Generation Denglish

Gerade gelesen in einer Vornamensdiskussion im Netz:

„Ist XY nicht ein türkischer Name? Das geht gar nicht, würde ja auch nicht zum Nachnamen passen.“

Okay. Wenn ich auch finde, dass es durchaus türkische Namen gibt, die zu deutschen Nachnamen passen, – aber so was ist natürlich nicht jedermanns Sache. Was ich an obiger Aussage so frappierend finde: Sie stammt von einer deutschen Mama, die gezielt nach amerikanischen Namen sucht. Passt Brian besser zu MüllerMaierSchulze als Cem?

Namensfrage © Piotr Marcinski - Fotolia

Foto © Piotr Marcinski – Fotolia

 

Natürlich haben Amis hierzulande ein anderes Image als Türken, ihre Namen sind auch durch Filme und Serien vertrauter fürs Ohr. Mehr und mehr habe ich aber das Gefühl, dass Ami-Namen wie Jayden oder Maddox mittlerweile komplett assimiliert sind (Achtung, Fremdwort, hat nichts mit „assi“ zu tun!). Wenn im eigenen Umfeld englisch auszusprechende Kindernamen sehr verbreitet sind, wirken sie auf den einen oder die andere vielleicht ebenso „deutsch“ wie Andreas oder Sabine. Nur modischer eben.

Man könnte den Sprachmix als Zeichen von Weltoffenheit deuten (nur schade, dass er so selektiv ist). Trotzdem, ich tue mich schwer damit, wenn ich mitten im Namen etwa von englischer auf deutsche Aussprache umschwenken muss. Jaylen Johannsen wäre so ein Fall einer „denglishen“ Namenskombination – erst ein englisches J, dann ein deutsches. Oder Jeremy Michael Meyer, Shania Susanne Linda Braun: Bei anderssprachigen Vornamen funktioniert die schöne Tradition, Eltern- oder Patennamen anzuhängen, nicht so recht. Bei Zweitnamen wie Michael oder Frank weiß man zudem nicht, ob man nicht „Maikel“ und „Fränk“ sagen soll.

Ich finde: Wenn überhaupt ein englischer Name, dann einer, wo die Aussprache im Deutschen möglichst ähnlich ist. Und auf keinen Fall einer, der auch deutsch gesprochen geläufig ist. Zum Problem würde etwa eine Kathleen, die englisch gesprochen werden soll. Bevor man seinen Sohn Eugene nennt, sollte man auch bedenken, ob Oma und Opa die gewünschte Aussprache hinkriegen.

In meiner Schulzeit gab es auch mal coole „Larrys“ oder „Stevies“, doch diese Namen wurden niemandem zur Bürde: Es waren nur Spitznamen für Jungs namens Lars oder Stefan und konnten von diesen nach Belieben wieder abgelegt werden. Es gab schon einmal eine Ära, in der englisch-amerikanische Namen sehr beliebt waren, deutscher Nachname hin oder her. Peggy, Ronny, Kenny und Konsorten kennzeichneten später ziemlich genau die Herkunft ihrer Träger. Sind sie die Wegbereiter der neuen Modenamen?

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

15 Kommentare zu "Generation Denglish"

  1. Jan Wilhelms sagt:

    Also, meines Erachtens sind Jayden, Lennox, Maddox, Floyd etc. pp. typische Ossi-Unterschichten-Vornamen aus Sachsen-Anhalt oder ähnlich idyllischen Landstrichen. Wie eine Generation vorher Ronny, Sindy oder Maik. So heißt hier (im nun auch nicht sooo schicken Niedersachsen) kein Mensch.

    Wer als Deutscher nen englischen oder englisch klingenden Vornamen hat (abgesehen von einigen hanseatischen Traditionsnamen wie John oder Henry) hat, ist halt immer Unterschicht.

    Das in Normal-Deutschland mal irgendwann ein Lars „Larry“ oder ein Stefan „Stevie“ genannt worden wäre, wäre aber auch an mir vorbeigegangen. Unsinn.

    • Annemarie sagt:

      Die Beispiele mit Larry und Stevie sind nicht ausgedacht. Nach meiner Erfahrung kam/kommt so was in coolen Schülercliquen u.ä. vor -unter Gleichaltrigen eben. Ich weiß auch von einem kleinen Jonathan, den sein Vater Johnny nennt.

    • Ronny und Sindy sind tatsächlich typische „Ossi-Namen“ (aus den 1970er Jahren). Das kann man von Jayden und Lennox nicht behaupten. Um beim konkreten Beispiel zu bleiben: Jayden wurde 2014 in Sachsen-Anhalt nur selten vergeben, in Niedersachsen steht der Name in den Top 50. Lennox gehört in beiden Bundesländern zu den 50 häufigsten Jungennamen.

    • Noefnoef sagt:

      Ich stamme aus Niedersachsen und in meiner Umgebung gab es viele Maiks. Die sind alle jetzt so zwischen 30 und 45.

    • Susi sagt:

      Für uns nach der Wende geborene gut zu wissen: Scheinbar gab es einmal Normal-Deutschland und Anormal-Deutschland. 😉

  2. Kati sagt:

    Man kann das nicht einfach so pauschalisieren.
    Klar werde diese Namen oft in diese Klischeeschublade gesteckt, aber gerade Namen wie Lennox kommen immer öfter auch in der sogenannten Bildungsschicht vor. In meiner Nachbarschaft ( ich lebe in Norddeutschland) lebt ein Lehrerehepaar, dessen Kinder Lennox und Eliza (Elaiza ausgesprochen) heissen. Sie stammen aus Niedersachsen und Schleswig Holstein udn auch deren Eltern sind Akademiker.
    Es gibt eine Menge Menschen, die ihren Kinder bewusst solche Namen geben, da sie internationaler und im Zuge der Globalisierung ihrer Meinung nach angepasster sind.
    Ich mag die meisten der Namen auch nicht wirklich, weil ich sie oft nicht wirklich zum Nachnamen passend finde und ich gebe zu, bei Namen wie Dustin, Chayenne u.ä. auch gerne die Schublade aufzuziehen, aber das trifft bei vielen schon längst nicht mehr zu.
    Ach ja, wenn man auf die Seite der Babygalerie des Klinikums Wolfsburg geht, wird man einen süssen kleinen Jungen finden, der letztes Jahr geboren wurde und Tom Lennox heisst…

  3. Moni sagt:

    „Ich finde: Wenn überhaupt ein englischer Name, dann einer, wo die Aussprache im Deutschen möglichst ähnlich ist. Und auf keinen Fall einer, der auch deutsch gesprochen geläufig ist.“

    Hm, klares jein. Ich persönlich mag z.B. die Namen Patrick und Julian total gerne, aber nur in der englischen Aussprache. Und die Jungs in meinem Umfeld, die so hießen, wurden irgendwie auch nur englisch ausgesprochen. Ich weiß nicht, wann sich da mal die deutsche Aussprache reingeschmuggelt, bzw. wann sie die Kontrolle übernommen hat. Schön finde ich sie jedenfalls nicht.

    Ich sehe jetzt aber auch nicht ein, englische Namen so zu verunstalten, dass sie auf jeden Fall englisch ausgesprochen werden müssen (Jaden -> Jayden), nur damit auch wirklich jeder Depp es auf Anhieb richtig macht.

    Am wichtigsten ist doch immer noch, dass der Vorname zum Nachnamen passt. Wenn das mit der englischen Aussprache noch stimmig ist, warum dann nicht?
    Und die meisten Menschen merken sich nach dem ersten Kontakt, ob ihr Kollege/Freund/Schüler nun [Dawid] oder [Däivid] heißt…

    • Mirjam sagt:

      Da bin ich dann wieder komplett anderer Meinung – Pätrick und Schuliän gehn mal gar nicht…
      aber da sind die Geschmäcker halt verschieden!

  4. Anonymous sagt:

    Das Problem bei vielen nicht-deutschen Namen ist – abgesehen von dem deutlichen Hinweis auf den gesellschaftlichen Hintergrund – auch immer die Aussprache. Wenn dann die „Baumarktkinder“ Brettly und Zementa auftauchen, weil die Eltern die Namen nicht richtig aussprechen können, wird es ganz übel. Die beiden sind übrigens real existierende Geschwister…

    • Kathrin sagt:

      Da möchte ich doch wissen, welcher gesellschaftliche Hintergrund hier gemeint sein könnte… Die allermeisten gebräuchlichen Namen in D. haben keinen „deutschen“ Hintergrund. Kein Alexander, kein Thomas, keine Susanne, keine Tanja, keine Kathrin…

    • elbowin sagt:

      😀 Baumarktkinder war gut 😀 😀 😀

  5. amk sagt:

    Ich persönlich bin auch kein Fan von englischen/amerikanischen Namen, da in den meisten Fällen die Aussprache hier in Deutschland doch darunter leiden muss. Wenn dann noch ein unpassender Nachname hinzukommt, macht es die Sache auch nicht besser. Zwar gibt es auch Namen, die sich relativ problemlos einfügen, wie etwa Mike oder Vanessa, bei vielen anderen klappt das jedoch nicht so und das finde ich immer ganz schlimm. Vielleicht bin ich da aber auch zu altmodisch, traditionell, spießig, je nachdem wie man das sehen will 😉

    Was das Schubladendenken angeht: Meiner Erfahrung nach trifft es in den meisten Fällen zu, dass Kinder aus eher sozial schwachen Familien eben solche Namen tragen.

  6. Lisa sagt:

    Ob ein Name zu einem gebräuchlichen Namen in D werden kann, hängt doch vor allem davon ab, ob er sich in die Sprachmelodie einfügen kann. Die genannten Namen Mike und Vanessa stören den Sprachfluss nicht, während ich finde dass Samantha, in englischer Aussprache, in einem deutschen Satz wie ein Bremsklotz auf der Autobahn wirkt. Man spricht den Namen aus und muss dann nochmal komplett von vorne ansetzen, um den Satz auf deutsch zu beenden. Kein Wunder dass dann oft eine Zementa draus wird.

    Da wir auch einen ausländischen (Balkan-) Nachnamen tragen, haben wir versucht, beiden Kulturen gerecht zu werden, indem wir Namen gewählt haben, die in beiden Sprachen unproblematisch gesprochen und geschrieben werden können. Also keine Umlaute, die meine Schwiegereltern nicht aussprechen können, und kein „c“ im Namen, da das die meisten Deutschen immer sehr kreativ aussprechen wollen und meistens ein „tsch“ rauskommt wo ein „ts“ angedacht war.

    Und was das Klischee betrifft, das scheinen um mich herum alle zu bestätigen. Englisch-amerikanische Vornamen für die U-20 Eltern ohne Schulabschluss, die ü-35ger gebären Friedrichs und Johannas. Wir wohnen in Süddeutschland und auch hier gibt es zahlreiche Jasons und Justins, ich habe also nicht den Eindruck, dass das ein ostdeutsches Phänomen ist.

  7. Em sagt:

    Was ich zu Beginn angeeckt bin, nur weil ich meine Katze damals den in der Türkei gebräuchlichen Namen SIBEL gab, ist unglaublich. Ich bin ja froh, dass ich deshalb nicht gleich als Terrorist beschimpft wurde. ;-))
    Inzwischen hat sich jeder daran gewöhnt. Ich würde meinen Kindern jedoch weder einen englischen, noch einen türkischen Namen geben, höchstens ich würde in diesen Ländern leben, dann hätte ich in beiden Fällen kein Problem damit.

    • Jan Wilhelms sagt:

      Was ich zu Beginn angeeckt bin, nur weil ich meine Katze damals den in der Türkei gebräuchlichen Namen SIBEL gab, ist unglaublich. Ich bin ja froh, dass ich deshalb nicht gleich als Terrorist beschimpft wurde. ;-))

      Hö, echt?

      Ich habe den Namen Sibel hier zum ersten und bis dato auch zum einzigen Mal durch die Schauspielerin Sibel Kekilli gehört. Die hat zwar, wiewohl noch jung an Jahren, auch schon eine, je nun, illustere Karriere hinter sich – nun gerade Terrorismus stand allerdings nicht auf dem Drehplan…

      (Was ich bei dem Namen nicht aus dem Kopf kriege, ist die Assoziation zu dem bedeutenden Historiker Heinrich von Sybel.)

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