Balg an Bord

Bei manchen Dingen muss man einfach hinschauen, obwohl man sie selbst keinesfalls haben möchte. Man kennt dieses Phänomen etwa von Klatsch-TV-Sendungen, die immer wieder lustvoll „Reiche und Schöne“ nach offensichtlich missglückten Beauty-OPs vorführen. Mich allerdings zieht etwas ganz anderes mehr in seinen Bann: das Phänomen der Baby-an-Bord-Autoaufkleber mit Namen.

Celine Kevin Kim (Foto: Sparbaby.de)Dabei kann ich gar nicht richtig benennen, warum ich einen solchen Aufkleber niemals wollte. (Mein Mann könnte es: der Lack!) Natürlich bin ich stolz auf unser Kind und ein bisschen auch auf unsere Namenswahl. Aber diese wirklich Hinz und Kunz im Stau auf der A1 zu präsentieren (oder zum Abschuss freizugeben?) – nö, lieber nicht. Um so spannender, wenn andere das tun.

Manches nehme ich einfach nur zur Kenntnis: Emma fährt mit, aha. Warum auch nicht. Doch es gibt auch Namensbekenntnisse, die mich zum Schmunzeln oder gar Lästern (tut ja keinem weh) reizen. Besonders viel Potenzial bieten da in meinen Augen:

  1. Doppelnamen, egal ob mit Bindestrich oder ohne. Man weiß ja, dass zumindest bei Bindestrichnamen die Bestandteile fest zusammengehören. Aber Silbenmonster wie Johannes-Leonid oder Evangelina Jolie lesen sich auf Blech gepappt einfach enorm sperrig und überkorrekt (hätte es „Evi“ fürs Auto nicht auch getan?).
  2. Insbesondere Namens-Zweier, die aus verschiedenen Sprachräumen zusammengepuzzelt sind (Brian Maximilian, Britney Fabienne).
  3. Familienkutschen, auf denen die (womöglich Mehrfach-)Namen diverser Geschwister prangen und die so dem nicht unbedingt gewogenen Betrachter noch die Möglichkeit geben, die Stimmigkeit der Geschwisterkombination zu überprüfen. Neulich gesichtet: ein Auto mit „Mika an Bord“ links und „Mira an Bord“ rechts an der Heckklappe. Na ja, wer’s mag.

Einer schwangeren Bekannten wurde von ihrer Mutter dringend nahegelegt, sich einen Autoaufkleber zuzulegen. Theorie der Oma in spe: Bei einem Unfall würden die solchermaßen informierten Rettungskräfte besonders auf verletzte Kinder achten. Im Zweifelsfall dürfte der Kindersitz aber doch aufschlussreicher sein als ein „Pampers-Bomber“-Sticker. Unbedingt noch erwähnen muss ich den Aufkleber, hinter dem wir vor ein paar Wochen hergefahren sind: „Kein Balg mit Scheißnamen an Bord“ stand da. Ganz schön aggressiv. Aber irgendwie auch witzig.

Thema: Kevinismus

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 8-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

7 Kommentare zu "Balg an Bord"

  1. ruffeltuffel sagt:

    passend dazu gibt es eine sehr schöne Seite im Netz:
    http://chantalismus.tumblr.com/
    Viele Grüße uns schöne Woche,
    ruffeltuffel 🙂

    • Jia sagt:

      Wo leider häufig stinknormale Namen gepostet und lächerlich gemacht werden. Dem Blog geht es schon lange nicht mehr um wirklich „schlimme“ Namen, da wird alles veralbert. Denn wo „Tjaden Finn“ Chantlismus sein soll, weiß ich nicht. Sie sollten die Seite umbenennen in „Ich hab nen Autoaufkleber gefunden und vielleicht ist der Name komisch/lustig/außergewöhnlich“… Ganz klarer Daumen runter für die Seite!

  2. Saphira sagt:

    Im ersten Moment war ich ziemlich geschockt von dem Titel für diesen Blogeintrag, aber dann hab ich gesehen, dass das nur einem Zitat entlehnt ist. Von daher ist es vollkommen im Rahmen.

  3. andreas sagt:

    Auch ich habe einen Aufkleber am Auto. Ich möchte nur darauf hinweisen das der Aufkleber auch einen Sicherheits Aspekt hat. Wenn ihr einen Unfall hab und die Feuerwehr sieht solch einen Aufkleber am Auto wird bestimmt mehr als einmal geschaut ob noch ein Kind bzw Baby im Auto ist. Den es gibt Fälle wo so etwas nicht aufgefallen ist. Ich bin aber auch der Meinung das nicht jeder den Namen vom Kind kund tun sollte. Manchmal haben die Eltern nicht gewusst was sie ihren Kindern antun.

    • Jia sagt:

      Wenn du den Beitrag ganz gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass das auch angesprochen wird. Und auch erklärt, warum es eigentlich doch nicht so viel Sinn macht, wie man vielleicht glaubt.
      Und selbst wenn, würde die o.g. Evangelina Jolie sicherlich auch gerettet werden, wenn sie mit einem kürzeren Spitznamen an Bord ist.

  4. Mirjam sagt:

    So hab ich das noch nie gesehen.. ich mochte die Sticker eigentlich, dachte sie sind dafür da, das hinter-her-fahrende Autos nachsichtiger mit denen vor ihnen sind, weil die naturgemäß vorsichtiger mit Kindern im Auto fahren als ohne.

  5. marco sagt:

    Ich bin auch kein großer Fan von Kinderautoaufklebern. Ob das dann wirklich bei den Rettungskräften einen Einfluss hat, glaube ich nicht. Ich finde Aufkleber im Falle von Werbung sinnvoll. Alles andere sagt mir nicht wirklich zu. Muss aber jeder selbst wissen…

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