Mein seltener Name und ich: Gwendolin

Mit dem Geburtsjahr 1972 hätte sie ganz gut eine Katrin (damals Platz 7) werden können. Oder Kerstin (Platz 19). Ihr Vater favorisierte Barbara (damals gerade noch in den Top 100). Damit stand er bei seiner Frau auf verlorenem Posten: Die hatte sich schon als Teenager bei der Lektüre des Programmhefts zu einer Ballettaufführung in einen Namen verliebt. „Ich bin froh, dass sie sich durchsetzen konnte“, sagt Gwendolin heute. Ballettunterricht hatte die Tochter einer Lehrerin und eines Musikredakteurs, die im Stuttgarter Raum aufwuchs, dann natürlich auch.

Einen seltenen Namen kann man tragen wie ein Krönchen, einen glitzernden Hingucker – oder mit ihm hadern. Gwendolin entschied sich für Ersteres, mal abgesehen von einer sehr frühen Episode, in der sie sich Pinkie nannte. In der Schule wurde sie aufgezogen: „Reime wie ‚Gwendoline – Mandoline – Waschmaschine‚ fand ich nicht so super. Außerdem gab es die unangenehme namentliche Ähnlichkeit mit dem Elefanten Wendelin aus der damals populären Sendung ‚Der große Preis‘.“ Doch weil sie nie so richtig darauf ansprang, hörten die Hänseleien schnell wieder auf.

Mein seltener Name und ich

Die meisten nennen sie Gwen. Gwendolin gefällt’s, zumal sie auch die Musik von Gwen Stefani mag. Eine andere Gwendolin hat sie nie getroffen. Auch nicht in den letzten Jahren, in denen es sie durch ihre Ehe mit einem Engländer ins Reich der Briten verschlagen hat. Der aus dem Keltischen stammende Name („Meine Mutter hatte wohl eine Vorahnung“) ist auch dort eher selten. Allerdings hatte sie – durch den Beruf ihres Vaters – einmal eine lustige Begegnung mit der Musikgruppe „Die Ärzte“: „Die Bühne war mit großen Bildern einer kurvigen, spärlich bekleideten Dame geschmückt – der vermeintlichen Gwendoline aus ihrem Song ‚Sweet sweet Gwendoline‚. Ich bekam einen hochroten Kopf, als ich mich vorstellte.“

Gwendolin musste ihren Namen schon immer buchstabieren, „daran gewöhnt man sich“. Sie sieht den seltenen Namen als klares Plus: „Damit bleibe ich Leuten leichter im Gedächtnis.“ Auch für ihre eigenen Kinder, fünf und drei Jahre alt, hat sie Häufiges weiträumig gemieden und stattdessen Loreley und Milo (im Aufwärtstrend: zuletzt Platz 143) gewählt. „Neulich meinte ein Herr zu mir: ‚Aber jetzt mal ohne Spaß, wie heißt Ihre Tochter?’“ Sicher könne ein seltener Name auch mal eher hinderlich sein: „Vielleicht haben wir Loreley für immer den Weg zur Bundeskanzlerin versperrt. Trotzdem: Für mich war mein seltener Name immer ein Teil meiner Individualität.“

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

6 Kommentare zu "Mein seltener Name und ich: Gwendolin"

  1. Mark sagt:

    Gwendoline/Gwendolyn und Gwen finde ich im Englischen super. Wie das bei mir oft so ist, finde ich Namen, die mir im Englischen geläufig sind, im Deutschen dann nicht so gut. Zum Beispiel empfinde ich Gwendolyn ohne weiches englisches W nicht mehr ganz so schön.

    Trotzdem, im Deutschen läßt sich Gwendolyn viel schöner aussprechen als viele andere englische Namen. Die Einstellung der Namensträgerin zu ihrem Namen finde ich gut; man kann an den meisten Namen etwas positives finden, und fast alle haben irgendwie so ihre Schönheit und ihre vorteilhaften Eigenschaften. Bei Gwendolin ist es auch gar nicht schwer, die Schönheit zu sehen.

  2. Schtroumpfette sagt:

    Ich hätte nicht gedacht, dass der Name Gwendolin Hänselpotential haben könnte…

    Mit Gwendolin assoziiere ich die „französischen“ Namen Gwenaëlle bzw. Guénaëlle, was daran liegen mag, dass ich zwei Namensträgerinnen in Frankreich kenne.

    Die Namen Wendolin und Fridolin fallen mir zum Namen Gwendolin zwar ein, aber eben auch weibliche Vornamen auf –lin, wie z.B. Carolin/Karolin oder Evelin.

    Für mich ist der Name Gwendolin irgendwie eine fröhliche Mischung aus „ernst + peppig“ (Gwen) und „süßlich“ („dolin“). Ich mag den Namen und finde ihn auch gut vergebbar.

  3. Toni-Amei sagt:

    Hallo ich wollte euch nur mal meinen schönen Namen schreiben ich heisse Toni-Amei ich finde meinen Namen sehr schön das Problem ist man muss sich immer rechtfertigen woher kommt der denn den habe ich noch nie gehört das zweite problem ist es weiss nie einer ob Mädchen oder Junge

  4. Gwendolin sagt:

    Ich liebe meinen Namen auch über alles und komischerweise, wollte mich meine Mutter auch Barbara nennen!!!! Und das 1999! Doch mein Vater hatte damals ein Buch gelesen mit einer Person namens Gwendolin und so bin ich zu meinem geliebten Namen gekommen!!!

  5. Mel sagt:

    Meine Tochter, geboren 2007, heißt Gwendoline.
    Und sie liebt ihren Namen…nur nicht das-e am Ende, welches wir nicht sprechen und sie mittlerweile beim Schreiben boykottiert. Aber sei es drum…

    Ich habe mich damals für diesen Namen entschieden, weil ich keinen „Sammelbegriff“ für mein Kind wollte.
    Sie ist etwas sehr besonderes und ich wollte einen besonderen Namen für sie.
    Ich bin sehr froh und immernoch sehr glücklich mit meiner Wahl.
    umd ich hoffe, dass es meine Gwendoline auch immer sein wird.

  6. Gwenkay04 sagt:

    Ich heiße auch gwendolin

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