Peinlichkeit bei der Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig

Übrigens, die Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig hat ihre Internetpräsenz überarbeitet. Die ist jetzt viel übersichtlicher und schöner als vorher. Auch wer gerade keine Beratung benötigt, findet dort etwas Lesenswertes: Unter „Schon gewusst?“ präsentiert die Namenberatungsstelle einen Überblick über die Geschichte der Namen.

Augustusplatz Leipzig © Marcel Schauer - Fotolia.com

Auch einige Vornamenstatistiken haben die Leipziger veröffentlicht. Unter der Überschrift „Tendenzen der Vornamengebung im historischen Vergleich“ gibt es Listen von Vornamen der 50er, 60er, 70er, 80er und 90er Jahre (noch auf der Seite „Namen-Geschichte“). Die Gruppierung nach alten und neuen Bundesländern wirkt seltsam, denn bis 1990 hieß es noch BRD und DDR. Das aber nur nebenbei, viel ärgerlicher finde ich, dass jegliche Quellenangaben zu den Vornamenstatistiken fehlen. Ich wüsste gern, aus welchen Daten und nach welcher Methode diese Auswertungen erstellt worden sind. Oder zumindest, wo die Listen abgeschrieben worden sind.

Die Schlamperei auf der Seite „Statistiken“ ist noch größer: Keine einzige der drei Tabellen hat eine Quellenangabe. Das reicht doch schon, um eine Statistik unseriös erscheinen zu lassen, warum mussten die Autoren dann auch noch verwirrende Prozentwerte verwenden? In der sogenannten „Vornamenstatistik Deutschlands 2010“ steht neben Maximilian ein Prozentwert von 2,14, in der 2011er-Liste 0,010482787. Vermutlich ist da ein Komma verrutscht; vermutlich bezieht sich der 2010er Wert auf alle männlichen Babys und der 2011er Wert auf männliche und weibliche Babys zusammen. Diese Unterschiede sollten nicht unkommentiert veröffentlicht werden.

„Aus Tradition Grenzen überschreiten“ – so lautet das Leitmotto der Universität Leipzig. Auftrag erfüllt. Die Grenze zur Peinlichkeit hat die Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig überschritten.

Thema: Wissenschaft

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

2 Kommentare zu "Peinlichkeit bei der Namenberatungsstelle an der Universität Leipzig"

  1. Dr. Kremer sagt:

    Hallo Herr Bielefeld,
    schade, dass es dazu gekommen ist, aber Ihre Kritik ist völlig berechtigt. Ich habe eben veranlasst, dass diese Rubrik unserer neuen Homepage „ausgesetzt“ wird. Diese links gehen dann (hoffentlich) ins Leere, was immer noch besser ist. Viele Grüße
    DK

  2. Dr. Zavalla sagt:

    Eine andere Peinlichkeit ist das Kurzgutachten der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig zum Vornamen Emilias. Danach ist Emilias ein litauischer Vorname, der auch im englischen Sprachraum vorkommt. Keine der zitierten Quellen konnte das belegen. Wiederholte Nachfragen bei der Universität Leipzig mit der Bitte um Klarstellung blieben unbeantwortet, so dass das kostenpflichtige Kurzgutachten wissenschaftlich inkorrekt erscheint. Emilias lässt sich stattdessen in der germanischen Heldensage „Wieland der Schmied“ nachweisen. Ämilias ist der untalentierte, neidische Schmied, der im Wettkampf mit Wieland tragisch den Kürzeren zieht.

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