Treffen mit Bert Stern

Er begegnet mir jeden Morgen in unserem Bad. Jeden Abend auch. Da ist es nur logisch, dass ich endlich über ihn schreibe. Bert Stern war ein amerikanischer Mode- und Werbefotograf und verstarb – im Alter von 83 – vor drei Monaten. Bevor es allzu spooky wird: In unserem Bad hängt eines seiner berühmtesten Fotos von der sogenannten „Letzten Sitzung“ mit Marilyn Monroe, mit dem großgedruckten Namen Sterns darunter.

Eigentlich hieß er zwar Bertram, aber egal. Der Name Bert Stern, den ich so oft sehe (und im Geiste deutsch spreche), fesselt mich. Nur je eine Silbe für den Vor- und Nachnamen, dazu gleich drei Buchstaben, die sowohl vorn als auch hinten auftauchen. Eigentlich schlägt diese Kombination munter in den Wind, was oft empfohlen wird: bei kurzen Nachnamen möglichst längere Vornamen wählen. Oder Zweitnamen dazwischenschalten. Und doch – Bert Stern klingt. Richtig gut. Finde ich zumindest.

Robin HoodVor einiger Zeit las ich in einem Forum von einer Dame mit Nachnamen Kirsch, die ihre Tochter Pia zu nennen plante, das als zu dürftig empfundene Resultat aber noch mit einem zweiten Vornamen aufwerten wollte. Warum bloß?! Sicher kommt es auf den Einzelfall an. Für meinen Geschmack sind Stern und Kirsch besonders hübsche, positiv besetzte Namen, die es gut vertragen, wenn sie durch einen gleichfalls kurzen Vornamen akzentuiert werden. Ein Tim Rau zum Beispiel gefiele mir gleich viel weniger, der Eindruck des allzu Mageren („Drei Buchstaben – mehr hatte man nicht für ihn übrig“) und Stakkatohaften überwiegt. Oder eine Ela Lux: Da könnte es sogar zu Missverständnissen kommen („Frau Elalux – und der Vorname?“). Als völliger Fehlgriff erscheint mir der Name des neuen Werder-Trainers Robin Dutt – der legendäre „Held in Strumpfhosen“ lässt grüßen.

Ach ja: Viele Menschen wechseln im Laufe des Lebens ihren Nachnamen. Meine frühere Kollegin Ina (Mädchenname: vielsilbig) kam so zu einem einsilbigen Nachnamen, den sie für sich eigentlich zu knapp fand. Doch was sollen die armen Eltern noch alles im Blick behalten?! Natürlich bleibt das jedem selbst überlassen. Als Namens-Schreiberling gebe ich gerne Gedanken weiter, die für suchende Eltern hoffentlich hilfreich sind, die diese aber auch beherzt gegen den Strich bürsten können. Hauptsache stimmig – für die Eltern.

Thema: Namensgebung

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

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