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Von 28. September 2008 Weiterlesen →

Namen von vor über 1000 Jahren – Die Fuldaer Mönchsliste

Im frühen Mittelalter, als das Christentum in “Deutschland” (welches es in dieser Form natürlich noch nicht gab) gerade erst Fuß gefasst hatte, funktionierte auch die Namensgebung nach einem anderen Schema, als wir es heute kennen.

Wie dem aufmerksamen Leser sicher nicht entgangen ist, werden die alten germanischen Namen aus zwei Teilen gebildet (s. germanische Namensbestandteile).

Zu welchen für unsere Ohren außergewöhnlichen Formen dies führen konnte lässt sich zum Beispiel der Fuldaer Mönchsliste (aus dem Jahre 781 n. Chr.) entnehmen.

Während Namen wie “Nordberth” (= entspreche heute: Norbert), “Theotmar” (= Dietmar), “Uuolfram” (= Wolfram), “Alupert” (= Albert), “Sigifrid” (= Siegfried), “Gundheri” (= Gunther), “Reginhart” (= Reinhar(d)t), und “Hruodger” (= Roger) auch heute noch geläufig sind, klingen Kombinationen wie “Luitfrid” (= Ludfried), “Eburuuin” (= Eberwin), “Uuerinberth” (= Wernbert), “Theotolf” (= Dietwolf), “Uuolfmar” (= Wolfmar), “Uualthelm” (= Walthelm), “Gerberth” (= Gerbert), “Hruoduuini” (= Rudwin) oder “Richolf” irgendwie bekannt und doch fremd. Die Bestandteile kennt man aus vielen Vornamen, die Zusammensetzungen hören sich aber sehr eigenartig an.

Darüber hinaus gab es wie hier im 8. Jahrhundert Elemente, die innerhalb von 1000 Jahren aus unserer Namensgebung verschwunden sind.

Dazu gehören am Beispiel der Fuldaer Mönche:

“Isanfrid” (~ entspräche etwa “Eisenfried”), “Irminpert” (~ Irmbert), “Muodkis” (~ Mutkis), “Starcheri” (~ Starkher), Helzuuin (~ Helzwin), “Theodgelt” (~ Dietgelt), “Iuncman” (~ Jungmann), “Hunger” (~ also Hun-ger) und “Uueringoz” (~ Werngoz).

Einige heute bekannten Vornamen lassen sich auch der Liste entnehmen, diese sind aber vorrangig griechischer und lateinischer oder biblischer Herkunft:

Iacob, Bendict, C(h)rist(i)an und Gregorius.

Diese sind aber gewaltig in der Unterzahl gegenüber der germanischen Zusammensetzungen. Möglicherweise waren die Vornamen dieser Mönche zu “heidnisch”, also enthielten Elemente der altgermanischen Götter, welche im christlichen Kloster fehl am Platze schienen.

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