Vornamenstatistik 2010 der Gesellschaft für deutsche Sprache

Auch die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat eine Liste über die 2010 in Deutschland am häufigsten vergebenen Vornamen ermittelt. Der wesentliche Unterschied zur Vornamenstatistik von beliebte-Vornamen.de: Die GfdS hat nicht nach Erst- und Zweitnamen aufgeteilt. Dies ist einserseits dem Umstand geschuldet, dass nur ganz wenige Standesämter die Daten derart aufgeschlüsselt übergeben. Andererseits beruft sich die GfdS darauf, dass nach der Gesetzeslage Erst- und Zweitnamen nicht festgelegt, sondern untereinander gleichberechtigt sind und somit der Rufname je nach Lebensumstand beliebig gewechselt werden kann. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass in den meisten Fällen der Erstname der Rufname ist.

Über 330 Standesämter waren an der Ermittlung der GfdS beteiligt (deutlich mehr als in den Jahren zuvor), wobei alle Bundesländer und viele Regionen, die Landeshauptstädte und die meisten Großstädte Eingang gefunden haben. Mit ca. 536.000 übermittelten Einzelnamen wurden so über 50 % aller im Jahr 2010 vergebenen Vornamen erfasst.

Hier die beiden deutschen Vornamenhitlisten im Vergleich:

Mädchen

GfdS beliebte-Vornamen.de
  1. Sophie / Sofie
  2. Marie
  3. Maria
  4. Sophia / Sofia
  5. Mia
  6. Anna
  7. Lena
  8. Emma
  9. Hannah / Hanna
  10. Johanna
  1. Mia
  2. Hannah / Hanna
  3. Lena
  4. Lea / Leah
  5. Emma
  6. Anna
  7. Leonie / Leoni
  8. Lilli / Lilly / Lili
  9. Emilie / Emily
  10. Lina

Jungen

GfdS beliebte-Vornamen.de
  1. Maximilian
  2. Alexander
  3. Paul
  4. Leon
  5. Lucas / Lukas
  6. Luca / Luka
  7. Elias
  8. Luis / Louis
  9. Jonas
  10. Felix
  1. Leon
  2. Lucas / Lukas
  3. Ben
  4. Finn / Fynn
  5. Jonas
  6. Paul
  7. Luis / Louis
  8. Maximilian
  9. Luca / Luka
  10. Felix

Bei den bundesweiten Vornamen-Spitzenreitern fällt auf, dass die Gruppe der ersten 10 Vornamen insgesamt sehr stabil geblieben ist. Lediglich Hannah/Hanna und Luis/Louis sind aufgerückt, die anderen Namen haben ihre Ränge getauscht, an ihrer Popularität jedoch nichts verloren. Marie, mit Ausnahme von 2008 Spitzenreiter seit 1999, hat ihren Platz wieder an Sophie (mit der Schreibvariante Sofie) knapp abgegeben; beide Namen liegen jedoch sehr nah beieinander. Gegenüber den folgenden Namen ergibt sich dadurch nach den absoluten Zahlen ein großer Vorsprung. Ebenso hauchdünn ist der Abstand von Emma zu Hanna/Hannah und von Lukas/Lucas zu Luca/Luka.

Zusätzlich zu der bundesweiten Gesamtliste wurden dieses Jahr Auswertungen nach Bundesländern sowie Nord-Süd- und Ost-West-Vergleiche vorgenommen. Eine ausführliche Gesamtliste der 200 beliebtesten Vornamen und die Platzierungen einzelner Vornamen, auch in einzelnen Städten, Regionen oder Bundesländern, gibt es bei der GfdS.

Als Teil der Sprachberatung hat die Vornamenberatung der GfdS im vergangenen Jahr über 3.000 Vornamenanfragen bearbeitet und somit Eltern geholfen, deren Wunschname für ihr Kind beim Standesamt nicht ohne Weiteres eingetragen werden konnte. Oft handelte es sich dabei um Namen, die hierzulande fremd sind oder deren Geschlecht nicht eindeutig zuzuordnen ist. Ungewöhnliche Namen, die im Jahr 2010 bestätigt werden konnten, waren etwa Laperla, Kantorka, Lelibeth, Belana, Quidan, Loana, Miransah, Monel, Napoleon, Lovelle, Segesta, Kix, Noredien und Nox. Namen, die abgelehnt wurden, waren Leuis, Gihanna, Pfefferminza, Cheraldine, Partizan, Laslo (für ein Mädchen), Idjen (statt Etienne), Menez, Junge und Puppe.

Thema: Statistik

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

5 Kommentare zu "Vornamenstatistik 2010 der Gesellschaft für deutsche Sprache"

  1. Victoria sagt:

    Die Hitliste kann ich nur unterschreiben. Einerseits finde ich alle der Vornamen schön und andererseits habe ich viele der obigen Namen schon in meinen Namensarmbändern für Mamis gehabt 😉

  2. Natalie sagt:

    Tut mir leid, ich muss mal wieder die Senftube zu den „umstrittenen“ Namen drücken:
    Wer will denn bitteschön sein Kind „Junge“ oder „Puppe“ nennen?! Wie gut, dass diese Namen nicht zugelassen wurden…
    Und „Kantorka“ ist doch aus dem Roman „Krabat“ von Ottfried Preussler, mit der Bedeutung „die Vorsängerin“ (also kein richtiger Vorname, sondern nur eine Bezeichnung). So wunderschön ich die Geschichte finde, mein Kind hätte ich nicht so genannt.

    Dann doch lieber einen Namen aus den Top 10, obwohl ich persönlich wirklich allzu häufige Allerweltsnamen auch nicht mag.
    Aber sehr schön, dass sich Menschen die Mühe machen, solche Rankings auszuwerten – immer wieder sehr interessant zu lesen. 😀

  3. elbowin sagt:

    Tja, bei den angenommenen und abgelehnten Namen wundere ich mich.

    Cheraldine ist doch genau in der Preislage der in manchen Kreisen beliebten Bastelnamen und mit Google lässt sich zumindest eine Namenträgerin (eine niederländische Kricketspielerin) auffinden. Und wenn eine amerikanische Schauspielerin Mädchen heißt und Jungens auch Boy heissen dürfen, was führt zur Ablehnung von Junge? (Nicht dass ich mein Kind so nennen würde, aber die Grenzziehung verstehe ich nicht.)

    Bei Segesta, Kix und Nox wundert mich, dass sie durchgingen.

  4. elbowin sagt:

    Für 2010 gibt es jetzt noch eine dritte Hitliste aus Leipzig: Sie sieht der GfdS-Liste ähnlicher (wohl vergleichbare Methodik), weicht aber auch von ihr ab:

    http://www.uni-leipzig.de/~vornam/wcms/index.php?option=com_content&view=article&id=67&Itemid=85

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