Das geheime Buch der Schwesternschaft

Wie ich schon früher feststellen konnte, ist man als Namensbloggerin immer im Dienst, sogar – oder gerade?! – auf einer Mutter-Kind-Kur. Es fing gleich im Aufnahmegespräch an: Ich erzählte von meinem Hobby, Frau Doktor parierte mit dem besonderen Namen ihres neuesten Enkelkinds und kam von da auf ein spezielles Buch im Schwesternzimmer der Klinik: „Darin sammeln unsere Krankenschwestern die ungewöhnlichsten Namen der Kurkinder.“

Geheimes Buch © Photocreo Bednarek - fotolia.de

Foto © Photocreo Bednarek – fotolia.de

Klar, dass ich sofort von brennender Neugierde erfüllt war. Aber, das muss ich leider gleich nachschieben, ich habe diese Sammlung während der gesamten Kur nicht zu Gesicht bekommen. Als ich einmal am nächsten dran war, konnte man das Schriftstück angeblich nicht finden. War mein Interesse zu heikel?! Immerhin erfuhr ich von Schwester 1, dass es sich um eine Kladde im DinA4-Format handele, in der im Lauf des letzten halben Jahrs gut vierzig Vornamen gelandet seien, „nur so, ohne besonderen Zweck“. Ob es mehr Mädchen- oder mehr Jungennamen seien? „Jungen“, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen. „Manchmal hört man einen Namen und ist gleich total gespannt, wie wohl die Geschwister dazu heißen“, plauderte Schwester 2. „Wir hatten mal eine Familie hier, da hießen die Söhne wie Figuren aus einem Western.“ Jesse, James und Jack? Wayne und Wyatt? Lucky Luke, Joe und Rantanplan? „So genau weiß ich das nicht mehr.“

Schade, aber ich habe mich schnell getröstet: mit dem Studium der allgemein zugänglichen Gruppenbilder und Danke-für-die-Kur-Collagen in den Fluren der Klinik. Dabei fand ich zum Beispiel …

  • ungewöhnliche Zweitnamen zu gewöhnlichen Erstnamen: Laura Eowyn, Fynn Ambrosius, Anna Morgaine
  • nicht ganz unproblematische Bindestrichnamen: Aymée-Chantal, Rosa-Soleya, Lilli-Fabienne
  • Geschwisternamen aus einem Guss: Levke & Tjorven, Ricardo & Aaliyah, Kevin & Dennis, Daniela & Tanja, Marvin, Marius & Marten
  • für meinen Geschmack allzu ähnliche Geschwisternamen: Linus & Luis, Annika & Jannik, Lynn & Finn
  • auch Spezielleres: Anais (Bruder: Odin), Ayrton, Finan, Jorrit, Mimi, Nitze, Sharanna, Yvetta
Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

19 Kommentare zu "Das geheime Buch der Schwesternschaft"

  1. Fionas Mama sagt:

    Danke für den Beitrag! Jetzt freue ich mich noch mehr auf meine eigene Mutter-Kind-Kur im November Mal gucken was mir die Klinik in Brandenburg da bietet.

  2. Maria Th. sagt:

    Klar, dass die Schwestern das Buch nicht herausgerückt haben. Die könnten in Teufels Küche kommen wegen Datenschutz.
    Gerade auch bei so seltenen Namen und Kombinationen wären Rückschlüsse auf die Identität sehr viel leichter möglich als bei 08/15-Namen wie Anna und Lena, aber die sind ja nicht die interessanten…
    Wer selber seine(n) Namen auf Bildern und Collagen preisgibt, kann sich natürlich auf Datenschutz nicht berufen.
    Und schließlich war die „Ernte“ ja auch so ergiebig, wie man sieht. 🙂

    Nitze, z.B. hab ich noch nie gehört, Bub oder Mädchen??

  3. Annemarie sagt:

    Natürlich hätte ich nicht wörtlich aus dem Buch zitiert und auch sonst nichts Übles damit angestellt – aber Vorsicht ist wohl die Mutter der Porzellankiste 🙂

    Übrigens finde ich es verblüffend, wie viele Mütter bei solchen Anlässen auch die Zweitnamen (ohne Bindestrich) ihrer Kinder mit angeben, auch bei zwei ganz normalen Namen, auf die Idee käme ich nie. Ich habe auf unserer Collage nur mit dem Rufnamen meiner Tochter „unterzeichnet“.

    Bei Nitze denke ich an ein Mädchen, habe ich so aber auch noch nie gehört. Ein angeheirateter jugoslawischer Verwandter nannte seine Tochter Jasna als Koseform Jasnitze – vielleicht also auch eine Koseform? Ansonsten kenne ich noch Nitsa (griechisch).

  4. Jana Z. sagt:

    Die Begebenheit kommt mir bekannt vor.Ich sammle und suche auch seltene Vornamen,bin gefühlt auch immer im „Dienst“ 😉
    Zu den von Annemarie erwähnten Müttern gehöre wohl auch ich.Mein Sohn schreibt sich selbst mit Bindestrich- Kilian-D.-,obwohl er offiziell ohne “minus‘ geschrieben wird.Möglicherweise,weil ich früher öfters als Frau Kilian angesprochen wurde,obwohl das der Vorname des Sohnes war,und deswegen ab und an auch den zweiten Namen preisgab. Bei meiner Tochter werde ich es vielleicht auch so handhaben,um beim Nennen des Vornamens Fragen nach dem Geschlecht des Kindes zu umgehen,da ihr Vorname vielleicht nicht für jedermann eindeutig weiblich klingt.

  5. Maria Th. sagt:

    Laura Eowyn, Fynn Ambrosius, Anna Morgaine

    * Neue schräge Kombi möglich: Fynn Eowyn 😀 gaaanz viele y
    * Anna Morgaine – ist das so richtig, oder ein Buchstabendreher und es sollte Morgiane heißen? Morgiane hat man zumindest schon mal gehört…

    Apropos: mit meiner Tochter ging mal eine Morgana zur Schule und ich hab mir immer vorgestellt, wie der Papa beim Elternsprechtag zu dem Lehrer sagt: „Grüß Gott, ich bin der Vater von der Morgana!“ 😀 😀

    • Annemarie sagt:

      Nein, da stand wirklich Morgaine. Wenn sich die Mutter – die übrigens schlicht Ina hieß – nicht selbst verschrieben hat …?

      Fynn Eowyn würde wohl nicht gehen, da Junge-Mädchen-Mix. Oder ist da einer unisex?

    • Jan sagt:

      Morgaine le Fay (RS?) ist die französische und damit auch anglonormannische Schreibweise von Fata Morgana, also der Fee Morgana…

    • Maria Th. sagt:

      Keine Ahnung, ob Eowyn tatsächlich unisex ist, für mich hört es sich so an (oder eigentlich sogar eher männlich, ich wäre nie auf einen Mädchennamen gekommen, wenn nicht die Kombi mit Laura gewesen wäre);
      abgesehen davon war es auch nicht ganz ernst gemeint 😉 , aber heutzutage ist ja vieles möglich und fast alles erlaubt…

      Und gehen wir mal davon aus, dass die Mutter den Namen ihres Kindes richtig schreiben kann (hoffentlich!). Dann ergibt sich daraus schon wieder das nächste Rätsel, die Aussprache: heißt die Kleine englisch artikuliert Morgäin oder deutsch Morga-ine oder am Ende sogar Morgeine? Fragen über Fragen!

    • Jan sagt:

      Also, ich würde das (s.o.) ungeniert französisch aussprechen, also /morGÄÄn/…

    • Maria Th. sagt:

      @ Jan
      Hab ich noch nie gehört, aber kann sein.

      Morgiane bringe ich immer mit den Geschichten aus 1000 und einer Nacht in Verbindung, da gab es bei Ali Baba und die 40 Räuber die schöne Sklavin Morgiane, die Ali Baba hilft, als die Räuber in den Ölkrügen ins Haus kommen…

      Nach ein bißchen googeln fand ich, dass Morgaine/Morgana aus der Artussage kommen soll…
      und weiter unten im Text wird auch auf deine „Fee Morgana“ Bezug genommen.
      Hab ich wieder was g’lernt.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Morgan_le_Fay

    • Jan sagt:

      @ Maria Th.

      Ich habe als junger Mann mal versucht, den Artus-Roman von Thomas Malory zu lesen (natürlich auf deutsch), daher war mir die Namensform geläufig… (Der Roman war mir dann zu langweilig, eben spätmittelalterlich…)

      Meines Wissen ist die olle Morgaine dann auch in irgendwelcher moderner feministischer Literatur verwurstet worden, wie halt auch Lilith. Auf diese Weise könnte es dann ein aktueller Vorname geworden sein.

    • Rebecca Sophie sagt:

      Morgaine kenne ich auch als französische Morgana, allerdings, ganz langweilig aus einer schrecklichen Geschichte meines Französischbuchs.

    • Jan sagt:

      @ Rebecca Sophie

      Hähä, ich ahne, was Du meinst. #langeweile 😀

      Über die Langweiligkeit spätmittelalterlicher Romane für uns Heutige gibt es kluge Bemerkungen in Jan Huizingas „Herbst des Mittelalters“. Er macht das an dem „Bestseller“ des 15. Jahrhunderts fest, dem Rosenromen (roman de la rose) – einer für uns vollends ungenießbaren Agglomeration von hunderten öder Allegorien. (Die Liebe und die Vernunft unterhalten sich, etc. pp.) Heute sterbenslangweilig, aber damals war das stilbildend, und die Leute waren sicher nicht unzivilisierter als wir.

      Und ähnlich eben auch Malory: Völlig schematische Figuren, eine Tjost nach der anderen, null Spannung. Das viel ältere Nibelungenlied ist damit verglichen mitreißend.

    • Annemarie sagt:

      @Maria Th.: Eowyn heißt eine der wenigen weiblichen Figuren in „Herr der Ringe“ 🙂

    • Maria Th. sagt:

      @ Annemarie
      Daran wirds liegen, ich bin KEIN Herr-der-Ringe-Fan. 😀
      Aber stimmt schon, ich habs auch schon mal gehört, es klingt für mich trotzdem männlich.

    • Mirjam sagt:

      Finya Eowyn 😉

      Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass Fynn auch als weiblich irgendwie durchzubringen wäre.. Oder Eowyn als männlich. Wenn mans nicht weiß halt.

    • Jan sagt:

      Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass Fynn auch als weiblich irgendwie durchzubringen wäre..

      Hähä, ja, allerdings. Es hat in den Nullerjahren diverse Jährchen gebraucht, bis ich verstanden habe, daß die damals überall aufpoppenden Finns/Fynns offensichtlich keine Mädchen sind, sondern tatsächlich Jungs. 😀 Ich kannte den Namen zuvor nur als Kose-Verkürzung für (eine (bestimmte)) Finja.

    • elbowin sagt:

      Tolkien wusste ganz genau, was er tat, als er Eowyn mit y schrieb. Der zweite Teil des Namens kommt nämlich nicht von WINI „Freund“ sondern von WUNJA „Wonne“ was dann im angelsächsischen einen Umlaut (also ein deutsches ü) hatte und erst später im Englischen mit dem I zusammenfiel.

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