Vornamen in Ost und West

In wenigen Tagen feíern wir 20 Jahre deutsche Einheit, da wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass ein Vergleich der Vornamenmoden in Ost und West noch interessant ist. Für Journalisten scheint das aber sehr wohl ein spannendes Thema zu sein – ich hatte jedenfalls in den letzten Wochen diverse Presseanfragen nach getrennten Vornamenstatistiken für West- und Ostdeutschland, zuletzt sogar von einer namhaften Redaktion aus New York City.

So gibt es in diesem Blog schon heute, was die traditionellen Medien zum 3. Oktober verbreiten wollen: Deutschlands beliebteste Vornamen im Jahrgang 2009, getrennt nach Ost und West:

Mädchennamen

Ost West
  1. Lilli / Lilly
  2. Leonie
  3. Hannah / Hanna
  4. Lena
  5. Lea / Leah
  6. Emma
  7. Mia
  8. Emily / Emilie
  9. Nele / Neele
  10. Anna
  1. Mia
  2. Hannah / Hanna
  3. Anna
  4. Leonie
  5. Lea / Leah
  6. Lena
  7. Marie
  8. Emma
  9. Emily / Emilie
  10. Lara

Jungennamen

Ost West
  1. Paul
  2. Lucas / Lukas
  3. Finn / Fynn
  4. Leon
  5. Jonas
  6. Max
  7. Tim
  8. Ben
  9. Felix
  10. Luca
  1. Leon
  2. Jonas
  3. Lucas / Lukas
  4. Luca
  5. Maximilian
  6. Felix
  7. Luis / Louis
  8. Tim
  9. Ben
  10. Finn / Fynn

Quelle: Eigene Auswertung auf der Grundlage von mehr als 100.000 Geburtsmeldungen aus dem Jahr 2009. „Ost“ steht für Geburtsorte, die bis 1990 zur DDR gehörten, „West“ steht für Geburtsorte, die bis 1990 zur BRD gehörten. In Berlin geborenen Babys habe ich überhaupt nicht mitgezählt.

Thema: Statistik

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und erstellt Jahr für Jahr eine Auswertung der beliebtesten Vornamen Deutschlands.

6 Kommentare zu "Vornamen in Ost und West"

  1. elbowin sagt:

    Marie: Der Osten hat von den katholischen Gegenden Deutschlands fast nicht abbekommen, weshalb der Name hier als westlich erscheint.

    Lilly ist vielleicht „ostig“, aber auch hier steht wahrscheinlich ein katholisches Elisabeth der Kurzform Lilly gegenüber.

    In den TOP-10 Mädchen Ost und West sind 8 gemeinsame Namen, der Osten hat noch Nele auf Platz 9 und der Westen Lara auf Platz 10. Im anderen Landesteil sind diese Namen wahrscheinlich auch sehr populär, es hat halt nicht für die „1. Liga“ gereicht.

    Maximilian vs. Max: Der wuchtige Maxmilian ist wahrscheinlich katholisch, der Max ist es eher nicht.

    Ansonsten stimmen die Namen in den TOP-10 Jungens Ost und West überein.

    Fazit: Ein Ost-West-Unterschied in der Vornamenmode ist praktisch nicht feststellbar, wenn man den Faktor Konfession herausrechnet!

  2. elbowin sagt:

    Yep, da habe ich doch glatt Paul und Luis übersehen. Paul klingt eher evangelisch (der Gsangbuchliederschreiber Paul Gerhardt hatte letztes Jahr ein Jubiläum). Luis/Louis klingt wiederum eher katholisch.

    • Lena sagt:

      Paul ist genau wie Maximilian ein lateinischer bzw.altrömischer Name.Wie kommst du dann darauf,dass Paul evangelisch und Maximilian katholisch ist?!

  3. N sagt:

    Und warum jetzt dieses ganze Gerede von katholis ch oder nicht katholisch? Hat das was mit Ost und West zu tun? Verstehe ich den Zusammenhang nicht? Es sind doch genügend Leute nicht gläubig, im Osten und im Westen! Ich glaube nicht, dass das was mit der Namensgebung zu tun hat.

  4. elbowin sagt:

    Die konfessionelle Tradition spielt immer noch eine Rolle, auch bei Eltern die nur noch zum offizellen Einschulungsgottesdienst ihren Kindern zuliebe in die Kirche gehen. Mit Ost und West hat das insofern zu tun, als das in der DDR nur eine kleine MInderheit katholisch geprägt ist, während im Westen die beiden Konfessionen fast gleich groß sind.

    Und in einem mehrheitlich katholischen Bundesland wie Bayern sind dann Maximilian und Sebastian ganz oben und Benedikt in den TOP-30. In Schleswig-Holstein sieht das ganz anders aus, die dortigen TOP-10 könnten glatt aus dem Osten sein 🙂

    Noch krasser wird es bei selteneren Namen: Cosmas, Damian, Korbinian oder Quirin haben ziemlich sicher katholische Eltern.

    • Lena sagt:

      Ich denke,dass in der heutigen Zeit nur noch in Ausnahmefällen Namen auf Grund des Glaubens vergeben werden.Im Mittelalter war es vielleicht so,dass z.b.viele Söhne katholischer Familien nach dem heiligen Joseph benannt wurden und dann 99,9% der Jungs Hans(Variante von Joseph)gerufen wurden,aber heute ist es eher Geschmacks-und nicht Glaubenssache.Bei Maximilian/Max und Paul z.B. sehe ich keinen Unterschied.Schließlich stammen beide Namen aus dem Lateinischen bzw.sind altrömische Namen.Wie soll dann Paul evangelisch und Maximilian katholisch sein?!

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