44, Scotland Street

Aus einem Fortsetzungsroman in der Tageszeitung „The Scotsman“ über das Leben einiger (fiktiver) Einwohner der schottischen Stadt Edinburgh ist eine erfolgreiche Buchserie geworden. So erfolgreich, dass mittlerweile vier Bände sogar ins Deutsche übersetzt worden sind: Die Rede ist von „44, Scotland Street“ von Alexander McCall Smith und der Star der Serie ist Bertie, ein fünf Jahre alter Junge, der Saxophon spielt und italienisch lernt. Statt Yoga zu machen würde er viel lieber mit anderen Kindern spielen, aber seine Mutter ist sehr ehrgeizig …

Auch in der Schule hat es Bertie nicht immer leicht, wie wir im vierten Band „Tür an Tür in der 44 Scotland Street“ erfahren:

„Bertie hat jetzt einen kleinen Bruder. Und wie heißt er, Bertie?“

Bertie senkte den Blick auf seinen Tisch. Es gab keinen Ausweg, jedenfalls keinen, der ihm ersichtlich gewesen wäre.

„Ulysses“. sagte er.

Tofu, der Bertie die ganze Zeit angestarrt hatte, sah jetzt weg und kicherte.

„Tofu“, sagte Miss Harmony. „Ulysses ist ein sehr feiner Name.“

Tofu sagte nichts.

„Ja“, sagte Miss Harmony. „Und wir lachen nicht über die Namen anderer, nicht wahr, Tofu? Besonders …“ Sie zögerte. Es war so verlockend; ja, einfach unwiderstehlich. „Besonders wenn man selbst Tofu heißt.“

„Tofu ist ein doofer Name“, sagte Olivia. „Das ist dieses grässliche weiße Zeug, das verschrobene Leute essen. Es ist ein doofer Name. Ich würde auf jeden Fall viel lieber Ulysses als Tofu heißen.“

Vornamenfans kommen in einer weiteren Episode auf ihre Kosten. Hier hat die Romanfigur Julia eine originelle Babynamen-Idee:

… dies war der allererste Tag, an dem sie den Test durchführen konnte nach jener ersten leidenschaftlichen Begegnung, als sie ihm gezeigt hatte, wie man die Dusche bedient. Ausgerechnet an so einem ungewöhnlichen Ort war es geschehen! Doch wie reizend, dachte sie. Wenn es ein Mädchen sein sollte – was sie stark hoffte –, dann könnte sie sie vielleicht Doccia nennen, was italienisch für Dusche war. Es war ein sehr hübscher Name, fand sie – Doccia Anderson; aber nein, es könnte dem armen Kind später einmal unangenehm sein. Man wollte ja schließlich nicht, dass ein Kind wusste, dass es seinen Ursprung in einer Dusche genommen hatte; man wusste einfach nicht, welche Auswirkungen das haben würde.

Zitate aus: Tür an Tür in der 44 Scotland Street, Roman von Alexander McCall Smith, erschienen im Heyne Verlag.

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

1 Kommentar zu "44, Scotland Street"

  1. coruja sagt:

    Im englischen Original heißt Berties Mitschülerin übrigens nicht Olivia, sondern Olive. Genauso essbar wie Tofu also. 🙂

Kommentieren