Ur-Kevin gefunden?

Kevin und Adolf, das sind die interessantesten Vornamen in Deutschland, so mein Eindruck nach einem gründlichen Blick in die Suchmaschinenstatistiken dieses Blogs. „Warum heißen dumme Menschen Kevin?“ wird oft gefragt. Mich würde mehr interessieren, warum sich immer noch Eltern für diesen Vornamen entscheiden, obwohl er ja bekanntlich so verrufen ist. Außerdem bin ich schon lange auf der Suche nach der Ursache, warum der ursprünglich nur im englischen Sprachraum gebräuchliche Vorname überhaupt in Deutschland modern wurde. Der Film „Kevin allein zu Haus“ kann nicht der Auslöser gewesen sein, denn als der Film 1991 in die deutschen Kinos kam, war der Name hierzulande schon einer der beliebtesten Jungennamen. Auch Kevin Keagan kommt nicht als Ur-Kevin in Frage: Der Fußballer spielte 1977 zum ersten Mal in der Bundesliga, da war sein Vorname schon in Deutschland etabliert.

Ur-Kevin © Kovalenko - fotolia.com

Ur-Kevin © Kovalenko – fotolia.com

Der entscheidenden Hinweis kam neulich von Annemarie: In der britischen Fernsehserie „Black Beauty“ gibt es eine Hauptfigur namens Kevin Gordon. Die erste Folge der damals sehr populären Serie wurde im September 1974 erstmals in Deutschland gesendet und 1975 tauchte der Vorname Kevin in der deutschen Babynamenstatistik auf. Ist Kevin Gordon der Ur-Kevin, der den Namen in Deutschland bekannt gemacht hatte?

Ich kann mir das wirklich vorstellen. 1974 gab es in Deutschland nur drei (allesamt öffentlich-rechtliche) Fernsehsender und natürlich weder Streaming-Portale noch soziale Medien, so dass das Fernsehprogramm eine viel größere Bedeutung im Alltag hatte als es heutzutage der Fall ist. Die kulturellen Auswirkungen einer beliebten TV-Serie waren beachtlich.

Thema: Kevinismus

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

35 Kommentare zu "Ur-Kevin gefunden?"

  1. neuhier sagt:

    Dass Kevin so in Verruf geraten ist, liegt m.E. dennoch an Kevin allein zu Haus. Denn in der Arbeit, welche das ganze Theater um diesen Namen verursachte, wurden die Lehrer gebeten, Namen aufzuzählen, welche sie mit einem verhaltensauffälligen Kind verbinden plus die Gründe für diese Assoziation. Und da gaben eben einige Film und Fernsehen an, andere bezogene sich konkret auf die Kevin-Filme.

    Und dann wurde das Ganze eine selbsterfüllende Prophezeihung – wen die Meinung von Lehrern und das Ansehen des Kindes wichtig ist, hat den Namen nicht mehr vergeben. Eigentlich schade um diesen Namen: mir gefällt er.

    • Maria Th. sagt:

      Ich hätte für das erste Erscheinen des Namens tatsächlich auch auf Kevin Keegan, den Fußballer, getippt. Vorher ist mir der Name nie untergekommen. Und damals, Ende der 70er, war das ein toller, neuer, frischer, schicker Name, weil ja auch der Fußballer nicht so übel war (optisch wie fußballtechnisch). Der allein-zuhause-seiende Kevin war damals noch nicht in Sicht, insofern war der Name in der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Fußballer (positiv) besetzt. Und dass mit dem Film-Kevin der Name „kippte“, halte ich für durchaus nachvollziehbar.
      Ich würde den Namen zwar auch nicht vergeben, aber da gibt es ja heutzutage, wie hier jede Woche wieder mit Schrecken zu lesen ist, noch ganz andere, schlimmere „Kevinismen“. Vielleicht gibt es in fernerer Zukunft mal wieder ein Kevin-Revival, wer weiß?

    • Jan sagt:

      Denn in der Arbeit, welche das ganze Theater um diesen Namen verursachte,

      Die Kevin-Disserei ist aber älter als diese Studie (die ja erinnerlich eine schlichte Diplomarbeit gewesen ist). Diese Arbeit ist doch so gegen 2010 erschienen. Aber schon um den Dreh 2005 gab es z.B. eine „Online-Initiative“ mit dem Titel „Kevin muß weg!“. Da ging es um bzw. gegen dieses neue Kinderscholaden-Gesicht (dusseliges Grinsen, tumbes Gesicht, Gel-Frisur), daß den seit vielen Jahren vertrauten 70er-Jahre-Blondschopf abgelöst hatte. Das muß zwischen 2005 und 2006 gewesen sein. Schon vor der Studie taugte Kevin als allgemeinverständlicher Pejorativ-Begriff…

    • Jan sagt:

      Ich würde den Namen zwar auch nicht vergeben, aber da gibt es ja heutzutage, wie hier jede Woche wieder mit Schrecken zu lesen ist, noch ganz andere, schlimmere „Kevinismen“. Vielleicht gibt es in fernerer Zukunft mal wieder ein Kevin-Revival, wer weiß?

      Ja, das denke ich mir auch manchmal oder wünsche es mir gar. Leute, die die Köpfe hoch genug tragen und den Schneid haben, bewußt einen Namen zu vergeben, der als „unterschichtig“ verschrien ist. Oder eben wieder klassenbewußte Proletarier, die sich nicht von Privat-Medien zum Affen machen lassen.

      Kevin ist unter den Vornamen sozusagen das, was MS Comic Sans unter den Schriftarten ist: die Designer-Hanseln, zumindest das Fußvolk unter ihnen, rümpfen die Nase darüber, weil dann das Schulterklopfen sicher ist und man sich unter den Mit-mit-Stäbchen-Essern als Mensch mit Ahnung präsentieren kann.

      Man kann allen Kevin nur raten, die Köpfe hoch und stolz zu tragen.

  2. Ayame sagt:

    Mir tun die Kevins, Chantals und Jacquelines wirklich leid. Aufgrund eines Namens als „dumm“, „prollig“ oder „unterschichtig“ angesehen zu werden ist ein hartes Los. Aber ich gebe zu, dass ich selber keinen dieser drei Namen vergeben würde, da ich meinem Kind die damit verbundenen Hänseleien ersparen möchte.
    War nicht „Dennis“ der „Kevin der 80’er“? Ich kann schon verstehen, dass negative Assoziationen durch eine gewisse Häufung vehaltensauffälliger Schüler , die alle auf einen bestimmten Namen hören zustandekommen. Aber deshalb darf man nicht alle Kevins, Justins oder Dennisse über einen Kamm scheren. Ich hoffe, die Namensträger sidn dennoch stolz auf ihren Namen und tragen ihn mit Haltung.

    • cassis sagt:

      Ich nutze die Gelegenheit, um eine Frage zu stellen, die ich schon länger im Kopf habe: Gehören Chantal und Jacqueline der gleichen Generation an? Sie werden oft nebeneinander gestellt, aber für mein Gefühl ist eine Chantal heute höchstens 20 und eine Jacqueline doch ein Stück älter.

    • @Jan sagt:

      @ cassis

      Ich meine das auch… Ich meine allerdings ferner, daß der Name Jacqueline früher nicht diesen expliziten Assi-Touch bzw. -Ruf gehabt hat, wegen dessen er so oft mit Chantal zusammen genannt wird – er klang eher wie Nicole oder Nadine. Meines Erachtens ist Jacqueline also eher dagewesen als Chantal, aber gemeinsam mit ihr in die Asozialität abgeglitten. 😉

    • elbowin sagt:

      Jacqueline klingt für mich typisch „ostig“, ähnlich wie Mandy, Rico & Co. Und ich weigere mich, Osten gleich Unterschicht zu setzen.

      Chantal ist ein anderer Fall, ist iwie das klischeehafte katholische Mädchen vom Lande, dass von allen Aufstiegschancen abgeschnitten ist. Ich erinnere mich aber, dass französische Namen einmal als „sexy“ galten, das mag das Bild von Chantal mitprägen.

    • Maria Th. sagt:

      das klischeehafte katholische Mädchen vom Lande,

      Für mich klingt Chantal ausschließlich wie aus den einschlägigen Kleinanzeigen des Rotlichtmilieus entnommen.
      Was da „klischeehaft katholisch“ und „vom Land“ sein soll, erschließt sich mir nicht 🙂

    • Maria Th. sagt:

      Jacqueline also eher dagewesen als Chantal

      Das sehe ich auch so, da gab es aber auch schicke Namensvorbilder wie Jacqueline Kennedy/Onassis oder auch die britische Schauspielerin Jacqueline Bisset. Und dann noch Jaclyn Smith aus den „Drei Engeln für Charlie“, wenn auch anders geschrieben.
      Eine wirkliche Promi-Chantal ist mir bis jetzt noch nicht eingefallen.

    • Knud sagt:

      Chantal und Jacqueline spielen nicht in einer Liga. Chantal war in Deutschland nie ein sehr häufiger Name, Jacqueline kommt dagegen viel häufiger vor und ist auch schon länger verbreitet. Besonders beliebt war der Name Jacqueline in der DDR.

    • Mutter von Emma sagt:

      Ich habe mal überlegt, ob ich Jaquelines und Chantals kenne.
      Ergebnis: zweimal Chantal. Beide in den 90ern in Westdeutschland geboren. Beide kannte ich als Kinder. Einmal ein Mädchen aus einer sozial schwachen Familie und einmal eines aus einer deutsch-französischen Akademikerfamilie.

    • Mutter von Emma sagt:

      …sollte Jacqueline heißen…

    • elbowin sagt:

      Was Namensvorbilder für Chantal angeht: Es gab/gibt da wohl einige Schauspielerinnen und Schlagersängerinnen, die aber alle nie wirklich groß rausgekommen sind. Ansonsten fällt mir noch das Instrumentalensemble CHANTAL ein, das seit langem historische Musik aufführt.

      Bleibt die Heilige, und damit der Bezug zum Katholizismus, sowie der französische Klang und eine inzwischen vergangene französische Namensmode.

    • cassis sagt:

      Als Nachfolgerin von Chantal als Prototyp für einen asigen Mädchennamen würde ich Cheyenne vorschlagen.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Die fällt doch schon in das Klischee.
      Ich glaube aber, dass Chantal zwar noch nie „optimal“ war, aber durch den Film „Fack ju Göthe“ nochmal massiv abgestürzt ist. Aber da bedingt natürlich eins das andere, die Macher haben sich bei den Namen ja auch was gedacht.

    • Ina sagt:

      Bezüglich der Frage von Cassis wegen Chantal und Ja(c)queline (ich sehe den Thread jetzt erst), kann ich folgendes beisteuern: Mir ist hier in NRW eine Chantal, geboren späte 70er Jahre bekannt, aber ich bin in Bayern mit einer Jacqueline Ende der 90er in der elften Klasse gewesen, kannte noch eine etwa Jahrgang 1982 und kenne aus Köln eine Jaqueline Jahrgang 1966, die wiederum eine Reihe ihr gleichaltriger Jeanettes und Isabelles kennt (muss da so eine Welle mit französischen Mädchennamen gegeben haben, wäre auch nicht verwunderlich, denn Nicole war da schon da und in). Auf meiner Schule gab es übrigens auch eine Vanessa Jahrgang 1977 und eine Vivien von 1981. Die Namen nahmen in den 90ern erst an Beliebtheit zu, Vanessa eher denn Vivien/Vivienne/Vivian. Bei den Jungs hatten wir einen Morris, der sich auf Teufel komm raus wie Maurice gesprochen haben wollte (Jahrgang irgendwas Mitte der 70er).

      Pascal kenne ich einen Jahrgang 1980 und dann kommt altersmäßig ganz erstmal ganz lange keiner.

      Ansonsten fällt mir hier in NRW auf, dass Namen, die heute irgendwie „vorbelastet“ wirken in den späten 70ern bis Mitte der 80er vor allem in gut gebildeten Familien, als was die sich definieren ist mir egal, vergeben wurden. An Anwaltskanzleien stehen hier immer wieder die Vornamen Gordon, Mandy, Nancy, Kim und Eileen, also alles was oft nicht nur als Schublade sondern auch Osten definiert wird. Die haben hier übrigens auch neben dem Vornamen Maik (männliche Form von Maike eher denn ein verunstalteter Mike) die Formen Meik (!) und Meikel (da gab es in den Siebzigern eine Kinderserie, vielleicht kommt es vom Protagonisten.) in der Altersgruppe 35-50.

  3. @Jan sagt:

    Ha, ich muß bei dem Namen Jacqueline bis heute an Jacqueline Bisset denken, die ich als Teenie angehimmelt habe! 🙂

    Und jäp, Chantal klingt nach Rotlichmilieu der 80er und nicht ländlich-katholisch, würde ich sagen…

  4. Jan sagt:

    Die Leser dieses Blogs sind wieder einmal um Nachsicht für eine allgemeinere Bemerkung gebeten – und zwar zum Alter nicht des Namens Kevin in Deutschland, sondern des Phänomens „Kevinismus“. Es ist dieses Phänomen nämlich meines Erachtens relativ jung.

    Natürlich hat es immer Standesdünkel gegeben. Und natürlich hatten Namen auch immer eine soziale Konnotation: Willy Brandt hat sich seinen Kampfnamen Willy Brandt zugelegt, gerade weil er einen Namen haben wollte, der klingt wie ein einfacher Mann. Die Eltern eines Hubertus waren wahrscheinlich Jäger, also Reiche.

    Aber die giftige Häme, die heute gerade über die Kevins und Chantals ausgegossen wird, die Angst etwa von Eltern, aus Versehen einen kevinistischen Namen zu vergeben – das wäre zumindest noch in den 80ern in der heutigen Form und Drastik undenkbar gewesen.

    Man kommt zur Erklärung dieses Sachverhalts meiner Meinung nach (und hier spricht ein Sozialist) kaum ohne seine Einordnung in einen weiteren gesellschaftlich Kontext aus. Stichpunkte wären hier: Agenda 2010, durchgesetzt von Rot-Grün. („Wer hat uns verraten?“ Richtig.) Soziale Stigmatisierung der Unterschicht als Loser und Schmarotzer durch Springerpresse und Privatfernsehen. Endlos ausgewalzte Klischees von den verfetteten, dementen Kretins in Jogginghosen. Neoliberalismus. Privatisierungen. Die vulgäre Schuljungen-Ideologie des Libertarismus. Summa summarum: dieser ganze schnöselige, unmännliche und unritterliche Wohlstands-Chauvinismus der Mittelschichten gegen die ausgebeuteten Klassen und ausgebeuteten Nationen.

    Es gab in den 70er und 80er Jahren einfach keine Namen, die so verhöhnt worden wären wie heute Kevin und Chantal. (Und damals wurden die Kinder freilich auch noch nicht so verhätschelt wie heute. Es lief noch lockerer, weniger perfektionistisch, auf materiellen Erfolg eingenordet und neopuritanisch. Angstärmer. Kinder zu haben, war „normaler“. Nicht alles und jedes, was mit Kindern zu tun hat, wurde zu einem Turbo-Problem aufgeblasen – und daher haben die Leute damals früher und mehr Kinder gekriegt.)

    Niemand braucht meine politischen Überzeugungen zu teilen, aber ich kann es nur nochmals sagen:

    Deutsche Chantals und Jacquelines! Kevins und Ricos Deutschlands! Tragt Euren Namen mit Würde und Stolz als Ausweis Eurer wahrscheinlichen Herkunft aus der Unterschicht!

    Und laßt Euch nichts gefallen. Und nennt dann Eure Töchter Clara, Rosa und Hilde und Eure Söhne nennt Ihr Karl, Friedrich, Erich und Walter. 😉

    • Kathrin sagt:

      Hier kann ich einiges nachvollziehen und finde es durchaus zutreffend. Kinder sind wohl zunehmend „optimierte“ Statussymbole und nirgendwo ist die Angst vor dem sozialen Abstieg so groß, wie in der Mittelschicht. Das hat sicherlich stark zugenommen. Daher braucht es jetzt wohl Beratungsseminare für Namenssuchende 😉 Alles etwas für eher ängstliche Menschen, die sich nach allen Seiten absichern müssen. Diese „Panik“ gab es in den 70ern glaube ich noch nicht, aber wohl auch nicht diese extreme Namens-Schelte.

    • Maria Th. sagt:

      Genauso ist es. Ich kann mich anschließen, Kathrin.
      Und Kevin, dabei bleibe ich, ist bei weitem nicht der schlimmste Name, so schlecht klingt der nicht.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Das stimmt allerdings, vergeben würde ich ihn allerdibgs trotzdem nicht, mittlerweise wird das nämlich sogar im Ausland bekannt.
      Objektiv würde ich eher Kevin als viele andere „Kevinismen“ wählen, immerhin wird Kevin mehr oder weniger gesprochen wie geschrieben, so groß ist der Unterschied zu Namen wie Lynn oder Betty eigentlich nicht (ie ja wieder ganz anders eingeordnet werden würden), unter Jugendlichen sind es aber meist neben Kevin nut recht wenige Namen, denen tatsächlich etwas anhaftet. (Chantal, Jeremy-Pascal, vielleicht noch Justin)

  5. Elisabeth sagt:

    Trotz der wirklich üblen Nachrede hierzulande ist Kevin für mich immer noch der Name eines irischen Heiligen und ich würde den Namen tatsächlich vergeben.

  6. Mutter von Emma sagt:

    @Kathrin von oben:

    „Hier kann ich einiges nachvollziehen und finde es durchaus zutreffend. Kinder sind wohl zunehmend „optimierte“ Statussymbole und nirgendwo ist die Angst vor dem sozialen Abstieg so groß, wie in der Mittelschicht. Das hat sicherlich stark zugenommen. Daher braucht es jetzt wohl Beratungsseminare für Namenssuchende Alles etwas für eher ängstliche Menschen, die sich nach allen Seiten absichern müssen. Diese „Panik“ gab es in den 70ern glaube ich noch nicht, aber wohl auch nicht diese extreme Namens-Schelte.“

    Große Zustimmung von meiner Seite. Sehe ich ganz genau so!

  7. Mareike sagt:

    Kevin
    Wann genau ist Kevin eigentlich abgestürzt? Nach „Kevin allein zu Haus“ hatte der Name einen Höhepunkt bis etwa Mitte der 90er Jahre. Ich fand Kevin auch mal ganz gut, aber ich wäre nicht auf die Idee gekommen, meine Kinder (11 und 8 Jahre alt) so zu nennen. Der Name ist ein absolutes no-go. Kevin heißt einfach keiner mehr.

    Jacqueline
    Bei diesem Namen unterscheide ich die Schreibweisen Jacqueline und Jaqueline. Bei Jacqueline wußten die Eltern wie man den Namen richtig schreibt und meistens stimmt auch die Aussprache. Aber Jaqueline oder Jackeline (Schackeline) stecken tief in der berühmten Schublade und werden in jeder Comedy-Show aufs Korn genommen.

    Ein Name ist auch nur so lange klischeehaft, bis man den Menschen kennengelernt hat. Ich habe mal eine wirklich gute Erzieherin namens Chantal kennengelernt.
    Kinder mit „braven“ Namen wie Felix oder Sophie können ebenso verhaltensauffällig sein, wie die Kinder mit den sogenannten Schubladen-Namen. (Die Namen sind nur ein Beispiel, bitte nicht persönlich nehmen.)

  8. Moni sagt:

    Ich bin mit einem Nachbarskind namens Kevin aufgewachsen. Er ist irgendwann in den späten 70ern geboren (soweit ich weiß nach dem Fußballer benannt) und erfüllte schon damals im Alleingang sämtliche Kevin-Klischees, ohne dass wir wussten, dass es die überhaupt gab. (hat sich ständig geprügelt und Blödsinn angestellt, ärgerte und beleidigte andere Kinder, war schlecht in der Schule,…)
    Allerdings hatten wir auch einen Patrick und einen Mike in der Nachbarschaft, die waren genauso schlimm…

    Ich persönlich habe ansonsten immer eher französische Männernamen wie Pascal, Marcel oder Michel („Mi-Schell“) als „unterschichtig“ empfunden.
    Wahrscheinlich weil ich die tatsächlich nur von entsprechenden Mitschülern kannte, während Kevin, Mike und Patrick durch Schauspieler, Musiker, etc. auch in den Medien präsent und dadurch anderweitig besetzt waren.

  9. neuhier sagt:

    Einige Gedankengänge möchte ich noch teilen:

    1. Eigentlich zählen vor allem englische Namen zu den Kevinismen, die deutsch ausgesprochen irgendwie verunstaltet wirken – Anfangs-J ist ein typisches Problem und andersgesprochene Vokale. Der Name sollte cool wirken, die deutsche Aussprache zieht den gewählten Namen allerdings zum Teil bis ins Lächerliche. Es wundert nicht, dass Leute mit guten Englischkenntnissen diese Namen nicht wählen und daher Schubladen entstehen. Das ist bei Kevin aber nicht der Fall, den kriegt man auch als Deutscher gut hin – kein Wunder also, dass der mal so beliebt war. Warum nennt man diese Schublade dann Kevinismen?

    2. Warum packt man Namen wie Kjell nicht in dieselbe Schublade der Namen? Ich kann mir vorstellen, dass er aus deutschem Mund ähnlich verunstaltet klingt wie z.B. Jason.

    • Knud sagt:

      Antwort 1 (Warum nennt man diese Schublade dann Kevinismen?): Wenn Deine Definition passen würde, wäre die Bezeichnung tatsächlich unpassend. Ich meine dagegen, dass kevinistische Namen vor allem solche sind, die aus der englischsprachigen Popkultur aufgeschnappt wurden. Popstars, Schauspieler, Filmfiguren.
      Antwort 2 (Warum packt man Namen wie Kjell nicht in dieselbe Schublade der Namen?): Richtig, kaum ein deutscher Mund spricht den im schwedischen Originalton aus. Der Name wurde aber vermutlich von Schwedenurlaubern importiert, die den Namen dort irgendwo gelesen haben. Diese Eltern stecken typischerweise in einer anderen Schublade.

    • neuhier sagt:

      Ich behaupte, dass meine Definition der öffentlichen Wahrnehmung mehr entspricht. Am häufigsten wird doch die falsche Aussprache und die als unpassend empfundene Kombination mit dem Nachnamen moniert. Und das passiert besonders bei den Namen, wo viele noch der Meinung sind, es beurteilen zu können: denjenigen, die einer in den Schulen gelehrten ersten und zweiten Fremdsprache entstammen. Sich über Kjell aufzuregen getraut sich keiner – da kann man schnell selbst als der Dumme dastehen. Und genau das gefällt mir nicht: entweder man verteufelt alle falsch ausgesprochenen Namen oder man lässt es bleiben.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Da stimme ich dir eigentlich vollkommen zu und ich bin auch dagegen Namen, die nicht den deutschen Ausspracheregeln entsprechen ohne Hintergrund vei uns zu vergeben. Kleinere Angleichungen wie anderes r, oder eine verschobene Betonung finde ich aber noch ganz gut vertretbar, ebenso das stumme e bei Nicole oder Yvonne, würde aber auch das eher nicht machen.
      Ich glaube ja gesagt, dass die Entwicklung bei Knuds Theorie angefangen und sich dann zu deiner entwickelt hat.

    • Jan sagt:

      Aber was ist denn die „richtige“ Aussprache eines ausländischen Namens? Warum sollen irgendwelche Möchtegern-Snobs aus Newcastle upon Tyne oder aus Essex die Macht haben, uns vorzuschreiben, wie wir Wörter aus ihrer Sprache auszusprechen haben, wenn wir in unserer deutschen Sprache reden?

      Wir können ja auch kaum die Tonstufen der sinotibetischen Sprachen nachäffen.

      Und diese faden, mittelschichtig-pickelgesichtigen Studentenwitze über die Proleten, die „Schantale“ oder „Schackelin“ sagen – das ist auch alles so was von öde…

      Ich lasse mir als Deutscher nicht von irgendeinem Trottel aus einem Händler-, Bauern- oder Schafshirten-Volk (also von irgendwelchen Engländern, Schweden oder Türken) erzählen, wie ich seinen Namen „richtig“ auszusprechen habe – und von ihren deutschen Nachäffern aus der Mittelschicht schon mal gar nicht. Die richtige Aussprache im Deutschen ist die deutsche und peng. Jedenfalls, solange wir deutsch reden; wenn ich mich aus irgendwelchen Gründen entscheide, deren Sprachen zu erlernen und Sprechversuch darin mache, ist die Lage eine andere.

      Die Franzosen haben das immer besser gemacht als wir, aber die sind da auch schon schlapper geworden. :-/

      Ich gehöre zu Unterschicht. Meine Großtante (mitte siebzig) kann kein Englisch – kein Wunder mit acht Jahren Volksschule in den 50ern. Ihr Schwiegersohn faucht sie regelmäßig an, wenn sie einen englischen Begriff „falsch“ ausspricht. Die Type ist ein Mittelsichts-Piese, wie er im Buche steht: Beamter im „gehobenen Dienst“.

      Es klingt einfach scheiße, wenn man ausländische Namen zu „korrekt“ ausspricht. Es klingt eben nach „gehobenem Dienst“, „freiberufliches Journalistin“ oder Schullehrer.

      Man sollte ausländische Namen oft mal absichtlich deutsch aussprechen. Mein Lehrer (ein Linker!) hat das auch immer so gemacht. Und ich habe das auch gelernt.

    • Jan sagt:

      Und diese faden, mittelschichtig-pickelgesichtigen Studentenwitze über die Proleten, die „Schantale“ oder „Schackelin“ sagen – das ist auch alles so was von öde…

      Zur Ergänzung und Erläuterung – und auch vielleicht, damit mein Geschimpfe von gestern abend etwas weniger giftig und cholerisch im Raum stehen bleibt: Diese Disse gegen die angeblich falschen* Aussprachen der Unterschicht sind ja per se ein Anachronismus. Sie gehen von Zeiten aus, in denen sich die Unterschicht ihre Träume aus Groschenheften zusammengezimmert hat, in der sie also gewußt hat, wie die Namen geschrieben werden, nicht aber, wie sie ausgesprochen werden. Dieses Phänomen nimmt auch der nahezu klassische Üffes-Namenswitz auf die Schippe (er ist auch irgendwo in diesem Blog zu finden).

      Heute aber ist es genau umgekehrt. Die Konserven-Träume kommen aus den audiovisuellen Medien, also aus der Glotze und/oder dem Netz. Die Leute (also die Unterschichtler und die unteren Mittelschichtler, die auf keinen Fall Unterschichtler sein wollen) wissen also, wie die Namen ausgesprochen werden und legen auf deren richtige Aussprache auch Wert. Die richtige Schreibweise hingegen kennen sie nicht oder legen zumindest keinen so großen Wert auf sie. Wir sehen das hier nahezu jeder Woche in den BdW: Mit falschen Schreibungen soll eine nach Meinung der Leute richtige (also ausländische) Aussprache von ausländischen Namen im Deutschen erzwungen werden.

      Heute ist also nicht mehr (wie in den Dussel-Studenten-Witzen von anno knipps) eine gesprochene „Schantahle“ das Problem, sondern eine geschriebene „Schontall“. (Bon, die Schontall habe ich mir gerade ausgedacht, aber es ist wohl klar, was ich meine.) Oder daß Jacqueline eben nicht nur „Schecklin” ausgesprochen, sondern auch so geschrieben wird – wobei sich das „Aussprache-Ideal“ dieses Namens dann auch noch vom Französischen nicht zum Deutschen („Schackeline“), sondern zum Englischen verschiebt. Wir touchieren hier mithin die weiteren Problemfelder der Anglifizierung und des Verlustes der Schriftlichkeit der Deutschen.

      *) Die Wörter „falsch“ und „richtig” hier mal unabhängig von meinen oben dargelegten sprachpatriotischen Aufwallungen ohne Anführungszeichen geschrieben…

    • Mareike sagt:

      Kevin hat einen Nachfolger: Levin
      Ich kenne einen ca. 12jährigen Levin, der ganz „normal, deutsch“ ausgesprochen wird. Bei den jüngeren Kindern ist aus Levin ein „Lävin“ geworden, ausgesprochen wie Kevin nur mit L am Anfang. Ich fand das schon lustig, so nach dem Motto: Wenn Kevin nicht mehr vergebbar ist, dann suchen wir uns eben einen anderen (ähnlichen) Namen.

      Die nordischen Namen wirken im allgemeinen positiv auf die Mitmenschen. Sie werden auch nicht von der gleichen Bevölkerungsgruppe vergeben, wie die englischen Namen.
      Ich mag die nordischen Namen, solange es richtige Namen sind. Lasse z. B. ist die Koseform von Lars, aber kein eingetragener Name. Und Finn? Wird der in den skandinavischen Ländern überhaupt vergeben oder ist Finn als Abkürzung von Finley nach Deutschland gekommen? Neuerdings wird auch Lennart abgekürzt, mir ist mal ein Lenn und auch ein Lenny begegnet.

      Das nicht-deutsche Namen der deutschen Aussprache angepasst werden, hat es schon immer gegeben, (z. B. Charlotte fällt mir dazu ein). Und André spreche ich mit deutschen A aus und nicht „Ondré“. Oder bei Marco kann ich das r gar nicht so rollen, wie die Italiener es tun. André und Marco hat es zu meiner Schulzeit parallel zu Andreas und Markus gegeben.

  10. gyps_ruepelli sagt:

    Bei der Suche nach dem Ur-Kevin erscheint es mir wichtig, zwei weitere deutsche Prominente in die Erwägung mit einzubeziehen. Da wäre zum einen der Tennisspieler Marc-Kevin Goellner (geb. 1970), der Anfang und Mitte der 90er Jahre, also genau zu der Zeit, zu der auch die „Kevin“-Filme populär waren, erste Erfolge hatte. In den Medien wurde Goellner immer bei beiden Vornamen genannt und dürfte damit dem Namen Kevin zu weiterer Präsenz verholfen haben. Weiterhin ist interessant, dass er bereits Jahre vor dem Erscheinen der Fernsehserie „Black Beauty“ geboren ist.

    Ein noch älterer deutscher Kevin ist der Sänger Kevin Russell (geb. 1964), der als Mitglied der Band „Böhse Onkelz“ (seit 1980) bekannt geworden ist. Da er allerdings einen britischen Vater hat, dürfte die Inspiration für den Namen aus Großbritannien selbst kommen. Nichtsdestotrotz dürfte er, nach Kevin Keegan, ein weiterer in Deutschland populärer Kevin (gewesen) sein.

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