Die 4 größten Missverständnisse zur Kevinometer-App

Im NDR-Fernsehen wurde das Kevinometer vorgestellt und das Mamaclever-Blog hat die App getestet.

Hier möchte ich einige Missverständnisse zum Kevinometer ausräumen, die öfter aufgetreten sind:

Mandy müsste eine höhere Kevinwahrscheinlichkeit haben

Keine Frage, Mandy ist ein Schubladenname. Allerdings steckt Mandy nicht in derselben Schublade wie Kevin. Die Mandys sehen sich dem Vorurteil ausgesetzt, sie kämen aus der DDR – und das zu recht, denn Mandy war tatsächlich in der DDR ein sehr häufiger und in der BRD ein sehr seltener Vorname. Außerdem in derselben Schublade: Nancy, Cindy, Ronny und Enrico.

Mein Name ist doch ein ganz normaler Vorname

Natürlich habe auch ich die Namen meiner Freunde, Verwandten und Arbeitskollegen ins Kevinometer eingegeben und meinen eigenen Namen ausprobiert und das macht ja auch großen Spaß und belebt eine Party ungemein. Die App wurde aber für das Szenario entwickelt, dass man jetzt einen Babynamen sucht. Als Eure Eltern Euren Vornamen ausgewählt hatten, galten ganz andere Rahmenbedingungen. Der Kevinometer-Algorithmus basiert auf den Erkenntnissen der letzten Jahre und kann darum nicht vernünftig auf heutige Erwachsenennamen übertragen werden.

Adolf ist doch extrem vorurteilsbelastet

Es gibt in Deutschland keine Vornamen, die stärker mit Vorurteilen behaftet sind als Kevin und Adolf. Aber wie bei Mandy gilt auch hier: Es sind vollkommen unterschiedliche Vorurteile. Das Kevinometer prüft nicht, ob ein Vorname überhaupt Vorurteile erzeugt, sondern ist auf das Kevin-Klischee spezialisiert. Darum ist die Kevinwahrscheinlichkeit des Namens Adolf im grünen Bereich.

Das Kevinometer ist zu teuer

Ich biete die App zum niedrigsten Preis an, den Apple erlaubt – billiger geht also nicht. Und irgendwie möchte ich die Kosten finanzieren; ich habe einen vierstelligen Betrag investiert (schon die Erlaubnis, etwas im App-Store anzubieten, kostet Geld).

Andere bieten ihre App gratis an und vermarkten die Nutzerdaten bzw. werten diese für eigene Zwecke aus, das kommt für mich nicht in Frage. Das Kevinometer wird einmal installiert und funktioniert dann ohne Einschränkungen offline, es gibt keinerlei Verbindungen zu irgendwelchen Servern. Niemand erfährt, welche Namen Ihr eingebt!

Werbung wäre eine alternative Finanzierungsmöglichkeit. Dann müsste die App aber online gehen und Daten austauschen. Außerdem, so mein Eindruck, wird Online-Werbung immer unbeliebter bei den Nutzern. Auf beliebte-Vornamen.de gibt es Werbung, da habe ich noch keine Alternative gefunden. Mein Traum ist, die Website werbefrei machen. Dazu müsste die Bezahl-App so viel Geld einbringen, wie ich benötige, um die Vornamenhitlisten und den Websitebetrieb zu finanzieren.

Wie gesagt, den Preis kann ich nicht senken, weil es der vorgeschriebene Mindestpreis ist. Ich werde die App aber „preiswerter“ machen, in dem ich den Wert erhöhe, sie also verbessere. Demnächst wird das Kevinometer um eine sehr interessante Funktion erweitert.
Das Update steht jetzt zur Verfügung!
Jetzt bei Google PlayKevinometer iTunes

Thema: Kevinometer

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

20 Kommentare zu "Die 4 größten Missverständnisse zur Kevinometer-App"

  1. cassis sagt:

    Die eine junge Frau in dem Filmchen macht auch den Fehler, den Vornamen einer US-Amerikanerin nach deutschen Maßstäben messen zu wollen. Das kann natürlich nicht hinhauen.

    • Knud sagt:

      Genau, auf die Namensgebung in anderen Ländern passt das natürlich auch nicht.

    • Nina sagt:

      Ich habs in einem anderen Beitrag schon erwähnt, es ist schon für Österreich nicht aussagekräftig. Ein Name wie Leopold, der hierzulande mittelhäufig (Top 60) im bürgerlichen Milieu und bei den Bobos vergeben wird erzielt beinahe den selben Kevin-Wert wie beispielsweise Marcel, der hier von vielen als Kevin-Name wahrgenommen wird.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Marcel klingt aber auch für mich als deutsche ein bisschen kevinistisch.

  2. Jan sagt:

    Artikel in der heutigen HAZ zum Kevinometer: „Wie viel Kevin steckt in Ihrem Vornamen?“

    • Jan sagt:

      Kurze Selbstkorrektur: Der Artikel war nicht in der heutigen Druckausgabe der HAZ, sondern ist gestern in der Online-Ausgabe erschienen. (Ich war mit den Daten durcheinander gekommen, weil ich den Datums-Anzeiger meiner Armbanduhr nach dem Wechsel Februar/März noch nicht nachjustiert hatte.) Ferner aber ist der Artikel von dpa – und somit eben doch möglicherweise in anderen (vielleicht gerade schleswig-holsteinischen?) Tageszeitungen im Druck erschienen…

    • Knud sagt:

      Von dpa ist nur das (schon etwas ältere) Foto, der Artikel ist ursprünglich in den Lübecker Nachrichten erschienen. Wegen des großen Erfolgs (?) haben ihn dann auch andere Medien übernommen. Ich war selbst überrascht, als plötzlich weitere Interviewanfragen aus anderen Regionen kamen.

    • Jan sagt:

      Ah, gna, ja, stimmt. Das mit dem „Quelle: dpa“ bezieht sich nur auf das Foto… Das ist auf haz.de etwas mißverständlich…

      Unter dem Artikel:

      Von Bettina Albrod/LN/RND

      Bettina A. ist offenbar eine freie Journalistin. LN ist Lübecker Nachrichten. RND offenbar Redaktionsnetzwerk Deutschland. Manchmal für Laien schwer zu durchschauen, wie da Artikel entstehen und weiterverbreitet werden… Also, jedenfalls hat meine Mutter das heute auf haz.de gefunden, mir einen Hinweis gegeben und in der Montags-Papier-HAZ nachgeguckt, ob der Artikel drin sei.

  3. K.E.V.I.N. sagt:

    Kevin und Adolf also…nun gut! Eine neues Level scheint erreicht bei jenem Thema, das mich sowohl aus persönlichen wie vornamensanalytischen Belangen tangiert.

    Wer hierzu zur Abwechslung mal aus der Perspektive eines Kevin informiert werden möchte:

    https://www.freitag.de/autoren/kniebauer/ein-name-macht-geschichte

    „Kevinometer“ als Begriff gefällt mir tatsächlich gut, Knud!

    • Maria Th. sagt:

      Sehr guter, differenzierter Artikel, Kevin!
      Hier in diesem Blog gibt es noch mehrere Artikel zu deinem Namen, vielleicht interessiert es dich. Der Name wird immer wieder mal thematisiert. Und es kommt immer wieder raus: nur weil einer Kevin heißt, muss er noch lange nicht blöd, verhaltensgestört oder in prekären Verhältnissen sein.

    • Jan sagt:

      Ja, der Artikel scheint auch mir streckenweise sehr gelungen. Vor allem im mittleren Teil haut der Autor zwar deutlich zu sehr mit seiner eigenen Klugheit auf den Pudding – das wirkt schon ein bißchen teeniehaft und klingt nach Schülerzeitung. Aber was will man von einer bourgeoisen Online-Postille wie dem „Freitag“ erwarten? Sehr treffend scheinen mir aber beispielsweise diese Sätze:

      Hier werden interessanterweise auch nicht die üblichen Proteste von Seiten der Linken artikuliert, auch wenn es sich hier offensichtlich um eine Form von aggressivem Klassismus handelt.

      [… …]

      Mit der Unterschicht wuchs auch das Klassenbewusstsein insbesondere auf Seiten des Bildungsbürgertums, was sich in dem Wunsch nach stärkerer soziokultureller Abgrenzung nach unten manifestierte. Diese Abgrenzung zeigte sich auch in der Diskussion um die sogenannten Unterschichtennamen zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

      Natürlich. (Obwohl man sich fragen könnte, ob man hier statthaft von Bildungsbürgertum sprechen kann – sooo furchtbar weit es ist mit der Bildung der grünen Hubschraubereltern erfahrungsgemäß nicht her, auch wenn Charlotte zum Geigenunterricht genötigt wird.) Der ganze hier so oft und auch zu Recht diskutierte Komplex „Kevinismus“ wäre ohne den Triumph des Neoliberalismus nach der Konterrevolution in den ehemaligen Warschauer Vertragsstaaten in den Jahren um 1990 herum undenkbar. Ohne Neoliberalismus und Agenda 2010 kein „Kevinismus“. Die ihrerseits abstiegssbedrohte mittlere und untere Bourgeoisie schießt sich auf die Unterschicht ein – sozusagen ein „Faschismus light“.

      Simples Beispiel: in meiner Kindheit (70er), Jugend (80er) und in meinen jungen Erwachsenen-Jahren (90er) gab es natürlich Modenamen, selbstverständlich auch soziale Konnotation von Namen – aber nichts, was dem giftigen und hämischen Ressentiment gegen die Kevins und andere meiner Klassenbrüder irgend vergleichbar gewesen wäre. Den Leuten sitzt die Angst im Nacken und daher beißen sie – und treten nach unten. Und die Herrschenden reiben sich die Hände.

      Die sogenannte Linke hat sich von ihren wahren Aufgaben und Themenfeldern – innergesellschaftliche und internationale Solidarität und Verteilungsgerechtigkeit, organisierter Klassenkampf – auf lächerliche bis gemeingefährliche Nebenkriegsschauplätze lenken lassen: Antideutschtum, Antifa ohne Fa, Gender- und LGBT-Quatsch, Tierschutz, Vegetarier-Fraß, struktureller Pazifismus etc. Freizeit-Beschäftigungen für reiche grüne Muttis und verpickelte StudentInnen. Und das „Zeichnen“ von irgendwelchen albernen Online-Petitionen gilt bei diesem Typen tatsächlich für „politisches Engagement“.

      Kevins, tragt die Köpfe hoch und die Fäuste auch!

  4. Sabine sagt:

    Nicht zum ersten Mal ziehen die Medien den Namen Kevin in den tiefsten Abgrund unverschämter Verspottung und oft unbegründeter Verurteilungen. Keiner denkt dabei, dass es sich um echte Menschen handelt!!! Warum ein Jan denkt, dass er besser ist als Kevin?  Warum denkt keiner wie schlimm das Ganze das Leben von Jungs, die Kevin heißen beeinflussen kann!? Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze oder Gymnasium! Wer nimmt sich das Recht heraus, diesen Jungen jede Bewerbung zu runieren? Auch wenn er ein sehr sozialer, höflicher und wissbegieriger Junge ist, kann er sein Leben gut meistern, wo jeder denkt er hat das Recht Kevins zu verspotten und die anderen lachen mit? Mobbing aus der Schule in großen Format!

  5. Kevin's Schwester sagt:

    Als Schwester eines Kevin’s bin ich entsetzt über Ihre App. Denn mein Kevin -ja, in den 90ern geboren!!!- ist ein junger Mann, der Maschinenbau studiert und aus einem guten Elternhaus kommt.

    Es ist eine Unverschämtheit, was aus seinem Namen gemacht wurde. Der Begriff „Kevinismus“ ist schon eine derbe Beleidigung. Aber nun auch noch eine derart herablassende App herauszubringen, das ist die Höhe.

    Haben Sie, lieber Herr Knud, schon mal an die ganzen Kevin’s und ihre Eltern gedacht?! Dass man sich plötzlich schämen muss, den Namen zu nennen?! Dass man immer schief angeschaut wird, wenn man den Namen ausspricht?! Es ist eine Unverschämtheit!!!!

    Warum heißt die App nicht Knud-O-Meter?! Das ist in vielen Augen und Ohren nämlich auch ein ziemlich beschränkter Name und lässt einen erzaudern!

    • Knud sagt:

      Erzaudern – schönes Wort, was bedeutet das?

      Knud mag ein beschränkter Name sein (ich werde Ihre Ansicht meinen Eltern ausrichten, die den Namen ja ausgesucht hatten). Ich wollte aber keinen beschränkten Vornamen in den Namen der App aufzunehmen, darum fiel meine Wahl auf Kevin. Der Name KEVINOMETER signalisiert meiner Meinung nach besser als KNUDOMETER worum es geht, nämlich um das Phänomen Kevinismus. Ich habe übrigens weder das Phänomen noch diesen Begriff erfunden, um gleich mal ein weiteres Missverständniss auszuräumen.

    • Jan sagt:

      Was ich vom Begriff und vom Phänomen „Kevinismus“ halte, habe ich oben in möglicher Deutlichkeit dargelegt.

      Dennoch oder auch gerade deshalb scheint mir die wutschnaubende Reaktion der „Schwester von Kevin“ vollkommen unangemessen. Es liegt klar zutage, daß diese App auch eine ironische Komponente hat, daß sie also nicht nur auf die Kevins und ihre Schicksalsgefährten eindreschen, sondern den Kevinimus-Quatsch auch ein bißchen auf die Schippe nehmen will.

      Meine Fresse – sage ich als jemand, der weder die edle Kunst des Maschinenbaus studiert hat noch aus „einem guten Elternhaus kommt“ –, muß man eigentlich als Dipl. Ing. Witzmacher folgendermaßen vorgehen: „Achtung, ich mache jetzt einen Witz. Dann mache ich ihn. Und dann sage ich, daß ich gerade einen Witz gemacht habe.“ Da kann man sich nur vor Erschauern zerzausen. Indem ich vor dem Klick auf „Kommentar veröffentlichen“ zaudere, klicke ich jetzt doch…

      Kevins und Schwestern von Kevins, regt Euch nicht über die Leute auf, die den Namen Kevin verlästern, sondern auf die dahinterstehenden gesellschaftlichen Zustände.

      Ach, noch eine Idee für das Knudometer: Man kann ein Säuglingsfoto biometrisch erfassen lassen. Es wird einem ausgegeben: Ähnelt es eher Knut Hamsun, Knut Folkerts, Knut Kiesewetter oder Knut dem Eisbären?

  6. Kevin's Schwester sagt:

    Witz hin oder her… würde mich nur intetessieren, wie es Euch Knud’s, Jan’s und Justus’en ergehen würde, wenn Euer Name seit Jahren durch den Dreck gezogen würde! Bei jeder Namens-Diskussion, jedem Nennen des Namens, von Comedian’s etc. … es ist -mit Verlaub- zum Kotzen!
    Und ja, lieber Knud, das können Sie Ihren Eltern ruhig ausrichten, denn die haben den Namen genauso ausgesucht, wie soooo viele Eltern von Kevin’s in der Vergangenheit.
    Und ja, die edle Kunst des Maschinenbaus… was genau möchtest du mir damit sagen?!

    • Jan sagt:

      wie es Euch Knud’s, Jan’s und Justus’en ergehen würde

      „Euch Jans“, bitte. Also ohne Deppen-Apostroph.

    • Knud sagt:

      Ich gehe davon aus, dass Kevin’s Schwester’s inflationärer Gebrauch des den Deppen-Apostroph’s ironisch gemeint ist.

  7. Kevin's Schwester sagt:

    Und ja, entschuldigt bitte die falsche Wortwahl, bzw. das Erfinden eines neuen Wortes… wenn man emotional extrem geladen ist, dann passiert so etwas schnell… das richtige Wort sollte „ERSCHAUERN“heißen! Und das gute Elternhaus ist in diesem Fall natürlich als „aus guteM Elternhause“ zu umschreiben.

Kommentieren