Mein seltener Name und ich: Jasna

Wie sehr es bei Namen auf jeden einzelnen Buchstaben ankommt, fasziniert mich immer wieder. Ein Buchstabe kann aus einem Mädchen einen Jungen machen (von Mila zu Milan) – oder umgekehrt, siehe Julian und Juliana. Erinnert fast etwas an die Sache mit den X- und Y-Chromosomen. Ein (schicker?!) Buchstabe kann einen einfachen, klaren Namen wie Emilia in eine schreibtechnische Herausforderung verwandeln (Emylia, Emilya), und ein grundsolider, vielleicht etwas langweiliger Klassiker wie Michael wird nach der Subtraktion nur eines Buchstabens zur frechen Namensoption für Skandinavien- und Lindgren-Freunde: Michel.

Im Fall von Jasna ist es ein Extrabuchstabe, der ihren Namen zum Exoten macht. Den Namen Jana kennt schließlich jeder, und er stand trotz des „Diana-Problems“ („die Jana“) Mitte der 90er sogar in den Top Ten (2014: Platz 49). Dagegen kann man im deutschen Sprachraum Frauen und Mädchen namens Jasna mit der Lupe suchen, auch durch Jungschauspielerin Jasna Fritzi Bauer (Jahrgang 1989) wurde der Name (noch?) nicht populärer. „Mein Name erscheint vielen Menschen fremd“, berichtet Jasna, die 1969 geboren wurde und als Tochter einer Deutschen und eines Jugoslawen in Ratzeburg (Schleswig-Holstein) aufwuchs. „Viele packen ihn in die skandinavische Ecke. Das Erstaunen ist immer wieder groß, wenn die Leute feststellen, wie einfach er doch ist und dass er so geschrieben wird, wie man ihn spricht.“

Mein seltener Name und ich

Jasna mag ihren Namen sehr gern. „Ich finde auch, dass seine Bedeutung, ‚Die Klare‘, mich gut umschreibt.“ Dass der Name immer mal wieder falsch geschrieben wird, stört sie nicht sonderlich.
Der Name ist ihr einziger Bezug zum Herkunftsland ihres Vaters. „Meine Mutter lernte bei einer gemeinsamen Reise nach Montenegro einen Schulkameraden meines Vaters kennen, dessen Freundin Jasna hieß. Mein Vater war nicht begeistert von der Idee, seine erste Tochter nach ihr zu benennen, aber meiner Mutter gefiel der Klang so sehr, dass sie sich durchsetzte.“

Jasna hat noch einen jüngeren Bruder namens Sascha sowie fünf Halbgeschwister: Andrej Juri, Boris, Jelena, Timo – und Jana. Eine andere Jasna hat sie noch nie getroffen. Ihr Spitzname in der Familie ist „Jaki“. „Das resultiert aber eher aus der Bedeutung: ‚Kleine Hexe‘.“ Als Jasna vor ein paar Jahren selbst Mutter wurde, wollte sie ihrer Tochter gerne auch einen besonderen Namen mitgeben. „Letztlich habe ich einen Namen gewählt, den ich bereits Jahre zuvor meinem Bruder bei der Geburt seiner ersten Tochter als meinen Favoriten genannt habe – und der wunderbar zu meinem kleinen blonden Wirbelwind passt.“ Ihre Tochter heißt Mina Lisbeth und wird Lisbeth gerufen, auch deshalb, weil es bereits eine Cousine namens Mila gab. „Mila und Mina wäre mir sonst klanglich zu nah.“ Jasna hätte auch Ona Lisbeth oder Mine Lisbeth toll gefunden, aber: „Das gefiel Lisbeths Papa nicht so gut.“

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

8 Kommentare zu "Mein seltener Name und ich: Jasna"

  1. Violet sagt:

    Das ist so gruselig!
    Das ist das 3. Mal heute, dass mir etwas begegnet, womit ich mich vorher grad befasst hab. Vorhin hab ich grad über Jasna nachgedacht… 😮

  2. Jan Wilhelms sagt:

    Ich finde Jasna auch hübsch – eben „die Helle“, „die Klare“, „die Lichte“. Daß es das als südslawischen Mädchennamen gibt, war mir bis dato nicht bewußt… Mit ostslawischem Hintergrund denkt man vielleicht an „Jasnaja Poljana“, das Landgut des Grafen Tolstoi. Das ist sicher ein segensreicher Name.

    Na, Jana hingegen klingt für mich nach „Pädagogik-Studentin aus den 90ern“. Heute heißen die wohl Tugtse, oder so.

    • Pädagogik-Studentin aus den 90ern

      Kann es sein, dass hinter dieser Schubladeneinordnung eine ganz persönliche Jana-Erfahrung steckt? Mich überrascht dieses Vorurteil jedenfalls.

    • Jan Wilhelms sagt:

      Kann es sein, dass hinter dieser Schubladeneinordnung eine ganz persönliche Jana-Erfahrung steckt?

      Ja, natürlich.

      (Jana, türlich. :mrgreen: )

      Also: mal wieder um Pardon für den Diss… Aber ich höre den Namen halt so.

      (Und nur so ganz vage angedeutet: völlig off-topic ist der Hinweis auf die Pädagogik-Studentinnen an diesem Orte freilich auch nicht, insofern die Blagen, die heute einen Vornamen verpaßt bekommen, eben in spätestens sechs Jahren mit Grundschullehrerinnen konfrontiert sein werden und von ihnen z.B. Lesen und Schreiben lernen werden – oder eben auch nicht. Aber das ist wirklich ein weites Feld.)

  3. cassis sagt:

    Ich kannte als Kind eine Yassna, die muss so um 1995 rum geboren sein. Ist soweit ich weiß der gleiche Name.

  4. Chrissie sagt:

    Ich kannte den Namen Jasna bisher nur aus einem Fantasy-Buch (dort Jasnah geschrieben) und der Klang hat mir schon dort gut gefallen, hätte aber nicht gedacht, dass der Name so nah an einem „echten“ Namen ist. Auch die Bedeutung ist sehr schön. Jasna könnte somit als slawisches Pendant zur lateinischen Klara/Clara gesehen werden, oder?

  5. Florian sagt:

    Bei Indogermanisten wie mir ist die spontane Assoziation wohl meistens eine ganz andere, nämlich „Yasna“, ein Begriff aus der zoroastrischen Religion. (Ich ergänze dann sofort „Haptanghaiti“.) „Anbetung, Preisung“ oder (bei der neupersischen Entsprechung) „frohes Fest“ ist aber auch eine positive Bedeutung.

  6. Primoz sagt:

    Ich lebe in Slowenien und bei uns ist Jasna ein normal Name. Aber in letzem Zeit sind leider für Babys Namen als Klara oder Clara auswählen.

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