Bella liebt Edward … und nicht nur sie!

Ein bisschen gedauert hat es. Aber dann war es unübersehbar: 2010 stiegen die Namen Edward und Bella auf Platz 320 und 351 in die deutschen Top 500 ein. Vier Jahre nachdem die Übersetzung des ersten Bandes von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga, „Bis(s) zum Morgengrauen“, Teenager ebenso wie ihre Mütter verzückt hatte. Vorausgegangen war im Jahr 2009 eine wahre Vampir-Offensive: Gleich zwei „Twilight“-Filme kamen in die deutschen Kinos, und der letzte Band der Liebesgeschichte um den Edel-Vampir Edward und das etwas verhuschte, aber äußerst attraktive Menschenmädchen Bella ließ die Kassen klingeln.

Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht (Teil 2) © Concorde

Wie sich die Namen wohl nach dem Ende der Saga machen (der letzte Teil startet am 22.11. in den Kinos)? 2011 fiel Edward wieder um einige Plätze, während Bella es knapp in die Top 300 schaffte. Schade, dass nicht auch die Aussprache von Edward (deutsch, englisch, denglisch?) miterfasst wird. Vor allem aber drängt sich die Frage auf: Wer nennt sein Baby nach einem (zwar halbwegs zahm von Tier- statt Menschenblut lebenden) Vampir, der erotische Phantasien entfacht? Wobei, vielleicht kam so mancher stillenden Mutter schon mal ein „Kleiner Vampir“ in den Sinn. Und äußerste Verzückung ruft der Anblick des Nachwuchses auch gern hervor.

Gentleman-Vampir Edward hat (für viele) das gewisse Etwas, was offenbar auf den Namen übertragen wird oder dessen lange verkannten Wohlklang ins rechte Licht setzt. In den 50ern erfreute Edward sich schon einmal gewisser Popularität, die ihn fast bis in die Top 100 trug. Ob das an Edward von Windsor (von Edward & Wallis) lag – oder noch an der Besatzungszeit? Jedenfalls wurde es danach still um Edward, woran auch „Edward mit den Scherenhänden“ 1991 nichts zu ändern vermochte.

Und heute? Verwandeln sich gutbürgerliche Mittdreißigerinnen in quietschende Teenies bei der Vorstellung, ein Kind könnte Edward genannt werden: „Boah!!! Ein Edward!!! Das wäre ja sooo toll!!! Meinen Mann könnte ich davon wohl leider nie überzeugen.“ (O-Ton aus einem Mütterforum) Einen englischen „Edword“ wollen diese Damen allerdings nicht und sinnieren deshalb darüber, skandinavisch Edvard mit v zu schreiben. Dabei sollte das eigentlich gar nicht nötig sein. Der Namensforscher Tileman Dothias Wiarda (1799) ordnet Edward jedenfalls unter die „echt germanischen Namen“ ein (und wir sagen ja auch nicht „Hildegord“ oder „Gerhord“).

Doch nicht nur Edwards Stern leuchtet. Isabella (Bellas richtiger Name) kletterte seit Beginn der Saga von Platz 126 auf zuletzt 55. Sicher kein Zufall, zumal Isabella in der „Twilight“-Heimat USA 2009 sogar erstmals Platz 1 der Hitliste einnahm. Edwards Vampirgeschwister Rosalie und Jasper konnten ebenfalls gewisse Popularitätsgewinne verbuchen. Bei Edwards Konkurrenten in Sachen Liebe, Werwolf Jacob, ist Ähnliches kaum festzustellen, der Name (auch als Jakob) war schon vorher äußerst beliebt.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, sich als Reaktion auf die Namensverkündung aber nicht „Ah, wie der Vampir!“ wünscht: Wie wäre es denn mit Eduard (mit zuletzt Platz 353 gar nicht mal so out)? Oder mit Edzard, Edgar, Edwin, Egmont bzw. Isadora, Isalie, Hella oder Yella? Übrigens: Der nächste Hausfrauen-Hype greift mit den „Shades of Grey“-Büchern schon längst – und diesmal viel deftiger – um sich. Wer beim Namen Anastasia nur an eine Zarentochter denkt und bei Christian an den Schulfreund von einst, outet sich als ahnungsloses Seelchen …

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Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 8-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

3 Kommentare zu "Bella liebt Edward … und nicht nur sie!"

  1. Schtroumpfette sagt:

    Es ist echt bemerkenswert wie viele künftige Eltern sich von Film- oder Serienfiguren oder auch Romanhelden bei der Namenswahl für die eigenen Kinder beeinflussen lassen. Andersherum ist es interessant, wie sehr man Namen mit Film- oder Serienfiguren oder auch Romanhelden verbindet.
    Ich kenne die Twilight-Saga gar nicht (nur vom Hörensagen) und verbinde daher Edward mit einer anderen Filmfigur eines einst bzw. immer noch sehr bekannten Films: Pretty Woman. In diesem Film von 1990 heißt doch der reiche Geschäftsmann, der sich in die Prostituierte Vivian Ward verliebt, Edward Lewis. Vivian schwärmt in dem Film auch vom Namen Edward.
    Ich empfinde Edward als einen doch recht bekannten und bodenständigen Namen. Daher würde ich aufgrund der Twilight-Saga nicht vermeiden den Namen zu vergeben. Die Koseform Eddi/Eddy finde ich übrigens super! Die im Artikel vorgeschlagenen Alternativen zu Edward finde ich auch ganz gut.

    • lyn sagt:

      für mich ist edward immer „edward mit den scherenhänden“ 😉

      würde momentan den namen aber nicht vergeben, weil so viele an twilight denken.

  2. steffinskiie sagt:

    Kaum zu glauben aber wahr.

    2011 wurde in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Ingolstadt ein Kind „komplett“ nach dem Vorbild von Twilight „Edward Cullen“ xyz benannt.

    Das finde ich dann doch etwas zu viel.

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