Von 25. November 2016 36 Kommentare Weiterlesen →

Sprachökonomie greift auch bei Namen

Pressemitteilung von onomastik.com

Ben, Mia, Emma, Paul – kurze Vornamen werden seit einigen Jahren auffallend oft vergeben. Sie liegen weiterhin im Trend. Das bestätigt die Namenberatungsstelle der Universität Leipzig anhand von Daten der Langzeitstudie „Tendenzen in der Vornamengebung in Deutschland“ und gestützt durch grafische Wirkungsprofile, sogenannte Onogramme. Die Daten belegen nicht nur, dass Neugeborene immer vielfältigere kurze Vornamen bekommen, sondern auch, dass diese kurzen Namen als trendig gelten.

Unter den hundert häufigsten Babynamen sind die meisten zweisilbig. Bei den männlichen Vornamen ist der Anteil der einsilbigen Namen stark gestiegen. Paul, Fynn, Max, Tim, Jan, Karl, Fritz, Mats, John sowie Jay, Sam, Phil, Vin, Ray, Fox und Jack gehören heute zu den beliebten Namen, erläutert die Namenberaterin Gabriele Rodriguez. Bei Mädchen überwiegen zwei- und dreisilbige Namen. Aber auch hier setzen sich kurze Namen durch: Mia, Ida, Lea und Kim nennt Rodriguez als gängige Beispiele. Bislang seltene Namen wie Jaz, Su, Linn, Liz, Liv sind auf dem Vormarsch. Den Namen Lou bekommen inzwischen mehr Mädchen als Jungen.

Zwar sind Einzelbuchstaben als Vornamen nicht erlaubt, doch englische Namen aus ausgeschriebenen Initialen werden inzwischen auch in Deutschland vergeben: Tee-Jay, Em-Jay, Dee-Jay, Jay-Dee u.a. Dass diese kurzen Namen dem Sprachempfinden nach modisch sind, illustrieren ihre Onogramme. Ob Mia, Lea, Lily, Leon, Finn oder Ben – ihre Wirkungsprofile zeigen, dass diese Vornamen mehrheitlich als besonders trendig empfunden werden. Bei Jungen reicht oft sogar eine einzige Silbe: Jake, Nick, Lou, Max. „Sprachökonomie greift auch bei Namen. Es scheint, als spiegelt sich im Trend zu immer kürzeren Namen der allgemeine Zeitgeist wieder“, kommentiert der Leipziger Namenforscher Thomas Liebecke.

Rodriguez und Liebecke sind sich sicher: Der Trend zu kurzen Namen wird anhalten. Er ist allerdings regional unterschiedlich ausgeprägt, im Osten und Norden stärker als im Süden. Hier überwiegen auch Einzelvornamen, während im Süden vornehmlich zwei und mehr Vornamen vergeben werden, ergänzt Rodriguez.

Gabriele Rodriguez und Thomas Liebecke.

Gabriele Rodriguez und Thomas Liebecke. Foto: obs/Onomastik.com/JOERG SINGER

Gabriele Rodriguez arbeitet seit 1994 als Vornamenberaterin im Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig und ist hauptverantwortlich für die Studie „Tendenzen in der Vornamengebung in Deutschland“. Dafür werden Daten von über 300 Geburtskliniken und Krankenhäusern verarbeitet. Thomas Liebecke ist freier Namenforscher und aktiv im Vorstand der deutschen Gesellschaft für Namenforschung e.V. Er betreut die Vornamenstudie „Das Image von Namen“, in der Onogramme (grafische Wirkungprofile) zu Vornamen errechnet werden.

Thema: Wissenschaft

Autor:

Unter dem Autorennamen "Gastautor" veröffentlichte Beiträge wurden von verschiedenen Autoren geschrieben, die nicht regelmäßig für das Beliebte Vornamen-Blog schreiben.

36 Kommentare zu "Sprachökonomie greift auch bei Namen"

  1. Maria Th. sagt:

    Soviel Zeit muss sein, dass man noch zwei- oder mehrsilbige Namen vergeben kann und sich aus zeit-ökonomischen Gründen nicht nur auf Einsilber beschränken muss…! 😉 😀

    • Jan sagt:

      Ich finde Foxi auch viel schöner als Fix! 😀

      Na, Jan und auch mein richtiger (Haupt)vorname sind nun auch einsilbig, und man kann damit sehr gut leben, ohne allzu einsilbig zu werden. 🙂

      Grundsätzlich aber stimme ich Maria Th. zu.

      Und daß angelsächsische Diminutive als deutsche Vollnamen, also das Ben-Tim-Tom-Ping-Pong zumindest fragwürdig sind, ward in diesem Blog auch schon deutlich.

    • Maria Th. sagt:

      Genau, ich hab ja nichts gegen einsilbige Vornamen, aber sie aus sprach- bzw. zeitökonomischen Gründen verstärkt zu vergeben – da lebt die Menschheit dann schon äußerst zeitoptimiert, das finde ich sehr grenzwertig. Wie gesagt, soviel Zeit für den Namen muss immer noch sein.

    • Jan sagt:

      Wobei das mit der Silben- und Zeitersparnis, also der „Sprachökonomie“, freilich nur eine der möglichen Interpretation des Faktums „immer mehr kurze Vornamen“ ist – es ist die Interpretation der Leipziger. Man darf sich schon Fragen, ob es nicht zumindest auch um etwas anderes geht. Diese kurzen Namen sind meist (nicht alle) possierlich, niedlich und unmännlich. Lou, Tom, Nick und Ben passen nun einmal vielleicht und zur Not noch für einen kleinen Jungen, aber sicher nicht für einen erwachsenen (deutschen) Mann. Man hat auch den Eindruck, daß diese modernen Jungsnamen vor allem und um Gottes Willen nicht aggressiv, hart oder irgendwie martialisch wirken sollen. Man denke an die Beliebtheit des L’s – Leon, Luas, Lias, Liam etc.

      Man können also fragen, ob es hier wirklich nur um die Ökonomisierung der Gesellschaft geht (die es per se ohne Zweifel gibt), sondern auch um ihre Sedierung, Pazifisierung und Feminisierung.

    • wer treibt hier Schabernaber? sagt:

      „Horst.“ (-Sohn)

    • Jan sagt:

      😀

      Nein, Iwan Gorstowitsch Wilgelms.

      Schabernaber übrigens gibt es im Norddeutschen m.W. nicht… Nur Schabernack.

      Nachtrag zu meiner Bemerkung um 19:55:

      sondern auch um ihre Sedierung, Pazifisierung und Feminisierung.

      Und natürlich und ganz offensichtlich ihre (also der Gesellschaft) Amerikanisierung, zumindest um den Einfluß der US-amerikanischen Populärkultur in Deutschland. (England kann man wohl auch hier getrost vergessen und als Anhängsel der USA ansehen.)

    • Maria Th. sagt:

      Schabernaber übrigens gibt es im Norddeutschen m.W. nicht

      im Süddeutschen auch nicht, hab ich jedenfalls noch nie gehört.

      Sehr neckisch…

    • mgl sagt:

      ja, wollte mal ein bisschen Worte aufhübschen.
      Jan Man. naja. ist nicht ganz neu. Schneiderpopeider war schon vorher da.

      ansonsten ärgere ich mich grad über die Witwe Bolte.
      am Ende von Max und Moritz, als alle Opfer nochmal zu Wort kommen,
      sagt diese Frau „Ja, ja ich dachts mir gleich.“
      behauptet also, sie habe sofort gewusst, dass Max und Moritz schuld waren.
      (erst die Hühner getötet, dann die gebratenen Hühner durch den dreckigen Schornstein nach oben geranzt.)
      ABER: als erstes hat sie ordentlich ihren Hund verdroschen, wir wissen nicht einmal ob der das überlebt hat. Keinen Meter weit konnte die anscheinend denken. Wie soll denn so ein kleiner Hund in den 5 Minuten, die sie im Keller war, 4 Hühner aufgegessen haben. und dabei dann nicht einmal eine Sauerei hinterlassen oder so. neeenenenenenene.
      aber gut. wenn man schon seinen Lebenssinn gefährdet sieht nur weil 4 Hühner gestorben sind, die sie sowieso aufessen wollte. Was will man erwarten.
      Tröt.

    • Jan sagt:

      mgl, pas de problème, ich dachte mir schon, daß Du das warst! 🙂

      Ich kenne Wilhelm Busch leider kaum, eigentlich eine Schande für einen Hannoveraner, der auch noch nahezu täglich am hiesigen Wilhelm-Busch-Museum vorbeiradelt… 🙁

      Was ich allerdings kenne, das sind diese schauderhaften Witwe-Bolte-Frisuren bei Männern. Ganz entsetzlich. Gestern war ich genötigt, Straßenbahn zu fahren, und da saßen gleich mehrere von diesen Duttträgern drin. 🙁

      aber gut. wenn man schon seinen Lebenssinn gefährdet sieht nur weil 4 Hühner gestorben sind, die sie sowieso aufessen wollte. Was will man erwarten.

      Hmm, wenn man psychisch labil ist, können einen schon kleinere Vorfälle tagelang niederstrecken… Dann hat man in der Regel allerdings eh schon keine Hühner mehr.

    • mgl sagt:

      Max und Moritz haben den Hühnern Brotstücke gegeben, welche mit Schnüren zusammengebunden waren. Danach waren die Hühner aneinander gefesselt, weil jedes ein Stück Schnur aus dem Hals hängen hatte und alles aneinander hing.
      die Hühner sind verstört umhergeflattert und hingen am Ende alle an einem Ast aufgehängt.
      Frau Bolte: Fließet aus dem Aug, ihr Tränen! All mein Hoffen, all mein Sehnen! Meines Lebens schönster Traum hängt an diesem Apfelbaum!

      ich wäre zunächst erstmal ärgerlich und würde fluchend schimpfend umherstapfen.
      verstehe schon, dass es ärgerlich ist und anders geplant war.
      aber wirkt irgendwie komisch inszeniert.
      die Witwe Bolte war ja offensichtlich mal verheiratet und hat vermutlich ein Leben gehabt.
      Aber die Hühner sind der schönste Traum? Wohlgemerkt wurden die Hühner als Nutztiere gehalten. Eier, Braten und Federn für Kissen werden explizit als Gründe genannt. so. die Frau erscheint mir falsch.

    • Jan sagt:

      Maria Gräfin von Ludwigshafen, Magdalena, Mega-Lotte oder was auch immer,

      ich kann mit Hühnern auch nichts anfangen. Es sind reine Nutztiere. Emotionen hängen an Katzen (kaum von Nutzen), Hunden, Schafen, Rindern und natürlich an Pferden (Nutzen und Emotionen). Und für mich persönlich an Schweinen! Schweine sind so kluge, sensible Tiere und Ferkel sind sooo niedlich! 🙂 Es ist eine Schande für mein Niedersachsenland, was diesen Tieren hier in großem Stil angetan wird.

      Aber Hühner sind eben wirklich nur Nutztiere: Eier und Fleisch. (Und meinetwegen noch Federn, weiß nicht.) Klar, Küken sind auch süß, aber das sind eigentlich alle kleinen Tiere außer Menschen-Babys für Menschen-Männer. 😉 (Ein Mann, der behauptet, ein fremdes Baby süß zu finden, lügt, um sich bei der Mutter einzuschleimen, oder er ist schwul.)

      Vielleicht hat man da zu Wilhelm Buschs Zeiten noch rationaler gedacht: „Das Tier nützt mir, also hange ich mein Herz daran.“ Und sei es eben ein Huhn.

    • mgl sagt:

      ne nenenen nenenenee. das ist der Bolte-spezifische Drama-Geltungsbedarf.
      Bolte denkt sie macht alles richtig. gibt ihren Fehler nicht zu.(erst den Hund geschlagen und später behauptet sie habe alles gleich gewusst.)
      Huhn tot, Szene draußen, Bolte schreit dramatisch umher.
      Hund geschlagen, evtl auch tot, Szene aber im Haus, Bolte tut nichts.
      hahah! Falschheit. ich sehs genau.

      Welche Tiere lieb und niedlich sind ist irgendwie oftmals situationsabhängig.
      isst du Schweine?

    • Jan sagt:

      mgl, nochmals:

      Ich kenne die Wilhelm-Busch-Geschichte nicht. Kann dazu also nichts sagen – was Dich Deinerseits freilich nicht hindern sollte, etwas dazu zu sagen.

      Welche Tiere lieb und niedlich sind ist irgendwie oftmals situationsabhängig.
      isst du Schweine?

      Ja, natürlich. Dazu sind Schweine da. Schweine sind ausschließlich dazu da, vom Menschen gegessen zu werden, einen anderen materiellen Nutzen haben sie nicht. Wenn das nicht so wäre, gäbe es sie schon längst nicht mehr. (Abgesehen vielleicht von den Trüffel-Sauen im Perigord, aber das ist eine Kuriosität. Und natürlich von den Wildschweinen, die es aber wiederum auch nicht mehr gäbe, wenn es in Deutschland kein Jagdwesen gäbe.) Schweine sind eine der Grundlagen unserer Ernährung – und auch einige der Höhepunkte: der herrliche Schinken aus Spanien und Westfalen, die Schweinsfüße, die uns den Aspik andicken, der Schweinespeck in den Pinkelwürsten im winterlichen Braunkohl meiner Heimat, das Spanferkel zu Feierlichkeiten, die Hachsen, all die prächtigen Würste, die man aus Schweinen macht! Etc. pp. 🙂

      Und dennoch sind Ferkel eben niedlich und Schweine sind klug. Ist nun mal so. Ob ich so ein Viech selbst schlachten könnte, weiß ich nicht. Eher nicht. Aber ich hätte auch nie Zahnarzt werden können, obwohl ich es gut finde, daß es Zahnärzte gibt.

    • Maria Th. sagt:

      Haha, sehr amüsanter Diskurs zum Nachlesen am frühen Samstagmorgen.

      Meine unmaßgeblichen Gedanken dazu (ich bin mit einem ausgeleierten Wilhelm-Busch-Buch aufgewachsen, kenne sehr vieles von ihm, da hast du was verpasst, Jan):

      – Männer-Witwe-Bolte-Frisuren (neudeutsch „man-bun“, wie ich gelernt habe) finde ich auch furchtbar.

      – Witwe Bolte hat halt ihre Hühner geliebt und verwöhnt, wie andere Leute (alte, aber nicht nur) es mit ihren Schoßhündchen machen, jeder wie er kann und mag (ich habs auch nicht so mit Hühnern)

      – die Geschichte sollte sich ja irgendwo reimen, daher wohl „meines Lebens schönster Traum hängt an diesem Anpfelbaum“ etc., sicher übertrieben; aber es gibt auch Leute, die ihren Hund auf dem Hundefriedhof mit teuerem Sarg und Marmorgrabstein bestatten lassen und jahrelang Grabpflege betreiben, die sind wohl ähnlich gestrickt wie die Witwe. Und auch Jans These

      Vielleicht hat man da zu Wilhelm Buschs Zeiten noch rationaler gedacht: „Das Tier nützt mir, also hange ich mein Herz daran.“ Und sei es eben ein Huhn.

      erscheint mir sehr plausibel.

      – ich esse auch Schweine
      😉 😀

    • Jan sagt:

      Maria Th.,

      ich habe mal gelesen, daß Deutschland das Land mit den meisten Wurstsorten sei. Wen wundert’s? In Polen ist die Wurst auch eine Art Nationalheiligtum – zu Recht, es riecht wirklich köstlich in einem polnischen Schlachterladen. Vielleicht auch, weil die meisten Würste da Rohwürste sind, also Dauerwürste à la Kabanossi, kaum hingegen Brühwürste à la Mortadella.

      Männer-Witwe-Bolte-Frisuren (neudeutsch „man-bun“, wie ich gelernt habe)

      Ah, sieh da. Ein Amerikaner hat mir mal erzählt, daß man die verwandte und ebenfalls „hippe“ Frisur „oben lang und an den Seiten kurz rasiert“ in den USA „Hitler Youth Style“ nenne. 😀 Oft sieht man ja auch beides kombiniert.

    • Maria Th. sagt:

      Wobei, wenn ich es mir recht überlege, hat die Witwe Bolte eigentlich kaum sichtbare Haare, sondern eigentlich nur ein Kopftuch mit Knoten bzw. eine Haube auf:
      https://www.google.de/search?q=witwe+bolte

    • Jan sagt:

      Stimmt eigentlich… Ich überlege gerade, ob der, bei dem ich das aufgeschnappt habe, nicht die Fromme Helene mit der Witwe Bolte verwechselt hat…

      https://www.google.de/search?q=fromme+helene

    • Maria Th. sagt:

      Helenchen wächst und wird gescheit
      Und trägt bereits ein langes Kleid. –
      »Na, Lene! hast du’s schon vernommen?
      Der Vetter Franz ist angekommen.«
      So sprach die Tante früh um achte,
      Indem sie grade Kaffee machte.
      »Und hörst du, sei fein hübsch manierlich
      Und zeige dich nicht ungebührlich,
      Und sitz bei Tische nicht so krumm
      Und gaffe nicht soviel herum.
      Und ganz besonders muss ich bitten:
      Das Grüne, was so ausgeschnitten –
      Du ziehst mir nicht das Grüne an,
      Weil ich’s nun mal nicht leiden kann.«

    • mgl sagt:

      M Theresia: kennst du auch die Geschichte Die Brille? das ist auch von Wilhelm Busch. die Ehefrau war sauer und hat die Brille des Mannes versteckt. Er stolpert suchend durch die Wohnung und zerlegt dabei die Einrichtung und verletzt sich dabei glaube schwer. ich erinnere mich auf jeden Fall dass er sich am Türrahmen die Nase gebrochen hat.

    • Maria Th. sagt:

      Klar, kenn ich. 🙂
      http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-brille-4110/1
      Kennst du auch die vom „Fitness-Studio“
      http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-folgen-der-kraft-4111/1
      Es gibt noch soviele, alle recht drastisch, auch nicht für kleine Kinder geeignet (zumindest die Bilder, die Reime eher), aber voller Action und unterhaltsam!

    • Jan sagt:

      Nochmal zu den Schweinen… Die Völlerei mit Schweinefleisch hat in Hannover übrigens sogar einen politischen Aspekt. Nein, nicht im Kontext „Islamkritik“. 😉 Und zwar ißt man hier am Buß- und Bettag im November traditionell mit Freunden oder Kollegen „Schlachteplatte“ – das heißt hier: kalte Platten mit frischen Erzeugnissen der herbstlichen Schweineschlachtung. Also Mett, Blutwurst, Leberwurst, sowas. Und dazu natürlich Bier und Schnaps in Mengen und Lagen. (Als der Buß- und Bettag noch BRD-Feiertag war, war das freilich einfacher, aber den Brauch gibt es immer noch.)

      Und zwar wurde der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag hier nach der schändlichen Okkupation des Königreichs Hannover durch die damals und noch jahrzehntelang danach verhaßten Preußen im Jahre 1866 eingeführt. Und statt, wie von der Besatzungsmacht dringend empfohlen, zu büßen und zu beten hat man sich an diesem Tag in Hannover in einer Art von zivilem Ungehorsam absichtlich vollgefressen und vollgesoffen. :o) So konnte man seine Anhänglichkeit an das Welfenhaus auf sehr kommode Art und Weise demonstrieren. (Wenn man es sich denn leisten konnte.)

      Tja, so ist das. Buß- und Bettag gibt’s nicht mehr als Feiertag, an den Hintergrund des Schlachteplattenessens erinnert sich kaum noch einer – aber gefressen wird weiterhin. 😀 Nur die Schweine, die haben heute ein ungemütlicheres Leben als damals. :-/

    • mgl sagt:

      bah, ja, die Bilder. die lassen vermuten dass es dort in den abgebildeten Szenen stinkt und die Leute sich nicht waschen.
      als Kind konnte ich manche Zeichnungen bei Wilhelm Busch nicht richtig erkennen, manche Formen nicht zurodnen. also was was sein sollte. aber ekelig und blutig habe ich die Bilder in Erinnerung.

      schaut man sich nur die Texte an, ist Wilhelm Busch für seine Zeit recht „modern“(also seiner Zeit etwas voraus). Viele Seitenhiebe und versteckte Details/Kritik. intelligent war der schon. sehr direkt halt.
      es gibt auch Gedichte von dem, die nicht von Bildern begleitet werden. da sind ein paar gute Gedanken dabei.

      zum Schweineessen weiß ich nichts. aber: wenn man tatsächlich einen Feiertag komplett ernst nimmt, ist man angreifbar. (siehe Jom Kippur Krieg)
      morgen ist Totensonntag. da muss man leise sein.

    • Rebecca Sophie sagt:

      War der nicht letzte Woche ?

    • Maria Th. sagt:

      Also morgen ist zwar erst der 27.November, aber trotzdem 1. Advent.
      Letzten Sonntag war Totensonntag, das ist das evangelische Pendant zu Allerseelen, also Gedenktag für die Verstorbenen, davor Volkstrauertag. Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag (allerdings nicht mehr arbeitsfrei), der an Umkehr und Buße gemahnen soll. Und am 1. November ist Allerheiligen (kath.)

    • Jan sagt:

      mgl & R.S.,

      ja, Totensonnatg war letzten Sonntag. Nun kommt der Erste Advent! 🙂

      @ mgl

      Du weißt, daß Jom Kippur bei den Juden ein todernster, langweiliger Feiertag ist. Wie früher Buß- und Bettag hier. Da ist halt jeder zu Hause. Man sagt, daß das anno 73 sogar ein Vorteil für die Israelis war – weil sie halt alle Leute sehr schnell mobilisieren konnten. Keiner war am Strand in Tel Aviv oder Netanja, alle waren zu Hause. Und dennoch konnten die Araber durch diesen Krieg ihre Ehre retten.

      Mag dereinst Frieden zwischen Israel und den Arabern sein. Zwischen Israel und Jordanien und Israel und Ägypten klappt es ja auch schon ganz gut. 🙂 Haben wir gerade wieder bei den Feuern gesehen.

      Kein Mensch in D kann sich das vorstellen, aber man kann eben einfach von Israel nach Jordanien rüberlatschen. Ohne Minenfelder und Selbstschußanlagen und Reisepaß.

      Und ja, ein Hoch dem Katzenland Israel.

    • mgl sagt:

      ja, richtig. war letzte Woche. bin vorhin durcheinander gekommen.
      danke für den Hinweis.

      na dann. viel Spaß im Advent!

    • Maria Th. sagt:

      Zum Thema Schweine-essen und Geschichten ist mir jetzt noch Erich Kästner eingefallen. Im „35.Mai“ macht Konrad mit seinem Onkel Ringelhuth eine verrückte Reise durch verschiedene Länder einer Phantasiewelt. Mit dabei ist ein entlassenes, rollschuhfahrendes, sprechendes Zirkuspferd namens Negro Caballo.

      »Wozu ermordet der Mensch die armen Tiere?« fragte das Pferd. »Ja, es ist ein Jammer«, erwiderte der Onkel. »Aber wenn Sie mal ein Schnitzel gegessen hätten, wären Sie nachsichtiger!« 😀

    • Jan sagt:

      Mit dabei ist ein entlassenes, rollschuhfahrendes, sprechendes Zirkuspferd namens Negro Caballo.

      Womit wir schon wieder bei den Pferde-Namen wären. 😉

      Otelo Saraiva de Carvalho – der Architekt und Kopf der ruhmreichen portugiesischen Nelkenrevolution von 1974.

      Francisco Largo Caballero.

      Das Verhältnis Jeanne d’Arcs zu Ritterpferden. Sie konnte natürlich als Bauernmädchen reiten, wußte aber zunächst nicht, wie man ein Ritter-Roß sattelt. (monter un cheval)

      Nein, Pferde sind einfach unter allen alten Freunden der Menschen etwas besonderes. 🙂 Sage ich, ohne selbst besondere Drähte zu Pferden zu haben.

      Es lebe die Kavallerie!

      🙂

    • mgl sagt:

      ich bin steinklotz-fest überzeugt, dass die alte Witwe die Hühner nicht persönlich gemocht hat. es steht extra dort, was die Witwe wollte: Braten! und Kissen für die Federn. und bis dahin halt noch Eier.
      zudem hatte sie einen Hund und da hätte man eine engere Verbindung vermutet, aber anscheinend auch nicht, denn der wurde ja verdroschen (mit einem Kochlöffel.) das ist auch Tierquälerei. also: Bolte = heuchelmeuchel. so.
      am Ende wird sowieso offenbar, dass alle scheinbar so perfekten und guten Leute in Wahrheit alte Schleimer und gehässig sind.
      Alle freuen sich, dass zwei KINDER verstorben sind(Max und Moritz wurden am Ende durch die Mühle gemahlen und an Enten verfüttert) und erheben sich gleichzeitig auf ein Podest. Das ist denke ich der eigentlicher „Witz“ bei der Story.
      (the ongoing story of Nory ist auch gedankenlustig. da schreibe ich irgendwann ein Trittbrett-Buch)
      ein feiner Satz noch bei Max und Moritz:
      Woraus soll der Lehrer rauchen, wenn die Pfeife nicht zu brauchen?
      Das ist denke ich auch ein feiner Witz. in mehrfacher Ebene.
      Klaas, welche Programmiersprachen kannst du?

    • Jan sagt:

      Au Mann, ich muß wirklich mal Wilhelm Busch lesen. Unbedingt!

      ich bin steinklotz-fest überzeugt, dass die alte Witwe die Hühner nicht persönlich gemocht hat. es steht extra dort, was die Witwe wollte: Braten! und Kissen für die Federn. und bis dahin halt noch Eier.

      @ marina gjunterowna ljubowskaja

      Aber das war doch mein Punkt: Zu Zeiten, als die tägliche Ernährung noch nicht so sicher war wie heute (heute sind die Unterschichtler bekanntlich fett und nicht mehr mager wie zu Buschs oder Dickens’ Zeiten), entwickelt man vielleicht andere Gefühle gegenüber Tieren als heute.

      Klaas, welche Programmiersprachen kannst du?

      Nur PHP, falls das denn als Programmiersprache durchgeht. Ansonsten halt CSS und HTML; bin originär halt ein Augentierchen, kein Mathe- oder Ing-Typ.

    • Jan sagt:

      Puh. Null Grad draußen. Und das ist noch nicht gerade sibirisch. Stellt Euch das jetzt mal ohne Heizung, ohne Tabak und ohne was zu Futtern im Kühlschrank oder Vorratsschrank vor. So war das aber noch im schrecklichen Hungerwinter 1946/47 in allen deutschen Großstädten. Eis innen an den Wänden bei minus 15 Grad draußen, nichts zu essen. (Auf dem Lande war es etwas einfacher, man hatte zumindest zu fressen.)

      Mein ehrwürdiger Russisch-Lehrer an der Uni ist in diesen Jahren in der Stadt Berlin aufgewachsen. Man hat noch in den 90ern, als ich bei ihm gelernt habe, die Haltungs-Schäden durch die Rachitis in der Kindheit gesehen. Kalzium-Mangel mangels Milch.

      Es geht uns noch ganz gut, ob mit oder ohne Hühner.

    • mgl sagt:

      ja. zum Thema Bolte und Hühnerhaltung haben wir uns glaube ich schon verstanden.
      (mir ist sie unsympathisch und ich bin mir sicher dass die sich nicht wäscht.)

      2. ein Augentierchen? Du kannst Photosynthese? Evolutionssprung. man.
      ich überlege seit Jahren wie man einen Photosynthese-Akku in den Menschen einbauen könnte. So als zusätzliche Energiequelle. Muss man nur noch halb so viel Zeit + Geld für Essen verschwenden.
      ich murkse mich auch nur so durch. nur gefragt um mein Regalsystem mit Stecknadeln zu punktieren. Trotzdem finde ich ich lebe im Luxus und oftmals habe ich schlechtes Gewissen. Es leben auch heute noch Menschen draußen und da sind die Bedingungen ähnlich wie nach dem Krieg. naja nicht ganz, aber im Vergleich zur Restbevölkerung.
      Da ich dum bin und viel aus meinem Gehirn immer einfach wieder herausfällt:
      Wie hat man denn nach dem Hungerwinter die Situation wieder verbessert?
      Durch die Autofabrik?

    • Jan sagt:

      mgl, nur ganz kurz: 🙂

      Das mit den Augentierchen war ein Schnack aus einer Netz-Agentur, in der ich mal gejobbt habe. Die Programmierer (ausschließlich Männer) versus die Graphiker (fast ausschließlich Frauen). Ich stand als Sprach-Mensch so ein bißchen dazwischen. (Da fühle ich mich in jeder Hinsicht am wohlsten, zwischen allen Fronten. 😉 )

      Tja, was besser machen als nach 45? Ich weiß es nicht, bzw. es gehört wirklich überhaupt nicht mehr hierher.

      Nicht einfach so weitermachen, vielleicht. Eben nicht nur Autofabriken wieder aufbauen. Seine Kinder nicht Jan nennen. 😀 Aber nein, ich habe meinen Großeltern nichts vorzuwerfen, obwohl da stramme Nazis dabei waren. Banane und geschenkt, die hatten ein härteres Leben als ich und wir. Ich habe auch mal FDP gewählt, und das ist schlimmer, als in der Waffen-SS gewesen zu sein wie mein lieber Großonkel, nach dem ich Jan heiße. 🙂

    • Rebecca Sophie sagt:

      Na ja, für mich war da eigentlich nie ein wirklicher Widerspruch. Natürlich wollte sie ihre Hühner irgendwann schlachten, aber noch nicht jetzt, nicht alle auf einmal und vielleicht zuerst auch noch Nachwuchs haben. Für mich als Kind war das eigentlich immer ziemlich klar und auch kein Widerspruch. Über den Gedanken, sie könnte die Hühner selbst gemocht haben habe ich nie nachgedacht. Als Kind war das alles immer irgendwie logisch und zusammenpassend.

  2. Moni sagt:

    Ich habe in meinem Sportverein das Gegenteil von Sprachökonomie.
    Dort tummeln sich vielsilbige und -buchstabige Damen wie Hannelore, Anneliese, Dorothea, Dietlinde, Edeltraud und Hildegard.
    Als Übungsleiter hat man da durchaus mal einen Knoten in der Zunge, bzw. kann die Namen gar nicht so schnell aussprechen wie es nötig wäre. Da wären kürzere Namen manchmal gar nicht so schlecht…

  3. Elisabeth sagt:

    Herrlich!
    Wie alte sind denn die sportliche Lore, Liesl, Thea, Didi, Traudl und Hilde?

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