Namen ohne Verfallsdatum

Verfallsdatum © shootingankauf - Fotolia.comEmmas sind 94 oder 4, aber wohl kaum 44. Jordan-Joelles sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich minderjährig, ebenso wie Milas und Finns. Was tun, wenn man nicht möchte, dass dem gewählten Namen automatisch ein bestimmtes Alter zugeordnet wird? Wenn man sich den Emilisten (lieben alte Namen) nicht zugehörig fühlt – und den Kevinisten oder Chantalisten (mögen’s neu und nicht deutsch) schon mal gar nicht? Ich sehe da drei Möglichkeiten:

1. Man nehme einen zeitlosen Klassiker. Einen Namen, der sich gleich über zwei Generationen hinweg ungebrochener Beliebtheit erfreut, den Eltern von heute ebenso tragen wie Neugeborene. Zum Beispiel

  • Julia (2011 auf Platz 27, 1975 auf Platz 8),
  • Anna (Platz 4 vs. Platz 32) oder
  • Nina (Platz 63 vs. Platz 31).

Bei den Jungen:

  • Alexander (2011 auf Platz 19, 1975 auf Platz 7),
  • Jan (Platz 20 vs. Platz 10),
  • Florian (Platz 35 vs. 26) oder
  • Daniel (Platz 50 vs. 20).

Bei Annika, Eva, Jana, Jasmin und Katharina ist die Generation der Namensträgerin ebenfalls nicht erkennbar. Entsprechend haben sich auch Adrian, Benjamin, Dominik, Fabian, Julian, Nico, Nils, Philipp, Sebastian, Tim und Tobias offenbar so bewährt, dass sie es nicht nötig haben, „Generationen zu überspringen“. Eher erwägen Mütter, das Söhnchen ebenso zu nennen wie ihre erste große Liebe. Bei den Jungen scheint es etwas mehr „All-time Favourites“ zu geben als bei den – stärker Moden unterworfenen? – Mädchennamen.

2. Man nehme einen Namen fernab von Hypes. Schauen Sie doch mal, was für Perlen Sie jenseits von Platz 60 in den Hitlisten finden. Platz 60 deshalb, weil sage und schreibe jedes zweite hierzulande geborene Kind einen davor platzierten Namen trägt. Meiden Sie dabei neue Modenamen (Joelina, Lenny) und fragen Sie sich, ob Ihr Fund womöglich in einer früheren Generation sehr häufig war (was nicht schlimm wäre, aber wir wollten ja was Zeitloses). Heißen diverse ehemalige Mitschüler von Ihnen so, oder Kegelfreunde Ihrer Eltern? Ein Check auf beliebte-Vornamen.de beseitigt letzte Unklarheiten. Die Sache ist die: Was nie richtig in war, wird auch nicht so leicht out. Man überhört sich nicht so schnell daran. Der Name Marius wäre für mich so ein Fall – oder bei den Mädchen Miriam. Dagegen wirken Trägerinnen des Topnamens Mia in fünfzig Jahren (vermutlich!) ebenso „mittelalterlich“ wie heute Damen namens Petra oder Gabi.

3. Man werde kreativ. Aber mit Bedacht. Wer gewisse Regeln beachtet, hat durchaus Chancen, mit einem selbst kreierten Unikat durchzukommen. Ich weiß zum Beispiel von einem jungen Mann namens Righolm, was wohl so schön skandinavisch klang, dass der Standesbeamte da keine Problem sah. Überhaupt bieten die Hitlisten anderer Länder so manche Inspiration. Ich würde allerdings bei deutschen Nachnamen immer zu Vornamen raten, die so gesprochen werden, wie es ihr Schriftbild nahelegt. Sehr interessant finde ich persönlich Namen aus der romanischen Schweiz (Seraina, Andrin, Linard); auch wenn man sie (natürlich) nicht genauso sprechen kann wie ein Schweizer. Vorsicht ist allerdings geboten bei allzu überladenen Multikulti-Kombinationen, womöglich notdürftig zusammengehalten von einem Bindestrich – womit wir wieder bei Jordan-Joelle wären …

Thema: Namensgebung

Autor:

Freunde und Kollegen von Annemarie Lüning kennen das schon: Bei Plaudereien mit der Mutter einer 9-jährigen Tochter landet man überdurchschnittlich oft beim Thema Vornamen.

23 Kommentare zu "Namen ohne Verfallsdatum"

  1. Anonymous sagt:

    Ich finde, Jakob ist auch so ein Klassiker, oder?

  2. Jelka sagt:

    Aber die oben aufgezählten Beispiele für zeitlose Klassiker sind doch eigentlich auch nur Namen die vor ca 30 Jahren in Mode waren und seitdem gängig sind – nur halt nicht mehr so häufig. Vor 40 oder 50 Jahren wären doch Julia oder Florian als aussergewöhnlich aufgefallen. Wirklich zeitlos finde ich von der Aufzählung nur Alexander.
    Für mich wären zeitlose Namen eher so was wie : Christoph, Martin, Robert oder Anne, Maria, Friederike.

    • Das hängt von der Definition von „zeitlos“ ab 🙂 Meine war: Eltern & Babys von heute. Julia und Florian waren auch vor 40 Jahren schon in den Top-100. Dagegen höre ich Christoph, Martin, Robert … zumindest im norddeutschen Raum als Erstnamen für kleine Kinder derzeit recht selten. Maria (und weitere?) gehört speziell in Süddeutschland zu den Klassikern.

  3. ;-) sagt:

    Finde auch das ist Definitionssache.Es ändert sich auch wieder mit den Jahren.

  4. Jelka sagt:

    hm, meine Definition von zeitlos wäre min ein Menschenalter, nicht nur 1 Generation 😉
    Meistens sind das ja dann auch Namen, die man eben nicht so oft an Kleinkindern hört, aber die auch bei einem Kleinkind nicht befremdlich wirken. Ein 5 jähriger Robert würde nicht weiter auffallen, ein 5 jähriger Norbert schon. Wie alt ein Christoph oder eine Maria sind, lässt sich aber weder in Nord- noch in Süddeutschland am Namen festmachen. Die waren in eben nie Typisch für eine bestimmte Generation.

  5. Cassis sagt:

    In meinen Augen/Ohren sind zeitlos:
    Für weibliche Wesen Anna, Maria, Johanna, Katharina, Clara/Klara, Elisabeth
    für männliche Johannes, Michael, Martin, Paul
    Da kenne ich jeweils Menschen unterschiedlichsten Alters, die so heißen.

    • iocaste sagt:

      Das stimmt nicht ganz. vor 40 – 70 Jahren heute niemand Clara, Johanna, Katharina oder Paul heißen wollen. Das waren Namen von alten Leuten, die erst Später wieder in wurden.

  6. Mirjam sagt:

    Ich heiße Mirjam! aber die meisten Namensverwandten, die ich kenne, sind in meinem Alter.. so zwischen 20 und 30.

    Christoph und Maria finde ich auch zeitlos. Robert kenn ich einen, der ist jetzt 18, den kannte ich aber schon als Kind deswegen kommt er mir so normal vor für Kinder und für Erwachsene. Elisabeth, Anna, Michael und Martin’s sind auch in Eltern & Kinder Generation vertreten. Ein kleiner Paul wär mir aber noch nicht untergekommen. Dafür denk ich bei Erik immer an Kleinkinder oder an „Berühmtheiten“ wie das Phantom der Oper und der Prinz aus Arielle die kleine Meerjungfrau. 🙂

    • Cassis sagt:

      Kleine Pauls gibt es momentan doch wie Sand am Meer, jedenfalls weiß ich von einigen.
      Eric (mit einem c geschrieben) heißt mein Cousin, geboren 1991.
      Und eine Miriam (i, kein j) war in meiner Klasse, wie ich 1985 geboren. Ich mag den Namen nach wie vor, sie war in unserem Alter aber die einzige. Jetzt habe ich kürzlich von einer Zehnjährigen gehört, die so heißt.

    • Em sagt:

      Ich mag den Namen Mirjam auch sehr gerne. Jedoch gingen damals in meine Klasse gleich 3 Miriams. Sie waren teils noch verschieden geschrieben (kriege nichtmehr zusammen wie), was die Sache nicht gerade leichter mache. Sowas ist auch sehr regional verschieden. In der Grabbelgruppe eines Sohnes einer Freundin sind derzeit gleich zwei Martins, letztes Jahr geboren. Dabei ist der Name deutschlandweit doch eher selten. Neulich hörte ich in meiner Stadt einen Vater seine kleine Tochter sogar Martina rufen. Hier scheint der Name wohl nach wie vor noch „in“ zu sein. Jedoch kenne ich momentan in meine, Alter (Jahrgang 84) keinen Sebastian persönlich, dabei war dieser Name in meinem Alter sogar suf Platz 1. das ist so eine Sache mit der Statistik…

  7. Kathleen sagt:

    Zeitlose Namen sind für mich welche, die schon seit Hunderten von Jahren immer wieder auftauchen, mal mehr mal weniger häufig. Ich denke da z.B. an Namen aus der Bibel. Wir suchen momentan noch nach einem klassischen Namen für unser Baby und so einen „alten“ Namen könnte ich mir sehr gut vorstellen.

  8. Jakob sagt:

    Irma,Freda und August findet man oft am Wiener Zentralfriedhof.
    Super Namen

    • Jan sagt:

      😀

      Also, der Wiener Zentralfriedhof dürfte wirklich eine grandiose onomastische Quelle sein 😀 – so wie er ja auch untrennbar mit der Außenwahrnehmung Wiens verbunden ist und wohl (gemeinsam mit Père Lachaise und dem Tal der Könige) der bekannteste Friedhof der Welt ist… 😉

    • Maria Th. sagt:

      Am Zentralfriedhof is Stimmung! 😀
      Es lebe der Zentralfriedhof und alle seine Toten!
      https://www.youtube.com/watch?v=Prloh05Np4U
      Text:
      http://www.totentanz-online.de/medien/musik/ambros.htm

    • Jan sagt:

      Hähä, ja! 😀

      (Der Text ist auch unter dem Youtube-Video – Klick auf „Mehr anzeigen“)

      Ich habe mal mit zwei Ösis (einer aus Wien, einer aus Niederösterreich) in engerem Kontakt gestanden, die sich oft einen (selbstironisch gebrochenen) Jux daraus gemacht haben, diese berühmten Wiener Totentanz-Kult sowohl zu prolongieren als auch intellektuell zu reflektieren.

      Also diese einzigartige Mischung aus späthabsburgischer Dekadenz, Untergangsgewißheit, etwas Obszönität, Schnodderigkeit, rattig-gutem Humor, Katholizismus und Unbeeindruckbarkeit.

    • Jan sagt:

      Und da ja eben nun der Weltuntergang nicht stattgefunden hat, kann ich das hier nicht verkneifen: Gibt es eigentlich Friedhöfe in Deutschland, die auch nur ansatzweise so bekannt wären oder im Kollektivbewußtsein die Position einnähmen wie der Wiener Zentralfriedhof?

      Der Melaten-Friedhof in Köln.

      Der „Friedhof der Sozialisten“ in Berlin-Friedrichsfelde. (Aber das ist meine politische Schiene…)

      Die Kaiser-Gräber im Dom zu Speyer, über die George gedichtet hat.

      Hamburg-Ohlsdorf…

      Aber das zieht alles nicht mit der Aura gleich, die der Wiener Zentralfriedhof nun einmal hat. 😀

  9. Gabriele sagt:

    Also ich heiße, wie man lesen kann Gabriele und mittlerweile Großmutter, aber ich finde diesen Namen schön und auch klassisch, ein biblischer Namen, in den 50igern gab es noch viele germanische Namen, die waren nicht erwünscht von meine Eltern…. Gabi gefällt mir nicht, aber es geht zur Not,Meine Gromutter nannte mich Gabuli, das möchte ich….

  10. Chiocciola sagt:

    Als „zeitlos“ würde ich am ehesten Namen bezeichnen, von denen es in jeder Generation eine nennenswerte Zahl an Namensträgern gibt, ohne dass sie mal „Modenamen“ gewesen sein müssen.

    Zeitlose Namen wären für mich z.B.:
    Martin, Peter, Christian, Christoph, Andreas, Felix, Philipp, Thomas, Tobias, Josef, Matthias

    Maria, Elisabeth, Eva, Silvia, Esther, Felicitas, Cornelia, Isabel/Isabelle/Isabella,

    (ist jetzt eine unräpresentative Auswahl – was mir gerade dazu eingefallen ist und unabhängig von der Häufigkeit).

    evtl. auch noch Anna, Katharina, Sebastian, Simon, Miriam, Veronika, Victoria

    Julia, Alexander, Maximilian, Jan, Florian und Daniel würde ich schon eher unter „zeitweise Modenamen“, wenn auch lange währende, einsortieren.

    • Jan sagt:

      Na, es scheint mir wiederum schwieriger:

      Martin, Peter, Andreas, Thomas, Christian und Matthias – die sind so alt wie ich, also um die fünfzig. Philipp, Tobias, Sebastian, Simon und Felix sind zehn Jahre jünger. Josef ist katholisch, gab es in meiner Generation bei uns überhaupt nicht.

      Auch keine einzige Maria oder Elisabeth. Esther, Miriam, Sarah und David haben rotgrüne Eltern. (Ich hätte Esther geheißen, wenn ich ein Mädchen geworden wäre.) Auch Pauls gibt es in meiner Generation nicht. Maximilian? Ebenfalls in Norddeutschland kaum vorstellbar.

      Mir fiele einfach kein Name ein, der in Deutschland wirklich massenhaft und kontinuierlich und generationsübergreifend und regionsübergreifend verwendet worden wäre.

  11. Chiocciola sagt:

    Ich meinte mit “ zeitlos“ auch nicht „massenhaft generationsübergreifend“ verwendet, sondern überhaupt generationsübergreifend verwendet. Also so, dass man vom Namen nicht auf den Geburtszeitraum schließen kann.

  12. Mara sagt:

    Miriam ist mittlerweile ein ziemlich häufiger Name.

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