Die Macht ist mit Hans-Ole

So, jetzt habe ich endlich Star Wars VII gesehen. Ohne zu viel zu verraten kann ich sagen: Ich war verblüfft, als ich den eigentlichen Namen des Darth-Vader-Verschnitts Kylo Ren erfahren habe … Star Wars ist nicht jedermanns Sache, klar. Dieser Tage scheint die Welt regelrecht in Fans, Hasser und Gleichgültige zu zerfallen. So oder so denke ich, dass die Weltraum-Saga das Zeug dazu hat, Trends und Assoziationen zu prägen. Die Geschwisternamen Luke und Leia tauchen immer mal wieder zusammen auf, ebenso Anakin.

Wie steht es also mit Kylo (sprich Kailo): Hat er das Potenzial zum Hit? Klanglich ganz sicher, ähnelt er doch dem Aufsteiger Milo/Milow (2014 noch auf Platz 500, 2015 auf Platz 115), sofern dieser englisch gesprochen wird. Mailo geschrieben, verpasste der Name die aktuellen Top-200 nur knapp. Ein Y macht sich bekanntlich auch immer gut. Allerdings ist der Leumund von Kylo Ren so rabenschwarz wie seine Maske, und seine Zündschnur könnte kaum kürzer sein. Nennt man so sein Kind? Laufen nicht alle Pädagogen schreiend weg, wenn Klein-Kylo eingeschult wird?

Von Böse zu Gut wechselt Finn: Der desertierte Sturmtruppler heißt zunächst FN-2187, woraus der Rebellenpilot Poe Dameron kurzerhand Finn macht. FN-2187 gefällt der Klang seines neuen Namens sofort, ebenso wie schon seit Jahren vielen Eltern in Deutschland: 2015 stand Finn/Fynn auf Platz 5 der beliebtesten Jungennamen. Bemerkenswert scheint mir, dass der bei uns besonders im Norden gern vergebene Name, wenn man ihn aus dem Irischen herleitet, „blond, weiß, hell“ bedeutet, was auf den ersten Blick so gar nicht zu der dunkelhäutigen Filmfigur passen will. Auf den zweiten aber schon, immerhin kehrt Finn der dunklen Seite der Macht den Rücken. Kann das Zufall sein?

Hans Ole

Poe Damerons Vorname dürfte hierzulande chancenlos sein, auch wenn er für Regisseur J. J. Abrams „etwas Niedliches und Charmantes“ hat, da ein Kuscheltier seiner Tochter so hieß. Komplett wird das neue Trio auf der guten Seite durch eine Schrottsammlerin, die sich einfach Rey nennt. Und hey, diese Rey ist cool, da kann nur noch Han Solo mithalten. Rey als Mädchenname dürfte in Deutschland eher Probleme bereiten, weil Ray für Männer bekannt ist. Wer durch den Film auf den Geschmack gekommen ist, könnte immerhin auf den seltenen Mädchennamen Rea/Rhea ausweichen, die ja schon optisch als Mix aus Rey und Leia/Leah durchgeht.

Mein eigentlicher Geheimtipp ist aber ein anderer: Daisy. So heißt die bis dato unbekannte Darstellerin der Rey, voller Name: Daisy Jazz Isobel Ridley. Bisher kennen wir diesen süßen Mädchennamen (Bedeutung: Gänseblümchen) vor allem von einer Ente in Pumps, doch das könnte sich schnell ändern. Und wenn Sie jetzt noch auf den Hans-Ole aus meiner Titelzeile warten: Zu diesem Doppelnamen inspirierte mich ein Bild, das meine Tochter von „Lug“, „Schubaka“ und „Hans Solo“ gemalt hat. Irgendwie, irgendwo, irgendwann kann man eben auch in Namen wie Hans oder Hanna den verwegensten Halunken der Galaxis wiederfinden.

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 8-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

8 Kommentare zu "Die Macht ist mit Hans-Ole"

  1. Moni sagt:

    Danke für den (schon sehnlich erwarteten) Artikel!
    Ich versuche auch mal, nicht zu spoilern…

    Tja, ich war auch sehr verblüfft, als ich Kylos echten Namen erfuhr, vor allem aber, weil ich dank der Romane einen völlig anderen erwartet hatte. Der, der es jetzt geworden ist, ist dort obendrein anderweitig vorbelegt (anderer Familienzweig), so dass ich mich immer noch sehr schwer damit tue, ihn so zu nennen. (Ich als Regisseur/Drehbuchautor hätte ihn wahrscheinlich noch ganz anders genannt, um allen Missverständnissen vorzubeugen.)

    Was Poe angeht: Als er sich im Film vorstellte, beugte sich meine Schwester zu mir rüber und flüsterte in perfekter Minions-Imitation: „Popo! Hihihi!“ Damit ist zu dem Thema eigentlich alles gesagt. (Auch wenn es ein extrem sympathischer Charakter ist, von dem ich in den nächsten Filmen gern noch mehr sehen möchte!)

    Interessant finde ich, dass es eine explizite Namensgebungsszene gibt, in der aus „FN-2187“ der Name „Finn“ gebastelt wird.
    Mal gucken, ob es (zumindest in den USA) jetzt wohl einen Trend geben wird, Kinder mit Buchstaben-Zahlenkombinationen als Namen auszustatten…

    Abschließend noch was zu den Namen der Schauspieler:
    Mir ist jetzt erst aufgefallen, dass die drei ursprünglichen Helden witzigerweise alle ein „ar“ im Namen haben (MARk, CARrie, HARrison), was zumindest bei einem der Neuen (OscAR) auch der Fall ist. Die anderen beiden (Daisy und John) schließen sich da nur leider nicht an.

    • Annemarie sagt:

      Sehr schön, die kleine Minions-Szene 🙂 Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass aus Poes Nachnamen Dameron noch ein (Mode-?)Vorname werden könnte, Damian und Co. klingen ja ähnlich.

  2. Mark sagt:

    Süßes Bild von Deiner Tochter! Und der Artikel ist auch unterhaltsam.

    • Annemarie sagt:

      Oh danke! Ich muss ihr die Seite nachher mal zeigen – sie weiß noch gar nichts von der Veröffentlichung ihres Werks.

  3. Mirjam sagt:

    Also nachdem Anakin so beliebt ist, kann ich mir nicht vorstellen dass Kylo richtig Probleme haben wird…
    zwar jetzt nicht der Renner, aber auch kein No-Go.

    • Annemarie sagt:

      Hast Du den Film gesehen? 😉 So richtig beliebt ist Anakin glaub ich auch nicht, er kommt nur selten vor (hier kürzlich ja auch als Zweitname). @Knud: Auf welchen Rang hat es Anakin denn bislang schon mal geschafft?

      Ein Unterschied könnte auch darin liegen, dass man die Figur Anakin als recht niedlichen Jungen kennenlernt. Kylo dagegen trifft man als erstes mit seinem düsteren Pseudonym an.

    • Mirjam sagt:

      Ich kenn viele Haustiere mit dem Namen Anakin *lacht* stimmt, der kleine Anakin ist ja wirklich süß. „so beliebt“ – ist natürlich übertrieben. Aber er kommt zumindest vor, obwohl man ja weiß, dass er ein Über-Bösewicht wird (aus welchen Gründen auch immer).

      ja, den Film hab ich gesehen. 😉 Kylo wirkt für mich ein bisschen verzweifelt. Und gestört. Anakin selbst wird ja auch recht gruselig… aber der erste Eindruck ist ja wichtig. Und von dem was Kylo so alles anstellt im Film :(, kann ich mir schon vorstellen dass die Leute eher Abstand von dem Namen nehmen, da hast Du recht!

  4. violet sagt:

    Also für mich klingt Kylo (Kailo) irgendwie zu sehr nach „geilo“, was ja durchaus verwendet wird. Und geschrieben sieht es aus wie das Kilo mit Ypsilonitis.
    Ich bin gespannt, was aus dem Namen wird.

    Ich selbst hab übrigens noch nie einen Star War Film gesehen 🙂

    Das Bild ist wirklich herzallerliebst.
    Die grüne Yoda“katze“ ist super. Ich kenn sogar eine Katze namens Yoda 😀

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