominieren Kombinationen aus zwei Vornamen pro Kind, die häufig mit Bindestrich gekoppelt werden. Woher diese Mode kommt, wüsste ich wirklich gern. Natürlich gab’s das früher schon mit Eva-Marie, Hans-Georg und Konsorten, aber heute wird viel wilder zusammengefügt, was nicht zusammengehört, Silbenzahl und Gesamtklang hin oder her.

Thema: Namensgebung

Käte das Auto

Frisch entdeckt unter einer Hamburger Brücke und doch voll im Leben stehend: ein PKW mit einem handgemalten, mit Tesafilm in der Heckscheibe befestigten Namensschild. Käte. Das wirft Fragen auf: Wer oder was ist Käte – die Fahrzeughalterin? Ihr Kind? Ihre Lieblingsband? Oder gar der Name des Autos (auch so etwas soll es geben)? Offenbar ein echter Insider. Wo ist überhaupt das h von Käthe – so die gebräuchlichste Schreibweise dieses Katharina-Kürzels – abgeblieben?

Thema: Namensgebung

Pumpernickel bleibt Pumpernickel

Manchmal ist es wirklich verrückt: Vor Kurzem erst habe ich über mein All-Time-Favourite-Pixi „Prinzessin Horst“ geschrieben, und nun fällt mir schon wieder ein Kinderbuch in die Hände, in dem es ausgiebigst um Namen geht – diesmal sogar auf 155 Seiten – UND bei dem die Titelheldin eine Prinzessin ist. (Dass ich eine Tochter habe, erklärt den Zufall nur am Rande, wir lesen oft ganz andere Bücher.)

Prinzessin Pumpernickel“ von Angela Sommer-Bodenburg („Der kleine Vampir“) erschien im vergangenen Jahr. Die Story: Der immer hungrige König von Pattaloonia will gerade den Namen seiner jüngsten Tochter verkünden – die älteren heißen Ponderosa, Perdita und Pamelina –, als er auf dem Büfett ein besonderes Schwarzbrot entdeckt, dessen Name ihm erst nicht einfallen will. Mit seinem frohen Ausruf „Es heißt Pumpernickel!“ nimmt das Schicksal seinen Lauf. Denn natürlich sollte das kleine Mädchen eigentlich einen viel prinzesslicheren Namen erhalten. Der König weiß sich nicht anders zu helfen, als das Brot Pumpernickel komplett aus seinem Reich zu verbannen.

Bestrickend schön

So mancher dokumentiert seine Liebe zu seinem Kind und speziell zum ausgewählten Vornamen heute mit einem Tattoo. Was ich zumindest erträglicher finde als tätowierte Kleinkind-Porträts. Aber würde ein Kettchen frei nach Thomas Anders nicht denselben Zweck erfüllen wie diese Liebesbekundung, die womöglich schmerzhafter ist als die Geburt? Und noch wichtiger: Was sagt später Sohnemanns erste Freundin, wenn sie auf der Brust ihres Liebsten zwar kein „Mama“-Tattoo vorfindet (natürlich nicht!), aber dafür sein Name „forever“ gut sichtbar auf Muttis vor sich hin alterndem Unterarm prangt?

Thema: Namensgebung

Der Zwillingseffekt

Um auf das Thema meines heutigen Textes zu kommen, braucht man nur mal die Zeitung aufzuschlagen, Rubrik Familienanzeigen, Sie wissen schon. Bei uns gab es dort an diesem Wochenende gleich drei Geschwisterkombinationen, die sich in meinem Kopf festgesetzt haben: Tim und Tom. Marc und Marvin. Liv und Sif (wo ich nach der Erfahrung mit diesem Beitrag gerne wüsste, ob die Familie hier von „Liff und Siff“ oder von „Lief und Sief“ spricht).

Jedenfalls: Es ist zwar nicht die Regel, kommt aber immer mal wieder vor, dass Eltern ihren Kindern sehr ähnlich klingende Namen geben. Ein gemeinsamer Anfangsbuchstabe für alle ist da noch harmlos. Mich wundert das jedes Mal. Immerhin lässt sich sonst ein Trend zur Individualisierung beobachten: Vielen Menschen bereitet es Kopfzerbrechen, wenn ihr Lieblingsname im persönlichen Umfeld bereits vorkommt, manche sichern sich gar durch selbsterfundene Namen oder eigenwillige Schreibweisen ab. Wenn es um Geschwister geht, gelten aber offenbar (manchmal) andere Regeln.

Thema: Namensgebung

Team Klaus oder Team Mia Sky?

Kürzlich hatte ich mal wieder Gelegenheit, in Klatsch- und Frauenmagazinen zu stöbern – bei meiner Schwiegermutter und beim Arzt. In einem Bericht über den australischen Schauspieler Eric Bana (kenne ich aus „Die Frau des Zeitreisenden“) fand ich ihn dann: Klaus. Einfach Klaus. So heißt der 1999 geborene Sohn des Mimen. Keine Ahnung, wie verbreitet dieser Name in Australien oder auch der amerikanischen Promiszene ist – ich fand ihn jedenfalls verblüffend. Hierzulande wird er nach einer steilen Karriere zwischen 1930 und 1955 quasi gar nicht mehr vergeben. Wegen des Altherren-Nimbus? Verwandte Namen – Klaus ist eine Kurzform von Nikolaus – wie Niklas, Nicolas, Nico kommen dagegen häufig vor.

Ich habe sogar kurz überlegt, wie Banas Klaus wohl ausgesprochen wird. Bis mir Santa Claus eingefallen ist, vermutlich die Lösung (ohne Santa)? Wäre dann nicht weit entfernt vom heute bei uns mittelmäßig populären Klaas oder Claas (noch eine Nikolaus-Variante, Platz 254). Aus irgendwelchen Gründen höre ich bei Klaus bzw. Claus immer Hape Kerkeling in seiner Rolle als Königin Beatrix. Und dann noch „An der Nordseeküste …“. Schelmische Elternpaare geben ihrem ungeborenen Kind gern mal den Arbeitstitel „Klaus-Bärbel“. Ach ja, der Schauspielersohn hat noch eine Schwester, die – für unsere Ohren äußerst normal und bodenständig – Sophia heißt (Jahrgang 2002).