Dreimal Max

Seltene Namen sind vieles: Alleinstellungsmerkmal, Aufreger, Aufhänger für Diskussionen. Bei häufigen Namen dagegen fragt selten jemand nach, „Wie kam es denn dazu?“ oder „Wie lebt es sich damit?“. Dabei können die Antworten spannend sein. Einer der häufigsten Jungennamen in meinem (norddeutschen) Umfeld ist Max, wozu auch diverse zum Teil dann doch abgekürzte Maximilians beitragen. 2011 stand Max auf Platz 14 der beliebtesten Vornamen, Maximilian auf Platz 6. Ich habe mit drei Max-Müttern (plus einem Papa) gesprochen.

Oh je, wir liegen im Trend

Max Nr. 1 wurde 2005 geboren. Seine Mutter Julia hatte seinen Namen „seit jeher im Kopf“. Anton und Ben gefielen ihr zwar auch, waren aber bereits im Freundeskreis vergeben. Sie wollte einen kurzen Namen „wie bei mir und meinem Mann“, der sich gut verniedlichen lassen sollte: Aus Max wurde Mäxchen und dann „Mäxi“. Julias Mann war es wichtig, dass Max auch international funktioniert. Sein eigener Name, Jens, führt leicht zu Ausspracheproblemen.
Max und Moritz
Trotzdem schwankte das Paar im Vorfeld – weil Julias Neffe Moritz heißt. Ihre Schwester war dann auch „etwas konsterniert“, während Moritz, damals fünf, begeistert reagierte. Und die Sache mit der Häufigkeit? „Mir war schon klar, dass Maximilian häufig ist“, sagt Julia. „Aber Max hatte ich viel weiter hinten angesiedelt. Und dann hörte man den Namen plötzlich überall, das fanden wir schon blöd.“ Julia sieht eine Parallele zu ihrem Namen: „1969 musste meine Mutter sich noch Sprüche über Romeo und Julia anhören. Wenig später war Julia dann total beliebt.“

Max mag seinen Namen. In seinem Grundschuljahrgang gibt es keinen zweiten Max, auch im Kindergarten war er der einzige. Sein Bruder (4) trägt dann aber doch einen selteneren Namen, südländisch angehaucht. Auch dieser Name gefiel Julia schon lange, „aber zu Max hätte er nicht gepasst“: Max‘ Augen sind blau, die des kleinen Bruders braun.

Den und keinen anderen

Bei der Namensfindung von Max Nr. 2, Jahrgang 2008, setzte sich der heute 31-jährige Papa Björn durch: „Ich wollte schon immer einen Sohn namens Max, gerne so frech wie sein Name“, grinst er. Die Langform Maximilian wäre ihm viel „zu dröge und kompliziert“ gewesen: „Mein Kind soll keine Probleme beim Schreiben seines Namens haben.“

Mama Ilka (36) war zunächst wenig beeindruckt von Björns Lieblingsnamen. Die Häufigkeit war dabei kein Thema, aber: „Für mich war ein Max dick, sommersprossig und hässlich.“ Ihr gefielen Namen wie Lasse, Hannes oder Fiete. Björn fand Fiete zu außergewöhnlich (2008 Platz 305) und nicht tauglich fürs Erwachsenenleben („Kann man sich einen Börsenhai namens Fiete vorstellen?“). Am Ende stand ein Kompromiss: Sie vergaben beide Namen zusammen, Max Fiete, ohne Bindestrich. Damit sind nun beide „total zufrieden“ und nennen auch meist beide Vornamen zusammen.

Einen weiteren Max kennt auch Max Nr. 2 nicht, nur einen Maximilian. Den Zweitnamen Fiete haben Bekannte mittlerweile schon kopiert.

Ist doch eine tolle Bestätigung

Auch die Eltern von Max Nr. 3, ebenfalls 2008 geboren, hatten sich „schon Jahre vorher“ auf den Namen eingeschossen. „Ich fand die Bedeutung ‚Der Große‘ passend, weil ich selbst groß bin und mein Sohn wohl auch groß werden wird“, sagt Mutter Monika (33). Sie und ihr Mann wollten einen kurzen, knappen Namen, „weil das besser zu unserem langen Nachnamen passt“. Ein Zweitname kam für die beiden keinesfalls in Frage. Für einen weiteren Sohn könnte Monika sich sogar Moritz vorstellen, „ist doch witzig, zwei Lausbuben …“ Eine Schwester würde Marie heißen.

Dass Max in den Namens-Hitlisten sehr präsent ist, wusste Monika. Sie fühlte sich dadurch und auch durch Promi-Kids (die Söhne von Christina Aguilera und Jennifer Lopez) aber nur bestärkt: „Ist doch super, dass unser Name so gut ankommt. Er steht zu Recht so weit oben.“ In den USA kam Max zuletzt übrigens auf Platz 96 (laut Social Security), der Trend weist nach oben. Den Großeltern von Max Nr. 3 gefiel der Name ihres Enkels, der ebenfalls keinen Namensvetter unter seinen Freunden hat, auf Anhieb: „Nicht so überkandidelt wie viele andere Namen“, befanden sie.

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

16 Kommentare zu "Dreimal Max"

  1. Luna sagt:

    Ich mag Max ja, wäre mir aber auch zu häufig. Interessant finde ich übrigens, dass die Eltern, die die Namenswahl so ein bisschen bereuen meist gar nicht die sind, die seltene Namen gewählt haben (so wird es ja gern hingestellt) sondern die, die einen sehr häufigen ausgesucht haben.

    Wenn einen Häufigkeit gar nicht stört, kann man auch gut so einen Namen wählen, wenn man sich aber später ärgert, sollte man sich doch ein bisschen mit den Hitlisten beschäftigt. So oft höre ich „Als wir unsern Finn vor 6 Jahren bekamen, war der noch total selten und jetzt hört man ihn überall“ und so ist es dann eben nicht gewesen.

    Das erste Paar hätte wohl bedenken sollen, dass es auch nicht geholfen hätte, wenn Max wirklich selten wäre, solange Maximilian in den Top 10 ist. Die werden ja sicher meist auch Max genannt, das hilft im Alltag also nicht als Unterscheidungsmerkmal.

    • Annemarie sagt:

      Ich denke, das Finn-war-doch-selten-Phänomen hängt damit zusammen, dass viele zumindest vor dem ersten Kind nicht (z.B. hier ;-)) genauer recherchieren, sondern den Namen mehr aus dem Bauch heraus vergeben. Bestimmte Namen scheinen pro Elterngeneration in der Luft zu liegen, sieht man ja auch bei den Max-Eltern, die alle sagen, den Namen schon lange im Auge gehabt zu haben. Sobald man dann ein Kind hat, erweitert sich das Umfeld durch Krabbel- und Pekip-Gruppen etc. etc. für viele explosionsartig um mehr kleine Kinder – und erst dann bekommt man wirklich ein Gefühl dafür, welche Namen gerade in sind.

      Ich glaube allerdings, dass auch Eltern, die einen seltenen Namen vergeben, erst „danach“ wirklich wissen, wie es sich damit lebt – mit allen Vor- und auch Nachteilen 😉 Sowas lässt sich eben nur schwer simulieren.

    • Wenke sagt:

      Mein Freund heißt Benjamin und wurde 1980 geboren.

      Seine Mama erzählt auch gern, dass der Name damals noch ganz alt war und er im Prinzip der erste Benjamin der Gegend war.
      Schau ich allerdings hier in die Hitlisten, war Benjamin schon sehr weit oben und ein Modename.
      So gab es dann auch gleich drei oder 4 Benjamins im selben Jahrgang. Und jede Mutter dachte, sie hätte den exotischsten Namen gewählt. Die haben sich sicherlich geärgert …

      Damals gab es noch kein Internet, Hitlisten durchforschen ging nicht so leicht …

      Wenke

  2. Wenke sagt:

    Fiete ist in MeckPomm sehr häufig. Den empfinde ich schon lang nicht mehr als ungewöhnlich (wird aber im Süden so sein).

    Max Fiete ist ein SEHR schöner Kompromiss.

    Max hat schon was, ich finde den Namen so eingetragen auch einen Tick schöner als Maximilian (den ich auch mag).

    Allerdings wirken die Namen so unterschiedlich.

    Maximilian: aus gutem Hause, Gymnasiast, Manieren, vielseitig gebildet, Bücherwurm, Theoretiker, musisch veranlagt

    Max: keck, kann zupacken, im Kindesalter in Latzhosen in der freien Natur unterwegs, Fußballspieler

    Wenke

    • Knud sagt:

      Ja, Fiete ist zur Zeit der typische MeckPomm-Jungenname, anderswo ist er noch selten. Aber langsam taucht er auch in Schleswig-Holstein häufiger auf.
      Ich bin gespannt, wann die Fiete-Welle Bayern erreicht.

    • Susanne sagt:

      Ich kann mir schon vorstellen, dass irgendwann auch der eine oder andere Fiete in Bayern oder südlichen Gefilden auftaucht, aber vielleicht eher als exotische Ausnahme bei „alternativeren“ Eltern.

      Einen „Fiete Oberhuber“ kann ich mir auch nur schwer vorstellen ….

      Max, Maximilian, Maxim gibt es übrigens bei uns im Kiga (Rhein-Main-Gebiet) einige Male, auch Finn/Fynn.

    • Bayerin sagt:

      Einen Fiete hier in Bayern kann mich mir nur seeehr schwer vorstellen! Ebenso keinen Kjell oder Bjarne.
      Maximilian oder Max hört man aber sehr häufig.

      Mich würde interessieren wie der kleine Bruder von Max-Nr.-1 heißt, ist darüber etwas bekannt?

    • Knud sagt:

      Ehrlich gesagt konnte ich mir bis vor kurzem auch hier in Schleswig-Holstein nicht vorstellen, dass Kinder Fiete heißen …

    • Annemarie sagt:

      @Bayerin: Verständliche Neugier 🙂 Leider möchten die Eltern nicht so gern, dass ich den Namen hier nenne.

    • Hanna sagt:

      Ich (ebenfalls Bayerin) kann mir zwar auch sehr schwer vorstellen, dass Fiete hier auftaucht, muss allerdings auch sagen, dass ich persönlich den Namen sehr schön finde. Ich würde mein Kind, aber wohl eher nicht so nennen (höchstens als Zweitname). Dass solche norddeutschen Namen wie Freya, Finn (vor allem da) oder Finja/Finia hier auftauchen kann ich mir schon eher vorstellen!
      Meine Schwester beispielsweise denkt sogar darüber nach, ihre Tochter Freya zu nennen….
      Ich kenne übrigens allein in EINER KiTa drei Finns und eine Finia.

      LG aus Bayern von Hanna

    • Jan sagt:

      Ich (ebenfalls Bayerin) kann mir zwar auch sehr schwer vorstellen, dass Fiete hier auftaucht, muss allerdings auch sagen, dass ich persönlich den Namen sehr schön finde. Ich würde mein Kind, aber wohl eher nicht so nennen (höchstens als Zweitname).

      Also, ich weiß nicht so recht… Für mich als Niedersachsen klingt Fiete nicht so sehr norddeutsch, sondern Hamburgisch. Und zwar ist er auf der gleichen historisch-stilistischen Ebene angesiedelt wie der Berliner Atze (von Adolf?) – also eine traditionsreiche und oft karikierte proletarisch Kurzform. Man denke an den (frei erfundenen) jugendlich-männlichen Helden Fiete Jansen in dem zweiteiligen DDR-Monumentalfilm „Ernst Thälmann“ („Sohn seiner Klasse“ 1955, „Führer seiner Klasse“ 1956), gespielt von dem für das DDR-Theaterleben als Direktor der Hochschule für Schaulspielkunst Ernst Busch später äußerst wichtigen Hans-Peter Minetti. Ein Hamburger Prolet muß sozusagen Fiete heißen oder mußte das jedenfalls damals.

      Und so nebenbei, und das mag sich jetzt etwas obskur anhören: Manchmal wünsche ich den Bionade-Bourgeoisie-Eltern, die ihren Kindern unbedingt „freche“ Namen verpassen zu müssen meinen, eben keinen knuffig-lustigen Astrid-Lindgren-Frechdachs-Helden, sondern einen schwerst ADHS-gestörten Dauer-Nervbolzen. Ob Kinder frech sein sollen oder dürfen, ist vielleicht eine diksussionswürdige Frage, aber muß das gleich als Aufforderung im Namen festgeschrieben werden?

    • cassis sagt:

      Ich kenne einen in Potsdam geborenen kleinen Fiete. Klingt für meine Begriffe zu sehr nach Spitzname und ja, auch nach Salzwasser, wobei ich letzteres nicht schlimm finde.

    • Maria Th. sagt:

      wie der Berliner Atze (von Adolf?)

      Soviel ich weiß, kommt Atze von Arthur, z.B. Atze Brauner, Filmproduzent.

  3. julia sagt:

    Ich bekomme in 6 Wochen einen Sohn. Wir werden ihn wohl immer Max rufen, aber Maximilian nennen.Ich selber werde mit mittlerweile 32 Jahren immer noch von allen Jule genannt, danke aber doch meinen Eltern, dass sie mich Julia getauft haben.

    Wie kann man denn sein Kind Kjell nennen? Hat für mich keinen Klang.

  4. ruffeltuffel sagt:

    Ich kenne Geschwister, die Max und Paul heißen, jedoch heißt der kleinere Max („der Größte“) und der ältere Paul („der Kleine“)
    Zwar mag ich beide Namen, finde aber diese Zusammenstellung (in der Reihenfolge) schon etwas merkwürdig… 🙂

    • Hanna sagt:

      Das finde ich jetzt schon irgendwie „gruselig“ 😀
      Daran musste ich schon denken, als ich gelesen habe, wie die Mutter von Max Nr. 3 ihre Tochter nennen würde…

      Meine beste Freundin in der Grundschule hieß Marie => Zwillingsbruder: Max => älterer Bruder von Max und Marie: Paul 😀 😀

      LG Hanna

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