Gudrun – der unmodernste Vorname

Gerade habe ich etwas zum Filmstart von „Fack ju Göhte 2“ gelesen, da heißt eine Hauptfigur Gudrun. Das ist ja wohl der unmodernste Vorname, den man sich vorstellen kann! Das G ist zur Zeit einer der seltensten Anfangsbuchstaben. U hat Gudrun gleich zwei, dabei kommt dieser Buchstabe äußerst selten in den aktuellen Babynamen vor. Und dann noch eine Abfolge von zwei Konsonanten – Konsonantencluster sind immer weniger gebräuchlich. Und wenn schon, dann in männlichen Vornamen.

Der TV-Sender SAT 1 dagegen hat voll auf einen Modenamen gesetzt: Eine gerade gestartete Serie heißt (wie die Hauptfigur) Mila. Kein anderer Vorname ist so stark im Aufwärtstrend wie Mila, wie meine Auswertung der Geburtsmeldungen vom ersten Halbjahr 2015 zeigt. Warum die Serienautoren sich für den Namen Mila entschieden haben? Das wüsste ich gern, leider blieb meine Anfrage an SAT 1 unbeantwortet.

Mila SAT1

Ich bin gespannt darauf, wie es mit Mila (dem Vornamen, nicht der Serie) weitergeht. Es wird wohl Eltern geben, die sich gegen den Namen entscheiden, gerade weil eine Serie so heißt. Andererseits wird der Vorname Mila durch die Werbung und Berichterstattung zur Serie bekannter. Da könnte der Mere-Exposure-Effekt wirken. Vereinfacht bedeutet der: Je öfter wir etwas hören, das wir mögen, desto mehr mögen wir es. Werdende Eltern, die den Namen Mila mögen, mögen ihn also noch mehr, weil er öfter in Gesprächen und in den Medien auftaucht.

Thema: Namensgebung

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

26 Kommentare zu "Gudrun – der unmodernste Vorname"

  1. Mark sagt:

    Interessant, wie man durch die Analyse einzelner Laute und Lautabfolgen bestimmen kann, wie sehr ein Name ins heutige Schema passt oder nicht.

    In gewisser Weise gleicht sich die Namenskultur in Deutschland anderen Sprachräumen an, besonders dem romanischen Sprachraum. In den romanischen Sprachen waren Jungennamen schon immer weicher und vokaliger als im Deutschen, und die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Vornamen sind im romanischen Sprachraum auch insgesamt geringer als das im Deutschen der Fall war. Im Englischen ist der gleiche Trend hin zu weicheren Jungennamen zu beobachten–Jayden statt Philipp, Noah statt Robert, z.B.

  2. Jan Wilhelms sagt:

    Vielleicht sollte man versuchen,

    Duludr

    als Modemädchennamen zu etablieren, um den von Knud geschilderten und von Mark weiter kommentierten Gegebenheiten entgegenzuwirken. 😉

  3. Die TV-Serie Mila war ein großer Fehlschlag, SAT 1 hat sie nach wenigen Folgen abgesetzt. Der Vorname Mila wird von dieser Entscheidung profitieren, denn er ist durch die Marketingkampagne für die Serie bekannter geworden. Andererseits fällt der Makel „Fernseh-Vorname“ weg, weil die Serie ja fast keiner kennt!

  4. lenchen sagt:

    Also, ich persönlich denke bei dem Namen Mila nur an ein Volleyball-spielendes Mädchen aus dem fernen Japan, dass 12 Jahre alt ist und den Kopf voll Fantasie hat …. *sing sing sing*

    • Jan Wilhelms sagt:

      Hö, wie kömmpt’s? Im Jappo-Sprach gibt’s doch gar kein L, also wieso heißt da ein Mädchen Mila? 🙂

      (Für die ganz Pingeligen: das japanische r ist halt so ein Zwischending zwischen unserem r und unserem l, nämlich ein l mit zurückgezogener Zunge und einem Zäpfchenanschlag. Es wird aber eben nach Hepburn als „r“ transkribiert…)

      Ich werde bei dem Namen „Mila“ nie die hübsche Milla Jovovich aus dem Kopf kriegen, obwohl die sich mit zwei l schreibt und obwohl mir schon vor mehr als zehn Jahren vonner Frau gesagt wurde, die sähe aus „wie ’ne schlecht zurecht gemachte Transe“. :mrgeen:

      Der wohl gemein-slawische Stamm mily heißt übrigens „nett“, „freundlich“…

      *summ summ summ*

    • lenchen sagt:

      Mila Superstar ist ein Anime, den ich als Kind total gerne gesehen habe. Ich hab auch mit anderen Namen so eine Beziehung:
      Anne mit den roten Haare
      Pollyana
      Die kleine Prinzessin Sara

      Die Namen wurden damals einfach eingedeutscht oder europäisiert. Bestes Beispiel ist Sailormoon. Im Original heißt sie Usagi Tsukino, was Hase des Mondes bedeutet. Hier in Europa und Amerika wurde daraus Bunny Tsukino.

    • Die deutsche Erstausstrahlung war 1993 und die Zielgruppe der Serie sind Mädchen. Da wundere ich mich nicht mehr, dass ich von dieser Mila bisher noch nicht gehört hatte. Aber vielen Dank für den Hinweis!

    • Jan Wilhelms sagt:

      Ha, ich muß zugeben, die Anspielung auf „Mila Superstar“ auch überhaupt nicht verstanden zu haben – wie man vermutlich auch gemerkt hat. 🙂 Hatte wirklich gedacht, das sei eine persönliche Bekannte von lenchen oder so… :blush:

      Zum Scheitern der aktuellen TV-Serie kommt mir gerade das hier unter. (Eigentlich ist Hanfeld in der FAZ für das Treten gegen die Öffentlich-Rechtlichen zuständig, wenn es mal gegen das Privatfernsehen geht, muß die Sache wirklich ein Flop gewesen sein…)

  5. Mutter von Emma sagt:

    Die Beobachtung zu Mila teile ich! In letzter Zeit habe ich den Namen recht häufig in den regionalen Babygalerien gelesen. Allerdings höre ich auch immer öfter Milla und mir ist zuletzt eine kleine Mina begegnet. Vielleicht auch lauter Alternativen zur beliebten Mia?

    • Jan Wilhelms sagt:

      Na, das wäre doch mal ein Zwillingspaar:

      Mina & Minus

      Oder doch lieber Lina & und Linus?

      Ich bliebe dabei: Ein Hoch den harten, kratzigen Konsonanten! Habe am letzten WE auf Youtube die sechs Folgen von „Kir Royal“ geguckt (Mitte der 80er, kann sich noch jemand erinnern?) – Hauptdarsteller: Franz Xaver Kroetz. Abgesehen von der hier irrelevanten Tatsache, daß das wirklich ein toller Schauspieler ist, und auch abgesehen davon, daß Franz Xaver halt ein Jesuitenname ist, der in evangelischen Norddeutschland nicht möglich ist: Phonetisch geht’s kaum prächtiger und schneidiger angesichts all des Miamamillamina-Liaselias-Ben-Tim-Tom-Ping-Pong-Lallalas…

    • elbowin sagt:

      Minus und Sinus sind bei Tammena tatsächlich als ostfriesische Vornamen belegt.

      Dazu passt die Mathe-Eselsbrücke: Der Sinus vom Minus ist das Minus vom Sinus.

  6. kleiner_hering sagt:

    Hallo, bin neu hier! (Aber schon länger ein eifriger Leser dieses Blogs.)
    Um nochmal auf unmoderne Vornamen zurückzukommen: Unser Sohn (gut zweieinhalb Jahre alt) heißt Wilhelm. Natürlich liegen wir damit einerseits im Trend, altmodische Vornamen zu vergeben, andererseits ist mir bisher noch kein anderer kleiner Wilhelm untergekommen. Ich wüßte gern, ob Knud zur aktuellen Häufigkeit dieses Namens schon Beobachtungen gemacht hat?

    Unsere Tochter (3 Monate) heißt übrigens Friederike. Hier haben wir uns bewußt gegen den derzeiten Trend entschieden – ich wollte nichts auf L- oder -a, obwohl ich viele dieser Namen schön finde. Aber in der derzeitigen Häufigkeit nervt es dann doch…

    Gudrun finde ich übrigens auch schön. Ich kannte sogar mal eine in meinem Alter (bin Mitte 30).

    • Ich habe den Wilhelm auf meine To Do-Liste gesetzt. Demnächst gibt es dazu aktuelle Infos!

    • Mutter von Emma sagt:

      Friederike stand auch ganz oben auf meiner Liste, als wir unsere Tochter bekamen! Gefiel leider meinem Mann nicht. Deshalb dann doch die häufige Emma. Ich kann das gut verstehen, dass die Häufigkeit nervt. Geht mir auch manchmal so, aber letztendlich zählt dann doch, ob der Name zum Kind passt und gefällt. Außerdem, was nützt es, einen Namen nur der Seltenheit wegen zu wählen. Trends kommen und gehen. Der Name bleibt. Ich denke da gerade an Katharina. Vor ungefähr 20 Jahren, korrigiert mich, wenn ich das falsch liege, ein sehr beliebter Name, liegt er heute doch irgendwo bei Platz 50 in der Hitliste und gilt als Klassiker. Ich lese sehr häufig die Beiträge auf dieser Seite und finde sie sehr interessant. Manchmal stört mich aber, dass ein häufiger Tenor ist, nur ein seltener Name ist ein guter Name. Schade eigentlich.

      Kenne übrigens einen Willi, der jetzt ungefähr 15 Jahre alt ist!

    • Ruth sagt:

      Ich kenne einen Wilhelm, der ca 30 ist. Seine Schwestern heißen Franziska und Ida.

      Meine Tochter hat auch einen sehr häufigen Erstnamen, der lange Zeit vor der Schwangerschaft schon mein Favorit war. Es ist der Name meiner 60jährigen Patentante – zu ihrer Zeit war sie weit und breit die einzige. Ich hab natürlich mitgekriegt, dass der Name immer häufiger wurde und fand das auch nicht so toll, aber einen anderen Namen für mein Kind konnte ich mir nicht mehr vorstellen und einen Namen auszuschließen, nur weil er gerade beliebt war, fand ich genauso blöd wie ihn nur wegen der Beliebtheit zu wählen.

    • Mutter von Emma sagt:

      Liebe Ruth,

      das ging mir genau so! Ein großer Teil meiner Lieblingsnamen war zu dem Zeitpunkt, als unsere Tochter geboren wurde inzwischen in Mode gekommen. Deshalb aber einen anderen Namen zu wählen, nur um aus Prinzip gegen den Trend zu steuern, fand ich auch albern. Da fragt man sich doch auch, wählt man den Namen aus, weil er gefällt, oder weil er selten ist. Ich habe übrigens auch eine Tante und hatte eine Großtante, die Emma heißen, beziehungsweise hießen! Ich finde es auch schön, den Namen so weiterzugeben, obwohl das nicht der wichtigste Grund für uns war.

    • Hier die aktualisierte Statistik zu Wilhelm:
      http://www.beliebte-vornamen.de/5234-wilhelm.htm
      Ich beobachte einen kleinen Aufwärtstrend!

  7. kleiner_hering sagt:

    @Mutter von Emma: Versteh mich bitte nicht falsch, ich finde insbesondere den Namen Emma sehr schön. Im Zweifel hätte ich mich von der Häufigkeit auch nicht abhalten lassen.
    Für unseren Wilhelm z.B. hatten wir auch Namen wie Philipp oder Johannes auf der Liste, m.W. nicht Top Ten, aber doch sehr gängig. Mein Favorit war damals Tobias, was ja wiederum in die aktuelle „weiche“ Linie bei Jungennamen gepaßt hätte.

    Und bei unserer Friederike war ich eigentlich auch sehr inkonsequent – mein heimlicher Favorit war die ganze Zeit Regina, aber das wollte mein Mann sowieso nicht. Lioba hätte mir auch gut gefallen, und das wäre ja komplett gegen meine obigen Ausschlußkriterien gewesen.
    Ich bin also absolut Deiner Meinung, daß man sich von den aktuellen Hitlisten nicht allzu sehr beeinflussen lassen sollte.

    • Mutter von Emma sagt:

      @kleiner_hering,

      das habe ich auch so nicht verstanden! Mir geht es ja auch ab und an so, dass mich die Häufigkeit, oder vielleicht sogar eher die Kommentare dazu, stört. Ich habe inzwischen manchmal das Gefühl auch für beliebte Namen sprechen zu müssen, denn in der Regel überlegen Eltern sich sehr genau, welchen Namen sie für ihr Kind wählen.

      Johannes war übrigens auch einer meiner Lieblingsnamen, aber auch Paul, Konrad oder Leonhard wären in Frage gekommen, wenn wir einen Sohn bekommen hätten.

  8. Gudrun sagt:

    Gudrun – mein Name. Ich hasse ihn zu 90%, besonders im Ausland . keiner kann es aussprechen und ich bin nach 2 Minuten vergessen. Ich nenne mich jetzt Gudi – alles finden das positiv und ich auch.

    • Gudrun (eine andere) sagt:

      Auch ich wurde von meinen Eltern mit diesem Namen bedacht, ist inzwischen schon etwas über ein Vierteljahrhundert her. Habe lange damit gehadert, weil alle Mädchen um mich herum Namen hatten, die leichter und heller im Klang waren – irgendwann ist mir jedoch aufgefallen, dass man die Julia- und Maria-Heerscharen schon innerhalb einer Klasse fast durchnummerieren musste, um den Überblick zu behalten. Als Gudrun hat man da in meiner Altersklasse gewiss weniger Konkurrenz.

      Inzwischen liebe ich meinen Namen. Der Klang, der einer erwachsenen Frau angemessen ist, die nicht als Anhängsel von irgendwem gesehen werden möchte; die Bedeutung; die Tatsache, dass außerhalb des deutschen und skandinavischen Sprachraums so ziemlich alle an dem Namen verzweifeln und die Ausspracheversuche in wachsender Frustration münden – das bereitet mir wirklich eine diebische Freude. Man muss nur seine Mitmenschen genug nicht-mögen, dann stellt sich die Freude an dem Namen bei Reisen automatisch ein.

    • Maria Theresia sagt:

      „Inzwischen liebe ich meinen Namen. Der Klang, der einer erwachsenen Frau angemessen ist, die nicht als Anhängsel von irgendwem gesehen werden möchte; die Bedeutung; die Tatsache, dass außerhalb des deutschen und skandinavischen Sprachraums so ziemlich alle an dem Namen verzweifeln und die Ausspracheversuche in wachsender Frustration münden – das bereitet mir wirklich eine diebische Freude. Man muss nur seine Mitmenschen genug nicht-mögen, dann stellt sich die Freude an dem Namen bei Reisen automatisch ein.“

      Sehr gut! Ganz meine Meinung. Viele Leute bedenken zuwenig, dass der Name auch erwachsen genug sein muss, man ist länger Erwachsener als Kind.

    • Jan sagt:

      So isses.

      Und ferner:

      Man muss nur seine Mitmenschen genug nicht-mögen, dann stellt sich die Freude an dem Namen bei Reisen automatisch ein.

      :mrgreen:

      Und ein bißchen Misanthropie kann angesichts der alles dominierenden Heiterkeits- und Dauergrinsekultur auch gar nicht schaden.

    • Maria Theresia sagt:

      Ich habe einen ziemlich komplizierten Nachnamen und kenne das von klein auf, dass Leute daran verzweifeln, auch wenn man ihn buchstabiert. Und ich freu mich auch immer wieder darüber 😀

    • Maria Theresia sagt:

      Und ich denk mir immer – ICH hab kein Problem mit meinem Namen, das Problem haben nur die anderen!

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