Pumpernickel bleibt Pumpernickel

Manchmal ist es wirklich verrückt: Vor Kurzem erst habe ich über mein All-Time-Favourite-Pixi „Prinzessin Horst“ geschrieben, und nun fällt mir schon wieder ein Kinderbuch in die Hände, in dem es ausgiebigst um Namen geht – diesmal sogar auf 155 Seiten – UND bei dem die Titelheldin eine Prinzessin ist. (Dass ich eine Tochter habe, erklärt den Zufall nur am Rande, wir lesen oft ganz andere Bücher.)

Prinzessin Pumpernickel“ von Angela Sommer-Bodenburg („Der kleine Vampir“) erschien im vergangenen Jahr. Die Story: Der immer hungrige König von Pattaloonia will gerade den Namen seiner jüngsten Tochter verkünden – die älteren heißen Ponderosa, Perdita und Pamelina –, als er auf dem Büfett ein besonderes Schwarzbrot entdeckt, dessen Name ihm erst nicht einfallen will. Mit seinem frohen Ausruf „Es heißt Pumpernickel!“ nimmt das Schicksal seinen Lauf. Denn natürlich sollte das kleine Mädchen eigentlich einen viel prinzesslicheren Namen erhalten. Der König weiß sich nicht anders zu helfen, als das Brot Pumpernickel komplett aus seinem Reich zu verbannen.

Sommer-Bodenburg bevölkert ihre Geschichte mit unzähligen P-Namen. Nicht nur Pumpernickel würde man in Namens-Lexika vergeblich suchen, obwohl alles durchaus namensmäßig klingt. Wörter, die knapp daran vorbeischrammen, ein Name zu sein, gibt es eben unendlich viele. Hier noch ein paar Beispiele, die mir eingefallen sind: Dezibel, Kantine, Kokolores, Retina, Stevia, Urea für Mädchen, Allibert, Luv, Mäander, Pellet oder Terpentin für Jungen. (Es ist wohl das Schicksal eines Namens-Freaks, auch da Namen zu sehen, wo gar keine sind.) Was zu der Frage führt, was einen Namen zum Namen macht. Die Bedeutung? Die Geschichte? Sachbezeichnungen sind als Namen nicht gestattet, so das Namensrecht. Aber ob das immer so bleiben wird – in Zeiten, wo für viele Eltern vor allem ein als schön empfundener Klang wichtig ist? Zumal es ja auch tradierte Namen wie Mark, Rose oder Wolf gibt, die schon immer auch eine Sachbezeichnung waren.

Im Fall von Prinzessin Pumpernickel will der König Jahre später alles wieder gutmachen. Nur ist das nicht so einfach:

„Der König seufzte noch einmal. Mit seiner temperamentvollen, eigenwilligen, stolzen, aber auch störrischen und eitlen Tochter konnte er den Namen Paloma nicht in Verbindung bringen! Und mit dem betulichen Namen Petulia oder dem nur nach Reichtümern klingenden Prosperina erst recht nicht.“

Wie gut, dass wir nur Namen für Babys suchen müssen! Was dann passiert: dass nämlich in vielen Fällen der kleine Mensch so in seinen Namen hineinwächst, dass wir uns bald keinen anderen mehr für ihn vorstellen können – und er sich selbst mit etwas Glück später auch nicht –, bleibt ein Geheimnis.

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

3 Kommentare zu "Pumpernickel bleibt Pumpernickel"

  1. Rina sagt:

    Nun ja, Mark kommt natürlich nicht von dem Sachbegriff Mark, sondern von Marcus. So wie auch der Name Liane nichts mit schmarotzenden Dschungelgewächsen zu tun hat.

    Die Namen, die sich tatsächlich von „Dingen“ ableiten, sind einfach entsprechend lange als Vornamen etabliert. Es scheinen auch (fast?) nur Tier- und Pflanzennamen zu sein, oder? Neben Deinem Einfall Rose kommen mir da noch Namen wie Viola und Lilia in den Sinn. Dazu gibt es gerade in den (nord-)germanischen Etymologien ganz viele Namen von Tieren (außer Wolf z.B. noch Björn und so) und von Dingen in der Natur (z.B. Stein).

  2. cassis sagt:

    Hihi, einen Fall von „das könnte doch ein Name sein“ hatte ich gerade erst – siehe hier: http://fructusdulces.blogsport.de/2014/10/26/sprachliche-impressionen-aus-polen/ (ganz unten).

  3. Barbara sagt:

    Auf einem nordfriesischen Grabstein habe ich mal eine GARDINE gelesen, was einem natürlich zuerst ein Schmunzeln entlockt. Aber als weibliche Form zu Gerd/Geert/Gaard ist es eine ganz normale Bildung.

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