Der Wert eines Namens

Ein Praktikant der Firma Adzuna (einer Suchmaschine für Stellenangebote) hat die durchschnittlichen Jahresgehälter je Vorname ausgewertet:

Auffällig ist, dass die weibliche Topverdienerin „Sabine“ im Gesamtranking erst auf Platz 23 auftaucht und ganze 36.000 Euro hinter dem männlichen Topverdiener „Dirk“ liegt – Ein Betrag, für den man sich eine Mercedes C Klasse leisten könnte.

Woher ich weiß, dass es ein Praktikant (oder eine Praktikantin) war? Bezahlte Mitarbeiter wissen, dass von brutto 36.000 Euro nach Abzug der Steuern und Sozialabgaben gerade mal genug für einen Smart übrigbleibt, das reicht niemals für einen Mercedes.

Mercedes C-Klasse

Aber das nur nebenbei – wie interessant sind die weiteren Auswertungsergebnisse?

Untersucht wurden die Gehälter von 5.541 (vermutlich deutschen) Menschen mit einem Jahresgehalt von mindestens 50.000 Euro. Die Daten wurden auf der Website von Adzuna erfasst. Dabei kam heraus, dass das Durchschnittsgehalt um so höher ist, desto weniger Silben der Vorname hat.

Silbenanzahl & Durchschnittsgehalt:

  • Eine Silbe: EUR 86,345.97
  • Zwei Silben: EUR 79,752.53
  • Drei Silben: EUR 73,030.28

Und ich dachte, die häufigen Gehaltserhöhungen habe ich wegen meiner guten Arbeit bekommen …

Die Durchschnittsgehälter der Männer und Frauen unterscheiden sich in dieser Auswertung wirklich enorm:

Top 10 – Männer

Name & Durchschnittsgehalt

  1. Dirk: EUR 120,200.31
  2. Rainer: EUR 112,152.64
  3. Jürgen: EUR 110,087.80
  4. Harald: EUR 109,189.55
  5. Peter: EUR 108,529.59
  6. Klaus: EUR 100,273.52
  7. Hans: EUR 96,338.66
  8. Thomas: EUR 95,854.83
  9. René: EUR 95,566.03
  10. Ralf: EUR 95,500.46

Top 10 – Frauen

Name & Durchschnittsgehalt:

  1. Sabine: EUR 83,638.06
  2. Susanne EUR 82,689.65
  3. Claudia EUR 78,934.43
  4. Andrea EUR 78,009.12
  5. Tanja EUR 74,290.90
  6. Sandra EUR 64,989.75
  7. Anna EUR 62,682.49
  8. Martina EUR 59,605.36
  9. Nina EUR 57,789.02
  10. Maria EUR 56,758.88

Leider gibt es nicht viele Informationen zur Datenbasis, deshalb drängen sich Zweifel an der Aussagekraft der Auswertungsergebnisse auf. So wundere ich mich, dass kein einziger ungewöhnlicher Vorname mit einem überdurchschnittlichen Gehalt in den Listen auftaucht. Außerdem kamen die männlichen Vornamen tendenziell in älteren Geburtsjahrgängen häufiger vor als die weiblichen Vornamen. Weil aber das Gehalt im Schnitt bei alten Angestellten höher ist als bei jungen, wäre das eine plausible Erklärung für höhere Durchschnittsgehälter bei den männlichen Vornamen.

Thema: Statistik

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

13 Kommentare zu "Der Wert eines Namens"

  1. Maria Th. sagt:

    Nicht zu vergessen, dass häufig die weiblichen Erwerbsbiographien der heute etwas älteren (im Westen zumindest) so gelaufen sind, dass einige Jahre Vollzeit gearbeitet wurde, dann kam die mehr oder weniger lange Babypause und danach oft ein Wiedereinstieg in das Berufsleben auf Teilzeitbasis, so dass hier zwangsläufig Karrierebrüche und damit auch Gehaltseinbußen einhergingen. Somit ist eigentlich klar, dass die Durchschnittsgehälter der älteren Frauen auch aus diesem Grund niedriger liegen, nicht nur weil Frauen oft niedriger bezahlt werden als Männer.

  2. mgl sagt:

    ungewöhnliche Namen gibt es selten, wie man vermuten kann.
    so. wenn jetzt ein einzelner Mensch mit ungewöhnlichem Namen sehr viel verdient, kommt er in deiner Statistik nicht vor, weil er namenstechnisch ein Ausreißer ist und aber die häufigsten Namen der Topverdiener aufgezählt werden.
    this is logik.
    wenn der Name nicht ganz so selten ist kommt er in deiner Statistik auf den unteren Plätzen vor, selbst wenn derjenige selbst absolut mehr verdienen würde als der Erstplatzierte da.
    Topverdiener haben eine ähnliche Namensverteilung wie der Rest der Altersgruppe.

    • mgl sagt:

      achso Knud, du hast gar keinen einzigen auffälligen Namen gefunden?
      auchnicht Klausbernd oder so einen Trend?
      dann ist er vermutlich im Bewerbungsprozess aussortiert worden.

    • Knud sagt:

      Die Statistik ist nicht von mir, ich habe nur darüber geschrieben.

      Dass hier die häufigsten Namen der Topverdiener aufgezählt werden war mir nicht bewusst. Wie kommst du darauf? Im Text ist die Rede von den Namen mit dem höchsten Durchschnittsgehalt. Ich erkenne keine logische Erklärung dafür, warum Ausreißernamen nichtbvorkommen.

    • mgl sagt:

      das Wort Durchschnittsgehalt impliziert dass da viele Personen bzw Namen verglichen werden, genauso die Rangliste.
      also stelle ich mir vor ein großer Raum mit vielen Leuten, 1000 vielleicht, von jedem wird der Name und das Gehalt aufgeschrieben und dann wird schlau gerechnet.
      dann sagt man aha, das höchste Gehalt haben also Personen namens Dirk.
      (vielleicht heißen 45 Anwesende Dirk)
      Wenn ein Einziger Balthasar heißt und mehr verdient als einer der Dirks macht das in der Summe nicht so viel.
      Ein einzelner Dirk der nicht viel verdient heißt dann aber immer noch Dirk und gehört in die Klasse der Dirks.
      alle Einkommen werden irgendwie gemittelt. so. dann hat man sowas wie eine Gaußverteilung und irgendwie haben dann die zahlenstärksten Vornamen einen Vorteil.
      Deswegen könnte man die Statistik umbenennen: Namen die am meisten verdienen.
      für mich logisch dass es den häufig vorkommenden Namen entspricht, allenfalls Altersgruppen kann man noch sortieren.
      (sehr merkwürdige Aussage zur Silbenanzahl, haben doch die meisten Vornamen zwei Silben, das würde irgendwie dann einen Sinn ergeben wenn Namen mit 5 oder 10 Silben üblich wären und man dann wirklich einen proportionalen Zusammenhang herstellen kann)
      immerhin. kuriose Sache gefunden, Knud, cool!

  3. Moni sagt:

    Es wäre mal interessant, welche Menschen da genau in die Auswertung einbezogen wurden.
    Falls es Dirk Nowitzki, Rainer Calmundt und Jürgen Klopp sind, wundert es mich nicht, dass sie so hoch im Ranking stehen… 😛

  4. Paula sagt:

    Die Namen mit weniger Silben könnten schlicht mehr verdienen, weil viele Männernamen weniger Silben haben als Frauennamen.
    Eine getrennte Betrachtung je Geschlecht wäre sinnvoll gewesen.

    • Maria Th. sagt:

      Gutes Argument!
      Einsilbige Frauennamen aus dem deutschen Sprachraum (Ann, Grace, Gwen o.ä. zählen hier wohl nicht), die keine Abkürzung sind, gibt es wohl nicht sehr viele? Da fällt mir nur einer ein – Ruth. Gibt es noch mehr? Viele können es eigentlich nicht sein.
      Einsilbige Männernamen gibt es doch etliche:
      Dirk, Rolf, Ralf, Karl, Klaus, Hans, Peer, Frank, Jan, Jens, Max, Alf, Gerd, Franz, Heinz…wahrscheinlich gibt es noch einige.

    • Maria Th. sagt:

      Paul, Nils, Mark/Marc, Fritz, Jörg, Knud/t, Lutz, Horst wären auch noch dazuzurechnen.

    • Martina sagt:

      Vielleicht noch Britt.
      Jungennamen gibt es viele: Arndt, Bert, Kurt, Ernst, Fred, Götz, Kai, Klaas, Lars, Sven, Wolf….

    • Jan sagt:

      Ruth fällt aber auch schon in die Kategorie dieser AT-Namen, die in Deutschland keine lange Tradition haben…

      Vor vielen Jahren hat mir mal eine Polin erzählt, daß diese einsilbigen Männernamen von Slawen als „typisch deutsch und gefühlskalt“ empfunden würden. Meinen ersten Einwand, daß Jan (den es ja sowohl im Polnischen als auch im Tschechischen gibt, man denke an Jan Sobieski oder an Jan Palach) freilich auch nur eine Silbe habe, wurde von ihr zurückgewiesen, weil das eben sofort zu Janek werde, sobald man per Du sei. Mein weiterer Einwand, daß es auch im Deutschen zweisilbige Diminutive von einsilbigen Vornamen gebe (Ernstl, Klaasi, Paulchen…) gebe, ward mit einem gereizten Grunzen quittiert.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Die benutzt ja nun auch keiner.

    • Jan sagt:

      Na, aber sicher werden die gelegentlich benutzt… Also, natürlich nicht in dem Maße wie in den slawischen Sprachen, wo die Diminutive praktisch zur Grammatik gehören… Ich bin mir aber z.B. sicher, daß heute ungezählte Bens als Benni angesprochen werden.

      Vielleicht sind diese Koseformen im Süden etwas häufiger als im Norden und in der Unterschicht häufiger als in den höheren Ständen?

      (Ich meinerseits bin allerdings ganz froh, daß ich mir „Klaasi“ zeitlebens weitestgehend vom Leibe halten konnte.)

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