Mein seltener Name und ich: Sandrine

Claudia. Einfach bloß Claudia. So hätte sie als Kind gern geheißen und stellte sich manchmal sogar so vor. Doch nichts da. Ihre Eltern hatten bereits eine kleine Maren, ein Name, der Mitte der 70er die Top-30 erklommen hatte und danach sachte abbaute. Den Namen ihres zweiten, 1981 geborenen Kindes guckten sie sich bei der Tochter von Bekannten ab: Sandrine – stilistisch komplett anders als der Schwestername, dabei aber fast alle Buchstaben wieder aufnehmend. Vornherum spricht sie sich wie Sandra, mit weichem S-Laut, und hinten ohne (!) das e.

Sandrine wuchs in Baden-Württemberg, Hamburg und Bayern auf. „Wir sind oft umgezogen. Wenn ich mich in neuen Schulen vorgestellt habe, ging immer ein Raunen durch die Klasse, ‚Wie heißt die?‘ oder ‚Was ist das denn für eine Name?‘. Da habe ich mich manchmal echt geschämt und wäre liebend gern die fünfte Stefanie, Birgit oder Claudia gewesen.“ Dazu kamen die leidigen Hänseleien: „Sandrine, Mandarine, Waschmaschine … ich konnte es nicht mehr hören und finde es auch heute noch nicht lustig.“ Wie sich die Reime ähneln – sie kann Gwendolin glatt die Hand reichen.

Mittlerweile ist Sandrine längst mit ihrem Namen versöhnt. Sie ist sogar stolz auf ihn und findet, dass er gut zu ihr passt. Allerdings muss sie ihn oft buchstabieren und korrigiert auch schon mal die Aussprache, „je nachdem wie wichtig mein Gegenüber ist“. Ein seltener Name mit populäreren Verwandten hat zudem seine ganz eigenen Tücken: „Öfter werde ich als Sandra oder Sabrina abgetan. Ich habe sogar mal eine Arbeitsstelle abgelehnt, weil man Sandra K. einen Vertrag anbot.“ Sie hat noch nie eine andere Sandrine getroffen. „Aber ich freue mich, wenn ich die Biathletin Sandrine Bailly im Fernsehen sehe. In anderen Ecken Europas ist der Name ja sehr gängig.“

Als sie 2008 selbst Mutter wurde, war ihr gleich klar: kein zu alltäglicher Name – aber auch kein unbekannter. Die Wahl fiel auf Konstantin (damals Platz 71, 2012 Platz 67), später kam noch Klein-Florentine (2010 Platz 174, 2012 Platz 207, mit e!) hinzu. Wichtig war ihr und ihrem Mann auch, dass man mit der Schreibweise keine Probleme hat. Hat nicht ganz geklappt: „Wir werden immer gefragt, ob man Konstantin mit K oder C schreibt.“ Auf ihre Erfahrungen von einst blickt sie recht abgeklärt: „Ich weiß jetzt, dass man im Prinzip aus jedem Namen etwas Doofes machen kann und dass Kinder da sehr kreativ sind. Wenn es nicht der Name ist, dann wird man eben mit der Brille oder der Brotdose aufgezogen. Trotzdem, es hat mich damals sehr getroffen. Ich denke, ein seltener Name ist das erste Indiz – für das man nicht mal etwas kann –, dass man ‚anders‘ ist und sich behaupten muss.“

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

5 Kommentare zu "Mein seltener Name und ich: Sandrine"

  1. Mimi sagt:

    Auffallend auch hier mal wieder die Ähnlichkeit der Kindernamen zu dem der Mama :-)!

  2. Alexa sagt:

    Ich muss zugeben, dass mir der Name Sandrine überhaupt nicht gefällt. :/
    Allerdings finde ich die Namen, die sie ihren Kindern gegeben hat, wundervoll!

  3. elbowin sagt:

    Bei Sandrine muss ich an die Schauspielerin Sandrine Bonnaire denken (und vor allem an ihre Rolle als Streunerin im Film „Vogelfrei“). 1981 war sie allerdings noch gar nicht bekannt.

  4. Mimi sagt:

    Sandrine ist ein witziger name aber auch traurig dass jemand so heißt

    • Anonymous sagt:

      Sandrin ist ein sehr schöner Name.Die Eltern haben sich bei der Namensgebung etwas Besonderes gedacht.
      Im Gegensatz zu Mimi.Ich stelle mir jetzt eine Mimi mit 70 Jahren vor.

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