Mein seltener Name und ich: Merlin

Unisex-Namen, die Mädchen ebenso tragen können wie Jungen, haben ihre eigene Fangemeinde, aber auch ihre Tücken. Noch kniffeliger wird es eigentlich nur, wenn man einen Unisex-Namen trägt, bei dem alle Welt überzeugt ist, ihn eindeutig zuordnen zu können. So wie die 22-jährige Merlin aus München. „Jeder, der meinen Namen liest, geht davon aus, dass ich ein Mann bin. Es gab schon mal überraschte Blicke bei einer Bewerbung, und ich werde regelmäßig als ‚Herr‘ angeschrieben. Auch in der Schule haben neue Lehrer erst mal gefragt: ‚Wer von euch ist denn der Merlin?’“

Um ihre Erstgeborene als Merlin eintragen zu lassen, brauchten ihre Eltern einen eindeutig weiblichen Zweitnamen. Die Wahl fiel zunächst auf Dana. „Wegen der Bedeutung ‚Geschenk Gottes‘. Meine Mutter hatte sich immer Kinder gewünscht, aber es stand im Raum, dass sie vielleicht keine bekommen könnte.“ Da aber auch Dana männlich sein kann, musste noch ein dritter Vorname her: Isa – mit der vermutlich nicht ganz ernst gemeinten Ableitung vom Fluss, an dem Merlins Heimatstadt liegt. Und woher kommt nun Merlin? Die Antwort überrascht: Merlins Eltern sind nicht etwa Fans der Artussage oder der Disney-Version „Die Hexe und der Zauberer“ (1963), sondern waren beeindruckt von der jamaikanischen Leichtathletin Merlene Ottey, deren schönen Vornamen sie quasi eingedeutscht haben.

Vorname Merlin

Auch im Netz findet sich heute mancher, der es einfach wunderschön findet, wie Merlin klingt, wenn der Name auch meist bei Jungen eingeordnet wird. Überwiegend haftet ihm aber doch ein „geheimnisvolles“ Märchen-und-Mythen-Image an, was die einen lieben und die anderen hassen: „Der Name gehört in die Zauberwelt und da sollte er auch bleiben.“ – „Es will doch auch keiner Aschenputtel oder Schneewittchen heißen.“ Typisch auch: „Die Katze von einem meiner Rollenspielcharaktere heißt so.“

Merlin mag ihren Namen „eigentlich sehr gern“ und hat es am liebsten, wenn er mit langem i gesprochen wird: „Das klingt weiblicher.“ Die häufigen Verwechslungen mit dem anderen Geschlecht nerven sie aber schon, ebenso wie die Zweifel: „Nennst du dich nur so oder …?“. Und die ewig gleiche Leier: „Hex uns doch mal was vor. Jeder scheint zu denken, er sei der Erste, der mich darauf hinweist, dass ich wie der Zauberer heiße.“ Beim Ausgehen nutzt sie manchmal „irgendeinen anderen Namen“, weil sie keine Lust auf Fragen und Sprüche hat. Anders heißen wollte sie trotzdem nie. „Höchstens ganz kurz in der Grundschule, als ich ein Mädchen beneidet habe, dass es wie Vanessa von den ‚No Angels‘ hieß.“ Sonst war sie „immer eher stolz“ auf ihren Namen. „Wir hatten zeitweise drei Sophias in der Klasse. So was hätte mich sehr gestört.“

Merlin hat zwei jüngere Geschwister, Marian und Merit. Ihr Bruder wird meist nur Mari genannt, das findet sie schade und ist froh, dass ihr Name gut ohne Kurzform auskommt. Für eigene Kinder würde sie auch gerne einmal „eher ausgefallene“ Namen aussuchen. Allerdings gefallen ihr aktuell zwei Namen besonders gut, die so gar nicht selten sind: Lotta und Emma.

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

8 Kommentare zu "Mein seltener Name und ich: Merlin"

  1. Violet sagt:

    Aber Isa ist doch auch unisex 😮
    Merlin gefällt mir in weiblich so gar nicht.
    Dafür mag ich Merline umso mehr <3

  2. amk sagt:

    Eine Freundin, die Lehrerin ist, berichtete mal von einer Schülerin namens Cinderella -so viel zu „Es will doch auch keiner Aschenputtel oder Schneewittchen heißen.“ 😉

    Dass Merlin auch weiblich ist, war mir aber auch nicht bekannt. Ich finde den Namen zwar auch klanglich schön, würde ihn dennoch nicht vergeben (außer an einen Kater vielleicht).

  3. Ruth sagt:

    Wie lustig, dass Marian hier männlich und Merlin weiblich ist. Ich hätte es genau andersrum vermutet. Erinnert mich an einen Kommentar, den ich hier irgendwo gelesen habe: „alle halten unseren Sohn Arwen für ein Mädchen!“-“ Geht Euch das bei seiner Schwester Legolas auch so?“

    Ich finde die Namen überhaupt nicht unterschichtenverdächtig. Und auch wenn der gleiche Anfangsbuchstabe nicht mein Fall wäre, gut finde ich, dass jeder seinen eigenen betonten Vokal hat.

    • Conny Wuuh sagt:

      Hallo Ruth, Marian ist für mich eindeutig männlich! Es ist in Polen ein gängiger Vorname für einen Jungen bzw. Mann.

    • Mirjam sagt:

      Ich hätts auch so vermutet, wobei ich schon länger weiß, das Marian ein männlicher Vorname ist, will das einfach nicht in meinen Kopf rein. Weiß aber auch nicht, warum ich so fest davon überzeugt bin, das Marian weiblich ist. Kennen tu ich nämlich keine.

    • elbowin sagt:

      @mirjam:

      Die weibliche Marian kommt aus einem Hollywodfilm über Robin Hood:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Robin_und_Marian

      Ich kenne allerdings nur Männer mit dem Namen Marian.

    • Mirjam sagt:

      Den kenn ich gar nicht – aber ich kenn die Zeichentrickserie / den Zeichentrickfilm, kann schon sein dass sich das iwie festgesetzt hat! Lady Marian.
      Vielleicht verbinde ich den Namen auch zu viel mit dem Englischen – Mary und Ann in dem Fall wieder 😉

  4. Suse sagt:

    Ich möchte hier jetzt mal eine Lanze brechen- ich finde Merlin für einen Jungen unmöglich aber für eine Frau klingt es sehr schön!
    Ich persönlich würde mein Kind nicht so nennen, das liegt aber daran, dass ich andere Favoriten habe.
    Und Marian und Merit (ich würde Meret schöner finden) sind für mich normale Namen und keineswegs mit Unterschicht wie Schakkeline gleichzusetzen.

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