Sehe ich etwa aus wie ein Knud?

Überraschende Erkenntnis einiger Wissenschaftler der Hebräischen Universität von Jerusalem: Menschen sehen ihren Vornamen ähnlich! In zahlreichen Experimenten wurden den Versuchsteilnehmern Portraitfotos vorgelegt sowie vier (bzw. fünf) Vornamen, von denen einer der tatsächliche Vorname des Abgebildeten war. Es galt, den richtigen Vornamen zu erraten. Eine zufällige Wahl hätte bei 25 % (bzw. 20 %) zum Erfolg geführt, die Versuchsteilnehmer erreichten signifikant höhere Werte (bis zu 39 %).

Dabei hatten die Forscher sorgfältig darauf geachtet, dass alle Vornamen einer Reihe zum Alter, Geschlecht und der ethnischen Gruppe der Abgebildeten passen und ähnlich oft vorkommen. Ein Beispiel (von mir, nicht aus der Studie): Zum Foto einer 25jährigen deutschen Frau aus den Vornamen Gertrud, Mohammed, Julia und Maddox den richtigen auszusuchen wäre nicht schwer, aus den Vornamen Sarah, Julia, Lisa und Anna dagegen sehr.

Die Versuche wurden in Israel und und Frankreich durchgeführt. Interessanterweise wurden die Vornamen nur erkannt, als Franzosen französischen Gesichtern und Israelis israelischen Gesichtern den Namen zuordnen sollten. Kulturübergreifend gab es keine signifikante Abweichung von der zufälligen Wahrscheinlichkeit; Franzosen erkannten keine israelischen Namen und umgekehrt.

Aus meiner Sicht der Höhepunkt der Forschungsarbeit ist ein Algorithmus, mit dem es gelang, Vornamen computerbasiert Gesichtern zuzuordnen. Als Ergebnis wurden Heat Maps von schematischen Gesichtern erstellt, in denen je Vorname die Besonderheiten beziehungsweise Gemeinsamkeiten markiert sind.

Heat Maps Vornamen

Gesichter der Vornamen als Heat Maps

Schlussfolgerung

Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler der Hebräischen Universität von Jerusalem: Die Assoziation zwischen Gesichtern und sozialen Wahrnehmungen geht in beide Richtungen. Früher ging man davon aus, dass sich der Gesichtsausdruck auf die soziale Wahrnehmung auswirkt. Jetzt wurde gezeigt, dass die soziale Wahrnehmung den Gesichtsausdruck beeinflusst. Menschen „leben ihren Vornamen“, sie übernehmen die Erwartungen der Anderen aufgrund von Vorurteilen wegen ihres Vornamens. Körperliche Eigenschaften ändern sich, weil man darauf reagiert, wie das soziale Umfeld auf jemanden wirkt.

Referenz

Journal of Personality and Social Psychology, 27. Februar 2017:
We Look Like Our Names: The Manifestation of Name Stereotypes in Facial Appearance (pdf)
Von Yonat Zwebner, Anne-Laure Sellier, Nir Rosenfeld, Jacob Goldenberg und Ruth Mayo

Thema: Wissenschaft

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

25 Kommentare zu "Sehe ich etwa aus wie ein Knud?"

  1. Jan sagt:

    Äußerst interessanter Artikel, äußerst interessante Schlußfolgerung der Jerusalemer Wissenschaftler!

    Früher ging man davon aus, dass sich der Gesichtsausdruck auf die soziale Wahrnehmung auswirkt. Jetzt wurde gezeigt, dass die soziale Wahrnehmung den Gesichtsausdruck beeinflusst. Menschen „leben ihren Vornamen“, sie übernehmen die Erwartungen der Anderen aufgrund von Vorurteilen wegen ihres Vornamens.

    „Nu, nennt man mich ch Igor. War meine Vater deutscher Deutscher Slawistik-Professor; Mutter auch Deutsche, bisschen Germanistik studiert, dann aber nur Hausfrau. Ich aber eher praktisch begabt. Nennt man mich ‚Igor mit der Eisenfaust‘, arbeiten ich bei Inkasso-Firma hier in Grevenbroich.“

  2. Moni sagt:

    Hm, ich kenne eine Menge andere Monikas, die meiner Meinung nach alle sehr unterschiedlich aussehen (von klein, gedrungen und kurzhaarig blond bis zu groß, schlank und mit langen weißen Haaren). Ich finde, dass keine davon mir besonders ähnlich sieht.
    Wäre mal interessant, zu erfahren, ob Außenstehende das auch so sehen…

    Mal testen:
    http://cdn02.cdn.justjared.com/wp-content/uploads/headlines/2015/03/monica-lewinsky-details-bill-clinton-scandal-like-never-before.jpg
    https://s.ndtvimg.com/images/stories/monica_seles_us_open_300.jpg
    https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/M/MV5BMTMzOTE2MzA3Nl5BMl5BanBnXkFtZTcwMzc5MzYxNw@@._V1_UX214_CR0,0,214,317_AL_.jpg
    http://img2.timeinc.net/people/i/2012/news/120319/monica-potter-240.jpg
    Sehen alle gleich aus, oder? 😛

  3. Rebecca Sophie sagt:

    Sehr interessante Studie.
    Auch mir ist es schon passiert, dass ich zu einer Person einen Namen zuordnen wollte, allerdings umgekehrt, so, dass ich der festen Überzeugung war, diese Person müsse anders heißen, oder zumindest anders geschrieben werden.

  4. elbowin sagt:

    Spannende Lektüre … nur die Voraussetzung, dass die Namen unabhängig vom Aussehen des Babys vergeben werden, stimmt nach meiner Erfahrung nicht so ganz. Mir sind doch etliche Fälle bekannt, wo nach der Geburt und der Betrachtung des Kindes ein anderer Name als ursprünglich geplant vergeben wurde.

    • Knud sagt:

      Das Problem ist den Autoren bekannt. Sie schreiben aber sinngemäß „Das spielt keine Rolle, Babys sehen sowieso alle gleich aus.“ Wenn diese Annahme nicht stimmt und viele Eltern den Namen erst nach der Geburt auswählen, dann wäre das Forschungsergebnis anders zu interpretieren.

    • Jan sagt:

      Na, ich bin wirklich ein Anhänger der kulturkonservativen Meinung, daß für Männer alle Babys gleich aussehen. Gibt da auch nur minimale Unterschiede Unterschiede zwischen europiden, schwarzen, asiatischen Babys etc.

      Maria Th. meinte ja mal, daß sich das spätestens mit dem ersten eigenen Kind ändere – kann sein. Aber ich käme mir als stümperhafter Lügner (und eben nicht nur als charmanter Heuchler) vor, einer jungen Mutter nach Blick in den Kinderwagen zu sagen, daß ich ihr Baby süß (oder sowas) fände. Sie sehen einfach alle gleich aus.

      Ferner habe ich mal gehört, daß es unter Frauen das Gerücht gäbe, daß Babys in den ersten Monaten immer den Vätern ähnelten – damit die sie wiedererkennen und nicht gleich wieder abhauen. 😀

    • Maria Th. sagt:

      Ferner habe ich mal gehört, daß es unter Frauen das Gerücht gäbe, daß Babys in den ersten Monaten immer den Vätern ähnelten – damit die sie wiedererkennen und nicht gleich wieder abhauen.

      Vielleicht kommt die Ähnlichkeit daher, dass Babys oft Glatzen haben??? 😀
      Nein, im Ernst, ich kenne das Gerücht nicht. Ich halte es aber auch tatsächlich für ein Gerücht, dass die Babys eher den Vätern ähneln würden. Oder gibt es da wissenschaftliche Studien?
      Wo doch Männer allgemein und durchaus sicher auch Väter die Unterschiede zwischen Babys oft gar nicht (so deutlich) wahrnehmen (s.o.)! Vielleicht gibt es Frauen (nicht nur Mütter, auch Tanten, Omas etc), die es dem Manne so lange einreden, dass das Kind ganz wie der Papa aussähe, bis er es glaubt und sich dann geschmeichelt fühlt…
      Im übrigen: Wer schon mal ein Neugeborenes hatte und sich dann bei der Besichtigung durch die Sippe anhören konnte, wem das Kleine nun ähnlich sieht, weiß Bescheid! 😉 (Oma: „Also ganz wie mein Wernerle wie er klein war!“, Tante Erna: „Nein, der sieht aus wie Christiane, schau doch die Nase an!“ Tante Betty: „Quatsch, die Augenpartie und das Kinn, genau wie sein Opa!“ und die Freundin, die zu Besuch kommt: „Also der Kleine sieht total aus wie du!“
      😀

    • Jan sagt:

      Vielleicht gibt es Frauen (nicht nur Mütter, auch Tanten, Omas etc), die es dem Manne so lange einreden, dass das Kind ganz wie der Papa aussähe, bis er es glaubt und sich dann geschmeichelt fühlt…

      Ja, das dürfte mit ziemlicher Sicherheit die Wurzel dieses weiblichen On-dits sein. 😀 Aber der evolutionäre Zweck dürfte der gleiche sein wie angedeutet: Die Väter sollen dazu gebracht werden, sich nicht gleich wieder zu verflüchtigen. 😀

      So hat der Herrgott alles sinnvoll eingerichtet. 😉 Ich kenne einen Rattenkönig von Klassenschwestern, die „alleinerziehend“ (wie es so schön auf neudeutsch heißt) sind, und es bringt wirklich Probleme mit sich, schon auch und gerade bei der Job-Suche, wenn eben mal keine hilfreichen Omas und Tanten zur Hand sind. Frauen, die das in der BRD geregelt kriegen, sind für mich Heldinnen.

    • Nea sagt:

      Also ich kann auch als Frau „bestätigen“, dass Babys alle gleich und nicht hübsch oder süß aussehen. Das kommt erst später, wenn sie Haare haben und rumflitzen.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Ich finde Babys toll, habe aber länger keine wirklich kleinen mer gesehen und kann daher schlecht beurteilen, ob die wirklich gleich aussehen. Ich finde eher beeindruckend, dass ein vollständiger Mensch so klein sein kein. *schwärm*

    • Jan sagt:

      Klammer auf.

      Also, wirklich meine Privat-Theorie. In den Augen von Männern sehen Babys halt immer ekelig aus.

      Gott wollte uns damit sagen: „Geh Du, Mann, mal schön auf Kaperfahrt und schaff Geld ran! Deine Frau kümmert sich schon um die Kinder und kommandiert die Dienstboten herum. (Dann sitzt Ihr nicht auf dem Sofa vorm TV, freßt Kartoffel-Chips, habt Euch nichts mehr zu erzählen und ödet Euch an. Ihr seid doch Wikinger!)“

      Klammer zu.

    • Tina sagt:

      Die Theorie, Babies sähen dem Vater ähnlich, damit er sie lieb hat, habe ich kurz vor der Geburt unserer zweiten Maus zum ersten Mal gehört.

      Was unsere beiden betrifft eindeutig Unfug! Die Große sah sehr lange eindeutig nur mir ähnlich. Mittlerweile ändert sich das und vor allem die Mimik ist immer mehr der Papa. Die Kleine sieht uns beiden überhaupt nicht ähnlich, verändert sich aber jetzt mit drei Monaten ziemlich – mal sehen wenn sie dann ähnlicher wird oder auch nicht.

      Süß fand auch ich als Mutter sie in den ersten Tagen nach der Geburt nicht. Also optisch süß meine ich damit. Verliebt war ich in beide trotzdem sofort, aber Stute waren

    • Tina sagt:

      Sorry, da hat das Baby mit aufs Handy getippt. Sollte heißen, sie waren beide krebsrot und faltig, das finde ich nicht süß.

    • Maria Th. sagt:

      Nein, das stimmt schon, Neugeborene müssen sich nach der Geburt buchstäblich „entfalten“ und sind ja auch vom Geburtsvorgang oft ein wenig mitgenommen. Aber nach ein paar Tagen ist ein Neugeborenes trotzdem was Wunderbares, sie riechen auch so gut. Gehört auch zur evolutionären Taktik (des Babys)!

  5. Tilda sagt:

    Sehr interessante Studie! Ich fand schon als Kind, dass es blonde und brünette Namen gibt. Luise z.B. muss blond sein, Barbara brünett, Svenja und Finja rothaarig.

    Und zu den Babys: ich finde die sehen sehr individuell aus. Schaut euch doch mal die Babygalerien der Krankenhäuser an. Wir waren erst letzte Woche bei einem Baby Besuch (das Neugeborene besichtigen, Geschenk überreichen und auf jeden Fall den müden Jungeltern nicht noch mehr Arbeit machen und Kuchen selbst mitbringen.) Die kleine sieht schon anders aus als die ältere Schwester vor ein paar Jahren. Auch wenn die Augen blau sind bei den meisten Kindern kann man bei dunklem Blau schon vermuten, dass sie später braun werden. Die Nasemform ist auch speziell (die kleine Maus bekommt bestimmt mal keine Stupsnase…) Haaransatz (Neugeborene haben ja häufig etwas Haare, die dann erstmal ausfallen), Ohren…

    Bei meinem Sohn wusste ich schon im Kreißsaal, dass er mehr nach mir bzw. meinen Eltern kommt. Von meinem Mann ist „nur“ die Kopfform und das Kinn und Mund. Aber Hände und Ohren sind von meinem Vater. Die Augen von meiner Mutter. Und die Nase von mir(leider) 😉 und das könnte man schon im Krankenhaus erkennen. Und es hat sich in den Jahren auch nicht geändert.

  6. lenchen sagt:

    Um mal das Niveau ein wenig zu senken wieder. Mich erinnert der Bericht an die neue TV-Show, wo man das Alter fremder Leute erraten soll um Geld zu kassieren. -.-“
    Da geht man auch eher davon aus, dass gewisse Attribute zu jüngeren Menschen gehört und Ältere eher andere Dinge anziehen oder an sich behängen.

    • lenchen sagt:

      Um vom Off-Topic wieder abzukommen (was hab ich mir da grad gedacht, dass da oben zu schreiben O.O)

      Eine Freundin hat den Wunsch der verstorbenen Großmutter erfüllt und den Sohn komme was wolle Benjamin genannt. Und er sieht auch aus wie ein Benjamin.
      Kann natürliche eine Ausnahme sein.

      Das mit den Ähnlich-Sehen des Vaters kann ich schon nachvollziehen bei einigen kleinen Babys grad in meiner Umgebung. Aber deren Züge sehen bei jedem Besuch etwas anders aus.

  7. Willa Muriel sagt:

    Nomen est omen, unbewußt werden vermutlich manche von uns von ihrem Namen geprägt, deshalb finde ich es so wichtig auch auf die Bedeutung des Namens zu achten nicht nur auf den Klang.

    • Maria Th. sagt:

      Da ist schon was dran, aber:
      Wird man auch vom Namen geprägt, wenn man die Bedeutung gar nicht kennt? Jetzt wird’s philosophisch…

    • elbowin sagt:

      „Peer Pressure“? Dass heißt, man passt sich (bewusst oder unbewusst) an andere Träger des eigenen Namens an?

    • Maria Th. sagt:

      Peer pressure, ja, kann sein. Das zielt aber auf Verhalten ab, dem man sich anpasst oder abgrenzt, das hat nichts mit der Namensbedeutung zu tun.

    • vor name sagt:

      Mit „peer pressure“ ist gemeint, dass Menschen (und deren Gesichtsausdruck) von den (Vor-)urteilen anderer (der „peers“), die diese dem Vornamen zuschreiben, beeinflusst werden (können). Diese Vorurteile üben dann Druck auf den Menschen aus („pressure“).
      Daher möchten manche Menschen, denen dies bewusst ist, auch den Vornamen ändern 🙂

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