Gute Frage 10: Kann man heute noch Hero heißen?

Ein Jugendfreund meiner Mutter, irgendwann während des Zweiten Weltkriegs in der sogenannten Holsteinischen Schweiz geboren, hieß Hero. Ein Name, der einem erst so richtig bemerkenswert vorkommt, wenn man Englisch lernt, da man fortan Superhelden-Assoziationen und „Heroes“ von David Bowie kaum aus dem Kopf bekommt. (Im Grunde eine Umkehrung des Problems, das ich zum Namen Kate früher mal beschrieben habe.)

Hero © JenkoAtaman - fotolia.com

Superheld © JenkoAtaman – fotolia.com

Weil seltene Friesennamen, wie auch Hero einer ist, bei mir in der Regel gut angeschrieben sind, frage ich mich: Könnte man diese Kurzform mit Her- beginnender Namen wie Hermann oder Herbert noch guten Gewissens werdenden Eltern vorschlagen? Oder braucht ein kleiner Hero ein dickes Fell und muss später mindestens Feuerwehrmann werden oder noch besser den Nobelpreis für Medizin erringen, um der (vermeintlichen) Bedeutung seines Namens gerecht zu werden? Um es noch komplizierter zu machen: Hero kann auch weiblich sein und ist dann griechischen Ursprungs. Ein „süßes Fräulein“ in Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ heißt so.

Wie stehen Sie zu Hero? Gibt es Bedingungen – ein Zweitname dazu, die Vergabe überhaupt nur als Zweitname, die Wahl des Namens, weil Opa so hieß oder die Familie seit Generationen nicht aus dem Friesischen herauskam –, die die Problematik in Ihren Augen entschärfen würden?

Zum Schluss werfe ich noch ein paar Alternativen in den Raum: Gero, Pero, Harro, Keno, Jaro und Jesko für Jungen, Hera (die Autorin dieses Namens ist ja nicht mehr so präsent), Hermia (wieder Shakespeare: „Ein Sommernachtstraum“), Hermine und Juno für Mädchen.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

17 Kommentare zu "Gute Frage 10: Kann man heute noch Hero heißen?"

  1. Rebecca Sophie sagt:

    Bei Hera denke ich aber an eine griechische Göttin, die mir immer unsympathisch war. Das römische Pendant Juno mag ich da lieber.

    • Annemarie sagt:

      Klar, die Göttin gibt’s auch 🙂 Trotzdem ist meine erste Assoziation mit dem Namen Hera Lind, die eigentlich Herlind heißt.

    • Jan sagt:

      Das römische Pendant Juno mag ich da lieber.

      Also, so blöd das klingen mag: der Name der römischen Göttin (die nun freilich auch eher eine etwas langweilige Hausfrauen-Göttin ist), ist bei mit völlig von der Zigaretten-Marke Juno überlagert… Die habe ich als Kind eine Weile lang geraucht. „Long and round“ war der aus der Zwischenkriegszeit überkommene Slogan. Das spielte auf die Zeit an, als die meisten Zigaretten einen ovalen Querschnitt hatten.

      So, und was den Namen Hero angegeht: Man fragt sich schon, wie ein angeblich traditioneller friesischer Name nun ausgerechnet ins aristokratische Holstein kommen soll, wenn eben nicht durch „Invention of Tradition“. Aber das wäre nur wieder meine alte Platte.

    • Miez sagt:

      Hera und Juno sind im Prinzip die gleiche Göttin. Die Römer haben, so weit ich weiß, einmalig in der Geschichte, die griechischen Götter übernommen und anders benannt (sie haben auch Götter aus anderen Kulturen z. B: ägyptische Götter übernommen, es gab z. B. einen Isiskult). Dierömischen und griechischen Götter weichen manchmal von einander ab (da wäre die Rolle der Parzen in der Götterwelt ein gutes Beispiel) doch haben die Götter der Römer und Griechen die gleichen Zuständigkeitsbereiche. Hera/Juno ist die Göttin der Ehe, der Frauen und Geburten und furchtbar eifersüchtig auf ihren Gattin Zeus/Jupiter, der sie ständig betrügt (wegen ihr muss Herakles/Herkules die 12 Aufgaben bewältigen)…
      Für mich persönlich ist Hero ein weiblicher Name, da ich mit ihm die antike Sage von der „Hero und Leander“ in Verbindung bringe, die übrigens die Vorlage für die Ballade der Edel-Königskinder war. Persönlich vergeben würde ich den Namen aber nicht. Da gefällt mir Hera besser…

  2. Knud sagt:

    wie ein angeblich traditioneller friesischer Name nun ausgerechnet ins aristokratische Holstein kommen soll

    Wieso aristokratisch? Autokorrektur-Fehler oder was?

    Zur Frage: In Nordfriesland wurden (und werden) tatsächlich gern friesische Namen vergeben, vor allem auf den Inseln. Und weil die Nordfriesen entgegen der Vorurteile durchaus kontaktfreudig sind, konnte es mal vorkommen, dass sie mit Leuten von außerhalb zu tun hatten und so auch Menschen in Ostholstein mal einen solchen ungewöhnlichen Vornamen aufschnappten und ihrem Neugeborenen verpassten. Da muss gar kein Traditionsbewusstsein dahinter stecken, das kann schlicht das Streben nach dem Besonderen sein.

    • Jan sagt:

      Wieso aristokratisch? Autokorrektur-Fehler oder was?

      Na, schönen Dank. Ich mag ja nicht der Hellste sein, aber den Alphabetisierungsgrad, mit Firefoxens Kringellinien klarzukommen, darfst Du mir schon gerade noch zutrauen. Ich verwende keine „Autokorrektur“.

      Ich meinte einfach, daß Holstein seit dem Hochmittelalter bis weit in die Neuzeit hinein ein aristokratisch dominiertes Land gewesen ist. (Also anders etwa als das bis ins späte 16. Jahrhundert nicht dazugehörende Dithmarschen.) Und daß es mir daher noch weniger plausibel als ohnehin schon erscheint, daß sich dort diese archaischen bzw. archaisierenden Ulko-Uffo-Buffo-Namen, die immer mal wieder gerne als „friesisch“ verkauft werden, als wirklich durchgängige Tradition gehalten haben sollen.

  3. neuhier sagt:

    Das Bild des kleinen Superhelden ist echt klasse!

    Mir gefällt Hero nicht so, da er für mich nicht als Vorname erkennbar ist. Mit einem weiteren geläufigen Vornamen wäre das geklärt. Ein weiterer Name und auch der Nachname sollten auch möglichst welche sein, die man nicht mit „englisch“ assoziert, damit man Hero auch als deutsch liest. Bei Tom Hero / Hero Tom wäre der Impuls Hero als englisch zu sehen bspw. sehr viel stärker als bei Johannes Hero / Hero Johannes. Unvergebbar finde ich ihn wegen der Assoziation Held nicht. Es gibt doch echt Schlimmeres für einen Jungen, oder?!

    Mir gefällt übrigens der Name Kraft sehr – der Name verkörpert nicht nur in der augenfälligen Bedeutung, sondern auch rein von der Lautwahl sehr viel Stärke. Männlicher geht es wohl kaum noch.

    • Mark sagt:

      Den Namen Kraft finde ich auch cool.

    • neuhier sagt:

      @Mark: Hey, mein Mann und ich sind nicht allein auf weiter Flur ;-).

      @Knud: Kommt der Name Kraft in deiner Datenbank überhaupt vor?!

    • Jan sagt:

      Hö. Kraft als Nachname ist mir einfach zu unappetitlich von diesem Ami-Lebensmittelkonzern dieses Namens und von dieser BRD-Politikerin mit dem klangvollen Vornamen Hannelore belastet. :-/ Das hat für mich nichts Männliches an sich.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Kraft hat was, ist aber für mich dann zu sehr Wort und zu „hart und männlich. Und die Politikerin macht es dann enthültig kaputt, so gern mag ich die dann auch nicht.

    • Jan sagt:

      Bischöfin Hannelore-Margot Käsemann-Kraft MdL.

      Fuerza Armada Schpann-Koslowski.

      Sila Arturowna Oberhüttler.

      Lesbitia Faustowa Krachtochwilowa.

      Power Porissa Johnson.

      Also, Ihr Lieben, ich habe hier einfach in den letzten Wochen zuviel und auch zuviel Unsinn gelabert. (Freilich nicht nur Unsinn. Jedenfalls zuviel.) Ich verabschiede mich jetzt einfach mal bis mindestens Pfingsten.

    • G. A. sagt:

      Mir ist bisher Krafft (mit ff) als Vorname begegnet, der Namensträger ist ein Adliger.

    • Knud sagt:

      Nein, für den Vornamen Kraft habe ich noch keinen Eintrag in meiner Datenbank.

      Solche Fragen, ob eine Name vorkommt bzw. bei häufigen Namen wie häufig der Name vorkommt kann übrigens jeder selbst beantworten mit der Kevinometer-App. Dort sind alle „meine“ Vornamen enthalten.

  4. Katrin sagt:

    Eine etwas entferntere Cousine hat ihre Tochter im letzten September Hero gennant. In der Familie gibt es aber auch schon eine Elgin und eine Sitta.

  5. Annemarie sagt:

    Habe meine Mutter noch mal ausgefragt. „Ihr“ Hero hieß mit vollem Namen Ernst Hero, Hero war Rufname. Seine Eltern hatten ein Bauernhof, wenig aristokratisch 😉 Und es gab wohl Verwandte in Dithmarschen. Der Name sei ihr (trotz Englischunterricht auf der weiterführenden Schule) nie komisch vorgekommen.

  6. Barbara sagt:

    Das hat Kraft nie gewollt… (Fällt mir dazu nur ein.)
    Im Gegensatz zu „Ernst“ klingt Kraft doch etwas zu bemüht.

    „Hero“ wäre für mich Dank Sagen & Shakesspeare immer weiblich. Und Unisex-Namen gehen gar nicht. Bis zu einem gewissen Alter ist das Geschlecht nicht so schnell zu erkennen, trotzdem sind die meisten Kinder böse, wenn man sie falsch einordnet. Ein eindeutiger Vorname hätte da schon Vorteile.

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