Von 2. September 2009 4 Kommentare Weiterlesen →

Schwäbische Babys heißen Otto, Kurt und Manfred

Die Schwäbische Zeitung Biberach hat mit der Standesbeamtin Claudia Kurz ein interessantes Interview über die Vornamentrends geführt. Die Redaktion hat mir freundlicherweise erlaubt, den Artikel hier zu veröffentlichen:

Otto, Kurt und Manfred sind nicht etwa gestandene Männer jenseits der 50. Drei niedliche kleine Babys wurden in diesem Jahr beim Standesamt unter diesen Namen registriert. „Der Trend geht zurück zu vielen richtig alten Vornamen“, erzählt die Biberacher Standesbeamtin Claudia Kurz.

Da gibt es gleich drei Georgs, eine Agathe, zwei Babys mit Namen Karl, auch Gisela und Fridolin sind neue Erdensbürger. Manchmal ist es nur der Zweitname, der ein wenig altmodisch klingt, oft ist es aber auch der Erste. Pauls gibt es seit Januar zum Beispiel schon drei neue, der Name gehört längst nicht mehr nur zur Generation Ü-70. „Paul und Pauline – am Anfang haben wir gedacht, dass die Namen furchtbar altmodisch sind – jetzt sind sie wieder hochmodern“, erzählt Claudia Kurz, die eine Vornamensstatistik für die Schwäbische Zeitung erstellt hat.

Sie fügt hinzu: „Wer weiß? Vielleicht gibt es in ein paar Jahren wieder ganz viele Kinder, die Karlheinz oder Günter heißen.“ Auch das ist nicht fiktiv – 2008 wurden zwei Kinder in Biberach unter diesen Namen registriert.

Ein zweiter Trend sind ausländische Namen – auch bei deutschen Eltern. Besonders englische Namen stehen oben auf der Liste: Ein Baby namens Grace gibt es in Biberach, ein anderes heißt Taylor-Jaden, ein drittes Dean. Je ausgefallener, desto besser: Thana, Emanuil, Daila, Dylaila, Eljesa, Fenja, Mailin, Noe, Rochus, Saphira – die Liste der Biberacher Kindernamen, die definitiv immer buchstabiert werden müssen, ist lang. In besonders außergewöhnlichen Fällen zücken die Standesbeamten eine Namensbibel: Das „internationale Handbuch der Vornamen“ verrät, was erlaubt ist und was eben nicht. Aber selbst manche Namen, die nicht dort aufgeführt werden, können vor Gericht – denn dahin gehen Streitigkeiten über Kindernamen in manchen Fällen – standhalten.

„Es gibt Namensberatungsstellen in Deutschland, die Gutachten über Vornamen ausstellen“, erklärt Kurz. Wenn zum Beispiel ein Kind in Hamburg schon unter dem strittigen Namen registriert wurde, stehen die Karten schlecht für das andere Standesamt, das den Namen ablehnen wollte. „Mittlerweile ist fast alles erlaubt“, erklärt die Standesbeamtin. Selbst Lufthilde hielte vor jedem Gericht stand. Die Mehrheit der Biberacher entscheidet sich jedoch für Namen, bei denen Geschlecht und Schreibweise eindeutiger sind als bei Alper, Cian und Dren: Beliebtester Mädchenvorname ist bisher Lena, bei den Jungen führen Leon und Simon die Liste an.

Quelle: Die neuen Erdenbürger heißen Otto, Kurt und Manfred, Schwäbische Zeitung Biberach, 31. August 2009.

Thema: Regional

Autor:

Knud Bielefeld ist Vornamenanalytiker und Betreiber der Website beliebte-Vornamen.de .

4 Kommentare zu "Schwäbische Babys heißen Otto, Kurt und Manfred"

  1. Alexandra sagt:

    Namen wie Otto und Karlheinz begeistern mich für Kinder der heutigen Zeit wirklich nicht besonders. Ich gehe aber mal sehr davon aus, dass die Mädchen Gisela und Agathe (was eigentlich ein sehr schöner Name ist, aber eben nicht zeitgemäß) später dankbar dafür sein werden, dass sie dem Schicksal der armen Dylaila entgangen sind.

    In solchen Fällen denke ich mir oft – und das ist möglicherweise sehr kalt und hartherzig von mir – dass das Internationale Handbuch der Vornamen hier weniger gefragt sein sollte als eine Rechtschreibprüfung für die Eltern. Entweder wissen sie es wirklich nicht besser, dann wird es später für sie ewig peinlich sein wie sie ihr Kind genannt haben, oder sie wollen einfach um jeden Preis auffallen und scheren sich deswegen keinen Pfifferling um die herkömmliche Schreibweise.

    Bin ich übrigens die einzige, die jetzt den ganzen Tag „My, my, my Delilah“ im Kopf haben wird?

    • Es ist wirklich so, dass diese Eltern sich bewusst für eine ungewöhnliche Schreibweise entscheiden. „Weil das Kind etwas besonderes sein soll.“ – das habe ich schon öfter so gehört.
      Wobei die Alltagsprobleme bei einem von vornherein ungewöhnlichen Namen wohl geringer sind als bei einem ungewöhnlich geschriebenen „normalen“ Namen. Ein Leonn wird vermutlich nie richtig geschrieben werden, weil die Schreibweise Leon zu bekannt ist. Bei einem seltenen Namen wird vorher nachgefragt, wie dieser buchstabiert wird.

    • Nezumi sagt:

      Erinnert mich an einen Klassenkameraden, der sich bei jedem neuen Lehrer mit den Worten: „Mein Name ist Dierk – mit I-E !!“ vorstellen durfte.

      Wobei das ja noch was Humorvolles hat. D-Y-L-A-I-L-A muss ja wirklich Buchstabe für Buchstabe genannt werden, wenn nicht andere D-e-l-i-l-a-(h) herauskommen soll.

  2. kristina sagt:

    meine kleine war letztes jahr frauentagskind ud heißt sanja leonie.. kann man eigentlich nicht falsch ´schreiben dafür aber den nachnamen hellfritzsch….

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