Wovor William warnt – neuer „Namensabratgeber“ bei Rowohlt

Nach dem königlichen Willem und dem traditionsbewussten Wilhelm jetzt noch ein William, der die Namensszene aufmischt: Kann das Zufall sein?! Keine Ahnung. Jedenfalls hat William Wahl, Sänger und Songwriter des Kölner A-cappella-Ensembles Basta, soeben bei Rowohlt einen „Namensabratgeber“ veröffentlicht. „Ernst beiseite!“ versammelt „500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten“.

Und Wahl setzt noch einen drauf: mit www.chantalisator.de, einer App zum „Chantalisieren“ von Namen – für mehr „Exotik und Originalität“. Musste ich natürlich gleich mal probieren: Aus Annemarie wird Ann-Zoë. (Und aus Knud, nur so als Beispiel, überraschenderweise Kingsten-Dylan.) „So wie Männer früher eine Kneipe aufmachen wollten, denken sie sich heute Apps aus. Ich bin da keine Ausnahme“, kommentiert der 39-Jährige seine Kreation im Interview.

Ernst beiseiteVor allem aber dient die App als Appetizer für seine von A bis Z geordnete, von Exkursen und Bildchen aufgelockerte Namenssammlung. In diesem Buch bekommen sie alle ihr Fett weg: die überstrapazierten Klassiker („Möchte ich, dass mein Sohn ein blasierter Langweiler wird, nenne ich ihn Alexander“), eher Elaboriertes wie Ruben („ein Name für Arztsöhne, kleine verwöhnte Bengel in Hollister-Pullovern“), ungünstige Exoten, zum Beispiel Soledad (spanisch „Einsamkeit“), sowie diverse Fälle von Chantalismus/Kevinismus, auf einen Blick erkennbar durch einen entsprechenden Stempel. Spannende Fakten (Wussten Sie, dass der Name Vanessa von Jonathan Swift erfunden wurde?) wechseln sich ab mit gnadenloser Subjektivität zum Schmunzeln.

Auch wenn man in vielen Punkten geteilter Meinung sein kann (ich persönlich denke ja, dass Cedric durch die Weihnachtsschmonzette „Der kleine Lord“ in Mode gekommen ist und nicht erst durch jene smarte Nebenfigur bei „Harry Potter“): Ich habe mich rund um mein Lieblingsthema gut unterhalten gefühlt. Wenn Sie sich jetzt fragen, ob Sie Ihre Lieblingsnamen vor der Vergabe schnell noch in „Ernst beiseite!“ nachschlagen sollten: Schaden kann das sicher nicht. Wer mag, kann das Buch aber auch frech entgegen seiner Intention als Ideengeber benutzen (William Wahl: „Eigentlich eine gute Idee!“). Mir jedenfalls gefallen einige von Wahls Anti-Namen auch nach der Lektüre noch sehr gut: Cortina, Davina (trotz der Geissens!), Perdita, Erika, Floriane, Gerda und andere. Ruben auch!

William Wahl – Ernst beiseite!: 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten
rororo Verlag
ISBN 978-3-499-63040-8

Thema: Namensbücher

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

9 Kommentare zu "Wovor William warnt – neuer „Namensabratgeber“ bei Rowohlt"

  1. Anonymous sagt:

    Danke für den informativen Beitrag! Hört sich nach einer guten Ergänzung zu den klassischen Namensbüchern an.
    Bei mir funktioniert der link zur homepage nicht.

    • Anonymous sagt:

      Gern geschehen 🙂 Der Link sollte jetzt wieder gehen, vielen Dank für den Hinweis!

  2. Jantje sagt:

    Der Link ist ganz furchtbar… da kann man glatt eine halbe Stunde vertrödel 😛 Aus Jantje wird übrigens Lana-Venice… da wäre ich zwar nie drauf gekommen, aber ich bin fast begeistert 😉

  3. Elisabeth sagt:

    Ich habe den Link ausgiebig ausprobiert und mich kaputt gelacht….

  4. Kati sagt:

    Stimmt, der Link ist fies!
    Ich habe sämtliche Namen aisprobiert und mich schlapp gelacht.
    ach ja statt Katerina bin ich nun CATALEYA-QUIRINA und aus meinem Freund Kjell Kristian wurde KINGSTEN-KRYS.
    Lustiger Zeitvertreib!

  5. nomen sagt:

    Macht mich das zum Weirdo wenn ich den Chantalisator unterhaltsam finde?
    😉

  6. elbowin sagt:

    Ich habe das Buch jetzt … ich finde es gehört in die Kategorie Humor, nicht Namensbuch. Wer Molwanien mag, wird auch dieses Buch toll finden. Leider ist der Humor etwas vorhersehbar und nach dem Buchstaben B verschwindet der Witz … man sollte das Buch vielleicht nicht in einem Rutsch lesen.

  7. Jia sagt:

    Ich finde den „Chantalisator“ als Idee an sich ganz witzig, leider war nur die Hälfte der Namen nicht wirklich „schlimm“ chantalistisch.
    Könnte man noch einen draufsetzen, auf jeden Fall…

  8. Elise sagt:

    gäääähn…

    und der Vorsicht Kevinismus- oder Vorsicht Chantalismus-Stempel fehlt bei einigen Namen (wie Jessika, hat er wohl extra auslassen ;)), bei anderen finde ich ihn wieder unpassend.

    So langsam ist die Kevinismus-Debatte echt zum Einschlafen. Wann diese wohl wieder in der Versenkung verschwindet?

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